Aus: FiBL Deutschland e.V., Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Newsletter Dezember 2014 vom 19.12.2014, http://www.forschung-oekolandbau.info
Kommunikationsmöglichkeiten und Zahlungsbereitschaft für Rindfleisch aus extensiver, artgerechter Mutterkuhhaltung auf Grünland (FKZ 11NA029) als auch Fragen des Tierschutzes 5 werden für Verbraucher in Deutschland beim Fleischkauf immer wichtiger. Extensive Mutterkuhhaltung, bei der Kälber über mehrere Monate gemeinsam mit ihrer Mutter weiden, dürfte bei Verbrauchern als eine besonders artgerechte Haltung wahrgenommen werden.
Rindfleisch aus Mutterkuhhaltung wurde bisher im Handel nicht besonders ausgezeichnet, so dass sich keine der Verbrauchernachfrage entsprechende Produkt- und Preisdifferenzierung am Markt einstellen konnte. Ziel der Studie der Universität Kassel war es, das Marktpotenzial für Fleisch aus extensiver Mutterkuhhaltung zu untersuchen. Die Ergebnisse signalisieren, dass Verbraucher Produkte aus artgerechter Haltung zu schätzen wissen.
Eine individuelle Vermarktung durch die besondere Herausstellung von Fleisch aus extensiver Mutterkuhhaltung am Verkaufsort bietet ein großes und bisher weitgehend ungenutztes Potenzial artgerechte Tierhaltung zu fördern und Naturschutz- und Grünlandstandorte mit ihrer Artenvielfalt in Flora und Fauna zu erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass Verbraucher über die besonderen Produktionsweisen aufgeklärt werden.
Autor: Wolfgang Ritter
Was bedeutet BIO in der Bienenhaltung?
Marc Schüller, Imkerei „Die Bienenhüter“, www.die-bienenhueter.de
Zusammenfassung zum Vortrag vom 6.2.15 im Rudolf Steiner Haus Nürnberg von M. Schüller
Die Wörter „ökologisch“ und „biologisch“ sind wie im gesamten Lebensmittelbereich, auch bezüglich Bienenprodukte, geschützt. Nur Produkte einer Imkerei, die nach den Richtlinien der Bio-Verordnungen zertifiziert ist, dürfen diese Bezeichnungen tragen. Diese regeln alle Betriebs- und Produktionsschritte in einer Imkerei. Hierbei werden externe Bedingungen berücksichtigt, aber auch interne Gegebenheiten. Im Wesentlichen sind es sieben Knackpunkte, die eine Imkerei zu entscheiden hat und aus denen sich seit 2000 folgende Basis-Vorgaben für eine Zertifizierung nach den EU-Richtlinien entwickelt haben:
Die Standortwahl: Innerhalb des Sammelradius eines Bienenvolkes müssen mögliche Belastungen und Verunreinigungen der Produkte wie Wachs und Honig ausgeschlossen sein. Am Standort sollten naturbelassene und/oder ökologisch bewirtschafte Flächen 4 überwiegen. Die Nahrungsgrundlage der Bienen muss vielseitig sein, was eine hohe Artenvielfalt bedingt. Konventionelle Intensivtrachten wie Raps dürfen keine Hauptquelle des Nektareintrages sein.
Die Bienenwohnungen müssen ausschließlich aus natürlichen Materialien wie Holz, Stroh etc. sein. Sämtliche Anstriche müssen entsprechend zertifiziert sein. Die Desinfektion unterliegt klaren Regeln, chemische Reinigungsmittel sind verboten.
Für den leider notwendigen Medikamenteneinsatz dürfen ausschließlich zugelassene und für die ökologische Bienenhaltung freigegebene Mittel verwendet werden, in der Regel sind dies organische Säuren und Tymolpräparate.
Die Völkermehrung und -verjüngung soll aus den natürlichen Verhältnissen eines Volkes heraus geschehen, im Regelfall ist dies ein Arbeiten mit und nicht gegen den Schwarmtrieb.
