Vereinsgründung

Einzelheiten zur Gründung des gemeinnützigen Vereins Bio-Verbraucher e.V.
Wolfgang Ritter, Nürnberg

Vor der Gründung fanden sich 20 Persönlichkeiten, die in der Gründung eines Bio-Verbrauchervereins eine Notwendigkeit sahen, die Mitglied werden und den Verein unterstützen wollten. Am 25.11.04 haben 10 Persönlichkeiten aus diesem Kreis den Verein begründet. Die Satzung wurde einstimmig angenommen. Wolfgang Ritter wurde zum ersten Vorsitzenden, Hermann Willanzheimer zum zweiten Vorsitzenden und Evelyn Wojnow zur Kassenführerin gewählt. Diese drei Persönlichkeiten bilden den Vertretungsvorstand. Er ergänzte sich um Georg Modlmair, zuständig für die Redaktion unseres Info-Briefes, Helmut Ritter, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Ein Kurzprofil des erweiterten Vorstands erscheint demnächst auf unseren Internet-Seiten. Die Gründungsmitglieder und einige Persönlichkeiten, die nicht zur Gründung kommen konnten, werden den Vorstand bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit unterstützen. Man hatte den Eindruck, dass eine gute Zusammenarbeit gelingen kann, weil jedes Votum beachtet wurde.

Wir wollen zu einer Zusammenarbeit mit allen am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten kommen und werden dazu Kontakte zu Bio-Produzenten und -Händlern sowie ihren Verbänden suchen. Um das Bewusstsein für den Bio-Verbrauch zu stärken, arbeiten wir gerne mit allen Persönlichkeiten und Einrichtungen zusammen. Wir beginnen aktuell vor Ort, denn in Nürnberg findet nicht nur jährlich die „Bio-Fach“, Weltleitmesse für Bio-Erzeugnisse, statt, das Umweltamt der Stadt Nürnberg will den Umsatz von Bio-Artikeln durch eine Arbeitsgemeinschaft „Bio-Modellstadt Nürnberg“ fördern, in der wir mitarbeiten. Wir beraten Verbraucher, indem wir monatlich einen Info-Brief auf unserer Internet-Seite herausgeben und ihnen dort unter der Rubrik Bio-Adressen nennen. Jeder kann mit uns Kontakt aufnehmen, seine Wünsche, Sorgen, Anregungen, Untersuchungsberichte, Erfahrungen, Erfolge, Rezepte nennen. Wir kümmern uns darum und veröffentlichen sie, wenn sie von allgemeinem Interesse sind. Nach der Kontaktaufnahme zu den Bio-Verkaufsstellen in und um Nürnberg herum werden wir Anfang des nächsten Jahres zunächst alle Bio-Verkaufsstellen in Bayern anrufen und anschreiben – danach auch die in den anderen Bundesländern – , sie auf unseren Verein aufmerksam machen und sie bitten, unseren Prospekt an ihre Kunden auszuhändigen. Jedes gewonnene Mitglied wollen wir bitten, zwei weitere Mitglieder zu werben. Anreize dazu werden wir noch auf unserer Internet-Seite veröffentlichen. Außerdem werden wir auch Veranstaltungen organisieren oder an solchen teilnehmen, wo für den Bio-Konsum geworben wird. Durch die geschilderten Maßnahmen hoffen wir auch Mitglieder zu gewinnen, die nicht oder noch nicht konsequent Bio-Verbraucher sind. Für die Durchsetzung von Bio-Verbraucherinteressen wollen wir mit allen Organisationen und Verbänden zusammenarbeiten, die sich für eine gesunde Landwirtschaft, einen gesunden Handel und eine gesunde Ernährung einsetzen. Man wird nicht damit rechnen können, dass sich die Verbraucher zu Protesten und Demonstrationen z.B. gegen die bayerische, die deutsche oder die EU-Agrarpolitik aufraffen, aber ein Bio-Verbraucher e.V. kann für sie handeln.

Erste assoziative Gespräche im ökologischen Obstbau

Bericht von Jutta Kienzle, FÖKO-Beraterin, und Wolfgang Ritter, Bio-Verbraucher e.V.

Der ökologische Obstbau in Deutschland sieht sich vor große Herausforderungen gestellt.

