10 gute Gründe für Bio

Dr. Werner Ebert, BioMetropole Nürnberg, werner.ebert@stadt.nuernberg.de, T. 0911-231-4189

Echter Geschmack: Bei Biolebensmitteln schmecken die Zutaten. Geschmacksverstärker und künstliche Aromen, Konservierungsmittel, Süßstoffe oder künstliche Farbstoffe sind verboten. Natürliche Aromen kommen nur in ganz wenigen Produkten vor. Stattdessen gibt es echte Früchte, reichlich Gewürze und naturreine ätherische Öle. Denn ökologisch angebautes Obst und Gemüse hat einen geringeren Wassergehalt und lässt dadurch den Geschmack deutlicher hervortreten. In herkömmlichen Lebensmitteln dagegen sind bis zu 400 verschiedene Zusatzstoffe enthalten.

Mehr Gesundheitsstoffe/ wenig Zusatzstoffe: Über 400 Zusatzstoffe sind für Lebensmittel erlaubt, einige davon können Allergien auslösen oder verursachen bei Kindern Hyperaktivität. Für Biolebensmittel sind nur 40 Zusatzstoffe zulässig, manche nur für wenige Produkte. Es gilt der Grundsatz: „Was nicht notwendig ist, kommt auch nicht rein.“ Dafür mehr sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. mehr Vitamine und Mineralstoffe.

Schutz für die Tiere: Scharren im Sand, Grasen auf der Weide – Bio-Tiere dürfen das. Die Richtlinien schreiben eine artgerechte Haltung vor: Mehr Platz im Stall, genug Auslauf, kein Kraftfutterdoping, sondern ein zur Tierart passendes Ökofutter. Bei Krankheit geben Biobauern Homöopathie und Naturheilkunde Vorrang. Verboten ist tierquälerische Massentierhaltung. Antibiotika werden nur im Ausnahmefall eingesetzt.

Frei von Agrochemikalien (Pestizide, Fungizide, Herbizide): Biobauern dürfen keine synthetischen Pestizide spritzen. Deshalb finden sich in Bioerzeugnissen kaum Rückstände dieser Gifte. Auch der Umwelt bleiben Pestizidduschen erspart. Insbesondere Glyphosat ist verboten. Biobetriebe sitzen jedoch nicht unter einer „Glocke“ und unterliegen Umwelteinflüssen.

Vielfalt auf dem Acker/ fruchtbare Böden: Biobauern verzichten auf Spritzgifte und Monokulturen und schonen so seltene Pflanzen, Insekten und Vögel. Randstreifen, Hecken und kleine Biotope bieten den gefährdeten Arten zusätzlich Platz zum Leben. Das wertvolle Kapital ist der Boden. Es wird permanent daran gearbeitet, die Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen. Besonders bedeutend ist der Fruchtwechsel: Das heißt, dass auf einem Feld nacheinander verschiedene Kulturen angebaut werden. Dabei wird darauf geachtet, dass dem Boden die Nährstoffe, die ihm von einer Pflanze entzogen wurde, von der nächsten Pflanze möglichst wieder zugeführt werden. Dadurch wird der Boden geschont und bleibt nahrhaft.

Gut für’s Klima: Biobauern verbrauchen vor allem durch den Verzicht auf Kunstdünger ein Drittel weniger Energie für die gleiche Menge Nahrung als konventionelle Bauern. Durch die organische Düngung bauen ihre Wiesen und Äcker mehr Humus auf und binden so Kohlendioxid.

Ohne Gentechnik: Der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) ist im Ökolandbau verboten. Das gilt für Gensoja im Futtertrog ebenso wie für gentechnisch hergestelltes Lab in der Käserei oder GVO-Enzyme im Brötchenteig. In konventionellen Lebensmitteln müssen die drei letztgenannten GVO-Verwendungsmöglichkeiten nicht einmal gekennzeichnet werden. Das Bio-Siegel für tierische Produkte gibt an, dass die Tiere nicht mit genmanipuliertem Futter versorgt worden sind.

Transparente Herstellung, regelmäßige Kontrolle: Nach ökologischen Richtlinien erzeugte Lebensmittel werden mit dem Bio-Siegel und den Verbandskennzeichen klar gekennzeichnet: Durch eine auf dem jeweiligen Produkt vermerkte Kontrollnummer kann der Herstellungsprozess des Produktes genau nachvollzogen werden. Darüber hinaus werden alle Bio-Landwirte mindestens einmal pro Jahr von einem Kontrollgremium auf ihrem Hof besucht. Das Gremium untersucht, ob die Landwirte die vorgeschriebenen Richtlinien für Bio-Produkte einhalten. So wird sichergestellt, dass die Konsumenten beim Kauf eines Bio-Produktes auch tatsächlich ein qualitativ hochwertiges Lebensmittel erhalten.

