Götz Werner, der Allesverschenker

Warum war Götz Werner mit seiner Drogeriemarktkette dm so erfolgreich? Es gelang ihm, seine Mitarbeiter so zu motivieren, dass sie mit Liebe bei der Arbeit sind, weil er Elemente der Idee der assoziativen Zusammenarbeit umsetzte. Er verwirklichte damit etwas von dem, was ich in meinem Buch Wirtschaft der Liebe beschreibe. (Er hat auch ein Vorwort dazu verfasst.) Werner starb am 8. Februar 2022. Gerald Häfner, deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied des Deutschen Bundestages von 1987–2002 und des Europäischen Parlaments von 2009–2014, Publizist und Waldorflehrer, Mitgründer von Mehr Demokratie, Democracy International, seit 2015 Leiter der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum in Dornach/ Schweiz, hat einen Nachruf verfasst, den ich teilweise hier wiedergebe.

Wolfgang Ritter

Jeder Mensch ein Unternehmer

Nachruf von Gerald Häfner, Ausschnitte

Ich glaube, dass es viel zu wenig gewürdigt wird, dass er bei dm die Kultur einer selbstbestimmten Arbeit und dialogischen Zusammenarbeit als Modell  und Vorbild für alle anderen Unternehmen begründet und fortwährend weiterentwickelt hat. Götz Werner hat nicht nur mit Europas Marktführer im Drogeriehandel einen enormen Unternehmenswert geschaffen, er hat vor allem auch 66 000 Menschen ermöglicht, sinnerfüllt zu arbeiten. Sein Bild war, dass in jedem Menschen die Fähigkeit zur Selbstverantwortung schlummert. Wenn Joseph Beuys uns zuruft: „Jeder Mensch ist ein Künstler!”, dann ruft Götz Werner: „Jeder Mensch ist ein Unternehmer!”

Zu jedem Menschen hatte er das Vertrauen, dass ihm das Denken die Wirklichkeit zugänglich machen, dass er oder sie denkend die Wirklichkeit durchdringen und verstehen und sie entsprechend verändern kann. Während wir allzu oft nur auf abstrakte Ideen schauen, dabei die Menschen vergessen und so die Ideen zu Systemen oder Ideologien werden oder wir nur auf unsere Mitmenschen schauen und dabei den klaren Gedanken verlieren, waren für Götz Werner beides zwei nicht trennbare Seiten einer Medaille – das Denken und die Mitmenschlichkeit.

Er wollte sein Unternehmen so bauen, dass alle, die darin arbeiten, fähig werden, selbstständig Entscheidungen zu treffen. Deshalb sollte auch jede/r von seinem Platz aus das Ganze übersehen. Viel zu wenig bekannt ist daher eine erste bahnbrechende Innovation, mit der er überhaupt erst die Voraussetzungen dafür schuf: Die Wertbildungsrechnung im Unternehmen so transparent zu machen, dass jeder Mitarbeitende an seinem Platz sehen konnte, wo das Ganze steht und wie er dazu beiträgt. Wenn jeder diesen dynamischen Überblick hat, dann, so Götz, muss man den Leuten nicht sagen, was zu tun ist. Dann kann jeder in seinem Rahmen, in seiner Kompetenz sehen, was am besten ist.

Arbeit gehört zum Menschsein, sie prägt uns ins Dasein – und bestimmt einen Großteil unseres Lebens. Diese Arbeit zu befreien, von Abhängigkeit, von falscher Fron, Last und Zwang, war ein Motiv seines Lebens. Das Glück, wenn Arbeit sinnerfüllt ist und man diesen Sinn erfährt, diese Idee brannte als Feuer in seiner Seele. Solches Glück wünschte er für alle Menschen. Man darf nicht für Geld arbeiten, das macht den Menschen kaputt. Im bedingungslosen Grundeinkommen wurde aus diesem Feuer eine Kampagne und der Unternehmer Götz Werner eine prägende Persönlichkeit in Kultur und Politik.

Das bedingungslose Grundeinkommen

Er war durch Rudolf Steiner, vor allem dessen „Nationalökonomischen Kurs”, den er ausführlich studiert hatte, auf den Gedanken der notwendigen Trennung von Arbeit und Einkommen gekommen. Durch seinen lebenslangen Gesprächspartner Benedictus Hardorp hatte er sich die Idee des Grundeinkommens zu eigen gemacht. Mit Götz Werner bekam die Idee Fahrt! Er warb unermüdlich für den Gedanken, unterstützte Menschen und Initiativen, machte aber einen Bogen um die Organisationen, die sich hier bildeten. Werner wollte frei bleiben und konnte so mehr für die Idee des Grundeinkommens tun. Seine unternehmerische Erfahrung und sein wirtschaftlicher Erfolg waren der Goldgrund seiner Argumente. So einfach sie manchmal wirkten, so tief und wirkungsvoll waren sie kraft seiner Persönlichkeit. Seine Willenskraft gab der Idee des Grundeinkommens das Feuer.

