Agrar-Lobby siegt

Bericht von Wolfgang Ritter (Auszüge aus Pressemeldungen, Presseerklärungen, Eingaben)

Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments wollen die strengen EU- Gentechnikregeln aufweichen; sie einigten sich Anfang Dezember darauf, dass gewisse Transgene künftig ohne Zulassungsverfahren, ohne Risikoprüfung und ohne Kennzeichnungspflicht auf den Markt kommen dürfen. Von Transgenen spricht man, wenn artfremde Gene in eine Pflanze eingebracht werden, wie etwa Gene aus einem Bakterium in Mais. Wenn diese neuen Vorgaben von den EU-Staaten und vom Europäischen Parlament bestätigt worden sind, können wir Verbraucher nicht mehr wissen, was wir essen.
Quelle: Nürnberger Nachrichten vom 5.12.2025

Wahlfreiheit für Verbraucher sichern!
Der Bio-Verbraucher e.V. hatte den EU-Abgeordneten und der EU-Kommission im Mai geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn jetzt zu einer EU-Verordnung für Neue Gentechniken (NGT) wie Crispr/Cas verhandelt wird, haben wir drei Forderungen:

  1. Beibehaltung der Kennzeichnungspflicht für NGT-Organismen vom Acker bis zum Teller
  2. Regeln für eine Koexistenz, die es möglich machen, sicher ohne NGT zu produzieren – etwa durch Standortregister und Abstandsvorschriften
  3. Beschränkung der Patentierung von NGT, um den Züchtungsfortschritt nicht auszubremsen, die Privatisierung der genetischen Ressourcen aufzuhalten

Es darf nicht passieren, dass künftig gentechnisch veränderte Organismen angeboten werden, ohne dass diese für uns Verbraucher als solche erkennbar sind.

Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Ritter/ Vorstandsvorsitzender


Beschluss ist ein trojanisches Pferd
Bioland-Präsident Jan Plagge kommentiert den Beschluss so: „Was uns hier von den Trilog- Verhandlern präsentiert wird, ist ein trojanisches Pferd: Unter dem Deckmantel des Fortschritts schleichen sich Risiken, Abhängigkeit und Konzerninteressen in unsere Felder und auf unsere Teller. Ohne Kennzeichnung und wirksame Begrenzung von Patenten werden Landwirt*innen, Züchter*innen und Verbraucher*innen Opfer leerer Heilsversprechungen zugunsten von einseitigen Konzerninteressen. Und das alles, ohne, dass wir überhaupt wissen, ob die hochtrabenden Heilsversprechen der Neuen Gentechnik überhaupt jemals eintreffen werden. Wir haben in Europa schon häufiger den Fehler gemacht, uns in Abhängigkeiten zu begeben, aus denen wir uns nicht mehr befreien konnten – sei es technologisch oder bei der Energieversorgung. Wie können wir so naiv sein und glauben, dass uns das in diesem Fall nicht wieder auf die Füße fällt? Wenn die Konzerne einmal die volle Kontrolle über Saatgut und Patente und damit über die Ernährungssouveränität Europas übernommen haben, wird es kaum möglich sein, ihnen diese im Nachhinein wieder zu entreißen.“
Quelle: presse@bioland.de vom 04.12.2025

Wir wurden gewarnt
Noch kurz zuvor, nämlich am 26. November war Christiane Lüst, Gründerin der Aktion GEN-Klage, gemeinsam mit ihrem brasilianischen Mitstreiter Prof. Antonio Andrioli vom Bundestagsausschuss für Landwirtschaft und Ernährung in Berlin eingeladen, um über Ihre Eingaben zur Situation der Gentechnik in Deutschland beim UN-Menschenrechtsausschuss zu berichten. Lüst: „Der aktuelle Stand der Diskussion der Deregulierung der Neuen Gentechniken in Brüssel verstößt auch gegen das internationale Carthagena Protokoll zum Schutz der biologischen Vielfalt, das verbindliche Regeln zum Umgang mit Gentechnik aufgestellt hat. Eine Studie des BMZ hat festgestellt, dass der EU-Vorschlag auch damit nicht vereinbar ist. Mit der Einführung der Gentechnik sind diese Rechte verletzt. In Brüssel sollen nun am 3.12.25 Kennzeichnungspflicht, Patentfreiheit usw. wegfallen. Wir reden von einer unwiderruflichen Kontaminierung aller Pflanzen und niemand kennt die Folgen. In vielen Ländern ist die Ernährungssouveränität dadurch schon massiv gefährdet, wie die UNO jetzt auch in Kolumbien auf Basis unseres aktuellsten Berichtes zum Thema vom Frühjahr 2025 festgestellt hat.“
Professor Andrioli berichtete anschließend über die aktuelle Situation und die Erfahrungen mit den in Brüssel diskutierten Neuen Gentechniken in Brasilien:
„Auch die neuen Gentechniken wie CRISPR/ CAS sind in Brasilien gefloppt. Klimaresistente Pflanzen funktionieren mit Gentechnik nicht. Wir forschen grad mit den alten Ur-Sorten und haben festgestellt, dass das, was schon immer da war, am besten klimaresilient ist, weil diese alten Sorten vor allem so ein großes Wurzelwerk haben (das man nicht mit Pestiziden stören und beeinträchtigen sollte), dass sie alle anderen Testpflanzen auch in Bezug auf die Ernteerträge weit überholt haben. So können wir Euch in Europa nach unseren langjährigen Erfahrungen zu diesen Themen nur warnen, es zuzulassen! Gentechnik ist Gentechnik und Gentechnik ist nicht mehr rückholbar. Die ganzen Probleme, die wir und andere Länder wie Kanada, Mexiko, Argentinien mit langjähriger Gentechniknutzung und der nachfolgenden Kontaminierung nun haben, könnt Ihr Euch ersparen! Außer den Konzernen (mit Saatgut, Pestiziden und Patenten) wird NIEMAND davon profitieren. Monsanto, das jetzt ein deutsches Problem ist, hat alleine in meinem Bundesland Rio Grande do Sul nur mit Lizenzgebühren bei gentechnisch verändertem Saatgut in einem Jahr mehr verdient als das, was die Landesregierung in Landwirtschaft investierte.“
Quelle: Pressemitteilung der Zivilcourage gegen Agro-Gentechnik im Landkreis Starnberg vom 03.12.2025, info@zivilcourage-starnberg.bayern

Gentechnik: Bio bleibt sicher
Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) fordert die Bundesregierung auf, im Rat gegen den Trilog-Beschluss zur Deregulierung des Gentechnikrechts zu stimmen. Tina Andres, Vorsitzende des Bio-Spitzenverbands, kommentiert: „Die avisierte Deregulierung widerspricht dem Geist des Gentechnik-Urteils des Europäischen Gerichthofs von 2018, das vom Prinzip der Vorsorge getragen ist. Bio bleibt diesem Geist treu. Wir arbeiten auch in Zukunft ohne gentechnisch veränderte Organismen. Weil wir mit der Natur und nicht gegen sie wirtschaften.“ presse@boelw.de vom 04.12.2025

Der Rat hat am 14.12. für die Deregulierung gestimmt. Als Erfolg der Zivilgesellschaft werten wir, dass Deutschlands dagegen stimmte. Wie werden sich die EU-Parlamentarier verhalten?