Nur Bio-Erdbeerfruchtaufstriche sind „sehr gut“

Bericht von Wolfgang Ritter

Öko-Test (6/2017) hat 19 Erdbeerkonfitüren und –fruchtaufstriche getestet, davon sieben Bio- Produkte. Nur vier Bio-Erzeugnisse schneiden mir „sehr gut“ ab: Dennree Erdbeer Fruchtaufstrich (Fruchtgehalt = 55%), Allos Frucht Pur 75% Erdbeere, Zwergenwiese Fruchtgarten 70% Erdbeere, Die Beerenbauern Erdbeere Fruchtaufstrich, Demeter (Fruchtgehalt = 70%). Die mit „gut“, „befriedigend“ oder „ausreichend“ bewerteten Konfitüren oder Aufstriche haben fast alle höhere Zuckergehalte als ausgewiesen, schmecken kräftig süß, wenig intensiv nach Erdbeeren mit leichter bis deutlicher „Kochnote“ und/ oder enthalten Spuren von Pestiziden.

Die Preise der konventionellen Produkte liegen zwischen 0,20 und 0,92 € je 100 g, die der Bio- Produkte zwischen 0,59 und 1,65 € je 100 g. Die Bio-Produkte mit dem größten Fruchtgehalt sind natürlich am teuersten, denn Erdbeeren kosten mehr als Zucker.

Am 11. Juni 2017 haben wir Die Beerenbauern besucht; etwa 30 Personen konnten sich bei der Verkostung verschiedener Aufstriche von ihrem fruchtigen Geschmack überzeugen.

BÖLW-Statement zum Earth Day 2017: Gemeinsam Boden schützen

Pressemitteilung des BÖLW vom 21.04.2017, presse@boelw.de

Der Tag der Erde (Earth Day), der jedes Jahr am 22. April in mehr als 150 Ländern zelebriert wird, soll die Menschen dazu anregen, sich über die Folgen ihres Konsumverhaltens Gedanken zu machen und nachhaltig und verantwortungsbewusst zu handeln. Anlässlich des Earth Day 2017 setzen sich Bürger und Organisationen in ganz Europa in der Kampagne „People4Soil“ für Bodenschutz ein und fordern von EU-Kommissionpräsident Juncker, sich entschlossen für unsere Böden einzusetzen. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, kommentiert:

„Unser Boden, der als hauchdünne Haut die Landmasse unseres Planeten bedeckt, ist die Voraussetzung für unser Leben. Nur, wo er mit vielfältigem Leben erfüllt und mit Humus angereichert ist, kann gesunder Boden gesunde Nahrung hervorbringen.

Der Ökologische Landbau wurde vor fast 100 Jahren begründet, um die Fruchtbarkeit der landwirtschaftlichen Böden zu erhalten. Bio-Bauern schützen Böden besonders gut mit vielfältigen Fruchtfolgen. Im Ökolandbau werden keine chemisch-synthetischen Substanzen in Spritz- und Düngemitteln eingesetzt, die das Bodenleben negativ beeinträchtigen.

Der Ökolandbau ist auch prädestiniert, durch Humusaufbau Kohlenstoff im Boden zu speichern. So wird der Atmosphäre CO2 entzogen. Angesichts der katastrophalen Folgen der Klimakrise für die globale Nahrungsmittelproduktion ist das überlebenswichtig! Würden wir auf der gesamten Landwirtschaftsfläche der Erde den Kohlenstoffgehalt jährlich um gerade einmal vier Promille erhöhen, könnten wir den jährlichen weltweiten Ausstoß von schädlichen Klimagasen kompensieren. Weil mehr Humus auch noch mehr Wasserhaltefähigkeit, mehr Widerstandsfähigkeit gegen Klimaschwankungen und mehr Fruchtbarkeit bedeutet, wäre es unfasslich töricht, diese Chance nicht zu nutzen.“

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Woche vom 27. – 30. April 2017 veranstaltete die Berufsschule 9 der Stadt Nürnberg für ihre etwa 2000 Schüler*innen das Projekt „Konsum“. Der Bio-Verbraucher e.V. hat mit ehrenamtlichen Helfern und Firmenmitgliedern das Projekt bei der Gestaltung der Pausenhalle mit Info-Material und –Personal sowie der Übernahme mehrerer Unterrichtseinheiten unterstützt. Einige Bio-Firmen hatten uns Bio-Kostproben zur Verfügung gestellt.

