Ohne Vielfalt kein gesunder Boden: Der Regenwurm liebt Gesellschaft

Pressemitteilung der Interessengemeinschaft gesunder Boden e.V. vom 12.02.2026

Der Tag des Regenwurms (am 15.2.) wurde im Jahr 2005 weltweit eingeführt, um auf seine Bedeutung für die Bodengesundheit hinzuweisen. Viele Regenwürmer gelten als Zeichen für gesunde Böden und stabile Ökosysteme. Die unscheinbaren Bodenbewohner gelten seit Langem als Schlüsselorganismen der Bodenfruchtbarkeit. In gesunden, humusreichen Böden können mehr als 600 Tiere pro Quadratmeter leben und jährlich große Mengen an neuem Humus bilden. Dieser Humus steht dann unseren Pflanzen als lebendige Wachstumsgrundlage zur Verfügung. Regenwürmer verbessern die Durchlüftung, die Wasseraufnahme und die Durchwurzelbarkeit des Bodens und ihr nährstoffreicher Kot trägt wesentlich zur Bildung von Dauerhumus bei. Auch im Wald übernehmen Regenwürmer wichtige Funktionen, indem sie Streu abbauen, dadurch Humus bilden und Poren schaffen, die das Eindringen von Baumwurzeln in tiefere Bodenschichten erleichtern. Damit erhöhen sie die Wasserspeicherfähigkeit und unterstützen die Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel.

Moderne Landwirtschaft überfordert den Regenwurm

Trotz dieser beeindruckenden Leistungen weist die Interessengemeinschaft gesunder Boden darauf hin, dass der Regenwurm die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft nicht allein bewältigen kann. Immer größere Maschinen, einseitige Fruchtfolgen und der Verlust an Humus setzen Böden zunehmend unter Druck. Verdichtung, geringere Wasserspeicherfähigkeitund ein steigendes Erosionsrisiko sind die Folgen. Zwar beschrieb bereits Charles Darwin die herausragende Rolle der Regenwürmer für die Bodenbildung, doch ihre bloße Anzahl reicht heute nicht aus, um die Qualität eines Bodens zuverlässig zu beurteilen.

Bodengesundheit entsteht durch Vielfalt und Bewirtschaftung

Die Bodenexpertin und Fachbeirätin der IG gesunder Boden, Dr. Andrea Beste, betont, dass auch andere Bodenlebewesen entscheidend zur Bodenstruktur beitragen. Mittelgroße Bodenorganismen sowie Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze schaffen eine schwammartige Struktur mit mittelgroßen Poren, die für Durchlüftung, Infiltration und Wasserspeicherung unverzichtbar ist. Diese Eigenschaften können die von Regenwürmern erzeugten Grobporen nicht ersetzen. Zudem können Regenwürmer selbst in verdichteten Böden vorkommen, weshalb ihre Anzahl kein verlässlicher Indikator für Bodengesundheit ist. Sie sagt: „Moderne Analysemethoden wie DNA-Screenings liefern zwar umfangreiche Daten, doch für Praktiker bleibt die Spatendiagnose weiterhin das direkteste und aussagekräftigste Werkzeug“.

Unbestritten ist, dass nachhaltige, humusaufbauende Bewirtschaftungsformen die Grundlage für gesunde Böden bilden. Maßnahmen wie ausgewogene Fruchtfolgen, organische Düngung, Zwischenfruchtanbau, Mischkulturen oder Agroforstsysteme tragen nachweislich zu einer stabilen Bodenstruktur und einer höheren Klima-Resilienz bei. Je nach Standort müssen diese Strategien unterschiedlich gewichtet werden, doch ihr Nutzen ist wissenschaftlich belegt.

Die IG gesunder Boden engagiert sich seit über zehn Jahren dafür, Wissen aus Forschung und Praxis zusammenzuführen und damit Landwirte bei bodenschonenden Maßnahmen zu unterstützen. Gemeinsam mit dem Regenwurm und dem vielfältigen Bodenleben setzen wir uns auch weiterhin für lebendige, zukunftsfähige Böden ein.

Mehr Info: Interessengemeinschaft gesunder Boden e. V., Lohackerstraße 19 – 93051 Regensburg, T. 0941/30761-68, info@ig-gesunder-boden.de, www.ig-gesunder-boden.de