Faire Preise/ Regionalität: Gerechte Preise und ein faires Miteinander haben in der Biobranche einen hohen Stellenwert. Nicht nur im Handel mit Entwicklungsländern, sondern auch hierzulande im Rahmen von Vertragsanbau. Das zeigen die vielen Auszeichnungen, die Biounternehmen erhalten. Im Bio-Fachhandel sind im hohen Maße regionale Produkte zu finden. Kleine Hersteller beschäftigen mehr Menschen als große Massenfabrikanten. Und in einem Biomarkt arbeiten mehr Menschen als in einer Discounterfiliale. Insgesamt bietet die Biobranche in Deutschland je nach Schätzung 130 000 bis 160 000 Arbeitsplätze.

Ganzheitliches Denken: Viele Biobauern begreifen ihren Betrieb als Teil eines natürlichen Kreislaufs. Ihr Ziel ist es nicht, aus Boden und Tieren das Maximale, sondern das für Umwelt, Mensch und Tier Optimale herauszuholen. Sie arbeiten am erfolgreichsten, wenn der natürliche Kreislauf funktioniert. Wir fördern dieses Denken und Handeln durch unseren Einkauf.

Glyphosat – Unkrautvernichter unter Krebsverdacht

Foodwatch newsletter vom 04.03.2017 (Asuzug), aktuell@foodwatch.de

Das ist das Problem
Glyphosat ist das weltweit am häufigsten verwendete Unkrautvernichtungsmittel. Doch die gesundheitlichen Auswirkungen der Chemikalie sind umstritten, es bestehen Zweifel an der bisherigen Bewertung seiner Giftigkeit. Im März 2015 stufte die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Stoff als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ ein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) teilt diese Bedenken nicht.

Das ist der Stand
Einen Tag bevor die Zulassung für den Wirkstoff Glyphosat am 30. Juni 2016 auslief, hat die Europäische Kommission die Zulassung bis Ende 2017 verlängert. Die Mitgliedsstaaten hatten sich zuvor trotz mehrerer Anläufe nicht auf eine gemeinsame Position einigen können. Nun soll die Europäische Chemie-Agentur (ECHA) innerhalb von 18 Monaten Glyphosat bewerten und dabei ausdrücklich auch die Einschätzung der WHO-Krebsforscher berücksichtigen.

Das fordert foodwatch
Mit der Beauftragung der Europäischen Chemie-Agentur (ECHA) erkennt die EU-Kommission an, dass es Zweifel an der Unbedenklichkeit von Glyphosat gibt. In dem Fall müsste die EU-Kommission aus Sicht von foodwatch das im EU-Recht verankerte Vorsorgeprinzip anwenden. Das heißt: Solange seriöse Hinweise auf gesundheitliche Risiken im Raum stehen, darf Glyphosat nicht weiter auf dem Acker eingesetzt werden.

Zwei Ergänzungen durch die Redaktion:

  1. Inzwischen wurde eine Europäische Bürger-Initiative (EBI) gestartet, die ein Verbot von Glyphosat zum Ziel hat (siehe dazu den Beitrag in Rubrik 7).
  2. Das von der  Europäischen Chemie-Agentur (ECHA) angeforderte Gutachten liegt jetzt vor. Danach ist das Pflanzenschutzmittel Glyphosat nicht krebserzeugend.

Vollkornreis voll Arsen

Bericht: Wolfgang Ritter

Als gelernter Reformhaus-Fachkaufmann und ernährungsbewusster Konsument empfahl und kaufte ich bisher möglichst Vollkorn-Produkte. Bei Reis, so musste ich jetzt erfahren, ist das ungesund, ja gefährlich. Die Reispflanze nimmt anorganisches Arsen (krebserregend) aus Erde und Wasser auf und lagert es in den Korn-Randschichten ab. Außerdem sind die Reiskörner oft mit Mineralöl belastet. ÖKÖ-Test 2/2017 zeigt, dass das leider auch für viele Bio-Produkte zutrifft. Alle fünf untersuchten Bio-Vollkornreis-Packungen und die zwei untersuchten konventionellen Produkte weisen erhöhte bzw. stark erhöhte Arsenwerte auf. Drei Bio-Artikel und ein konventioneller Artikel sind auch noch mineralölbelastet. ÖKÖ-Test gibt folgende Noten:

