Vereinsgründung

Einzelheiten zur Gründung des gemeinnützigen Vereins Bio-Verbraucher e.V.
Wolfgang Ritter, Nürnberg

Vor der Gründung fanden sich 20 Persönlichkeiten, die in der Gründung eines Bio-Verbrauchervereins eine Notwendigkeit sahen, die Mitglied werden und den Verein unterstützen wollten. Am 25.11.04 haben 10 Persönlichkeiten aus diesem Kreis den Verein begründet. Die Satzung wurde einstimmig angenommen. Wolfgang Ritter wurde zum ersten Vorsitzenden, Hermann Willanzheimer zum zweiten Vorsitzenden und Evelyn Wojnow zur Kassenführerin gewählt. Diese drei Persönlichkeiten bilden den Vertretungsvorstand. Er ergänzte sich um Georg Modlmair, zuständig für die Redaktion unseres Info-Briefes, Helmut Ritter, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Ein Kurzprofil des erweiterten Vorstands erscheint demnächst auf unseren Internet-Seiten. Die Gründungsmitglieder und einige Persönlichkeiten, die nicht zur Gründung kommen konnten, werden den Vorstand bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit unterstützen. Man hatte den Eindruck, dass eine gute Zusammenarbeit gelingen kann, weil jedes Votum beachtet wurde.

Wir wollen zu einer Zusammenarbeit mit allen am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten kommen und werden dazu Kontakte zu Bio-Produzenten und -Händlern sowie ihren Verbänden suchen. Um das Bewusstsein für den Bio-Verbrauch zu stärken, arbeiten wir gerne mit allen Persönlichkeiten und Einrichtungen zusammen. Wir beginnen aktuell vor Ort, denn in Nürnberg findet nicht nur jährlich die „Bio-Fach“, Weltleitmesse für Bio-Erzeugnisse, statt, das Umweltamt der Stadt Nürnberg will den Umsatz von Bio-Artikeln durch eine Arbeitsgemeinschaft „Bio-Modellstadt Nürnberg“ fördern, in der wir mitarbeiten. Wir beraten Verbraucher, indem wir monatlich einen Info-Brief auf unserer Internet-Seite herausgeben und ihnen dort unter der Rubrik Bio-Adressen nennen. Jeder kann mit uns Kontakt aufnehmen, seine Wünsche, Sorgen, Anregungen, Untersuchungsberichte, Erfahrungen, Erfolge, Rezepte nennen. Wir kümmern uns darum und veröffentlichen sie, wenn sie von allgemeinem Interesse sind. Nach der Kontaktaufnahme zu den Bio-Verkaufsstellen in und um Nürnberg herum werden wir Anfang des nächsten Jahres zunächst alle Bio-Verkaufsstellen in Bayern anrufen und anschreiben – danach auch die in den anderen Bundesländern – , sie auf unseren Verein aufmerksam machen und sie bitten, unseren Prospekt an ihre Kunden auszuhändigen. Jedes gewonnene Mitglied wollen wir bitten, zwei weitere Mitglieder zu werben. Anreize dazu werden wir noch auf unserer Internet-Seite veröffentlichen. Außerdem werden wir auch Veranstaltungen organisieren oder an solchen teilnehmen, wo für den Bio-Konsum geworben wird. Durch die geschilderten Maßnahmen hoffen wir auch Mitglieder zu gewinnen, die nicht oder noch nicht konsequent Bio-Verbraucher sind. Für die Durchsetzung von Bio-Verbraucherinteressen wollen wir mit allen Organisationen und Verbänden zusammenarbeiten, die sich für eine gesunde Landwirtschaft, einen gesunden Handel und eine gesunde Ernährung einsetzen. Man wird nicht damit rechnen können, dass sich die Verbraucher zu Protesten und Demonstrationen z.B. gegen die bayerische, die deutsche oder die EU-Agrarpolitik aufraffen, aber ein Bio-Verbraucher e.V. kann für sie handeln.