Für das zuzufütternde Winterfutter darf ausschließlich Bio-(Rohr-)Zucker verwendet werden.
Das eingesetzte Bienenwachs muss zertifiziertes Bio-Wachs sein oder aus der eigenen Imkerei stammen. Rückstandsfreiheit wird hierbei vorausgesetzt.
Bio-Imkereien haben eine besondere Dokumentations- und Transparenzpflicht. Sämtliche Arbeitsschritte unterliegen besonders hohen Anforderungen an Herstellungs- und Kontrollprozessen. Die Produktqualität muss insgesamt höheren Standards genügen, Rückstände dürfen auch in Spuren nicht vorhanden sein.
Die ökologischen Anbauverbände Bioland, Demeter, Naturland und Biokreis haben hierzu teilweise noch erheblich strengere Vorgaben. In einer konventionellen Imkerei dagegen gibt es weder Kontrollen noch spezielle Vorgaben, es gelten nur die Vorschriften des Lebensmittelrechts sowie der Tierseuchenverordnung. Von den derzeit etwa 30.000 bayerischen Imkereien waren 2012 nur etwa 0,5% als „ökologisch“ zertifiziert; die Tendenz ist jedoch steigend.
Die Imkerei „Die Bienenhüter“ ist nach den Richtlinien von Biokreis e.V. und „regional& fair“ zertifiziert. Sie fühlen sich darüber hinaus noch weiteren Vorgaben, nämlich Elementen der wesensgemäßen Bienenhaltung, verpflichtet. Der Kern dieser Betrachtungsweise sieht nicht den Imker im Mittelpunkt, sondern die Biene und „ihren Staat“. Ergebnis dieser auf Qualität und besondere Verantwortung setzenden Betriebsweise ist wie in der gesamten Landwirtschaft ein deutlich geringerer Ertrag, der eine wirtschaftliche Betrachtung dieser „Haltung“ in doppelter Hinsicht nicht zulässt. Die Vitalität der Bienen und die Nachhaltigkeit des Tuns, letztlich auch die pädagogischen Angeboten der Bienenhüter, ist dabei der eigentliche Gewinn. Richtlinien Imkerei Biokreis e.V.: http://www.biokreis.de/pic_download/1.pdf
Auszeichnungen
Auf der Internationalen Grünen Woche 2015 wurde die Edelrindersalami unseres Mitgliedes Hubert Ram/ Schneinderhof bei der Verleihung von „Bayerns beste Bio-Produkte 2015“ mit Silber prämiert. Der bayrische Landwirtschaftsminister, Helmut Brunner, überreichte Hubert Ram vom Demeter-Familienbetrieb aus Vohenstrauß in der Oberpfalz die Auszeichnung und gratulierte zum zweiten Platz. Auch wir gratulieren.
Bio-Verbraucher kaufen gerne bei unserem Firmenmitglied Petra und Manfred Ostertag in Meiersberg/ Mittelfranken ein. Die Leser von Schrot & Korn wählten sie jetzt unter die „Besten Bio-Läden 2015“. Die am Hof selbst erzeugten 40 Sorten Demeter-Gemüse überzeugten die Kunden. Wir gratulieren herzlich.