Der Vorstandsvorsitzende des Bio-Verbraucher e.V., Wolfgang Ritter, hatte in fünf Klassen das Thema „Probleme der Überflussgesellschaft und Lösungsansätze“ behandelt, dazu Bilder gezeigt und Zahlen geliefert. Die 90 Minuten Unterricht wurden in vier Klassen mit vier Fragen abgeschlossen:

  1. Welches Bild hat Sie am stärksten beeindruckt?
  2. Welche Zahl hat Sie am meisten schockiert?
  3. Was sollte sich ändern?
  4. Was wollen Sie ändern?

Die Auswertung der 70 Antwortbögen der Schüler aus vier Klassen zeigt folgendes Ergebnis:

Schülerantworten in %
1. Negative Bilder beeindrucken stärker als positive
a) Bilder aus der Massentierhaltung/ dem Töten männlicher Küken = 74%
b) Bio-Projekte in Afrika/ Bio-(Freiland-)Tierhaltung in Deutschland = 21%
2. Ganz große und ganz kleine Zahlen schockieren
a) Massentierhaltung und Massenschlachtungen (30 Mio. Schweine, 50 Mio. Hühner und Puten in Deutschland, Clemens Tönnies = größter Schlachter in Deutschland schlachtete 17 Mio. Tiere in 2014), 1,1 Mrd. Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, 300.000 Selbstmorde indischer Bauern, 15.000 Liter Wasser sind nötig zur Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch, 10.000 Liter für ein Kilogramm Schweinefleisch = 41%
b) Vorschriften zum Platzbedarf in der Tierhaltung (0,75 m² pro Schwein, 1 m² für 8 Legehennen oder 22 Masthühner bzw. -hähnchen), 31,5 Jahre Lebenserwartung in Malawi = 24%
3. Was aus Sicht der Schüler geändert werden müsste
a) Verbot/ Vermeidung/ Abschaffung/ Reduzierung von Massentierhaltung und Tierleid = 53%
b) Mehr Umwelt- und Konsumbewusstsein/ mehr Bio einkaufen/ weniger Fleisch essen/ bessere Biohof-Förderung/ günstigere Bio-Fleischangebote = 36%
4. Was die Schüler selbst ändern wollen
a) Bewusster/ mehr Bio einkaufen = 53%
b) Weniger Fleisch essen/ wenn Fleisch, dann Bio-Fleisch = 30%

Es gibt auch einzelne Voten, die über die genannten hinausgehen, z.B.

  • zu Frage 3: Das Bauernsterben sollte gestoppt werden, Politiker sollten Verbraucherwünsche ernster nehmen, man sollte weniger konsumieren, die Treibhausgase müssten
    reduziert werden
  • zu Frage 4: Ich will mich besser bilden, um andere von Bio überzeugen zu können, ich will Bio-Betriebe besuchen, ich will mehr Produkte aus der Region kaufen

Fazit: Mehr als die Hälfte der 70 Schüler*innen aus vier Klassen sprechen sich gegen Massentierhaltung und Tierleid aus, über die Hälfte will künftig selber mehr Bio-Produkte kaufen, fast ein Drittel will den Fleischkonsum drosseln bzw. auf Bio-Fleisch umsteigen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Assoziatives Gespräch zur Milchqualität

Bericht von Wolfgang Ritter

Die BioFach 2017 bot Gelegenheit zu einem erneuten Gespräch zwischen dem Geschäftsführer der Molkerei Schrozberg, einem Milchbauern, der zugleich Vorstandsmitglied in der Molkerei-Genossenschaft Schrozberg ist, einem weiteren Landwirt und einem Verbraucher. Dabei erfuhr der Verbrauchervertreter nicht nur Dinge, die er wissen wollte, sondern auch einige interessante Details über aktuelle Vorgänge in der Molkerei.

Eine Untersuchung von Natur-Joghurt-Proben mehrerer Molkereien im Sommer 2014 hatte gezeigt, dass Proben von Schrozberg einen geringeren Gehalt an grünfuttertypischen Omega-3-Fettsäuren (n3 und CLA) aufwiesen als Demeter-Natur-Joghurte anderer Molkereien. Die Prüfer führten dieses Ergebnis auf intensivere Milchwirtschaft mit geringeren Grünfutteranteilen im Einzugsbereich von  Schrozberg zurück. In bisher geführten Gesprächen mit dem zuständigen Demeter-Berater und Molkerei-Vertretern hatten die Verbraucher-Vertreter Dr. Habisreitinger und Wolfgang Ritter erfahren, dass man an der Verbesserung der Milchqualität arbeite und dass eine erneute Prüfung angestrebt sei.