  • befriedigend: Dennree Langkornreis Bio, Holo Camarque Naturreis Langkorn Bio
  • mangelhaft: Basic Langkornreis Natur Bio, Rapunzel Langkorn Spitzenreis Natur Bio
  • ungenügend: Alnatura Naturreis Langkorn Bio, Ahama Vollkorn Reis Parboiled, Uncle Ben’s Loser Reis Natur-Reis

Sieben untersuchte Packungen konventioneller „Weißer Langkornreis“ weisen ebenfalls erhöhte bzw. stark erhöhte Arsenwerte auf, aber fast keine Mineralölbelastungen. Besser schneiden die sieben untersuchten Basmati-Reis-Produkte ab.

  • sehr gut:      Bon-Ri Basmatireis
  • gut:             Davert Echter Basmati Reis Demeter Fairtrade, Tip Basmatireis
  • befriedigend: Reishunger Basmati Reis Bio, Golden Sun Traditioneller Basmati Reis, Gut & Günstig Basmati Reis
  • ausreichend:  Gepa Weltküche Bio Basmati Fair

Die Preisspanne für ein Kilogramm Espresso reicht von 7,80 – 35,00 Euro (mittlere Preise). Manch höherer Preis mag durch biologischen Anbau und/ oder fairen Handel gerechtfertigt sein. Andere Firmen versuchen einfach den Kaffeehandel zu einer Goldgrube zu machen. Vergleichen Sie selbst:

Schokolade – ein großartiges Geschäft?
Bericht: Wolfgang Ritter

Am 4. März 2017 wurde in Fürth „Das Welthaus“ eröffnet, das faire, ökologische Kleidung und faire, ökologische Lebensmittel verkauft. Bei diesem Ereignis gab es eine Ausstellung zu sehen, die die Kostenanteile konventioneller Schokolade zeigte. Die 0,79 € für eine 100g-Tafel Vollmilchschokolade verteilen sich nach der Darstellung des INKOTA-Netzwerk e.V. wie folgt: Supermarkt 35%, Produzent 33%, Staatliche Behörden  12%, Kakao-Mühlen 7%, Großhandel  7%, Kakao-Bauern 6% (1980: 16%).

Nach dieser Aufstellung profitieren die Schokoladen-Produzenten und –Verkäufer am meisten.

  • Zu den 10 weltgrößten Schokoladenfirmen zählen auch die bei uns bekannten: Mars, Ferrero, Nestlé, Lindt & Sprüngli, Storck.
  • Die fünf größten Supermarktketten in Deutschland sind: Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro (zusammen 90 Prozent Marktanteil)

Der geringe Anteil für die kleinbäuerlichen Erzeuger bedeutet:

  • Alle Familienmitglieder müssen mitarbeiten (in Westafrika etwa 2,2 Mio. Kinder).
  • Die Familien leben oft am Existenzminimum.
  • Niedrige Börsenpreise für Schokolade können zur Existenzvernichtung führen.

Deshalb kommt es auf uns Verbraucher an, möglichst fair gehandelte Produkte zu gerechten Preisen zu kaufen, denn jeder Kauf bedeutet: „Gefällt mir, produziere das gleiche Produkt erneut und biete es weiterhin an!“ So entscheiden wir mit unserem Kauf darüber, ob Kleinstlandwirte in der Dritten Welt überleben können. Was für die Schokolade gilt, trifft auch zu für Kaffee, Tee, Südfrüchte und andere Import-Artikel.

Höhere Gemüseerträge durch Düngung mit Futterleguminosen-Schnittgut

Forschungsergebnisse (Auszüge); Quelle: www.forschung-oekolandbau.info/de/newsletter-januarfebruar-2017.html

Im ökologischen Gemüsebau werden hohe Nährstoffmengen benötigt, um qualitativ hochwertiges Gemüse zu produzieren. Der Nährstoffbedarf kann bisher nicht ausreichend durch ökologisch erzeugte Düngemittel gedeckt werden. Zum Einsatz kommen überwiegend organische Reststoffe aus der konventionellen Landwirtschaft. An dieser Stelle setzte das Forschungsvorhaben mit dem Ziel an, ein stickstoffreiches Düngemittel aus Futterleguminosen-Schnittgut für den ökologischen Gemüsebau zu entwickeln und in Spinat und Rote Rübe zu erproben. Es sollte junges Schnittgut mit einem C/N-Verhältnis von ≤ 10 geerntet werden, welches nach Einarbeitung in den Boden schnell mineralisiert.