Assoziationen zwischen Industrie und Landwirtschaft – Teil 2
Auszüge aus: Rudolf Isler, Nachhaltigkeit?! Wege aus der Krise durch freie Initiativen – Wirtschaft, Staat und Kultur neu denken, Dornach/ Schweiz 2013, S. 219 ff., Copyright mit freundlicher Genehmigung durch den Verlag am Goetheanum (Teil 1 finden Sie in Info-Brief 41)
Wenn man das alles bedenkt, ist es nicht mehr so erstaunlich, dass Steiner empfahl, das Erste, was erreicht werden müsste, seien Assoziationen zwischen der Industrie und der Landwirtschaft, denn hier besteht die größte Notwendigkeit für ausgleichende Maßnahmen. In solchen Assoziationen müssen alle Beteiligten etwas von der Polarität zwischen Industrie und Landwirtschaft verstehen und damit auch von Ur-Produktion und Bodenfruchtbarkeit in der landwirtschaftlichen Individualität. Die Unterscheidungsgrenze muss nicht zwischen der Industrie und der Landwirtschaft gesucht werden, denn wir haben ja auch in der Landwirtschaft Maschinen und Gebäude. Der Industrialismus und der Kapitalismus ragen weit in die Landwirtschaft hinein. Durch ihre Arbeit bringen die Bauern aus dem Boden und aus der ganzen lebendigen Natur wirtschaftlich wertvolle Produkte hervor, und durch die Maschinen und Gebäude machen sie ihre Arbeit effizient. Sie arbeiten mit zwei Arten von Produktionsmitteln, mit der Natur und mit den technischen Arbeitshilfen, aber nicht etwa in der gleichen, sondern in polar entgegengesetzter Art. Die Unterscheidungsgrenze liegt also zwischen der Produktivität des fruchtbaren Bodens und den von Menschen geschaffenen Arbeitshilfsmitteln und Einrichtungen.
Steiner stellte im 13. Vortrag seines «Nationalökonomischen Kurses» (Rudolf Steiner Verlag Dornach/ Schweiz, 1979) dar, dass uns durch technische und organisatorische Erfindungen Arbeit erspart wird, körperliche Arbeit an der Natur. Diese Rationalisierung ist ja gerade in der Landwirtschaft in größtem Umfang geschehen, und die Arbeit an den Maschinen hat auch in der biologischen Landwirtschaft stark zugenommen, mit allen Vor- und Nachteilen. Wirtschaftliche Werte stammen einerseits aus dem bearbeiteten Boden und andererseits aus der effizient gemachten Arbeit. Der fruchtbare Boden kann durch die Benutzung und Pflege an Produktivität zunehmen, aber die Maschinen und Gebäude nehmen durch die Benutzung immer im produktiven Wert ab.
Durch solche Überlegungen erhalten wir die Grundlagen dafür, dass wir die Stellung der Land- und Waldwirtschaft in der Gesamtwirtschaft nach und nach besser verstehen und die drängenden Probleme der Nachhaltigkeit nicht in der Politik, sondern in der Wirtschaft selbst lösen können. Wenn wir Bodenschätze verbrauchen und auch aus den Abfällen nicht mehr zurückgewinnen können, müssen wir wissen, dass wir diesen Verlust nur dadurch kompensieren können, dass wir die Lebendigkeit und Leistungsfähigkeit des fruchtbaren Bodens verbessern. Das ist nicht eine Aufgabe der Staatspolitik, sondern der Wirtschaft.
Als Vorbild kann die Arbeit der Handelsfirma Remei AG mit den Baumwollbauern in Indien und Tansania gelten. Es geht darum, den Bauern an jedem Ort und in jeder Region die Möglichkeit zu geben, die für den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit nötige Arbeit zu leisten, die immens ist. Gut wird diese Arbeit nur, wenn die Bauern sie so leisten, wie sie es verstehen können, aus den Einsichten, die sie haben und sich möglicherweise mit unserer Hilfe erarbeiten. Es handelt sich um eine Entwicklungsarbeit, die an jedem Ort, in jeder Region individuell aufblühen muss. Siehe: www.remei.ch
Liebe Leserinnen und Leser,
„Eine Untersuchung zeigt, dass der Trend der vergangenen 10 Jahre stabil bleibt: Bio-Lebensmittel sind im Regal die günstigsten. Ein Großteil der Bürger greift fast ausschließlich zum Bio-Produkt. Der am häufigsten angegebene Grund: konventionelle Ware ist zu teuer und nur noch etwas für Besserverdiener.“
Träumerei? Bei weitem nicht! Was sich heute als verkehrte Welt liest, würde rasch eintreten, wenn die Preise für unsere Lebensmittel die Wahrheit sprechen würden. Denn nicht eingepreist sind im aktuellen System der konventionellen Land- und Lebensmittelproduktion die Kosten, welche bei jeder nicht nachhaltigen Form der Lebensmittelproduktion entstehen und die bislang die Allgemeinheit trägt: Die Übernutzung der Böden, die Verschmutzung der Gewässer, den Verlust an Artenvielfalt und Auswirkungen auf das Klima verursachen Schäden in Milliardenhöhe.