Auf Nachfrage erfuhr Wolfgang Ritter nun, dass Molkerei-Vertreter und Demeter-Berater dankbar für das Interesse der Verbraucher an der Milchqualität seien, denn damit hätten sie ein gutes Argument gegenüber den Milchviehhaltern in der Hand, warum sie sich anstrengen müssten, mehr Weidegänge zu organisieren bzw. mehr Grünfutter von den Weiden zu holen. Manche Bauern hatten bisher oft den höheren Zeitaufwand und die höheren Kosten gescheut, weil ihre Weiden nicht direkt am Hof lägen. Man habe nun in kontinuierlicher Arbeit mit den Landwirten erreicht, dass die Kühe häufiger auf der Weide stehen und mehr in Hofnähe angepflanzt wird.

Beim jüngsten Erzeuger-Treffen Anfang März wurden von Beratern und Molkerei-Vorstand Strategien dazu vorgeschlagen und uns übermittelt:

  1. Ackerland am Hof fünf Jahre lang (statt drei Jahre) mit Kleegras zu bestellen, um mehr Grünfutter in Hofnähe schneiden zu können
  2. Ackerland in Hofnähe mit einer trittfesten Weidemischung statt mit Kleegras zu bestellen, damit die Milchkühe dort grasen können.

Die Demeter-Bewirtschaftung wird den Milch-Lieferanten gut honoriert; sie erhielten 2016 mehr als 50 Cents pro Liter. Die Milch kommt von relativ kleinen Höfen mit durchschnittlich nur 38 Milchkühen. Die konventionell gehaltene Kuh liefert im Schnitt etwa 8.000 Liter Milch im Jahr, die Demeter-Kuh nur 5.500 Liter. Die konventionelle Hochleistungskuh hat etwa drei bis sechs Quadratmeter zur Verfügung, muss wegen Verletzungsgefahr genetisch hornlos sein oder hornlos gehalten werden, hat keinen Weidegang, erhält wenig Grün-, aber viel Kraftfutter. Demeter-Kühe werden nicht enthornt und haben 11 – 12 m² Platz. Die Molkerei Schrozberg verarbeitet die Milch ihrer etwa 100 Lieferanten zu 35 Produkten in 120 Verpackungseinheiten. Die Meinung von Wolfgang Ritter: Für artgerechte Tierhaltung, qualitativ hochwertige Milch und Milchprodukte und die Erhaltung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sind bewusste Verbraucher bereit tiefer in die Tasche zu greifen.

Um den Zucker für Frucht-Joghurt und andere Milchprodukte aus der Region beziehen zu können, haben der Demeter e.V. und die Molkerei Schrozberg das Projekt „Regionaler Zuckeranbau für Demeter-Erzeuger“ gestartet. Jeder Demeter-Landwirt in der Region um Schrozberg, der bereit ist Zuckerrüben für die Molkerei anzubauen, erhält eine Prämie von 500 Euro/ Hektar (250 € von Demeter und 250 € von der Molkerei). So ist allen geholfen: Die Bauern haben durch den Zuckerrübenanbau ein zusätzliches, gesichertes Einkommen, die Molkerei erhält ihren Zucker auf kürzestem Weg. Auf hundert Quadratmetern rund um Schrozberg wird nun schon Demeter-Zucker angebaut.

Liebe Leserinnen und Leser,

eine interessante Nachricht unseres Firmenmitglieds SEKEM/Ägypten:

Prinz Charles hält bio-dynamischen Landbau für wichtig

“Rudolf Steiner war eine der ersten Persönlichkeiten der modernen Zeit, der die Wirkenszusammenhänge in der Landwirtschaft erkannte  und die Verbindung von Bodenfruchtbarkeit und Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen beschrieb”, sagte SEKEM-Unterstützer Prince Charles kürzlich bei einer Landwirtschafts-Tagung am Goetheanum in Dornach/Schweiz (im Februar 2017).

