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Die Seite befindet sich im Aufbau... hier wollen wir Euch unter anderem die Unterschiede und die Bedeutung der einzelnen Bio-Siegel zeigen.

Margarine − Bio kann nicht punkten

Bericht von Daniela Mayr

Öko-Test (10/2017) hat 20 Margarinen und Streichfette untersucht, darunter vier Bio-Marken.
Mehr als die Hälfte – genau elf Produkte – erhalten ein „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“. Ausgerechnet bei den getesteten Bio-Marken fällt das Ergebnis nicht positiv aus: das mit einem „befriedigend“ am besten bewertete Produkt ist die „Margarine Dreiviertelfett“ von „Alnatura“. Es folgt die „Rapunzel Prima Reine Pflanzenmargarine“, die von Öko-Test ein „ausreichend“ bekam, sowie die „Alsan-Bio Margarine“ und die „Landkrone Bio-Margarine“ mit lediglich einem „ungenügend“. Ein „gut“ erhalten nur drei Produkte aus dem konventionellen Bereich, u.a. die Margarine „Vita D’Or Classic“ des Discounters „Lidl“.

Die Bewertung setzte sich zusammen aus dem Testergebnis der Inhaltsstoffe, die mit 70 Prozent in die Bewertung einfloss, sowie dem Testergebnis der Fettzusammensetzung mit 30 Prozent. Bei der Untersuchung der Inhaltsstoffe ging es vor allem die Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester. Diese können bei der Raffination pflanzlicher Fett und Öle entstehen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bezeichnet sie als „prozessbedingte Kontaminanten in Lebensmitteln, die ein gesundheitsschädigendes Potential aufweisen und daher in Lebensmitteln unerwünscht sind“ (BfR 07.07.2016). Ebenfalls im Fokus der Untersuchung standen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, die aus Verpackungen auf die darin befindlichen Lebensmittel übergehen und sich im menschlichen Körper anreichern können. Tierexperimentelle Studien deuten auf die Möglichkeit von Organschäden hin.

Im Hinblick auf die Fettzusammensetzung wurde zum einen der Anteil der gesättigten zu den ungesättigten Fettsäuren analysiert. Ein hoher Anteil an Palm- und Kokosfett zu Lasten der ungesättigten Fettsäuren, die sich positiv auf die Cholesterinwerte auswirken können, führte zu einer ungünstigen Beurteilung vieler Produkte. Zum anderen wurde das Verhältnis der Omega-3 zu Omega-6-Fettsäuren untersucht. Hier wurden Produkte abgewertet, die ausschließlich Omega-6-reiche Öle, wie z.B. Sonnenblumenöl, und keine Omega-3-reichen Öle, wie z.B. Rapsöl, enthalten. Schließlich führten den Produkten zugesetzte Aromen zu einer Abwertung.

Ein weiteres Kriterium für die Produktebewertung war der Aspekt der Nachhaltigkeit im
Hinblick auf das verwendete Palmöl. Hier wurde das RSPO (Roundtable of Sustainable Palm Oil)-Label zugrunde gelegt, das auf zertifiziertes Palmöl hinweist. Während bei den konventionellen Produkten größtenteils konkrete sowie lückenlose Nachweise über die Verwendung von zertifiziertem Palmöl über die gesamte Lieferkette hinweg fehlen, sind die Hersteller aller getesteten Bio-Marken sogar nach strengeren, über das RSPO-Label hinaus reichenden, Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert. Weitere Kriterien waren, ob der Anbau auf Torfböden stattfindet, und ob hochgiftige Pestizide auf den Plantagen eingesetzt werden. Beides führte jeweils zu einer Abwertung.

Die getesteten Produkten bewegen sich in einer Preisspanne von 0,75 € bis 3,70 € pro 500 g (konventionelle Produkte) bzw. 2,50 € bis 3,98 € pro 500 g (Bio-Produkte). Zwei der mit „gut“ getesteten Produkte sind gleichzeitig die günstigsten, während die teuersten konventionellen Produkte mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ bewertet wurden.

Zusammengefasst stehen Verbraucher derzeit vor einem Dilemma: entweder sie wählen eine mit „gut“ bewertete konventionelle Margarine, die jedoch aus ökologischer Sicht erhebliche Nachteile aufweist, oder sie entscheiden sich für eine Bio-Margarine, auch wenn diese gesundheitlich bedenkliche Stoffe enthalten.