Doch wie teuer sind Billigprodukte wirklich? Welche Art der Land- und Lebensmittelwirtschaft können wir uns zukünftig leisten? Wie können wir erreichen, dass derjenige zahlt, der die Schäden verursacht? Am Tag des Ökologischen Landbaus 2015 (22. Januar) wurden diese und andere Fragen auf der BÖLW-Fachveranstaltung in Berlin diskutiert. Quelle: Einladung zum Tag des Ökologischen Landbaus 2015 von Peter Röhrig, BÖLW-Geschäftsführer, vom 18.12.14.
Noch ist die oben geschilderte Situation nicht erreicht, aber der Bio-Konsum nimmt weiter zu – nicht nur bei Lebensmitteln und Getränken, sondern auch bei Kleidung und Kosmetika. Immer mehr Menschen leben vegetarisch oder sogar vegan. Und auch eine zunehmende Zahl von Verbrauchern muss auf Lebensmittelunverträglichkeiten achten (siehe auch die Ergebnisse einer Befragung unter Rubrik 6).
Der Bio-Verbraucher e.V. bietet einen neuen Service an: Bio-Kumpel beraten, begleiten und unterstützen Individuen und Gruppen beim Stadtbesuch, beim Bio-Einkauf, beim Kochen und beim Kennenlernen von Bio-Lieferanten.
Leckere Sommerfrucht-Torten
Rezepte von Monika Lehner, Mein Garten und mehr, 91126 Kammerstein-Barthelmesaurach, Tel. 09178 – 328, www.gruenes–echo.de
Erdbeertorte
Zutaten für eine 26 cm Springform
Zutaten
Boden: 4 Eier, 8 EL Wasser, 100 g Zucker, Rosenwasser, Orangenöl oder Vanille (Verfeinerungen des Bodens), 2 TL abgeriebene Zitronenschale, 200 g beliebige Nüsse (Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse), 1/2 TL Backpulver
Erdbeercreme: 3 TL gemahlene Gelatine oder Agar-Agar, 5 EL Wasser, 500 g Erdbeeren, 100 g Magerquark, 8 TL Zucker, 2 TL Zitronensaft, frisch gepresst, 200 g Sahne
Zubereitung Boden
Eier und Zucker cremig rühren, Wasser und die „Verfeinerungen“ dazu, am Schluss die Nüsse, fein gemahlen und das Backpulver unterheben. Ich lasse den Teig kurz stehen zum Quellen, dann in die gefettete, mit Semmelbrösel ausgestreute Form. Den Ofen bei Umluft 160 Grad, Gas Stufe 2, 25-30 Minuten backen. Kurz auskühlen lassen, Rand mit einem Messer lösen und mit einem breiten Heber auf eine Kuchenplatte heben, wo der Obstboden dann ganz auskühlt.
Weiteres Verarbeiten
Die Gelatine oder das Agar-Agar in einem Topf mit 5 EL Wasser quellen lassen. Die Erdbeeren vorbereiten, 1/3 davon zum Dekorieren ganz lassen, den Rest pürieren, dann Quark, Zucker, Zitronensaft in das Fruchtpüree einrühren. Auf kleiner Flamme die Gelatine auflösen, (Agar-Agar muss gekocht werden), dann langsam mit dem Rührgerät unter die Erdbeercreme rühren, zum Schluss die geschlagene Sahne unterheben. Um den Boden einen Tortenring geben und die Creme gleichmäßig verteilen und glatt streichen, ein paar Stunden fest werden lassen, dann mit Erdbeeren, Minzen- oder Melissen-Blättern dekorieren.