Wie günstig ist der Mitgliedsbeitrag?

Jahresbeitrag für Einzelpersonen

Förderndes Mitglied € 12,00

Ordentliches Mitglied € 24,00 (mit Stimmberechtigung in der Mitgliederversammlung)

Jahresbeitrag für Firmen und Vereine

 

Firmenmitgliedschaft 

voraussichtlich € 35,00
Ihr Angebot, Ihre Adresse, einschließlich Internet- und Email, erscheint geordnet unter Bio-Adressen

Erste assoziative Gespräche im ökologischen Obstbau

Bericht von Jutta Kienzle, FÖKO-Beraterin, und Wolfgang Ritter, Bio-Verbraucher e.V.

Der ökologische Obstbau in Deutschland sieht sich vor große Herausforderungen gestellt.

Im konventionellen Obstanbau wird den Bauern der Erzeugerpreis von den fünf großen Einzelhandelsketten in Europa (Schwarz (= Lidl/Kaufland), Aldi, Metro, Edeka, REWE) diktiert. Diese diktierten Preise sind oft nicht ausreichend, um langfristig überleben zu können. Immer mehr konventionelle Erzeuger suchen deshalb ihr Heil im Bio-Anbau, wo bisher noch anständig bezahlt wird und stellen um – auch in anderen Regionen Europas. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, kann aber auch sehr schnell zu einer Konventionalisierung des Bio-Anbaus führen, da die Vermarktung der zusätzlichen Bio-Äpfel wohl vor allem über die Einzelhandelsketten erfolgen wird. Dabei besteht das Risiko, dass der Bio-Apfelanbau in die gleiche Preisdruck-Spirale gerät wie der konventionelle Anbau – mit sehr negativen Konsequenzen für das Anbausystem.

Durch das konventionelle Apfelangebot sind die Kunden nicht nur in Bezug auf die Verkaufspreise verwöhnt, sondern auch in Bezug auf die äußere Qualität. Konventionelle Erzeuger setzen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nicht nur für die Pflanzengesundheit ein, sondern auch für ein makelloses Aussehen ihrer Produkte. Um in der äußeren Qualität einigermaßen mithalten zu können, sehen sich die biologisch arbeitenden Obsterzeuger in Deutschland immer stärker gefordert, dies nun – wenn auch mit zugelassenen Biomitteln – ebenfalls zu tun. Dies widerspricht aber dem Grundgedanken des Bio-Anbaus, solche Mittel nur dann einzusetzen, wenn es zwingend notwendig ist. Einträge in die Umwelt sollten auch mit zugelassenen Bio-Mitteln (z.B. Kupfer), so weit wie möglich reduziert bleiben. Man steht also vor der Frage: Wie groß ist die Toleranz der Verbraucher, wenn biologisch erzeugte Äpfel keine perfekte Oberfläche aufweisen?

„Die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V.“ (FÖKO) arbeitet seit 2004 an der Weiterentwicklung des Bio-Anbausystems, an Strategiefragen zur Gesunderhaltung der Pflanzen im Hinblick auf die Grundprinzipien des Ökolandbaus in Deutschland. Vertreter der Obstbauern, Wissenschaftler und Berater kamen nun zu der Einsicht, dass das Konzept zur Gesunderhaltung der Kulturpflanzen im ökologischen Obstbau eigentlich als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden müsse und bei künftigen Beratungen der Verbraucher miteinbezogen werden sollte. Das Zukunftskonzept dürfe nicht nur auf den Maßnahmen basieren, die in den Betrieben durchgeführt werden, sondern auch darauf, ob Verbraucher höhere Preise akzeptierten und welche Kriterien sie an die innere und äußere Qualität anlegten.