Im dritten Teil der Arbeit wurde die Düngewirkung des Futterleguminosen-Schnittguts auf den Ertrag, die N-Aufnahme, die scheinbare N-Verwertung, die N-Verwertung mittels 15N markiertem Schnittgut sowie die Nährstoffversorgung und Aufnahme durch Spinat und Rote Rübe untersucht. Getestet wurde vermahlenes Schnittgut von Rotklee, Schwedenklee, Weißklee, Weißklee-Pellets sowie Hornmehl und Maltaflor in zwei Düngestufen jeweils in Feldversuchen mit einer ungedüngten Kontrolle zum Vergleich.

Die Frisch- und Trockenmasseerträge des Spinats wurden durch den Einsatz des Futterleguminosen-Schnittguts als Düngemittel an allen Standorten signifikant gesteigert. Die Steigerungen der FM-Erträge bei Spinat lagen zwischen ca. 20 % im Jahr 2014 und bis zu 120 % im Jahr 2015. Die FM-Erträge der Roten Rübe stiegen durch eine Düngung mit Futterleguminosen-Schnittgut im Jahr 2014 um ca. 20 bis 30 % und im Jahr 2015 um ca. 43 %. Auch die Folgekultur Rukola reagierte auf die Düngung mit Futterleguminosen-Schnittgut zur Vorkultur Spinat durch einen Anstieg der FM-Erträge um im Mittel 49 %.

Das Ziel der Entwicklung eines ökologisch erzeugten Düngemittels konnte erreicht werden. Es steht somit ein Verfahren zur Verfügung: ein regional erzeugbares stickstoffreiches organisches Düngemittel auf Basis von Futterleguminosen zu erzeugen und erfolgreich einzusetzen.

Wie sieht der Ökolandbau der Zukunft aus?

Vier Ansichten von Jungbauern, erschienen in Lebendige Erde 1/ 2017, www.lebendigeerde.de; Auszug: Wir geben hier drei Ansichten wieder.

Ökolandbau als weltweite Agrarkultur
Henrik Maaß, junge AbL

Ich sehe im Ökolandbau die Landwirtschaft der Zukunft. Dabei ist Ökolandbau nicht nur ein Zertifizierungs- oder Anbausystem, sondern eine Agrarkultur. In der Ökobranche sehe ich zur Zeit die Gefahr, sich zu sehr an den Mainstream anzupassen, um damit gesellschaftlichen Zwängen zu entsprechen. Mein Wunsch ist, dass sich der Ökolandbau seinen Grundwerten und Prinzipien treu bleibt und sich am Leitbild einer biobäuerlichen Agrarkultur weiter entwickelt. Schwachpunkte im Ökolandbau sehe ich z.B. in den Wachstumsschritten. Die Nachfrage nach Bioprodukten ist viel größer als die Erzeugung und es wird zwanghaft versucht, an Rohware zu kommen, wobei Regionalität oft vernachlässigt wird. Dadurch bleiben die Erzeugerpreise zu niedrig und der wirtschaftliche Druck aus der kapitalistischen Denkweise (mehr Wachstum) wird so groß, dass letztendlich die ökologischen Werte unter den Tisch fallen.

Die Entwicklung des Ökolandbaus muss gemeinsam mit gesellschaftlicher Veränderung einhergehen. Interessant ist hier z.B. die Degrowth-Bewegung. Der Ökolandbau sollte sich als ein Teil der Bewegung für Ernährungssouveränität verstehen, solidarisch mit Kleinbauern weltweit und gemeinsam mit der Gesellschaft, um unser gesamtes Ernährungssystem ökologischer und sozial gerechter zu gestalten.

Prinzipien der Nachhaltigkeit für die gesamte Landwirtschaft
Theresa Ungru, konventionelle Landwirtin

Ich finde es toll, was der ökologische Landbau macht. Doch ich sehe auch Grenzen. Nicht jeder Betrieb kann ein Ökobetrieb werden. Der Betrieb bestimmt, wo man ist. Hier gilt es, die Chancen zu sehen und das Beste daraus zu machen. Für den Ökolandbau wünsche ich mir natürlich auch, dass er weiter wächst und viele Konsumenten überzeugen kann. Weil die Prinzipien der Nachhaltigkeit, die der Ökolandbau in seinen Statuten hat, für alle Landwirte gelten sollten. Ich habe mich diesen auch verpflichtet, jedoch ohne Siegel. Für beide Landwirtschaftsformen (konventionell und ökologisch) wäre mehr unternehmerisches Denken erstrebenswert: Startups, nicht immer nur neue Ställe bauen, sondern innovativ werden, statt passiv abzuwarten.

