Liebe Leserinnen und Leser,

wir trauern um unser Gründungsmitglied Dr. Horst Habisreitinger. Er ist am 2. September im Alter von 89 Jahren verstorben. „Wir werden seine wichtigen Impulse, seine Geistesschärfe sowie seine große biodynamische Erfahrung vermissen“, würdigt ihn Demeter-Vorstandssprecher Alexander Gerber. Diese Worte gelten auch für den Bio-Verbraucher e.V.

Als ich mich vor der Gründung des Bio-Verbraucher e.V. 2004 mit Horst Habisreitinger („Lassen Sie doch den Doktor weg“, wurde er nicht müde zu fordern.) traf, warnte er mich aus eigener Erfahrung: „Es ist sehr schwer, Verbraucher zu mobilisieren und für einen Verbraucher-Verein zu gewinnen.“ Als er aber wohl mein Feuer für die Verwirklichung von Rudolf Steiners Idee der assoziativen Zusammenarbeit von Erzeugern, Händlern und Verbrauchern im Bio-Bereich spürte, sagte er schließlich: „Machen Sie das, ich bin dabei.“ Und so war es dann auch; er reiste nicht nur zur Gründung von seinem Wohnort München an, sondern war hin und wieder bei unseren Mitgliederversammlungen und anderen Veranstaltungen in Nürnberg dabei. Er hat sich sehr darüber gefreut, zu erleben, wie der Bio-Verbraucher e.V. wuchs und seinen Verein, „Förderkreis für Umweltgesundung durch biodynamische Agrarkultur e.V.“ am Obergrashof an Mitgliederstärke bald bei weitem (jetzt etwa um das 10-fache) übertraf. Sein Förderkreis wurde Mitglied im Bio-Verbraucher e.V.

Zusammen haben wir erste assoziative Gespräche auf Demeter-Höfen, in der Molkerei Schrozberg und auf der BioFach geführt. Im Frühjahr führte er mich in das Demeter-Grundlagenforum ein, in dem man jetzt nach 100 Jahren Dreigliederungsimpuls durch Rudolf Steiner die assoziative Zusammenarbeit bei Demeter verwirklichen will. Die Gründungs-Mitglieder des Bio-Verbraucher e.V. werden Horst Habisreitinger nicht vergessen.

Zum Jahresbeginn möchte ich allen Mitgliedern, Partnern und Freunden für die Unterstützung unserer Arbeit danken. Dieser Dank gilt auch meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen und den meist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. (Wir sind jetzt insgesamt 18). Auch unsere Mitgliederzahl nimmt ständig zu (zum Jahresbeginn mehr als 700). Und das Wunderbare ist: Unsere Arbeit in allen drei Bereichen (Verbraucherberatung, Zusammenarbeit und Lobbying) wird zunehmend wahrgenommen. Ich wünsche allen Bio-Anbietern, Bio-Dienstleistern und Bio-Verbrauchern ein gesundes, erfolgreiches neues Jahr.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Dr. Habisreitinger ganz rechts

Brotaufstriche selbst gemacht

Während der Woche der Nachhaltigkeit haben Bio-Berater des Bio-Verbraucher e.V. mit drei Schulklassen auf AEG in Nürnberg Bio-Brotaufstriche und Bio-Säfte hergestellt. Uns ging es darum, Lehrerinnen und Schülern/Schülerinnen die Freude und den Genuss an selbst verarbeitetem, saisonalem Obst und Gemüse erleben zu lassen. Wir danken der Bio-Marktkette ebl herzlich für die Bereitstellung von Lebensmitteln zu dieser Aktion. Hier die Rezepte:

Karottenbutter
125 g Butter, 100 g Karotten, 2 EL fein gehackte Kräuter: Basilikum, Schnittlauch, verschiedene Blütenblätter, z.B. Löwenzahnblüten, Gänseblumenblüten, Rosenblüten, Kapuzinerkresse, Kräutersalz, Paprikapulver, frischer Pfeffer aus der Mühle

Die Butter schaumig rühren. Die Karotten putzen, waschen und auf einer Küchenreibe fein raspeln. Butter mit Karottenraspeln, Küchenkräutern, Pfeffer und Paprikapulver abschmecken.