Der Boden kann auch wunderbar als Tortenboden für Erdbeeren, Himbeeren, Kiwi … verwendet werden. Dazu auch den Tortenring nehmen, Früchte darauf und den Tortenguss – fertig.
Rosentorte
Zutaten für eine 26 cm Springform
Zutaten
Boden: 200 g Butter, 4 Eier, 1 Prise Salz, 8 EL Wasser, 150 Zucker, 200 g Buchweizen, frisch gemahlen, 200 g Mandeln, frisch gerieben, 1 TL Backpulver, 1/2 TL gemahlene Vanille
Füllung: 8 EL Preiselbeermarmelade, 200 g Sahne
Zubereitung Boden
Die Eier mit Zucker, Salz und Wasser gut mit dem Rührgerät schlagen, bis eine feste, cremige Masse entstanden ist, dann das Mehl, Backpulver, Vanille und die Mandeln vorsichtig einrühren. Die warme, flüssige, aber nicht heiße Butter am Schluss unterrühren. In eine gefettete, mit Semmelbrösel ausgestreute Form gegen, und bei 160 Grad Umluft oder Gas Stufe 2 backen. Nach kurzem Warten den Boden aus der Form lösen und auf einem Kuchengitter ganz auskühlen lassen.
Weiteres Verarbeiten
Den Boden einmal auseinanderschneiden, mit der geschlagenen Sahne und den Preiselbeeren füllen, den Deckel aufsetzen und nur mit Puderzucker und Rosenblüten dekorieren. Man kann auch die doppelte Menge an Sahne schlagen und die Torte damit umkleiden.
Was ist mit unserem Weizen los?
Arbeitskreis für Ernährungsforschung Info Nr. 2/15, www.ak-ernaehrung.de
Weizen liegt weltweit an dritter Stelle der Getreideerzeugung nach Mais und Reis. Er ist das wichtigste Brotgetreide, das über die Backfähigkeit für Brotlaibe verfügt. Neben Weizen sind noch andere Arten aus seiner Familie für Brote geeignet, nämlich die „Urgetreide“ Dinkel, Kamut, Emmer und Einkorn. Sie spielen mengenmäßig aber keine Rolle im Vergleich zum Weizen. Auch Roggen ist backfähig, Brote aus ihm sind leider in den letzten Jahrzehnten rückläufig.
Nun gibt es seit einiger Zeit Kritik vor allem an bestimmten Weizensorten. Bücher wie „Brot macht dumm“ oder „die Weizenwampe“ sind Bestseller. Sie prangern den Weizen als Ursache etlicher Krankheiten an. Auch Übergewicht, das in den USA sehr gravierend ist, soll durch Weizen begünstigt werden. Was ist los mit unserem Brotgetreide? Stimmen die kritischen Stimmen, die vor dem Genuss des Weizens warnen? Hat der Kleber, das Gluten des Weizens etwas damit zu tun? Einige Ernährungsrichtungen raten sogar davon ab, überhaupt Weizen und Produkte daraus zu verzehren. Was ist davon zu halten? Seit gut 100 Jahren verändert der Mensch gezielt viele Nahrungspflanzen durch Züchtung.
Beim Weizen standen als Zuchtziele Resistenzen gegen Schädlinge, eine verbesserte Backfähigkeit (mehr und fester Kleber) und ein höherer Ertrag im Vordergrund. Die schweren Ähren mit den dicken Körnern erforderten größere Standfestigkeit und kürzere Halme. Moderne Weizensorten werden nur noch kniehoch, ihr Halm ist damit weniger dem Licht und der Wärme der Sonne ausgesetzt, dafür mehr der Feuchte des Bodens, was Pilzerkrankungen begünstigen kann. Dies zeigt nur eine Veränderung. Der Eiweißgehalt an Gluten liegt bei Hochleistungssorten in Nordamerika um 18 %, in Bio-Anbau nur bei 12 %. Dies hat mit der Züchtung, aber auch der Art der Düngung zu tun. Hier ist der Demeter und Bio-Anbau vorzuziehen. Der Weizen hat sich also sehr verändert gegenüber früheren Zeiten, was neben positiven Effekten auch fraglich sein kann. Zu selten wurde auf die ernährungsphysiologische Wirkung gesehen. Allerdings lässt sich daraus keineswegs eine Vielzahl von Krankheiten begründen.