Der Prinz of Wales hatte den 750 Teilnehmern aus 36 Ländern eine Video-Botschaft gesandt und betonte in ihr, Rudolf Steiners Ansatz habe in keiner Weise an Aktualität verloren und viele der heutigen Probleme hätten vermieden werden können, wenn man seine Gedanken schon damals aufgegriffen hätte. Charles zeigte sich von der Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes für die Landwirtschaft überzeugt und meinte, “das vorherrschende Wirtschaftssystem versäume die Vorteile solcher Systeme zu benennen.”

SEKEM hat sich diesem ganzheitlichen Ansatz schon seit 40 Jahren verschrieben und nimmt damit eine Pionierrolle ein. Durch die Einführung der biologisch-dynamischen Landbaumethode gelang es Dr. Ibrahimn Abouleish, seinen Unterstützern und Mitarbeitern Wüstenboden in Ägypten fruchtbar zu machen. Damit zeigten er und sein Team, dass man Bodenfruchtbarkeit und Ernährungssicherheit auf nachhaltige Weise mit der bio-dynamischen Landbaumethode am besten erreicht.

Quelle: SEKEM-Mitarbeiter Sherif Abou El Naga, aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Ritter, SEKEM News, 28.02.2017; www.sekem.com/en/news/

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Bio-Adressen

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Partner

 

Die Biobauern e.V., Ökologischer Land- und Gartenbau für das Nürnberger Land

Literatur

Schriften von Mitgliedern und Partnern

  1. Ehrlichmann, Maike: Einfach ehrlich essen, ISBN 978-3-7776-2662-8
  2. Flemmer, Andrea: Bio-Lebensmittel – Warum sie wirklich gesünder sind, Hannover 2014 , ISBN: 978-3869103198
  3. Flemmer, Andrea: Tierschutz mit Messer und Gabel, Baunach 2015, ISBN 978-3-88778-456-0
  4. Flemmer, Andrea: Was kann ich überhaupt noch essen? Alles über Schadstoffe und versteckte Zusätze in unseren Lebensmitteln und wie wir sie vermeiden, Kirchzarten 2024, ISBN 978-3-86731-277-6
  5. Hanke, Hans: Fleißige Mikroben als Helfer im Garten, Februar 2012
  6. Herrmann, Ariane: Ein Beet für jeden Geschmack, März 2012
  7. Herrmann, Ariane: Schneckenalarm – Staudenbeete ohne Schnecken, März 2012
  8. Holzer, Sepp: Der Agrar-Rebell, München 2006
  9. Liadé, Dodo: Voodoo Food – Magie der afrikanischen Küche, Tutzing 2013, ISBN: 978-3934552999
  10. Mochner, Matthias: Das Demeter-Phänomen, Zürich 2015, 184 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen
  11. Peus-Michal, Kristina: Die Ernte teilen – Solidarische Landwirtschaft, Biokreis, Heft 2/ April/Mai 2013
  12. Prosiegel, Robert: Klarheit? Brauch‘ ich das?, Norderstedt (2019)
  13. Ritter, Wolfgang: Initiativen, die die Welt verändern, Borchen 2013
  14. Ritter, Wolfgang: Wirtschaft der Liebe – Elemente einer künftigen Wirtschaftsordnung, Borchen 2015
  15. Ritter, Wolfgang: Auf dem Weg zu mir, auf dem Weg zu Gott – Esoterisch-exoterische Darstellungen, Übungen, Meditationen, Borchen 2017
  16. Ritter, Wolfgang: Das Thomas-Evangelium – Zum Verständnis der 114 Aussagen Christi, Borchen 2024
  17. Scheub, Ute u.a.: Terra Preta – Die schwarze Revolution aus dem Urwald, München 2013
  18. Wester-Ebbinghaus, Ruben: Better Burger, München 2015, ISBN: 978-3517093734
  19. Wild, Stephanie (Hrsg.): Sich die Ernte teilen… Einführung in die Solidarische Landwirtschaft, Heimsheim 2012
  20. Wolff, Rosa: Arm aber Bio! Ein Selbstversuch, ISBN 978-3-9813469-0-9
    Wolff, Rosa: Arm aber Bio! Das Kochbuch – Feine Öko-Küche für wenig Geld, ISBN8-3-813469-0-10

Sonstige Schriften

  1. Solidarische Landwirtschaft – Beispiel Markushofgemeinschaft, Heidelberg
  2. Solidarische Landwirtschaft – Beispiel Hof Hollergraben, Kattendorf
  3. Solidarische Landwirtschaft – Beispiel Reimehof u.a. in der Metropolregion Nürnberg