Er war neugierig, begierig zu erfahren und, wo immer möglich, von anderen zu lernen. Jedes Gespräch konnte dafür Gelegenheit sein – und es ist wohl die Offenherzigkeit, der Wärmestrom, der sich dann auch in feinster Verdünnung in den Filialen von dm wiederfindet. Interessant ist, dass er nicht nur den  ersten dm-Markt am 28.8., an Goethes Geburtstag, eröffnet hat, sondern dass auch der aus dem ‹Faust› entlehnte Spruch „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein” sich bis heute hielt. Das geht ja nur, wenn sich in der Erfahrung der in dm-Märkten einkaufenden Menschen der Gedanke wiederfindet.

Jeder sollte an seinem Platz Verantwortung tragen

Jeder Mensch kann denken und sollte es fortwährend üben und lernen, denn nur denkend erschließe ich mir mich selbst und die Welt. Dies zu praktizieren und mit allen Mitarbeitern zu üben, war ein Grundmotiv seines Wirkens. Ein zweites war aus meiner Sicht die ‹Begegnung›, denn hier, im Dazwischen, liegt der Treibstoff für das Denken wie für das Tun. Daraus entwickelte er – stark von Karl Martin Dietz  unterstützt – das Prinzip der dialogischen Unternehmensführung. Ein drittes Motiv  schließlich war für Götz Werner „Verantwortung”. Jeder sollte an seinem Platz Verantwortung tragen, tragen können und dürfen. Jeder sollte entscheiden. Es ging ihm auch hier um das Selbstständig werden jedes Menschen. Er wollte Schluss machen mit alten Formen der Unterordnung und richtete sich gegen alles, wo Menschen Ausführende eines fremden Willens sind. Er wollte die große Idee vermitteln. Die Menschen würden schon selbst die Wege finden. Dabei wusste jeder, dass er selbstverständlich Szenarien gerechnet hatte. „Wer etwas nicht will, findet Gründe – wer etwas will, der findet Wege”, so konterte er manch skeptischen Einwurf.

Was mit einem einzigen Laden begann, ist heute ein Unternehmen in 14 Ländern mit über 2000 Filialen. Götz Werner wollte es nicht für sich, sondern für die Menschen. So hat er seine Anteile in eine Stiftung eingebracht, hat das Unternehmen „verschenkt”.

Quelle: Sozialimpulse Nr. 1, März 2022, Erstveröffentlichung im Goetheanum vom 18.2.2022

Mineralöl in Aufschnitt und Olivenöl

Bericht von Wolfgang Ritter

„Schade: Wir hätten gern vegane Aufschnitte empfohlen.“

Das schreibt ÖKO-Test, nachdem 19 Produkte getestet worden waren. Auch die sechs Bio-Aufschnitte sind nicht besonders empfehlenswert. Alnatura Veganer Tofu Aufschnitt Kräuter, Dennree Veganer Aufschnitt auf Weizenbasis Kräuter und Wheaty Veganer  Bio Aufschnitt Salami Art (von Topas) erreichten nur ein „befriedigend“. Alnatura Veganer Aufschnitt nach Salami Art aus Seitan und Veggyness Veganer Bio-Aufschnitt Salami (Topas) wurden nur mit „mangelhaft“, Mein Veggie Tag Veganer Bio Aufschnitt (Aldi Nord) sogar nur mit „ungenügend“ bewertet. Was den Testern nicht gefiel, sind die leicht erhöhten, erhöhten oder stark erhöhten Mineralölbestandteile. Die zuletzt genannten beiden Produkte wiesen auch aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH) auf. Zu MOAH können krebserregende Verbindungen gehören.

Unter den 13 konventionellen Produkten erreichte nur ein Produkt die Note „gut“: Vemondo Veganer Aufschnitt nach Schinkenwurst-Art (Lidl). Zwei wurden mit „ausreichend“, sieben mit „mangelhaft“ und drei mit „ungenügend“ bewertet. Ordentliches pflanzliches Eiweiß liefern die Bio-Aufschnitte. Die konventionellen Hersteller sparen daran und ersetzen es durch umstrittene Verdickungsmittel.

Quelle: ÖKO-Test-Magazin 4-2022

Nur ein getestetes Bio-Olivenöl ist wirklich empfehlenswert

Es ist traurig: Von neun getesteten Bio-Olivenölen der höchsten Güteklasse „nativ extra“ ist nur eines „sehr gut“: Rapunzel Kreta Olivenöl Nativ Extra und eines „befriedigend“: Mani Bläuel Natives Olivenöl Extra Selection, Naturland. Die folgenden drei sind „mangelhaft“: Casolare Bio Natives Olivenöl Extra, Demeter von Farchioni Olii, dm Bio Natives Olivenöl Extra und Gut Bio Natives Olivenöl Extra von Aldi. Die folgenden vier wurden sogar mit „ungenügend“ bewertet: Alnatura Natives Olivenöl Extra, Bio Planète Olivenöl Nativ Extra fruchtig, Dennree Italienisches Olivenöl Nativ Extra und Ener Bio Spanisches Natives  Olivenöl Extra von Rossmann.

Unter den 10 konventionellen Produkten erreichte nur eines „befriedigend“ (Fiore von Oleifio Salvadoril). Alle anderen von Kaufland, Penny, Lidl, Edeka, Rewe, Netto und anderen weniger bekannten Vertreibern sind „mangelhaft“ oder „ungenügend“.

Was liegt hier vor? Öko-Test nennt zwei Hauptkritikpunkte: erstens „eine teils extrem hohe Belastung mit Mineralöl“ und zweitens „ein Geruch und/ oder Geschmack, der in drei Fällen gleich so fehlerhaft ist, dass die angegebene Qualitätsklasse „nativ extra“ nicht stimmt. Bis auf das Bio-Olivenöl von Rapunzel sind offenbar alle Öle bei der Ernte und Verarbeitung mit Schmieröl der Ernte- und Verarbeitungsmaschinen in Berührung gekommen, was nicht sein müsste, wie das Rapunzel-Öl beweist. Der Olivenöl-Geschmack darf variieren, aber wenn am Geschmack schon erkannt wird, dass die Güteklasse nicht stimmt, dann ist das Ausloben als „nativ extra“ grobe Fahrlässigkeit oder Betrug. Auch ein „ranzig, stichig oder schlammig“ schmeckendes Öl verdient zu Recht im Test eine Abwertung, denn es weist auf schlechte Erntebedingungen, Fehler bei der Lagerung oder mangelnde Reinigung der Maschinen hin.

Quelle: ÖKO-Test-Magazin 5-2022

Der Geist der Solawi… ein philosophischer Beitrag

Andreas  Gebert

In einer modernen aufgeklärten Gesellschaft entfremden wir uns zusehends von der Natur und letztlich von uns selbst. Wie die Philosophin in dem Podcast auf WDR 5 Erfüllend? – unsere Ernährung ausführt, sind und bleiben wir in erster Linie sinnliche Wesen. Und genau das verbindet uns mit all dem was lebt. Die geistige Trennung zur Natur kann überwunden werden.

Wenn Du Dein Depot betrittst, begegnet Dir die „Hülle und Fülle“ der Natur. Die Hülle zeigt Dir, was Deine Nahrung erlebt hat – Sonne, Wind und Wasser. Oder die Raupe im Salat, die dir zeigt, mit wem Du bereits die Nahrung geteilt hast. Die Fülle zeigt Dir die Großzügigkeit und den Überschwang der Natur. Wenn es mal weniger ist, bleibt der Respekt Dir gegenüber, das Wenige mit Dir zu teilen. Und mit dem Annehmen dieser Lebensgeschichten, auch der „krummen“ Anteile, lernst Du etwas über das „Krumme“ in Dir und über die Großzügigkeit gegenüber Dir selbst und anderen.

Indem Du Rücksicht nimmst und schaust, dass auch für diejenigen, welche nach Dir kommen, etwas übrig bleibt, lebst Du den Respekt, der eine direkte Gemeinschaft ausmacht.Du bist nicht allein, auch Dir wird Respekt, Gerechtigkeit und Anteilnahme zuteil.

Der Verein baut Dir eine Brücke von Deinem Alltag zu Deinen ursprünglichen Lebensgrundlagen. Als Organisation sorgt er für Ausgleich und geht mit Deinem finanziellen Beitrag verantwortungsvoll um. Dein Beitrag ist ein Teil Deiner Lebenszeit und es wird bestmöglich dafür gesorgt, dass dieser Beitrag für das Gesamtwohl ausgegeben wird. Wenn Du dazu bereit bist, lernst Du persönlich, wie die Dinge auf dem Acker zusammenhängen, wieviel Arbeit, Geduld und Geschick notwendig sind. Du lernst die Menschen dahinter kennen.

Deine Verantwortung, die Du als Erdenbürger*in trägst, wird sinnlich erfahrbar. Du kannst aktiv etwas tun und der Vorhang der Illusion fällt. Du erlebst Dich als einen Teil der Natur, Dir wird gegeben, Du darfst nehmen und Du lernst zurückzugeben – den Kreis zu schließen.

In einer solidarischen Gemeinschaft, in die Du etwas reingibst, wird Dir viel zurückgegeben. Eine ursprünglicherer Form des Zusammenlebens – ein geschütztes „Reservat“ für Menschen. Die Solawi ist alles andere als perfekt, weder zufriedenstellend effizient noch ein Hort der Harmonie – aber eine Gelegenheit, wo viel Gutes seinen Ausgangspunkt hat.

Quelle: Newsletter 26.01.2022; Kontakt: T. 0911- 59 67 97 22, Fragen@stadt-land-beides.de

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Im SoLaWi-Depot Nürnberg Foto Andeas Gebert
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SoLaWi-Milchpaket Foto von Webseite

Bio-Lebensmittel sind gesünder – Langzeitstudien beweisen es

Unser Mitglied, Dr. Andrea Flemmer, Dipl.-Biologin und Ernährungswissenschaftlerin, hat recherchiert. Wir bringen Auszüge aus ihrem neuen Buch: Bio Lebensmittel – Nachhaltig einkaufen, gesund leben, Humboldt Verlag 2021

Bioaktive Wirkstoffe/ Antioxidantien (Vitamin C und E)

Wissenschaftliche Vergleichstests haben ergeben: Bio-Obst und Bio-Gemüse enthalten mehr Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente als konventionelle Produkte. Beispiele:

Im zwölfjährigen Durchschnitt enthielten Bio-Obst und Gemüse

  • 28% mehr Vitamin C; genannt werden Bio-Äpfel, -Weißkraut, -Tomaten, -Paprika, -Mangold, -Kohl und –Grüne Bohnen
  • 18% mehr Kalium, 10% mehr Kalzium, 77% mehr Eisen und Magnesium; Zwiebeln enthielten deutlich mehr Kalzium, Magnesium, Bor, Bismut und Selen, Kartoffeln deutlich mehr Phosphor, Magnesium, Mangan, Kobalt, Zink, Selen und Nickel

Primäre und sekundäre Pflanzenstoffe

Mehrere Studien zeigen Bio-Lebensmittel enthalten mehr primäre (Kohlenhydrate, Fett, Eiweiß) und sekundäre Pflanzenstoffe (z.B. Flavonoide, Karotinoide, Phenole). Beispiele:

  • Bio-Gemüse enthielt 23% mehr Trockensubstanz, 18% mehr Eiweiß und 23% mehr Methionin (ein Eiweißbaustein)
  • Bio-Paprikasorten waren reicher an Phenolen und Karotinoiden
  • Bio-Äpfel enthielten 18% mehr Phenole und 22% mehr Flavonoide
  • Bio-Tomaten enthielten 79% mehr Quercetin und 97% mehr Kampferol

Antioxidantien (Vitamine C und E) und sekundäre Pflanzenstoffe schützen vor verschiedenen Zivilisationskrankheiten, indem sie freie Radikale „einfangen“.

Pestizide und Schwermetalle

Mehrere Studien zeigen Bio-Lebensmittel enthalten weniger Pestizide und Schwermetalle, die Luft, Boden und Grundwasser belasten, die Artenvielfalt reduzieren, der tierischen und menschlichen Gesundheit schaden.

  • In der Luft fand man fast überall Pestizidrückstände, in 75% der Proben mindestens fünf verschiedene, an besonders belasteten Standorten sogar 30.
  • In der Umgebung von Landwirten, die Pestizide zum Pflanzenschutz ausbringen, war das Grundwasser um das 10fache höher belastet als vermutet.
  • Zwei Millionen Tonnen Pestizide werden weltweit jährlich gespritzt. Glyphosat, ein Totalherbizid, wird auf circa 40% aller Ackerflächen in Deutschland ausgebracht. Es gilt als „möglicherweise krebserregend“.

Innerhalb von 30 Jahren hat sich der Bestand von Fluginsekten um mehr als 75% verringert. Insekten sind Nahrung vieler Tiere und Bestäuber unserer Nutzpflanzen. 75% davon werden von Bienen bestäubt. Bio-Landwirte arbeiten ohne Pestizide und setzen nur geringe Mengen Schwermetalle (z.B. Kupfer im Weinbau) ein. Ihre Lebensmittel sind am wenigsten belastet.