Im biologisch-dynamischen Landbau gibt es seit einigen Jahren eigene Züchtungen, die zum Angebot neuer Sorten geführt haben. Aus ihnen wird inzwischen Brot gebacken und im Biohandel vertrieben. Bei diesen Züchtungen wurde auf Ausgeglichenheit verschiedener Faktoren geachtet. Auch der Bio-Anbau, der auf mineralischen Stickstoffdünger verzichtet, erreicht nicht die hohen Eiweißgehalte und festen Kleber, die heute kritischer angeschaut werden. Dazu kommt die Art der Verarbeitung, denn Weizen wird meist als Mehl, Brot, Teigwaren, Grieß und Gebäck angeboten. Hier unterscheidet man, ob das ganze Korn verwendet wurde (Vollkorn) oder nur Auszugsmehle. Sie werden mit dem Mehltyp bezeichnet, der den Mineralstoffgehalt in mg angibt. Vollkorn enthält ungefähr 2000 mg Mineralstoffe. Das helle Mehl der Type 405 ist dagegen arm an Mineralstoffen und auch an Vitaminen, da diese mit den Randschichten entfernt wurden. Hier kann Mangel auftreten. Dazu kommen die weiteren Zutaten. Isst man nur süße und helle Weizengebäcke, so hat der viele Zucker ebenfalls negative Effekte.
Eine Qualitätsbetrachtung des Weizens sollte somit auf bio-dynamische Sorten, Bio oder Demeter-Anbau und die Art der Verarbeitung schauen, um die positiven Seiten des Weizens zu erleben.
Bio erleben vom 17. bis 19. Juli 2015 auf dem Nürnberger Hauptmarkt
Mitten im historischen Zentrum Nürnbergs lädt die BioMetropole zu Genuss und Kultur, Kunst und Information ein. Ca. 100 Bio- Unternehmen aus Franken, Oberpfalz und darüber hinaus bieten schmackhafte Bio-Lebensmittel, gesunde Naturkosmetik, Öko-Mode und Naturprodukte an.
Die Besucher lassen sich zum Speisen gerne im Genussgarten nieder, erfreuen sich an Verkostungen im Genusszelt und können beim erstmals stattfindenden „Geschmacksverstärker meets Bio erleben“ ein exklusives Vier-Gänge-Menü genießen. Das abwechslungsreiche Bühnenprogramm mit Musik von La Boum, Napolilatina, Freilach, Queensbeat, Kabarett mit Jan Jahn, Atze Bauer, Modenschauen und Gesprächsrunden unterhält und informiert gleichermaßen. Die ungewöhnliche Kunstaktion „Die Arche – ein Gedanke“ mit Künstler Harald Kienle animiert zum Mitmachen und Nachdenken. Ein spezielles Kinderprogramm, mit Basteln mit Naturmaterialien, Filzen, Emmerstockbrotbacken, Bungeejumping und Streichelzoos, rundet Bio erleben auch für Familien ab.
Über das ausführliche Programm sowie die Aussteller können Sie sich unter www.bioerleben.nuernberg.de informieren. Dort ist auch eine Online Anmeldung für den Geschmacksverstärker eingerichtet.
Der Bio-Verbraucher e.V. bietet am Samstag um 11.30 Uhr im Genusszelt: Brotaufstriche selbst gemacht – Demonstration mit Verkostung
Juncker stellt Gentechnik-Minireform vor
Juncker stellt Gentechnik-Minireform vor
Informationsdienst Gentechnik vom 22.04.2015 (Auszug), info@keine-gentechnik.de
Die EU-Kommission hat heute ein Anliegen ihres Präsidenten Jean-Claude Juncker abgesegnet: er will einzelnen Mitgliedstaaten die Möglichkeit geben, den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen in Lebensmitteln oder Tierfutter zu untersagen. Neue Genehmigungen sollen dadurch schneller erteilt werden – 17 Gentechnik-Pflanzen warten zurzeit auf eine Importzulassung. Doch nicht nur Gentech-Gegner sind mit den Plänen unzufrieden.