Am 5. und 6. Dezember 2017 fand ein erstes assoziatives Gespräch statt. Die FÖKO hatte Bio-Obsterzeuger aus allen Regionen Deutschlands, „Bündler“ (=Firmen, die das Obst bei kleineren Erzeugern abholen und zu den Zentrallagern bringen), Händler und Verbraucher nach Kassel eingeladen, um ihre Sicht auf Bio-Obst-Qualität und –Preise einzubringen. Die Verbraucher waren durch Slow Food und den Bio-Verbraucher e.V. vertreten.

Die Stellungnahmen, die Wolfgang Ritter für den Bio-Verbraucher e.V. abgab, basierten auf einer von ihm im November 2017 durchgeführten Blitzumfrage zum Apfelkauf. Die Ergebnisse dazu sind in diesem Info-Brief in der Rubrik 7/ Verbrauchermeinung dargestellt. Die Ergebnisse der Beratungen in Kassel werden derzeit von FÖKÖ ausgewertet und sollen in einem Strategiepapier münden. FÖKO und der Bio-Verbraucher e.V. sind nun Partner und werden künftig zusammen arbeiten. Wir werden weiter berichten.

Vorsicht bei Mineralwasser: Statt Nitrat- droht Strahlenbelastung

In manchen Gegenden Deutschlands ist das Grundwasser derart mit Nitrat belastet, dass eine Gefährdung der Gesundheit – besonders für Schwangere, Babys und Kleinkinder – zu befürchten ist. Der EU-weit gültige Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter wird auf fast einem Drittel der Fläche der Bundesrepublik überschritten: In Nordrhein-Westfalen auf 40 Prozent der Fläche, in Schleswig-Holstein auf 50 Prozent und in Niedersachsen sogar auf mehr als 60 Prozent. Das Nitrat stammt aus den Stickstoffdüngern der Landwirtschaft und den Exkrementen der Massentierhaltung. In Regionen mit intensiver Massentierhaltung quellen die Ställe über vor Gülle, die umliegenden Felder verwandeln sich in Entsorgungsflächen und sind überflutet mit Dung und Gülle. Das überschüssige Nitrat, das von Pflanzen nicht aufgenommen werden kann, landet im Grundwasser. Die EU-Kommission bezeichnet die Lage als „äußerst besorgniserregend“ und hat im November 2016 Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Deutschland habe es versäumt, strenger gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat vorzugehen, und damit die europäische Nitrat-Richtlinie von 1991 missachtet. Im Juni 2017 hat die Bundesregierung die Düngemittelverordnung novelliert. Als Reaktion auf die Düngemittelverordnung des Bundes erarbeitet die Bayerische Staatsregierung derzeit die Landesverordnung „Rote Gebiete Nitrat“. Quellen: Zeit Online vom 16.09.2016, Spiegel Online vom 7.11.2016, Nürnberger Nachrichten vom 11.082017
Wegen der Grundwasserbelastung vertrauen viele Haushalte auf Mineralwässer. Aber Vorsicht, wenn Sie sich statt Nitrat Radionuklide (Mineralien, die radioaktive Strahlung abgeben) im Trinkwasser einhandeln, ist nicht wirklich etwas gewonnen. Öko-Test 8-2017 hat 21 Mineralwässer getestet, die besonders hohen Anforderungen gerecht werden sollen – der Zubereitung von Säuglingsnahrung. 15 davon werden mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet, bei relativ großen Preisunterschieden: Das günstigste „gute“ Wasser kostet 0,13 Euro pro Liter, das teuerste 0,61 Euro, das billigste „sehr gute“ 0,50 Euro, das teuerste 1,29 Euro.
Kaufen Sie nicht Mont Roucous Ohne Kohlensäure aus Frankreich; es strahlt. Auch 1000 Wasser Naturelle ist mit „ungenügend“ bewertet; es wurden Pestizidrückstände nachgewiesen. Ebenfalls nicht zu empfehlen sind: Volvic Still; es enthält Arsen, Evian Still und Celtic Naturell; beide enthalten Uran.