Vertrauen der Verbraucher nicht enttäuschen
Stefanie Pöpken, provieh

Ich sehe den Ökolandbau als Vorreiter einer artgemäßeren Nutztierhaltung. Zwar gibt es hier auch noch Konflikte zu lösen, wie beispielsweise die männlichen Eintags-Küken bei der Legehennen-Zucht, die männlichen Kälber in der Milchviehhaltung oder die ganzjährige Anbinde-Haltung von Milchkühen. Dennoch habe ich den Ökolandbau bzw. viele seiner Mitglieder bisher als selbstkritisch und lösungsorientiert wahrgenommen und bin überzeugt, dass er sich dieser Probleme stellen wird.

Von all dem kann auch die konventionelle Landwirtschaft profitieren und bei der Nutztierhaltung einiges verbessern. Ein Großteil der Verbraucher schenkt dem Ökolandbau sehr viel Vertrauen und ist bereit, für Bioprodukte mehr Geld auszugeben. Dieses Vertrauen gilt es auch zukünftig zu erhalten. Hier hoffe ich auf eine offene und transparente Kommunikation seitens der Bioverbände. Es wäre schön, wenn sich noch mehr Landwirte für die ökologische Landwirtschaft entscheiden würden. Im Grunde geht es doch um nichts anderes, als nachhaltig mit den Tieren und der Natur im Einklang zu wirtschaften und die bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten.

Assoziatives Gespräch zur Milchqualität

Bericht von Wolfgang Ritter

Die BioFach 2017 bot Gelegenheit zu einem erneuten Gespräch zwischen dem Geschäftsführer der Molkerei Schrozberg, einem Milchbauern, der zugleich Vorstandsmitglied in der Molkerei-Genossenschaft Schrozberg ist, einem weiteren Landwirt und einem Verbraucher. Dabei erfuhr der Verbrauchervertreter nicht nur Dinge, die er wissen wollte, sondern auch einige interessante Details über aktuelle Vorgänge in der Molkerei.

Eine Untersuchung von Natur-Joghurt-Proben mehrerer Molkereien im Sommer 2014 hatte gezeigt, dass Proben von Schrozberg einen geringeren Gehalt an grünfuttertypischen Omega-3-Fettsäuren (n3 und CLA) aufwiesen als Demeter-Natur-Joghurte anderer Molkereien. Die Prüfer führten dieses Ergebnis auf intensivere Milchwirtschaft mit geringeren Grünfutteranteilen im Einzugsbereich von  Schrozberg zurück. In bisher geführten Gesprächen mit dem zuständigen Demeter-Berater und Molkerei-Vertretern hatten die Verbraucher-Vertreter Dr. Habisreitinger und Wolfgang Ritter erfahren, dass man an der Verbesserung der Milchqualität arbeite und dass eine erneute Prüfung angestrebt sei.

Auf Nachfrage erfuhr Wolfgang Ritter nun, dass Molkerei-Vertreter und Demeter-Berater dankbar für das Interesse der Verbraucher an der Milchqualität seien, denn damit hätten sie ein gutes Argument gegenüber den Milchviehhaltern in der Hand, warum sie sich anstrengen müssten, mehr Weidegänge zu organisieren bzw. mehr Grünfutter von den Weiden zu holen. Manche Bauern hatten bisher oft den höheren Zeitaufwand und die höheren Kosten gescheut, weil ihre Weiden nicht direkt am Hof lägen. Man habe nun in kontinuierlicher Arbeit mit den Landwirten erreicht, dass die Kühe häufiger auf der Weide stehen und mehr in Hofnähe angepflanzt wird.

Beim jüngsten Erzeuger-Treffen Anfang März wurden von Beratern und Molkerei-Vorstand Strategien dazu vorgeschlagen und uns übermittelt:

  1. Ackerland am Hof fünf Jahre lang (statt drei Jahre) mit Kleegras zu bestellen, um mehr Grünfutter in Hofnähe schneiden zu können
  2. Ackerland in Hofnähe mit einer trittfesten Weidemischung statt mit Kleegras zu bestellen, damit die Milchkühe dort grasen können.

Die Demeter-Bewirtschaftung wird den Milch-Lieferanten gut honoriert; sie erhielten 2016 mehr als 50 Cents pro Liter. Die Milch kommt von relativ kleinen Höfen mit durchschnittlich nur 38 Milchkühen. Die konventionell gehaltene Kuh liefert im Schnitt etwa 8.000 Liter Milch im Jahr, die Demeter-Kuh nur 5.500 Liter. Die konventionelle Hochleistungskuh hat etwa drei bis sechs Quadratmeter zur Verfügung, muss wegen Verletzungsgefahr genetisch hornlos sein oder hornlos gehalten werden, hat keinen Weidegang, erhält wenig Grün-, aber viel Kraftfutter. Demeter-Kühe werden nicht enthornt und haben 11 – 12 m² Platz. Die Molkerei Schrozberg verarbeitet die Milch ihrer etwa 100 Lieferanten zu 35 Produkten in 120 Verpackungseinheiten. Die Meinung von Wolfgang Ritter: Für artgerechte Tierhaltung, qualitativ hochwertige Milch und Milchprodukte und die Erhaltung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft sind bewusste Verbraucher bereit tiefer in die Tasche zu greifen.

Um den Zucker für Frucht-Joghurt und andere Milchprodukte aus der Region beziehen zu können, haben der Demeter e.V. und die Molkerei Schrozberg das Projekt „Regionaler Zuckeranbau für Demeter-Erzeuger“ gestartet. Jeder Demeter-Landwirt in der Region um Schrozberg, der bereit ist Zuckerrüben für die Molkerei anzubauen, erhält eine Prämie von 500 Euro/ Hektar (250 € von Demeter und 250 € von der Molkerei). So ist allen geholfen: Die Bauern haben durch den Zuckerrübenanbau ein zusätzliches, gesichertes Einkommen, die Molkerei erhält ihren Zucker auf kürzestem Weg. Auf hundert Quadratmetern rund um Schrozberg wird nun schon Demeter-Zucker angebaut.

Liebe Leserinnen und Leser,

eine interessante Nachricht unseres Firmenmitglieds SEKEM/Ägypten:

Prinz Charles hält bio-dynamischen Landbau für wichtig

“Rudolf Steiner war eine der ersten Persönlichkeiten der modernen Zeit, der die Wirkenszusammenhänge in der Landwirtschaft erkannte  und die Verbindung von Bodenfruchtbarkeit und Gesundheit von Pflanzen, Tieren und Menschen beschrieb”, sagte SEKEM-Unterstützer Prince Charles kürzlich bei einer Landwirtschafts-Tagung am Goetheanum in Dornach/Schweiz (im Februar 2017).

Der Prinz of Wales hatte den 750 Teilnehmern aus 36 Ländern eine Video-Botschaft gesandt und betonte in ihr, Rudolf Steiners Ansatz habe in keiner Weise an Aktualität verloren und viele der heutigen Probleme hätten vermieden werden können, wenn man seine Gedanken schon damals aufgegriffen hätte. Charles zeigte sich von der Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes für die Landwirtschaft überzeugt und meinte, “das vorherrschende Wirtschaftssystem versäume die Vorteile solcher Systeme zu benennen.”

SEKEM hat sich diesem ganzheitlichen Ansatz schon seit 40 Jahren verschrieben und nimmt damit eine Pionierrolle ein. Durch die Einführung der biologisch-dynamischen Landbaumethode gelang es Dr. Ibrahimn Abouleish, seinen Unterstützern und Mitarbeitern Wüstenboden in Ägypten fruchtbar zu machen. Damit zeigten er und sein Team, dass man Bodenfruchtbarkeit und Ernährungssicherheit auf nachhaltige Weise mit der bio-dynamischen Landbaumethode am besten erreicht.

Quelle: SEKEM-Mitarbeiter Sherif Abou El Naga, aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Ritter, SEKEM News, 28.02.2017; www.sekem.com/en/news/

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Instant-Gemüsebrühe selber Machen

Der Bund Naturschutz Nürnberg gibt monatlich – unterstützt durch den Bio-Verbraucher e.V. – den Marktschirm heraus. Er zeigt auf, welche Gemüse- und Obstsorten die Saison und die Region zu bieten hat und was man daraus kochen kann. Man kann sich den Marktschirm auch zuschicken lassen. Kontakt: BUND Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Nürnberg-Stadt, Endterstraße 14, 90459 Nürnberg, Tel: (0911) 45 76 06, info@bund-naturschutz-nbg.de

Es gibt einen Arbeitskreis Ernährung, der sich jeden letzten Mittwoch im Monat in der Endterstr. 14 um 18:30 Uhr trifft. Kontakt: Iris Torres-Berger, Tel. 0911-89374098, I.Torres@web.de. Wir entnehmen der Dezember-Ausgabe 2016 das Gemüsebrühe-Rezept.

Instant-Gemüsebrühe, lässt sich mit einem Mixer schnell und einfach selbst herstellen. Sie brauchen dafür lediglich ein paar frische Kräuter, knackiges Gemüse, das jetzt zur Winterzeit Saison hat, und als natürliches Konservierungsmittel eine ordentliche Portion Salz. Die Mühe lohnt sich!

Zutaten: 1 Knollensellerie, 3 große Möhren, 2 Stangen Lauch, 4 große Zwiebeln, 1 Bund Petersilie, 1 Bund Liebstöckel, 150 g Salz, wer will 6 Knoblauchzehen

Sellerie, Möhren und Zwiebeln schälen. Lauch gründlich waschen. Gemüse in grobe Stücke schneiden und Kräuter grob hacken. Knoblauchzehen schälen und mit Gemüse und Kräutern im Mixer etwa 2-3 Minuten fein häckseln. Salz zugeben und auf zwei bis drei Blechen mit Backpapier verteilen. 5 Stunden bei 80° trocknen lassen und immer wieder wenden. Dann mit einem Mixer oder Mörser zerkleinern bzw. pulverisieren und in Gläser abfüllen.

Etwa 1-2 Teelöffel der selbstgemachten Instant-Brühe reichen für 500 ml Flüssigkeit und ein volles, würziges Aroma ohne Geschmacksverstärker. Die Brühe lässt sich mit Chili, Ingwer und Koriander beliebig abwandeln.

Kein Patent auf Bier!

Pressemitteilung von No patents on seeds vom 17.11.2016, Auszüge

Das Europäische Patentamt (EPA) hat 2016 drei Patente an die dänische Firma Carlsberg vergeben, die sich auf Gerste aus konventioneller Züchtung und ihre Verwendung durch Brauereien sowie das so produzierte Bier erstrecken. In einem gemeinsamen Brief fordern nun mehrere Nichtregierungsorganisationen, dass Carlsberg die Patente zurückzieht. Sie werfen dem Unternehmen vor, das Patentrecht zu missbrauchen und entgegen den Interessen der VerbraucherInnen zu handeln.

„Auf Bier und Braugerste darf es keine Patente geben. Das Züchten von Pflanzen und das Bierbrauen beruhen auf jahrhundertealter Tradition“, sagt Christoph Then von No patents on seeds! „Carlsberg muss jetzt zeigen, dass sie einfach gutes Bier brauen wollen und nicht gegen die Interessen der Konsumenten handeln. Wir akzeptieren keine Patent-Monopole, egal ob Monsanto, Bayer oder Carlsberg sie besitzen.”

Zwei der drei Patente basieren auf zufälligen Mutationen im Erbgut der Gerste (EP2384110 und EP2373154). Deren Ernte soll sich deswegen besonders gut für das Bierbrauen eignen. Das Dritte Patent (EP2575433) beruht auf einer Kombination der Eigenschaften dieser Gerste durch weitere Züchtung. Jedes der Patente umfasst die Pflanzen, deren Ernte, den Prozess des Bierbrauens, Produkte wie Malz und Würze sowie jegliche auf diese Weise produzierten Getränke. Das europäische Patentrecht verbietet Patente auf Pflanzensorten und auf konventionelle Züchtung. Das EPA, das an der Erteilung und Prüfung von Patenten verdient, hat durch seine Praxis aber dafür gesorgt, dass diese Verbote bedeutungslos wurden.

Das Europäische Parlament und mehrere europäische Regierungen haben das EPA bereits aufgefordert, die Erteilung derartiger Patente zu stoppen. Doch bisher ist das EPA dieser Forderung nicht nachgekommen. Anfang November hat die EU-Kommission eine Erklärung veröffentlicht, mit der sie die Position des EU-Parlamentes unterstützt. Ende November wird das Thema auf einem Treffen der EU-Wirtschaftsminister verhandelt. „Solange das Problem nicht durch politische Entscheidungen gelöst ist, erwarten wir, dass Carlsberg selbst Verantwortung übernimmt und diese Patente zurückzieht. Carlsberg behauptet, dass sie die Gerste dafür einsetzen wollen, beim Bierbrauen Energie zu sparen und so einen Beitrag gegen den Klimawandel zu leisten. Wenn das wirklich die Absicht von Carlsberg ist, sollte die Firma aber nicht Patent-Monopole auf Lebensmittelpflanzen beanspruchen. Wenn wir das Klima retten wollen, müssen die dafür nötigen Ressourcen für Alle zur Verfügung stehen“, sagt Iga Niznik von Arche Noah.

Kontakte: Iga Niznik, Tel: + 43 6509991305, iga.niznik@arche-noah.at,
Christoph Then, No Patents on Seeds!, Tel +49 151 54638040, info@no-patents-on-seeds.org

Projekt: Schüler erkunden Bio-Betriebe – Teil 2

Bericht von Wolfgang Ritter

Im letzten Info-Brief hatten wir darüber berichtet, dass die BioMetropole Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Bio-Verbraucher e.V. obiges Projekt erarbeitet, das allen Lehrern an Nürnberger Schulen erlauben soll, Bio-Betriebe mit Ihren Schülern zu erkunden. Aus dem entstehenden Flyer für Lehrer führen wir heute die Betriebe in Nürnberg und naher Umgebung an, die besucht werden können. Alle Betriebe sind Mitglied im Bio-Verbraucher e.V.

Bio-Gemüsebau Hofmann 
Freilandgemüse 90425 Nürnberg, Schnepfenreuther Hauptstr. 78, k.j.hofmann@web.de
Bus 31 von Thon bis Walter-Braun-Straße + 0,4 km zu Fuß

Bio-KräuterGut Dworschak-Fleischmann 
über 240 verschiedene Topfkräuter
90427 Nürnberg, Kraftshofer Hauptstraße 265, Tel. 0911 – 93 64 761, info@kraeutergut.de
Bus 31 von Thon bis Am Kriegerdenkmal

Ursula’s Gemüsehof und Hofladen
Kartoffeln, Gemüse, Naturkostsortiment
90427 Nürnberg, Dorfstr. 4, T. 0911–30 55 58, ursula.volland@gmx.de
Bus 31 von Thon bis Neunhof

Bioland-Gärtnerei Gartell und FleurEll 
Stauden und essbare Blumen & Blüten
90427 Nürnberg, Untere Dorfstr. 41, Tel.  0911 – 30 37 01, elllaura@web.de, Instagram: @fleurell;
Bus 31 von Thon bis Neunhof + 0,5 km zu Fuß

Noris inklusion gGmbH/ noris bio
Bienen und Hühner, Topfkräuter und Zierpflanzen
90425 Nürnberg, Braillestr. 27, . 6, Tel. 0911-98 185 101;
Bus 46 von Nordostbahnhof bis Großreuth h.d.V. + 0,4 km zu Fuß

Demeter-Hof Konrad Switalski
Getreide- und Feldfutteranbau, Rinder- und Schweinehaltung, Mühlenlädla
90542 Eckental-Frohnhof, Rothenbergstr. 2a, Tel. 09126 – 28 28 10, info@frohnhof-muehle.de;
Gräfenbergbahn bis Forth +15 Gehminuten

Jürgen Würth, Lebensmittelgroßhandel
Bio-Käse und Bio–Feinkost
91126 Schwabach, Am Lindlein 16, Tel. 09122 – 63 16 80, info@juergen-wuerth.de;
S-Bahn bis Schwabach-Limbach + 2 Gehminuten

Demeter-Geflügelhof Peter Schubert
Hennen- und Hähne-Aufzucht (Bruderhahnprojekt), Eier und Geflügelprodukte, Nudel-Produktion
91338 Igensdorf-Unterrüsselsbach, Ebacher Str. 3, Tel. 09192–83 03, info@gefluegelhof-schubert.de;
Gräfenbergbahn bis Rüsselbach + 15 Gehminuten

ebl-naturkost GmbH & Co. KG
Bio-Großhandel, 25 Bio-Fachmärkte in der MetropolRegion Nürnberg, Bio-Metzgerei
90766 Fürth, Am Grünen Weg 1, T. 0911–95 17 40, ebl@ebl-naturkost.de;
U 1 bis Hardhöhe + 8 Gehminuten