Sie glauben, dass die einzelstaatlichen Verbote vor Gericht keinen Bestand hätten. Zudem gebe es wirtschaftliche Auswirkungen. „Es liegt auf der Hand, dass insbesondere der Handel mit unkalkulierbaren finanziellen Risiken und Koexistenz-Kosten für gentechnikfreie und gentechnisch veränderte Ware belastet wäre“, schreiben die Grünen. „Aber auch Landwirte und Verbraucher würden draufzahlen, da diese Kosten erfahrungsgemäß immer an Erzeuger und Konsumenten weitergereicht werden.“
Zudem, so die von Umwelt- und Landwirtschaftsvertretern geteilte Kritik, sei dies nicht der große, demokratische Wurf, den Juncker vor seinem Amtsantritt im letzten Jahr versprochen habe. Er hatte angekündigt, in Abstimmungen über Gentechnik-Zulassungen den politischen Mehrheiten mehr Gewicht zu verleihen. Denn das für verbindliche Entscheidungen nötige Quorum wurde bislang fast immer verfehlt, worauf die Kommission den Konzernen die Genehmigung erteilte – auch wenn mehr Mitgliedstaaten dagegen gestimmt hatten als dafür.
Der Bio-Verbraucher e.V. kritisiert Junckers Reform
Wolfgang Ritter, Vorstand Bio-Verbraucher e.V.
CT: Es gibt Modelle, bei denen die Industrie an den Kosten beteiligt wird, zum Beispiel bei der Atom- oder Pestizidindustrie. Das gibt es bei der Biotechnologie bislang nicht, soweit ich weiß. Auch partizipative Verfahren zur Verteilung von Forschungsgeldern sind nicht üblich. Bei der Energiewende sind die Umweltverbände ja recht eng eingebunden, aber in den Bereichen Technologie, Innovationsförderung oder in der Umsetzung von Forschungsprogrammen spielt die Zivilgesellschaft derzeit keine Rolle.
Wir haben Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt folgenden Brief geschrieben:
Sehr geehrter Herr Bundeslandwirtschaftsminister,
Kommissionspräsident Juncker hatte bei seinem Amtsantritt versprochen, das EU-Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Pflanzen zu verbessern und demokratischer zu gestalten. Sein jetzt vorgelegter Vorschlag wird diesem Postulat nicht gerecht. Wir kritisieren insbesondere zwei Punkte:
Sein Konzept der „vergleichenden Risikoprüfung“, nach dem Gentechnik-Pflanzen geprüft werden sollen, ist ungeeignet. Die Daten, die von der zuständigen EU-Prüfbehörde EFSA zur Zulassung der Gentechnik-Pflanzen herangezogen werden, genügen oft nicht wissenschaftlichen Standards, stammen häufig von den Unternehmen, die die Zulassung beantragen, werden als Betriebsgeheimnisse unter Verschluss gehalten und können somit nicht durch unabhängige Untersuchungen überprüft werden. Statt mit Verflechtungen zur Industrie aufzuräumen und kritische Wissenschaftler in den Beurteilungsprozess mit einzubeziehen, wird die Machtposition der EFSA als alleinige und unanfechtbare Instanz der Risikobewertung weiter gestärkt. Statt diese Behörde, die immer wieder durch wenig verlässliche Risikobewertungen und eine auffällig gentechnikfreundliche Haltung auffiel, zu reformieren, soll sie nun auf gesetzgeberischem Weg der Kritik der Mitgliedsstaaten entzogen werden. Das ist unwissenschaftlich und undemokratisch!