Im konventionellen Obstanbau wird den Bauern der Erzeugerpreis von den fünf großen Einzelhandelsketten in Europa (Schwarz (= Lidl/Kaufland), Aldi, Metro, Edeka, REWE) diktiert. Diese diktierten Preise sind oft nicht ausreichend, um langfristig überleben zu können. Immer mehr konventionelle Erzeuger suchen deshalb ihr Heil im Bio-Anbau, wo bisher noch anständig bezahlt wird und stellen um – auch in anderen Regionen Europas. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, kann aber auch sehr schnell zu einer Konventionalisierung des Bio-Anbaus führen, da die Vermarktung der zusätzlichen Bio-Äpfel wohl vor allem über die Einzelhandelsketten erfolgen wird. Dabei besteht das Risiko, dass der Bio-Apfelanbau in die gleiche Preisdruck-Spirale gerät wie der konventionelle Anbau – mit sehr negativen Konsequenzen für das Anbausystem.

Durch das konventionelle Apfelangebot sind die Kunden nicht nur in Bezug auf die Verkaufspreise verwöhnt, sondern auch in Bezug auf die äußere Qualität. Konventionelle Erzeuger setzen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nicht nur für die Pflanzengesundheit ein, sondern auch für ein makelloses Aussehen ihrer Produkte. Um in der äußeren Qualität einigermaßen mithalten zu können, sehen sich die biologisch arbeitenden Obsterzeuger in Deutschland immer stärker gefordert, dies nun – wenn auch mit zugelassenen Biomitteln – ebenfalls zu tun. Dies widerspricht aber dem Grundgedanken des Bio-Anbaus, solche Mittel nur dann einzusetzen, wenn es zwingend notwendig ist. Einträge in die Umwelt sollten auch mit zugelassenen Bio-Mitteln (z.B. Kupfer), so weit wie möglich reduziert bleiben. Man steht also vor der Frage: Wie groß ist die Toleranz der Verbraucher, wenn biologisch erzeugte Äpfel keine perfekte Oberfläche aufweisen?

„Die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V.“ (FÖKO) arbeitet seit 2004 an der Weiterentwicklung des Bio-Anbausystems, an Strategiefragen zur Gesunderhaltung der Pflanzen im Hinblick auf die Grundprinzipien des Ökolandbaus in Deutschland. Vertreter der Obstbauern, Wissenschaftler und Berater kamen nun zu der Einsicht, dass das Konzept zur Gesunderhaltung der Kulturpflanzen im ökologischen Obstbau eigentlich als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden müsse und bei künftigen Beratungen der Verbraucher miteinbezogen werden sollte. Das Zukunftskonzept dürfe nicht nur auf den Maßnahmen basieren, die in den Betrieben durchgeführt werden, sondern auch darauf, ob Verbraucher höhere Preise akzeptierten und welche Kriterien sie an die innere und äußere Qualität anlegten.

Am 5. und 6. Dezember 2017 fand ein erstes assoziatives Gespräch statt. Die FÖKO hatte Bio-Obsterzeuger aus allen Regionen Deutschlands, „Bündler“ (=Firmen, die das Obst bei kleineren Erzeugern abholen und zu den Zentrallagern bringen), Händler und Verbraucher nach Kassel eingeladen, um ihre Sicht auf Bio-Obst-Qualität und –Preise einzubringen. Die Verbraucher waren durch Slow Food und den Bio-Verbraucher e.V. vertreten.

Die Stellungnahmen, die Wolfgang Ritter für den Bio-Verbraucher e.V. abgab, basierten auf einer von ihm im November 2017 durchgeführten Blitzumfrage zum Apfelkauf. Die Ergebnisse dazu sind in diesem Info-Brief in der Rubrik 7/ Verbrauchermeinung dargestellt. Die Ergebnisse der Beratungen in Kassel werden derzeit von FÖKÖ ausgewertet und sollen in einem Strategiepapier münden. FÖKO und der Bio-Verbraucher e.V. sind nun Partner und werden künftig zusammen arbeiten. Wir werden weiter berichten.

Partner

 

Die Biobauern e.V., Ökologischer Land- und Gartenbau für das Nürnberger Land