Wie kommt mehr Bio in die Kommunen? 

Katrin Bader im Gespräch mit Dr. Werner Ebert, Koordinator des Bio-Städte Netzwerkes und Leiter des Projekts „Nürnberg – Die BioMetropole“ zum neuen Leitfaden, erschienen in: Lebendige Erde 4/2017

Welche Chancen liegen in der Forderung nach „Mehr Bio in Kommunen“?
Städte, Gemeinden und Landkreise sind bedeutende Großverbraucher, die z.B. in Kindergärten, Schulen, Betrieben, Krankenhäusern und auf Veranstaltungen in bedeutendem Umfang Lebensmittel einkaufen. Insgesamt gehört der Außer-Haus-Markt mit einem Umsatzvolumen von gut 70 Mrd. Euro bei 11 Mrd. Besuchen zu den wichtigsten Segmenten der Lebensmittelwirtschaft. Der Einsatz von Bio-Lebensmitteln spielt hier aber im Vergleich zum Lebensmitteleinzelhandel noch eine eher kleine Rolle. Nach vorsichtigen Schätzungen machen Bio-Lebensmittel im Außer-Haus-Bereich gerade einmal fünf Prozent des gesamten Bio-Marktes aus. Im Vergleich zu anderen Absatzmärkten ist das Bio-Potenzial für diesen Markt demnach noch sehr groß. Die Bio-Städte wollen zeigen, dass Bio-Lebensmittel wirtschaftlich einsetzbar sind und andere Kommunen motivieren, mehr auf Bio-Lebensmittel umzustellen. Im neuen Leitfaden ist dargestellt, wie dies geht.

Welche Rolle spielt die Regionalität bei der Bio-Beschaffung in Kommunen?
Regionalität ist ein wichtiges Ziel in der Beschaffung von Bio-Lebensmitteln. Allerdings lässt es das Vergaberecht der EU nicht zu, Regionalität explizit auszuschreiben. Im Leitfaden sind jedoch rechtlich zulässige Möglichkeiten beschrieben, wie dennoch regionale Bio-Produkte stärker zum Zuge kommen können. Bio und Regionalität gehören zusammen. Insofern unterstützen wir die Initiative des bayerischen Landwirtschaftsministers Helmut Brunner, der mit dem bayerischen Bio-Siegel Bio-Produkte in Bayern fördern möchte.

Wie können Landwirte, Händler oder Verarbeiter den Leitfaden konkret nutzen, um Bio in ihrer Kommune voran zu bringen? 
Sie können den Leitfaden an Küchenleiter und Beschaffungsverantwortliche weiter geben oder auf die Internetseite der Bio-Städte verweisen. Städte, Gemeinden oder Landkreise, die sich eingehender informieren möchten, können sich bei den erfahrenen Bio-Städten melden und informieren. Es ist auch möglich, regionale Veranstaltungen zum Thema „Mehr Bio in der kommunalen Beschaffung“ zu machen. Der Leitfaden zum Download und weitere Informationen sind auf der Webseite des Netzwerkes Bio-Städte zu finden: www.biostaedte.de

Das im Jahr 2010 gegründete Netzwerk der Bio-Städte arbeitet in gemeinsamen Projekten daran, den Ökolandbau zu fördern. Das gemeinsame Auftreten als Netzwerk verleiht der Förderung des ökologischen Landbaus mehr politisches Gewicht. Städte, Gemeinden und Landkreise können jederzeit beitreten.

Sie wissen nicht, was sie tun

Ausschnitte aus: Jürgen Neffe: Darwin – Das Abenteuer des Lebens, München 2008, S. 419 ff. Neffe ist promovierter Biologe und ehemaliger Leiter des Hauptstadtbüros der Max-Planck-Gesellschaft und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Max-Planck-Institutes für Wissenschafts-geschichte, Redakteur und Reporter für Geo und den Spiegel, Träger des Egon-Erwin-Kisch-Preises

„Genmanipulierte Pflanzen, in meiner Jugend Utopie, gehören heute zur globalen Realität. Ihre Erzeugnisse werden gegessen, verarbeitet, verfüttert, vergoren. Dieser Geist ist längst aus der Flasche.“

„Dabei haben Grundlagenforscher in den vergangenen Jahren gezeigt, wie komplex und weitgehend unverstanden die Genome von Pflanzen sind. Industriewissenschaftler, die dennoch das Erbgut von Nutzpflanzen manipulieren und ihre Erzeugnisse in die „freie“ Natur bringen, wissen streng genommen nicht, was sie tun.“

„Die Menschheit wird mehr und mehr Lebensmittel zu sich nehmen, bei deren Erzeugung Genmanipulation im Spiel war. Wer sich den Luxus aus traditionell-ökologischem Anbau nicht leisten kann, wird damit zur Versuchsperson in einem gigantischen Freilandexperiment.“

„Doch was wir essen und trinken, gehört uns nicht allein. Wir teilen alles mit einer Gemeinschaft aus Mikroorganismen in unseren Bäuchen, der Darmflora. Sie bilden so etwas wie ein eigenes Organ, mit dem wir seit Urzeiten in Symbiose leben.“

„Die Darmflora ist Teil des Individuums. Jeder hat eine andere. Sie entscheidet über die Verwertung der Nahrung, über Gesundheit und Befindlichkeit. Auf jedem Evolutionsschritt hat sie uns begleitet, alle Umstellungen der Nahrung mitgemacht, teilweise auch erst ermöglicht. Aber niemand weiß, wie sie mit Genen in der Nahrung umgeht, die sie im Verlauf der Ko-Evolution nicht kennengelernt hat. Als Partner des Organismus ist sie so unerforscht wie die Tiefsee als Teil des Weltmeeres.“

„Schätzungen sprechen von 36.000 unterschiedlichen Spezies von Bakterien, aber auch höheren Lebewesen mit echtem Zellkern im Darm. Es gibt nicht einmal ein grobes Bild der Zusammenhänge in diesem gewaltigen Ökosystem, in dem es auch zum direkten Austausch von Genen zwischen Organismen kommt. Was passiert im Darm mit Virusbestandteilen oder Resistenzgenen aus der Nahrung? Können sie das mikrobielle Gefüge stören, die Verdauung verändern, das Immunsystem schwächen? Nicht die plötzliche Katastrophe wie bei der Atomenergie wäre der GAU der grünen Gentechnik, sondern die schleichende Verbreitung, für die sich später kein Verursacher ermitteln lässt.“

„Dazu kommt die weitgehende Unkenntnis möglicher Auswirkungen durch genveränderte Pflanzen im Freiland. Berühmt geworden ist der Fall eines Toxins aus dem Bakterium Thuringiensis, das Nutzpflanzen gegen Schädlinge schützt.“ Gerät das Toxin … mit Pollen als Überträger auf Seidenpflanzen, kann es die Raupen der Monarchfalter töten, die sich von den Blättern ernähren. Solche an sich kleinen Ursachen können über biologische Kettenreaktionen große Auswirkungen auf das ganze Ökosystem haben. Durch Hybridbildung zwischen Nutz- und Wildpflanzen könnten aus Unkräutern zudem Superunkräuter werden, die alles andere verdrängen oder überwuchern.“

Genau diese Voraussage, die Bildung von Superunkräutern, ist inzwischen eingetreten. Wir berichteten in Info-Brief 41 (Januar 2015).