Sein Vorschlag, die Entscheidung über die Einfuhr und Vermarktung gentechnisch veränderter Lebens- und Futtermittel an die Mitgliedsstaaten zurückzudelegieren, bedeutet eine Absage an eine gemeinsame Europa-Politik in dieser Angelegenheit. Die Kommission will nicht mehr entscheiden müssen, weil sie so oft im Fokus der öffentlichen Kritik stand. Eine überwältigende Mehrheit der europäischen Bevölkerung will keine Gentechnik auf Acker und Teller. Diese klare Mehrheit der europäischen Bevölkerung muss endlich berücksichtigt werden durch Beteiligung des EU-Parlaments am Zulassungsverfahren.
Herr Bundeslandwirtschaftsminister, setzen Sie sich für eine Verbesserung des Gentechnik-Zulassungsverfahrens im Sinne der Bürger ein. Lassen Sie sich nicht mit dem Vorschlag einer Renationalisierung abspeisen. Legen Sie konkrete Vorschläge vor, wie die verpflichtende Kennzeichnung tierischer Produkte, die mit Gentechnik-Futtermitteln hergestellt wurden, umgesetzt werden soll. Diese Hausaufgabe hatte sich die Bundesregierung mit dem Koalitionsvertrag vorgenommen.
Bio-Mehlartikel stark belastet
In Öko-Test 5/2015 werden die Test-Ergebnisse für 21 Mehlsorten veröffentlicht – 13 konventionelle und 8 Bio-Sorten. Alle erzielen die Note „sehr gut“ bzw. „gut“. Nur ein Produkt fällt durch: Rossmanns EnerBio Buchweizenmehl Vollkorn, glutenfrei. Testurteil: „mangelhaft“. Grund: sehr stark erhöhter Mineralölgehalt. Ursache: Verpackung/ Umkartons könnten die Eintragsquelle sein.
Forschungsergebnisse zu Salat- und Sojaanbau in Deutschland
Forschungsinstitut für biologischen Landbau/ FiBL Deutschland e.V., forschung@fibl.org,
Auszüge aus Newsletter 2015
Entwicklung von Salatsorten mit verbesserter Anpassungsfähigkeit durch dezentrale Züchtung (FKZ 10OE064)
Das Ziel eines gemeinsamen Forschungsvorhabens des Julius Kühn-Instituts und Kultursaat e.V. war es, Salate mit guten Produkteigenschaften und einer hohen Anpassungsfähigkeit für den ökologischen Landbau zu entwickeln. Wichtige Zuchtmerkmale waren Trockentoleranz, Anpassung an geringen Nährstoffbedarf, Schoßfestigkeit, Innenbrandtoleranz, Widerstandsfähigkeit gegenüber Schaderregern (v.a. Bremia lactucae) sowie der Geschmack. Im Ergebnis konnten gute, regional unterschiedlich geeignete Salate mit deutlich verbesserten Eigenschaften gezüchtet werden, die je nach Entscheidung des Züchtervereins beim Bundessortenamt angemeldet werden können. http://orgprints.org/28389/
Ausweitung des Sojaanbaus in Deutschland durch züchterische Anpassung sowie pflanzenbauliche und verarbeitungstechnische Optimierung (FKZ 11NA001, FKZ 11NA002, FKZ 11NA003, FKZ 11NA004, FKZ 11NA005, FKZ 11NA006, FKZ 11NA007 und FKZ 11NA008)
In einem 3-jährigen Projekt wurden verschiedene züchterische, pflanzenbauliche und verarbeitungstechnische Maßnahmen zur Förderung des Sojaanbaus in Deutschland untersucht. Bei der Sortenprüfung in ganz Deutschland zeigte sich, dass die Anbauwürdigkeit von Soja an fast allen der geprüften Standorte gegeben war. Wichtige pflanzenbauliche Erkenntnisse und Empfehlungen für eine erfolgreiche Sojaaufbereitung konnten erzielt werden. An dem von FiBL Deutschland koordinierten Projekt wirkten die Universitäten Göttingen, Hohenheim und Kassel, die FH Osnabrück sowie das Julius Kühn-Institut mit. http://orgprints.org/28484/