Paprika-Aufstrich
1 rote Paprika, 1 Zwiebel, 1 EL Olivenöl, 50 g Cashewkerne, 200 g Frischkäse, 1 Knoblauchzehe zerdrückt, Steinsalz, 1 Prise Chilipulver, 2 EL Basilikum gehackt oder 2 EL Schnittlauch gehackt

Paprika und Zwiebel fein würfeln, im Öl andünsten und abkühlen lassen. Cashewnüsse grob mahlen und in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten, abkühlen lassen. Frischkäse mit den Gewürzen verrühren, Paprika, Zwiebel, Cashewnüsse und Kräuter unterrühren und pikant abschmecken.
Obst-Gemüse Saft
Äpfel, Karotten und Rote Bete entsaften, mit einem TL Rapsöl verfeinern. Ein Glas Saft jeden Tag schützt vor Erkältungen in der nasskalten Jahreszeit.

Deutschlands Zustimmung zu Glyphosat

Bericht von Wolfgang Ritter

In einem beispiellosen Vorgang hat Agrarminister Schmidt die Zulassung des umstrittenen Pestizids Glyphosat in der EU um fünf weitere Jahre erwirkt. Er hat dabei nicht nur die Umweltministerin brüskiert, sondern auch die Warnungen zahlreicher Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ignoriert, die Schäden für Umwelt und Gesundheit erwarten. Der Bio-Verbraucher e.V. hat umgehend an Schmidt und Schulz geschrieben:

Sehr geehrter Herr Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt,
mit Ihrer Zustimmung zur Verlängerung der Anwendung von Glyphosat haben Sie vielen einen Bärendienst erwiesen:
• der Natur: Sie wird weiterhin den schädlichen Wirkungen des Totalherbizids ausgesetzt sein; Böden, Wasser, Luft werden weiterhin verseucht, das Artensterben geht weiter.
• der Bevölkerung: Menschen werden über die Nahrungskette weiterhin das Gift aufnehmen, Allergien werden weiter zunehmen, das Krebsrisiko bleibt.
• Ihren Wählern: Millionen Mitbürger und Mitbürgerinnen fühlen sich vor den Kopf gestoßen und durch Sie nicht mehr vertreten.
• Ihrer Partei: Das wird Stimmen kosten bei der nächsten Wahl.
• der Kanzlerin der geschäftsführenden Bundesregierung: Sie wird es nun wesentlich schwerer haben bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen mit der SPD.
Unser Aufruf an Sie: Retten Sie, was noch zu retten ist – falls Sie im Amt bleiben. Sorgen Sie dafür, dass Glyphosat während der nächsten fünf Jahre in Deutschland nur noch sehr eingeschränkt angewendet werden darf!

Sehr geehrter Herr Schulz,
sofort nach der Entscheidung in Brüssel hat Staatspräsident Macron in Frankreich ein nationales Verbot für Glyphosat angekündigt. Ein solches Verbot ist auch in Deutschland möglich.
• Wir fordern Sie daher auf: Setzen Sie bei den anstehenden Gesprächen mit der CDU/CSU durch, dass die kommende Bundesregierung das problematische Pestizid umgehend verbietet.
• Sorgen Sie zugleich dafür, dass die Pestizidzulassung nicht mehr durch Behörden des Agrarministeriums erfolgt, sondern vom Umwelt- und Gesundheitsministerium.

Bio-Landwirtschaft in Malawi erfolgreich

Bericht von Wolfgang Ritter

Vor 10 Jahren berichtete mein Freund und damaliger Vorstand im Bio-Verbraucher e.V., Georg Modlmayer, an dieser Stelle von einer kleinen Initiative in Malawi unter dem Titel „Biologischer Landbau – die Chance gegen Hunger in Malawi“ (Juli 2007, nachzulesen bei: www.bio-verbraucher.de/ Info-Briefe/ Alle Info-Briefe/ Info-Brief 11). Im Mai 2007 hatten mein Freund und ich eine gemeinsame Reise durch Malawi gemacht und anschließend den Entschluss gefasst dort zu helfen, wo nie ein Cent staatlicher Subventionen oder Subventionen großer Hilfsorganisationen ankommt – im Busch. Unsere Prinzipien waren:
1. Die Einheimischen müssen Entwicklung selbst wollen und machen; wir wollen nur Hilfe zur Selbsthilfe geben.
2. Die Menschen sollen durch unsere Hilfe eine Lebensperspektive gewinnen.
3. Jeder Cent eingehender Spendengelder soll die Ärmsten der Armen erreichen; alle in Deutschland anfallenden Verwaltungskosten eines zu gründenden Vereins wollen wir selber tragen.
Bald nach unserer Rückkehr aus Malawi wurden zwei Vereine gegründet:
• Hoffnung für Misanjo (HfM), ganz im Süden Malawis, in der Nähe der Stadt Mulanje; er kümmert sich um arme (Waisen-)Kinder in 10 Dörfern.
• Freunde der Malawi-Waisen e.V. (FMW) in Deutschland; er fördert das Projekt.

Von diesen Anfängen berichtete ich damals in der Zeitschrift Das Goetheanum. (Dieser Artikel ist auch enthalten in: Wolfgang Ritter, Initiativen, die die Welt verändern, Verlag Ch. Möllmann 2013.) Die Schwedin Elisabet Sjöborg las damals meinen Bericht und hat uns mit Mitteln versorgt, um dort helfen zu können, wo Hilfe dringend Not tut. Durch sie haben wir mehr erreicht, als wir ursprünglich zu träumen gewagt hatten.

10-Dörfer-Projekt
Bisher wurden in den Dörfern Mulanje, Ekhamunu und Wasi Häuser als Tagesstätten für die Kinder gemietet, erworben und gebaut, in denen etwa 175 Kinder betreut und erzogen werden und täglich eine warme Mahlzeit erhalten. 2018 will man dort etwa 270 Kinder versorgen. Land wurde für Kartoffel- und Gemüseanbau gekauft und ein Brunnen gebohrt. Jedes der 10 Dörfer bestellt ein Feld für die Waisen mit Getreide. Mehrmals war ein staatlicher Berater jeweils für mehrere Wochen im Projekt, um die Menschen mit biologischen Landbaumethoden vertraut zu machen. Amos Chikaonda, ein Einheimischer, ist seit fast 10 Jahren Projektleiter.

Bio-Musterfarm Mother Elisabet Organic Farming (MEOF)
Im Norden Malawis haben wir mit Spendengeldern den Aufbau einer Musterfarm ermöglicht, auf der Patrick Mhone, studierter malawischer Bio-Landwirt, mit einigen Mitarbeitern Kleinstlandwirte in mehrmonatigen Kursen in biologische und biologisch-dynamische (bd) Landbaumethoden einweist, damit sie ohne Kunstdünger bessere Erträge erzielen können. Patrick ist der erste bd-Multiplikator in Malawi.

Damit das Projekt künftig unabhängig wird, wurden vier schöne Touristen-Hütten mit fließendem Wasser und WC gebaut, die jetzt von Besuchern gebucht werden können. Info und Buchungen über: www.malawi-lodge.jimdo.com

Biologisch-dynamisches Musterdorf Mhone Village
Bei seiner zweiten bd-Schulung in SEKEM/ Ägypten im Frühjahr 2016 wurde Patrick von seinem Bruder Duncan begleitet. Duncan will jetzt sein Heimatdorf zu einem bd-Musterdorf machen, denn die ersten Ernten haben ihn überzeugt. Er schreibt: „Wir haben das Wunder der bd-Landbau-Methoden erlebt. Die Pflanzen gedeihen prächtig; wir haben gute Ernten erzielt. Trockenperioden überleben die Pflanzen jetzt besser. 200 Familien in der Umgebung möchten jetzt auch diese Methoden anwenden. Könnt ihr uns dabei unterstützen, Mhone Village zu einem Schulungszentrum zu machen, wie MEOF eines ist?“

Wir haben sofort reagiert und Geld für die Anschaffung von Saatgut, Gartengeräten, Rindern und einen Ochsenkarren geschickt. Um mehr investieren zu können, bräuchten wir Unterstützung.
Info und Kontakt: www.malawi-waisen.de, freunde@malawi-waisen.de, Tel. Georg Modlmayr 0049-(0)9544-5843, Konto: IBAN: DE87 7705 0000 0300 8551 60, BIC: BYLADEM1SKB

 

Erfahrungen aus der Entwicklung einer Assoziation zur Getreidevermarktung

Klaus Wais, Teil 1 (Teil 2 folgt im nächsten Info-Brief)

Die Getreidevermarktung umfasst den Schritt vom Anbau zur aufnehmenden Hand; zu den Verarbeitern, zu den Bäckern. Erst möchte ich erzählen, wie unsere assoziative Getreidevermarktung entstanden ist, um dann aus der Erfahrung wesentliche Gesichtspunkte zur Bildung von Assoziationen aufzuzeigen.

Während der Nachwehen der 68er Bewegung bin ich in die Landwirtschaft zurückgekommen, und habe, 30 Jahre alt, den elterlichen Betrieb übernommen. Ich wollte Landwirtschaft lernen und verstehen, wie diese gesund in die Zukunft gebracht werden kann. Der Betrieb lag in der Nähe von Stuttgart. Stuttgart zeichnete sich damals durch einen regen Naturkostmarkt, große Nachfrage und teilweise einem Mangel an Produkten aus. Die Mühle, die sich in der Nähe befindet, die Eselsmühle, ist eigentlich mehr eine Bäckerei. Als wir den Betrieb umstellten, waren die Leute, die die Mühle bzw. Bäckerei führten hell begeistert, denn bis dahin wurde der Weizen aus Australien importiert. Damals konnten wir bereits die Umstellungsware abgeben, da wir uns kannten. Drei Jahre später, von 1988 bis 1991, hatte sich die Demeter-Anbaufläche in Deutschland verdoppelt. Im Jahr 1992 hatte ich noch die Ernte des Vorjahres auf dem Speicher, als schon die nächste Ernte hereingeholt werden sollte. Da noch weitere drei Höfe zu unserer Gruppe dazukamen, war plötzlich viel zu viel Getreide vorhanden. Daraus ergab sich für mich der erste Ansatzpunkt darüber nachzudenken, was Landwirtschaft mit Wirtschaft zu tun hat.

Der erste Lernschritt war zu erfahren, dass sich ein Abnehmer nur so lange für den Lieferanten interessiert, wie er die Gefahr einer Unterversorgung sieht. Sobald sich dies umdreht, hat er nur noch den Blick nach vorne, auf seinen Absatz. Im kleinen Kreis der Lieferanten dieser Mühle haben wir uns gefragt: Wer baut eigentlich was an? Was braucht die Mühle überhaupt? Da die Mühle bis zu dem Zeitpunkt immer in einer Mangelsituation gewesen war und all unser Getreide abgenommen hatte, war diese Frage nicht im Bewusstsein. Wieviel Getreide eigentlich benötigt wird, konnte in dieser neuen Überschuss-Situation zunächst gar nicht konkret benannt werden.

Danach machten wir in dem kleinen Kreis den zweiten Lernschritt. Wir lernten, dass nur ein Gleichgewicht entstehen kann, wenn die Probleme aller Marktpartner gelöst werden. Es war uns klar, dass wir als regionale, neue Betriebe die weiter entfernten Lieferanten ablösen würden. Wenn wir das Problem dieser entfernten Betriebe nicht auch lösen konnten, würden wir einfach den üblichen Verdrängungswettbewerb verfolgen, in dem sich alte und neue Lieferanten unterbieten und der Preis dadurch sinkt. Im Jahr 1988 haben wir in Deutschland mit einem Preis von 93 DM/100 kg begonnen. Dieser hat sich innerhalb weniger Jahre bis auf ein Niveau von 60 – 50 DM/100 kg abgesenkt. Damals habe ich als erster „Extensivierer“ an einem Getreideerzeugergespräch teilgenommen und erlebt, dass die Prämienzahlungen als Argument für niedrigere Erzeugerpreise ins Feld geführt wurden. Da entstand bei mir die Frage, ob wir denn dieses Geld bekommen, um unsere Arbeit zu machen oder um die Verarbeiter günstiger zu versorgen?

Das waren die Ausgangspunkte für die Gespräche unter den Getreideerzeugern, die in den 90er Jahren ihren Anfang genommen haben. Der Impuls war, sich als Erzeuger zusammenzuschließen, um gesprächsfähig und vereinbarungsfähig zu werden. Durch den Einbezug der Mühle konnte der Kreis erweitert werden. Ich möchte an dieser Stelle auf zwei Dinge aufmerksam machen: Erstens haben wir den Zusammenschluss nicht gemacht, um einer einzelnen Gruppe Vorteile zu verschaffen. Wir haben uns vielmehr zusammengeschlossen, um „das Ganze“ zu verstehen und mit einzubeziehen. Zweitens wird häufig gesagt, dass man mit denen anfangen müsse, die wollen. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass solange Einzelne nicht dabei sind, die Vereinbarungen sozusagen untergraben werden, und wir zu keinem sinnvollen Ergebnis kommen können.

Im weiteren Verlauf haben wir uns zuerst als GbR organisiert und ab 2001 als GmbH. Inzwischen sind es 70 Betriebe, die gemeinsam die Vermarktung organisieren. Wir haben es geschafft, alte und neue Lieferanten in ein Boot zu holen, mit dem Ziel eine stabile Partnerschaft zwischen Erzeugern und Verarbeitern zu bilden. Ich denke, dass dies der erste Schritt für ein assoziatives Zusammenarbeiten ist. Kennzeichnend für eine solche Zusammenarbeit ist, dass zeitlich, mengenmäßig und räumlich eine Partnerschaft entsteht. Die 4 zeitliche Partnerschaft bedeutet, dass ich ein Jahr liefere und möglichst das nächste und das übernächste Jahr auch noch. Die erzeugten Mengen sollten reibungslos abgenommen werden und es muss eine räumliche Struktur, die auf sinnvollen regionalen Bezügen basiert, geschaffen werden. Das ist die erste Stufe assoziativer Wirtschaftsbeziehungen, durch welche der „reine Markt“ überwunden wird.

Darüber hinaus ist uns klargeworden, dass es nicht reicht, diese Zusammenhänge nur regional anzugehen. Die Region ist immer ein Teil eines Ganzen und nie ein in sich abgeschlossener Organismus. Die Frage der Vernetzung ist daher sehr wichtig. Unser Vorgehen ist, dass wir einerseits in einer Region zusammenarbeiten und andererseits bundesweit zusammenkommen. Regionalität heißt nicht, sich in einer Region abzugrenzen, sondern ein Bewusstsein in einer Region zu bilden, was gibt es hier an Mengen, gibt es Mangel, gibt es Überschüsse. Dadurch wird die Grundlage für die überregionale Kommunikationsfähigkeit geschaffen. In dieser bundesweiten Konstellation stellten wir uns die Frage nach sinnvollen Preisen. Die Schwierigkeit war, dass selbst wenn es eine Vereinbarung über den Preis gab, dieser schon nach kurzer Zeit doch nicht eingehalten wurde. Dadurch entstand Frust und für mich war dies der Grund mich weiter mit den Fragen: Was heißt Assoziation, was heißt Markt auseinanderzusetzen.

Wenn beispielsweise zwei Individuen bzw. zwei Unternehmen miteinander handeln, läuft das in der Regel so, dass Ware an den Abnehmer geht und der wiederum einen entsprechenden Preis bezahlt. Wie kann in dieser Situation durch den Preis ein Gleichgewicht entstehen, sodass beide Partner gleichmäßig profitieren und ein Vorteil für beide Seiten entsteht? Der Preis muss so sein, dass langfristig die Einkommen oder auch die Vermögen konvergieren. Ein solches Gleichgewicht ist möglich. Das ist für mich eine Art Definition des richtigen Preises. Wenn wir eine Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette erreichen, wo dieses Gleichgewicht gegeben ist, kann zwar weiter rationalisiert werden, aber alle daraus entstehenden finanziellen Vorteile würden in die Gemeinschaft, in die Wertschöpfungskette fließen und nicht als Gewinn oder Kapitalbildung dem Einzelnen allein zu Gute kommen.

Dann hätten wir das soziale Hauptgesetz erfüllt: Die Forderung, dass einer für den anderen arbeitet und nicht für sich selbst, ist ja in der modernen Arbeitsteilung erfüllt. Es ergibt sich aber daraus auch die andere Forderung, dass auch die Teilung des Einkommens erfüllt werden muss. Wie kann das nun geleistet werden?

Über uns

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Einige Gründungsmitglieder

Wie kam es zur Gründung des Bio-Verbraucher e.V.?

Rückblick von Wolfgang Ritter, Vorstandsvorsitzender Bio-Verbraucher e.V. im Mai 2012

Einige Persönlichkeiten unseres Vereins hatten durch Erfahrungen positiver und auch negativer Art die Einsicht gewonnen, dass sich eine Gesundung des Wirtschaftslebens nur vollziehen kann, wenn die am Wirtschaftsprozess Beteiligten, also Produzenten, Händler, Dienstleister und Konsumenten, zusammenarbeiten würden. Sie müssten sich füreinander interessieren, Möglichkeiten, Wünsche, Arbeitsbedingungen usw. voneinander erfahren.


Eine solche Zusammenarbeit, so war schnell klar, konnte in einem gemeinnützigen Verein erfolgen. Fernziel, das war auch klar, müsse die Zusammenarbeit in Branchen-Assoziationen sein, in denen Vertreter von Erzeugern, Händlern und Verbrauchern sich gegenseitig wahrnehmen könnten und sich möglichst über Quantitäten, Qualitäten und Preise im voraus verständigten. Das Heilsame dieses Gedankens, der auf eine Empfehlung von Rudolf Steiner (1861 – 1925) zurückgeht, läge in der Verbindlichkeit von Absprachen, die vor dem Produktionsprozess getroffen würden. Man würde dadurch den Marktprinzipien die so wichtige Komponente der Verlässlichkeit hinzufügen.

Folgende konkrete Erfahrungen, führten zur Idee der Vereinsgründung:

Im Winter 2004 erfuhren wir davon, dass ein Landwirt in unserer Nähe seine Bio-Produkte nicht als solche vermarkten konnte und dadurch seinen erhöhten Aufwand nicht vergütet bekam. Unsere Reaktion war: Hätten die Konsumenten in seiner Umgebung Kenntnis von seinem Angebot, würden sie doch leicht seine Kartoffelernte aufkaufen können. Aber wie könnten sie von seinem Angebot erfahren?

Zur gleichen Zeit hörten wir von einer Katastrophe, die sich vor einigen Jahren für eine indische Initiative abgespielt hatte. Von heute auf morgen sagte ein deutscher Importeur die Abnahme der Bio-Fruchternte ab; 29 indische Farmer gerieten dadurch an den Rand des Ruins. Bei vorherigen verbindlichen Verabredungen hätte diese Katastrophe vermieden werden können. Und: Hätten Firmen und Konsumenten in Europa von dem plötzlichen Fruchtangebot Kenntnis gehabt, sie hätten leicht die 18 t Bio-Trockenfrüchte aufnehmen können. Wen hätten die Inder in Deutschland ansprechen können? Gab es ein Netzwerk der am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten?

Im Frühjahr 2004 folgte die Europäische Union den Forderungen der Welthandelsorganisation (WTO), den Anbau von genmanipulierten Feldfrüchten und die Verwendung von genmanipulierten Futtermitteln und Rohstoffen für menschliche Nahrungsmittel zuzulassen. Hätte ein starker Bio-Verbraucherverband in Zusammenarbeit mit den Verbänden der Bio-Erzeuger und anderer Gegner der grünen Gentechnik das verhindern können?

Die Bio-Bauern, die verarbeitende Bio-Industrie, der Bio-Handel, sie alle haben Verbände; die Bio-Verbraucher, so unsere Nachforschungen, waren kaum organisiert. Jetzt wussten wir, was zu tun war: Eine Interessenvertretung für Bio-Verbraucher war zu schaffen.

Der gemeinnützige Bio-Verbraucher e.V. vernetzt Bio-Produzenten, -Händlern, -Dienstleister und –Konsumenten und arbeitet zusammen mit allen Verbänden, denen der Gedanke der Nachhaltigkeit ebenfalls ein Anliegen ist Er bringt die Adressen und Angebote von Firmenmitgliedern, Vereinen und Verbänden unter der Rubrik Bio-Adressen auf seine Internetseiten. Seine neuen Internetadressen sind www.netz.bio und www.sei.bio.

Im vierteljährlich erscheinenden Info-Brief werden aktuelle Berichte und Recherchen veröffentlicht. Auch die Wünsche und Anregungen von Bio-Verbrauchern erscheinen dort, wenn sie von allgemeinem Interesse sind. Die assoziative Zusammenarbeit auf regionaler und nationaler Ebene hat begonnen. Der Bio-Verbraucher e.V. vertritt in diesen Gesprächen die Bio-Verbraucher ebenso wie durch Eingaben an Politiker.

Bio-Berater

Neu in der BioMetropole Nürnberg: Bio-Beraterinnen

Der Bio-Verbraucher e.V. bietet einen neuen Service an: Bio-Berater begleiten und unterstützen Individuen und Gruppen beim Stadtbesuch, beim Bio-Einkauf, beim Kochen und beim Kennenlernen von Bio-Lieferanten.

  1. Sie sind zu Besuch in der BioMetropole Nürnberg, möchten Sehenswürdigkeiten kennenlernen, etwas über die BioMetropole Nürnberg erfahren und Bio Essen gehen? Gerne begleitet Sie eine unserer Bio-Beraterinnen.
  2. Sie haben die Wichtigkeit einer nachhaltigen Nahrungsmittel-, Getränke- und Bekleidungserzeugung erkannt und wollen damit beginnen, immer mehr ökologische Produkte – saisonale, auch aus regionaler Erzeugung oder fairem Handel – einzukaufen. Eine unserer Bio-Beraterinnen gibt Ihnen Tipps und geht auf Wunsch mit Ihnen oder für Sie einkaufen.
  3. Sie möchten Ihre Essgewohnheiten ändern, z.B. umsteigen auf eine vegetarische oder vegane Ernährung, sind sich aber nicht sicher, auf was dabei zu achten ist. Unsere Bio-Beraterinnen helfen Ihnen gerne und gehen mit Ihnen oder für Sie einkaufen.
  4. Sie wollen oder müssen eine bestimmte Diät beachten? Unsere ehrenamtlichen, erfahrenen Bio-Beraterinnen unterstützen Sie.
  5. Sie möchten nicht alleine kochen und essen oder planen ein Bio-Essen in Ihrer Familie oder mit Ihren Freunden/ Freundinnen. Gerne unterstützt Sie eine unserer Bio-Beraterinnen.