Forschungsergebnisse

www.forschung-oekolandbau.info/de/service/newsletter-forschung/fo-newsletter-archiv/nachricht/article/newsletter-juli-2017.html

Alternative Wachstumsregulierung von Pflanzen mittels gesteuerter Vibrations-technik als Ersatz chemischer Hemmstoffe (FKZ 11NA010)
Um einen Verzicht auf synthetische Wuchshemmstoffe für dem Zierpflanzenbau möglich zu machen wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Humboldt-Universität Berlin die Wachstumsregulierung durch definierte mechanische Reize untersucht. Praxistaugliche, größere Vibrations-Rolltische wurden im Rahmen des Projektes neu entwickelt. Die wuchshemmende Wirkung war sowohl an zahlreichen ausgewählten Zierpflanzen als auch an verschiedenen Topfkräutern nachweisbar. Durch das Projekt konnte die Wichtigkeit der Verminderung synthetischer Wachstumsregulatoren und die Reduzierung von Pestiziden im gesamten Gartenbau mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden. 
orgprints.org/31757/

Bewertung eines thermisch behandelten Gemisches aus einheimischen Körner-leguminosen in der Geflügelernährung (11NA035)
Ein Projekt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hatte das Ziel, ein Gemisch aus getoasteten Süßlupinen, Ackerbohnen und Futtererbsen hinsichtlich der Eignung in der Geflügelernährung zu bewerten. Verglichen wurde mit der unbehandelten Mischung. Fütterungsversuche zur Klärung der maximalen Einsatzhöhe zeigten, dass mehr als 20 Prozent unabhängig von der Behandlung, insbesondere beim Broiler und der Legehenne zu Leistungseinbußen führten. Puten hingegen tolerierten einen Anteil von 30 Prozent beider Gemische. Ein Anteil von 20 Prozent der Leguminosengemische in getoasteter oder nativer Form ermöglicht eine Einsparung von ca. 50 Prozent des bisherigen Sojaanteils in diesen Mischungen ohne signifikante Minderung der Tierleistung. orgprints.org/31978/

BÖLW-Statement zum Earth Day 2017: Gemeinsam Boden schützen

Pressemitteilung des BÖLW vom 21.04.2017, presse@boelw.de

Der Tag der Erde (Earth Day), der jedes Jahr am 22. April in mehr als 150 Ländern zelebriert wird, soll die Menschen dazu anregen, sich über die Folgen ihres Konsumverhaltens Gedanken zu machen und nachhaltig und verantwortungsbewusst zu handeln. Anlässlich des Earth Day 2017 setzen sich Bürger und Organisationen in ganz Europa in der Kampagne „People4Soil“ für Bodenschutz ein und fordern von EU-Kommissionpräsident Juncker, sich entschlossen für unsere Böden einzusetzen. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, kommentiert:

„Unser Boden, der als hauchdünne Haut die Landmasse unseres Planeten bedeckt, ist die Voraussetzung für unser Leben. Nur, wo er mit vielfältigem Leben erfüllt und mit Humus angereichert ist, kann gesunder Boden gesunde Nahrung hervorbringen.

Der Ökologische Landbau wurde vor fast 100 Jahren begründet, um die Fruchtbarkeit der landwirtschaftlichen Böden zu erhalten. Bio-Bauern schützen Böden besonders gut mit vielfältigen Fruchtfolgen. Im Ökolandbau werden keine chemisch-synthetischen Substanzen in Spritz- und Düngemitteln eingesetzt, die das Bodenleben negativ beeinträchtigen.

Der Ökolandbau ist auch prädestiniert, durch Humusaufbau Kohlenstoff im Boden zu speichern. So wird der Atmosphäre CO2 entzogen. Angesichts der katastrophalen Folgen der Klimakrise für die globale Nahrungsmittelproduktion ist das überlebenswichtig! Würden wir auf der gesamten Landwirtschaftsfläche der Erde den Kohlenstoffgehalt jährlich um gerade einmal vier Promille erhöhen, könnten wir den jährlichen weltweiten Ausstoß von schädlichen Klimagasen kompensieren. Weil mehr Humus auch noch mehr Wasserhaltefähigkeit, mehr Widerstandsfähigkeit gegen Klimaschwankungen und mehr Fruchtbarkeit bedeutet, wäre es unfasslich töricht, diese Chance nicht zu nutzen.“

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Woche vom 27. – 30. April 2017 veranstaltete die Berufsschule 9 der Stadt Nürnberg für ihre etwa 2000 Schüler*innen das Projekt „Konsum“. Der Bio-Verbraucher e.V. hat mit ehrenamtlichen Helfern und Firmenmitgliedern das Projekt bei der Gestaltung der Pausenhalle mit Info-Material und –Personal sowie der Übernahme mehrerer Unterrichtseinheiten unterstützt. Einige Bio-Firmen hatten uns Bio-Kostproben zur Verfügung gestellt.

Der Vorstandsvorsitzende des Bio-Verbraucher e.V., Wolfgang Ritter, hatte in fünf Klassen das Thema „Probleme der Überflussgesellschaft und Lösungsansätze“ behandelt, dazu Bilder gezeigt und Zahlen geliefert. Die 90 Minuten Unterricht wurden in vier Klassen mit vier Fragen abgeschlossen:

  1. Welches Bild hat Sie am stärksten beeindruckt?
  2. Welche Zahl hat Sie am meisten schockiert?
  3. Was sollte sich ändern?
  4. Was wollen Sie ändern?

Die Auswertung der 70 Antwortbögen der Schüler aus vier Klassen zeigt folgendes Ergebnis:

Schülerantworten in %
1. Negative Bilder beeindrucken stärker als positive
a) Bilder aus der Massentierhaltung/ dem Töten männlicher Küken = 74%
b) Bio-Projekte in Afrika/ Bio-(Freiland-)Tierhaltung in Deutschland = 21%
2. Ganz große und ganz kleine Zahlen schockieren
a) Massentierhaltung und Massenschlachtungen (30 Mio. Schweine, 50 Mio. Hühner und Puten in Deutschland, Clemens Tönnies = größter Schlachter in Deutschland schlachtete 17 Mio. Tiere in 2014), 1,1 Mrd. Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, 300.000 Selbstmorde indischer Bauern, 15.000 Liter Wasser sind nötig zur Erzeugung von einem Kilogramm Rindfleisch, 10.000 Liter für ein Kilogramm Schweinefleisch = 41%
b) Vorschriften zum Platzbedarf in der Tierhaltung (0,75 m² pro Schwein, 1 m² für 8 Legehennen oder 22 Masthühner bzw. -hähnchen), 31,5 Jahre Lebenserwartung in Malawi = 24%
3. Was aus Sicht der Schüler geändert werden müsste
a) Verbot/ Vermeidung/ Abschaffung/ Reduzierung von Massentierhaltung und Tierleid = 53%
b) Mehr Umwelt- und Konsumbewusstsein/ mehr Bio einkaufen/ weniger Fleisch essen/ bessere Biohof-Förderung/ günstigere Bio-Fleischangebote = 36%
4. Was die Schüler selbst ändern wollen
a) Bewusster/ mehr Bio einkaufen = 53%
b) Weniger Fleisch essen/ wenn Fleisch, dann Bio-Fleisch = 30%

Es gibt auch einzelne Voten, die über die genannten hinausgehen, z.B.

  • zu Frage 3: Das Bauernsterben sollte gestoppt werden, Politiker sollten Verbraucherwünsche ernster nehmen, man sollte weniger konsumieren, die Treibhausgase müssten
    reduziert werden
  • zu Frage 4: Ich will mich besser bilden, um andere von Bio überzeugen zu können, ich will Bio-Betriebe besuchen, ich will mehr Produkte aus der Region kaufen

Fazit: Mehr als die Hälfte der 70 Schüler*innen aus vier Klassen sprechen sich gegen Massentierhaltung und Tierleid aus, über die Hälfte will künftig selber mehr Bio-Produkte kaufen, fast ein Drittel will den Fleischkonsum drosseln bzw. auf Bio-Fleisch umsteigen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter