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Bio-Landwirte brauchen bewusste Verbraucher

Im letzten Info-Brief 87 haben wir an dieser Stelle von einer Solidarischen Landwirtschaft Initiative (SoLaWi) im Raum Nürnberg berichtet. Es gibt solche Initiativen weltweit; sie sind bekannt unter der Bezeichnung «Community Supported Agriculture» (CSA). Verbraucher verbinden sich mit einem oder mehreren Höfen, oft mindestens für ein Jahr, zahlen einen monatlichen Beitrag und erhalten dafür – meist wöchentlich – einen Teil der Ernte. Man kann auch oft selbst mitarbeiten: pflanzen, hacken, ernten. Kürzlich wurde von einem Hof in den USA berichtet, der eine «Community Supported Stewardship Agriculture» (CSSA) gegründet hat. Das Wort «Stewardship» bedeutet Verwaltung. Das heißt, Verbraucher geben Geld für die Verwaltung des Hofes. Außerdem hat man ein «Regenerative Institute» (RI) gegründet. Wie funktionieren CSSA und RI?

Bericht zur Vilicus Farms, USA – Anna Jones-Crabtree

Die Farm umfasst etwa 12.000 «Acres», was 6.000 Hektar entspricht. Diese Größenordnung ist für Europa außergewöhnlich, in Montana jedoch Teil einer weitgehend industrialisierten Agrarlandschaft.   Der   Betrieb   ist   nach   dem   höchsten   Standard des «Regenerative Organic Certification» zertifiziert.

Wirtschaftliche Tragfähigkeit

Ein zentrales Anliegen der Betreiber:innen war von Beginn an die Hoffnung, dass ökologisch richtige Landwirtschaft auch wirtschaftlich trägt. Diese Hoffnung hat sich jedoch nur teilweise erfüllt. Weder eine hohe ökologische Qualität noch sorgfältige soziale Praxis garantieren automatisch  wirtschaftliche Sicherheit. Vor  diesem  Hintergrund  entwickelte  die  Farm  eininnovatives Konzept namens «Community Supported Stewardship Agriculture» (CSSA), eine Weiterentwicklung des klassischen CSA-Gedankens. Die Grundidee lautet: Ein erheblicher Teil der Arbeit auf einer regenerativen Farm erzeugt keinen direkt verkaufbaren Ertrag, etwa Biodiversitätspflege, Bodenaufbau oder Landschaftsgestaltung. Diese Leistungen werden dennoch als  wertvoll  anerkannt. Die  Farm  beziffert  diesen  Wert  mit  100  US-Dollar pro «Acre». Unterstützer:innen können symbolisch ein, fünf oder zehn «Acres» «mittragen» und so gezielt ökologische Leistungen finanzieren. Dieses Modell hat Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden, reicht jedoch bislang nicht aus, um die wirtschaftliche Stabilität des Betriebs zu sichern. Als Antwort auf diese strukturellen Probleme wurde das Regenerative Institute gegründet. Die Farm dient dabei als lebendiges Labor, in dem neue agrarische, ökologische und ökonomische Ansätze erprobt und dokumentiert werden. Ziel ist es, Landwirtschaft, Wirtschaft und Ökologie neu zu denken und langfristig übertragbare Modelle zu entwickeln.

Supply Circles (Versorgungskreise)

Ein Kernprojekt des Instituts ist der Aufbau sogenannter «Supply Circles» (Versorgungskreise). Anders als klassische Marktbeziehungen, die einzelne Produkte betrachten, sollen hier ganze Fruchtfolgen gemeinsam gedacht und vermarktet werden. Käufer:innen müssen bereit sein, nicht nur Weizen, sondern auch Leguminosen, Ölfrüchte oder Lein abzunehmen – also einen «Korb von Kulturen», der agronomisch notwendig ist. Langfristige Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette sollen so Resilienz, Fairness und Planungssicherheit schaffen.

Die Analyse des Instituts zeigt klar: Die heutigen Märkte und staatlichen Sicherheitsnetze belohnen keine regenerative Bewirtschaftung. Trotz vorhandener agronomischer Lösungen werden die meisten Flächen weiterhin so bewirtschaftet, dass Böden und Biodiversität geschädigt werden, weil Landwirt:innen kurzfristig wirtschaftlich überleben müssen. Der Klimawandel verstärkt diesen Druck zusätzlich. In der Praxis bedeutet dies, dass Betriebe immer wieder gezwungen sind, kurzfristige Entscheidungen gegen langfristige Landpflege zu treffen. Genau hier setzen die Supply Circles an: Sie sollen ermöglichen, dass ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Tragfähigkeit nicht länger Gegensätze sind.

Quelle: We Never Farm Alone – Vertrauen wir in die Kraft, die in der Gemeinschaft liegt? Dokumentation des Wirtschaftskreis-Treffens vom 4. Februar 2026 – Eine Kooperation der World Goetheanum Association und der Sektion für Landwirtschaft; Genehmigung zu Veröffentlichung durch jacqueline.reimann@goetheanum.ch vom 26.03.2026