Tipp des Bio-Verbraucher e.V.: Kaufen Sie gar keine Margarine. Verwenden Sie zum Kochen und Braten heimische Öle (z.B. aus Raps und Sonnenblumen). Als Brotaufstrich eignen sich eine Vielzahl veganer Aufstriche sowie die große Palette der Milchprodukte.

Die Palmölproblematik

Bericht von Daniela Mayr (Quellen: Internetseiten der Hersteller, Dokumente WWF, Nabu, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft)

Der Begriff „Palmöl“ und die damit verbundene Problematik sind in jüngster Vergangenheit zunehmend in die öffentliche Wahrnehmung gerückt. Dennoch wissen die wenigsten Verbraucher, dass Palmöl in einer großen Menge, vor allem konventioneller, Produkte des täglichen Bedarfs enthalten ist.

Hintergrund
Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme gewonnen, die als sehr ertragreich eingestuft werden kann. Aus diesem Grund kann Palmöl sehr preiswert produziert werden. Weitere Vorteile sind sein neutraler Geschmack, seine Hitzebeständigkeit und seine sehr lange Haltbarkeit. Eingesetzt wird es zum größten Teil (71 Prozent) im Bereich Nahrungsmittel, z.B. für Riegel oder Aufstriche, ein weiterer Anteil (24 Prozent) im Bereich Industrie, z.B. für die Herstellung von Seifen, sowie zu einem kleinen Anteil (5 Prozent) zur energetischen Nutzung, z.B. Kraftstoff (Zahlen jeweils Stand 2015). Die Anbaugebiete, vor allem Indonesien und Malaysia, die zusammen mit 85 Prozent den Großteil ausmachen, befinden sich in den tropischen Regionen. Charakteristisch für diese ist der Regenwald mit seiner einzigartigen und hohen Artenvielfalt. Die Rodung des Regenwaldes zu Gunsten von Anbauflächen für Palmöl führt zum einen zur Reduzierung diverser Tier- und Pflanzenarten, zum anderen zu einem hohen CO2-Ausstoß. Der Einsatz hochgiftiger Pestizide trägt überdies zu einer dauerhaften Schädigung des Bodens bei. Somit ist der Anbau von Palmöl aus ökologischer Sicht als äußerst bedenklich zu bezeichnen.

Lebensmittelkennzeichnung
Bis zur Lebensmittel-Informationsverordnung der EU, die am 13. Dezember 2014 in Kraft trat, war für den Verbraucher nicht erkennbar, ob ein entsprechendes Lebensmittel Palmöl enthält. Seit diesem Zeitpunkt muss jedoch nicht nur der Klassennamen („Pflanzenöl“), sondern auch die spezielle pflanzliche Herkunft angegeben werden („Palmöl“). Dadurch wird nun deutlich, wie viele Produkte tatsächlich Palmöl enthalten. Diese größere Transparenz ist für den Verbraucher zunächst sehr positiv zu bewerten.

Nachhaltiges Palmöl
Verwirrend für den Verbraucher ist jedoch der Aspekt Nachhaltigkeit in Bezug auf Palmöl. Im Zuge der Palmöl-Problematik wurde der sogenannte RSPO (Round Table of Sustainable Palm Oil) vom WWF ins Leben gerufen, der die Einhaltung von Mindeststandards propagiert. Dies bedeutet zunächst, dass der RSPO kein Öko-Label ist und somit auch nicht alle Bio-Produkte RSPO-zertifiziertes Palmöl enthalten. Der NABU weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es auch bei Bio-Produkten keine Garantie gibt, dass nicht zuvor Regenwald gerodet wurde. Beim Anbau von Bio-Palmöl wird jedoch im Gegensatz zu konventionell angebautem Palmöl auf den Einsatz von hochgiftigen Pestiziden und den Anbau auf Torfböden verzichtet. Der Anteil an Bio-Palmöl ist jedoch (noch) verschwindend gering.

Haltung der Bio-Hersteller
Hersteller von Bio-Produkten begegnen der Palmöl-Problematik auf unterschiedliche Art und Weise: So setzt der Hersteller RAPUNZEL bewusst fair gehandeltes Palmöl in seinen Produkten ein. Als Grund gibt RAPUNZEL die positiven Eigenschaften von Palmöl und den Mangel an Alternativen an (so müssten z.B. Emulgatoren eingesetzt werden, um die Nachteile alternativer Öle wie etwa Sonnenblumenöl auszugleichen). Im Gegensatz dazu verzichtet das Unternehmen SONNENTOR ausdrücklich auf Palmöl in seiner kompletten Produktpalette, da es die „fortschreitende Zerstörung des Regenwaldes nicht unterstützen möchte“. Als Alternativen nennt das Unternehmen Sonnenblumenöl, Olivenöl und Kakaobutter.

Bio-Palmöl oder völliger Verzicht?
Da meist unbekannt ist, welche Produkte Palmöl enthalten, hilft nur ein Studieren der Inhaltsstoffe, um Palmöl zu identifizieren und so gegebenenfalls vermeiden zu können. Mittlerweile gibt es für viele Produkte entsprechende Alternativen, die ohne Palmöl auskommen. Ansonsten sollte der bewusste Verbraucher zumindest auf Bio-Palmöl ausweichen.

Erfahrungen aus der Entwicklung einer Assoziation zur Getreidevermarktung

Klaus Wais, Teil 2, Ausschnitt (Teil 1 in Info-Brief 51)

Vom Preisurteil
Einkommen entstehen durch Preise. Daher ist das erste, was eine assoziative Zusammenarbeit leisten muss, ein Preisurteil. Dieses Preisurteil kann man nicht alleine finden. Bei zwei Partnern kann es zunächst untereinander ausgehandelt werden. Langfristig müssen aber auch diese beiden ihren Umkreis einbeziehen und an dieser Stelle kommen wir zum Verbraucher. Auch für ihn muss gelten, dass er nicht reicher oder ärmer wird, wenn er die Produkte konsumiert und bezahlt. Es gibt also die Beziehung zwischen Einzelnen, in der ein Gleichgewicht erreicht werden sollte, aber dieses Gleichgewicht muss die Gesamtheit der Gesellschaft umfassen.

Normalerweise sagt man, dass durch den freien Handel ein solches Gleichgewicht, bei welchem alle Handelspartner profitieren, entsteht. Matthias Binswanger aus St. Gallen hat zu diesem Themenkomplex ein interessantes Buch geschrieben. Er geht darin z.B. auf die Weinherstellung in Portugal und die Tuchproduktion in England und die daraus folgende Entwicklung der beiden Länder ein. Portugal wurde arm, England wurde reich. Am Beispiel Portugal/England wird deutlich, dass es nicht automatisch zu einem Ausgleich kommt, wie der reine Wirtschaftsliberalismus behauptet. Es gibt zwar irgendwann einen Ausgleich, der wird aber von Leiden oder Unterversorgung begleitet. An Stelle der „invisible hand“, die der Freihandel als Regelinstanz in das Marktgeschehen hineinträumt, entsteht an dieser Stelle die eigentliche Aufgabe der Assoziation. Es sollte unter Menschen gestaltet werden, was sonst der Markt regelt. Am Ende wollen wir sagen können, dass wir es so gewollt haben und nicht, dass die Situation, „der Markt“ einfach so entstanden ist und keiner es gewollt hat.

Aus der Verbindung von Erzeugern, Händlern, Verarbeitern und Konsumenten entsteht ein Markt. Über diesen Marktbeziehungen sollte die Assoziation stehen und eine ausgleichende Funktion übernehmen. Das bedeutet im ersten Schritt, dass Menschen da sind, die den am Markt entstehenden Preis betrachten und ein Urteil fällen, ob der Preis zu hoch oder zu niedrig ist. Grundlage für ihr Urteil ist die Kenntnis vom „Nullpunkt“.(Bezieht sich auf die Thermometerfunktion des Preises im NÖK) Dieser „Nullpunkt“ ist genau der Preis, der bewirkt, dass zwischen den Beteiligten gleichmäßige Einkommens- und Kapitalbildung entstehen kann. Das ist die eigentliche Definition des Nullpunktes. Man könnte ihn auch als Zielpreis bezeichnen, der entstehen soll. Es entsteht also zunächst ein Urteil aus der Sachkenntnis aller Marktpartner. Wenn das Urteil nun ergibt, dass der Preis für eine Ware nun z.B. oberhalb des „Nullpunktes“ liegt, dann muss die Assoziation gewährleisten, dass der Gewinn gleichmäßig auf die Wertschöpfungskette verteilt wird. Wie kann das sachgemäß erreicht werden?

Wie werden Assoziationen handlungsfähig? 
Die Frage ist: Wie kommt die Assoziation ins Handeln? Wenn das Preisurteil bedeutet, dass Ware zu teuer ist, dann muss ich dafür sorgen, dass mehr Menschen diese Ware produzieren. Wenn das Urteil ergibt, die Ware ist zu billig, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens, wenn die Gemeinschaft der Überzeugung ist, dass das Produkt vermehrt an die Menschheit gelangen sollte, muss man Werbung machen, um den Umsatz zu steigern. Oder aber, es müssen weniger Menschen in diesem Bereich arbeiten. Ich muss nicht von Angebot und Nachfrage sprechen. Das sind zwar die zunächst wirkenden Aspekte, aber ich muss schauen, was hinter der Nachfrage und dem Angebot steht. Was steht also hinter dem Angebot? Die Menge an Menschen, die in diesem Bereich arbeiten.

Der Konsument kann heute da und morgen dort kaufen. Der Landwirt ist nicht so flexibel, sondern eher festgelegt in seinen Möglichkeiten. Wenn Lebensmittel knapp sind und die Nachfrage steigt, dann steigen auch die Preise und es entsteht Kapitalbildung auf der Seite der Erzeuger. Wenn das Angebot zu groß ist, sinken die Preise und es ergibt sich eine zu hohe Kapitalbildung auf der Konsumentenseite. An dieser Stelle muss die Assoziation eingreifen, damit die Kapitalbildung allen zugutekommt. Das ist nur möglich, wenn die Assoziation überhaupt Einfluss auf die Produktionsmengen ausüben kann (!)und z.B. den Anbau begrenzen oder eben auch ausdehnen kann. Die Assoziationen werden nur handlungsfähig, wenn sie die Angebotsseite regulieren können. Assoziation bedeutet: gemeinschaftlich verantwortete Kartellbildung, nicht zum Vorteil einzelner Gruppen, sondern zum Ausgleich der immer wieder durch unterschiedliche Produktivitätsentwicklung entstehenden Einkommensunterschiede. Es begegnet sich hierbei größtmöglicher Freihandel mit wirklichem Gemeinsinn.

Dies scheint mir der Kern von Rudolf Steiners sozialen Impulsen. Ich konnte diese Zusammenhänge bei meiner Arbeit in der Getreidevermarktung erleben, es sind also nicht abstrakte Denkmodelle, sondern sie können täglich an der Wirklichkeit des Wirtschaftslebens erfahren werden. (Es gibt auch bereits verschiedene Modelle, die auf dieser Basis arbeiten: BDM Milchmarkt- Model, Milchmarkt in Kanada)

Es geht darum, bis in die Gesellschaft hinein ein gemeinschaftliches Urteil, ein Preisurteil zu bilden. Ohne diese Grundlage gäbe es keine Fair-Trade Produkte! Es ist nur eben leichter zu erkennen, dass indische Baumwollbauern zu wenig verdienen bei den niedrigen Rohstoffpreisen. Innerhalb unserer Industriegesellschaft ist das wesentlich anspruchsvoller. Daher entsteht jetzt die radikalste Form des unmittelbaren Einkommensurteils und des Einkommensausgleichs in Form der solidarischen Landwirtschaft.

Liebe Leserinnen und Leser,

unser Partner, das Umweltinstitut München, schreibt uns:

In Deutschland gibt es heute 80 Prozent weniger Insekten als noch 1982; fast 3.000 Insektenarten werden als ausgestorben oder gefährdet eingestuft. Ganz besonders betroffen sind Schmetterlinge, Wildbienen und Schwebfliegen, die einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung vieler Pflanzen leisten. Diese erschreckenden Ergebnisse lieferte die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage.

Hauptursache für diese dramatische Entwicklung ist die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und dem steigenden Pestizideinsatz. Auch die Artenvielfalt entlang der Nahrungskette ist dadurch akut bedroht.

Zu den Ursachen des Bienensterbens führten die Nürnberger Nachrichten (NN) unter dem Titel „Gefahr von allen Seiten“ am 22./ 23. Juli 2017 auf: Monokulturen, Parasiten, Pestizide. Manche Pflanzenschutzmittel wirkten wie Nervengifte auf die Bienen, sie verirrten sich und fänden nicht mehr zu ihrem Stock zurück. Der massenhafte Anbau von Nutzpflanzen (Mais, Raps, Zuckerrüben und das häufige Mähen der Wiesen führe dazu, dass  immer weniger Pflanzenarten und Blütenmasse zur Verfügung ständen, so dass Bienen mitten im Sommer verhungerten. Hinzu komme, dass in unseren Hausgärten viel zu häufig chemische Unkrautvernichter eingesetzt würden.

Unser Firmenmitglied, Bio-Imker Marc Schüller von „Die Bienenhüter“, erklärte auf Anfrage der NN am 20. Juli 2017 (Titel: „Wo sind denn die Nürnberger Bienen abgeblieben?“): „Der Winter und der Frühling waren sehr problematisch für die Bienen. Diese sind eigentlich sehr anpassungsfähig, doch das Wetter hat ihnen extrem zu schaffen gemacht. Bis in den Juli war es viel zu trocken, im März war es erheblich zu warm, im April wieder zu kalt, im Mai heiß. Dieses hin und her packen die Bienen nicht. Aber: Ich kann meine Bienen füttern und mich um sie kümmern, doch Wildbienen überleben das oft nicht. In Nürnberg haben wir trotz der Fürsorge der Imker eine Winter-Sterblichkeit der Völker von geschätzt 50 Prozent – das ist viel zu hoch. Und: Der Klimawandel wird die Bienen neben anderen Bedrohungen weiter fordern.“

Das Umweltinstitut München schreibt weiter: Mit dem Rückgang der Insekten nimmt unweigerlich auch die Anzahl der insektenfressenden Vögel ab. Die Auswirkungen sind gravierend: Fast drei Viertel der heimischen Vogelarten der Äcker und Wiesen sind gefährdet oder vom Aussterben bedroht.

Rund 26.000 Menschen haben sich deshalb bereits an unserer Aktion „Rettet die Vögel!“ beteiligt und die Bundesregierung aufgefordert, Pestizide zu verbieten und Agrar-Wüsten wieder in vielfältige Landschaften zu verwandeln. Denn auch wenn die Bundesregierung das Problem erkannt hat, unternimmt sie bisher nichts, um die Artenvielfalt zu retten. Unterstützen auch Sie die Aktion des Umweltinstituts: www.umweltinstitut.org/mitmach-aktionen/rettet-die-voegel.html

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Wie sieht der Ökolandbau der Zukunft aus?

Vier Ansichten von Jungbauern, erschienen in Lebendige Erde 1/ 2017, www.lebendigeerde.de; Auszug: Wir geben hier drei Ansichten wieder.

Ökolandbau als weltweite Agrarkultur
Henrik Maaß, junge AbL

Ich sehe im Ökolandbau die Landwirtschaft der Zukunft. Dabei ist Ökolandbau nicht nur ein Zertifizierungs- oder Anbausystem, sondern eine Agrarkultur. In der Ökobranche sehe ich zur Zeit die Gefahr, sich zu sehr an den Mainstream anzupassen, um damit gesellschaftlichen Zwängen zu entsprechen. Mein Wunsch ist, dass sich der Ökolandbau seinen Grundwerten und Prinzipien treu bleibt und sich am Leitbild einer biobäuerlichen Agrarkultur weiter entwickelt. Schwachpunkte im Ökolandbau sehe ich z.B. in den Wachstumsschritten. Die Nachfrage nach Bioprodukten ist viel größer als die Erzeugung und es wird zwanghaft versucht, an Rohware zu kommen, wobei Regionalität oft vernachlässigt wird. Dadurch bleiben die Erzeugerpreise zu niedrig und der wirtschaftliche Druck aus der kapitalistischen Denkweise (mehr Wachstum) wird so groß, dass letztendlich die ökologischen Werte unter den Tisch fallen.

Die Entwicklung des Ökolandbaus muss gemeinsam mit gesellschaftlicher Veränderung einhergehen. Interessant ist hier z.B. die Degrowth-Bewegung. Der Ökolandbau sollte sich als ein Teil der Bewegung für Ernährungssouveränität verstehen, solidarisch mit Kleinbauern weltweit und gemeinsam mit der Gesellschaft, um unser gesamtes Ernährungssystem ökologischer und sozial gerechter zu gestalten.

Prinzipien der Nachhaltigkeit für die gesamte Landwirtschaft
Theresa Ungru, konventionelle Landwirtin

Ich finde es toll, was der ökologische Landbau macht. Doch ich sehe auch Grenzen. Nicht jeder Betrieb kann ein Ökobetrieb werden. Der Betrieb bestimmt, wo man ist. Hier gilt es, die Chancen zu sehen und das Beste daraus zu machen. Für den Ökolandbau wünsche ich mir natürlich auch, dass er weiter wächst und viele Konsumenten überzeugen kann. Weil die Prinzipien der Nachhaltigkeit, die der Ökolandbau in seinen Statuten hat, für alle Landwirte gelten sollten. Ich habe mich diesen auch verpflichtet, jedoch ohne Siegel. Für beide Landwirtschaftsformen (konventionell und ökologisch) wäre mehr unternehmerisches Denken erstrebenswert: Startups, nicht immer nur neue Ställe bauen, sondern innovativ werden, statt passiv abzuwarten.

Vertrauen der Verbraucher nicht enttäuschen
Stefanie Pöpken, provieh

Ich sehe den Ökolandbau als Vorreiter einer artgemäßeren Nutztierhaltung. Zwar gibt es hier auch noch Konflikte zu lösen, wie beispielsweise die männlichen Eintags-Küken bei der Legehennen-Zucht, die männlichen Kälber in der Milchviehhaltung oder die ganzjährige Anbinde-Haltung von Milchkühen. Dennoch habe ich den Ökolandbau bzw. viele seiner Mitglieder bisher als selbstkritisch und lösungsorientiert wahrgenommen und bin überzeugt, dass er sich dieser Probleme stellen wird.

Von all dem kann auch die konventionelle Landwirtschaft profitieren und bei der Nutztierhaltung einiges verbessern. Ein Großteil der Verbraucher schenkt dem Ökolandbau sehr viel Vertrauen und ist bereit, für Bioprodukte mehr Geld auszugeben. Dieses Vertrauen gilt es auch zukünftig zu erhalten. Hier hoffe ich auf eine offene und transparente Kommunikation seitens der Bioverbände. Es wäre schön, wenn sich noch mehr Landwirte für die ökologische Landwirtschaft entscheiden würden. Im Grunde geht es doch um nichts anderes, als nachhaltig mit den Tieren und der Natur im Einklang zu wirtschaften und die bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten.

Liebe Leserinnen und Leser,

eine interessante Nachricht unseres Firmenmitglieds SEKEM/Ägypten:

Prinz Charles hält bio-dynamischen Landbau für wichtig

“Rudolf Steiner war eine der ersten Persönlichkeiten der modernen Zeit, der die Wirkenszusammenhänge in der Landwirtschaft erkannte  und die Verbindung von Bodenfruchtbarkeit und Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen beschrieb”, sagte SEKEM-Unterstützer Prince Charles kürzlich bei einer Landwirtschafts-Tagung am Goetheanum in Dornach/Schweiz (im Februar 2017).

Der Prinz of Wales hatte den 750 Teilnehmern aus 36 Ländern eine Video-Botschaft gesandt und betonte in ihr, Rudolf Steiners Ansatz habe in keiner Weise an Aktualität verloren und viele der heutigen Probleme hätten vermieden werden können, wenn man seine Gedanken schon damals aufgegriffen hätte. Charles zeigte sich von der Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes für die Landwirtschaft überzeugt und meinte, “das vorherrschende Wirtschaftssystem versäume die Vorteile solcher Systeme zu benennen.”

SEKEM hat sich diesem ganzheitlichen Ansatz schon seit 40 Jahren verschrieben und nimmt damit eine Pionierrolle ein. Durch die Einführung der biologisch-dynamischen Landbaumethode gelang es Dr. Ibrahimn Abouleish, seinen Unterstützern und Mitarbeitern Wüstenboden in Ägypten fruchtbar zu machen. Damit zeigten er und sein Team, dass man Bodenfruchtbarkeit und Ernährungssicherheit auf nachhaltige Weise mit der bio-dynamischen Landbaumethode am besten erreicht.

Quelle: SEKEM-Mitarbeiter Sherif Abou El Naga, aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Ritter, SEKEM News, 28.02.2017; www.sekem.com/en/news/

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter