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Neue Erkenntnisse zu Reiz-Darm und Gluten-Unverträglichkeit

Textauszug aus Thomas Hardtmuth: Mikrobiom und Mensch, 2. Überarbeitete und erweiterte Auflage, Salumed Verlag 2024

Reiz-Darm

Die sogenannte Psycho-Mikrobiotik entwickelt sich mittlerweile zu einer neuen medizinischen Fachdisziplin. Zu den wichtigen pathologischen Befunden gehören unter anderem die erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere, die vermehrte Freisetzung von verschiedenen Neurotransmittern (Serotonin u. a.), Peptiden und proinflammatorischen Zytokinen, die Aktivierung des Immunsystems mit Mikroentzündungen in der Darmschleimhaut, Motilitätsstörungen (beschleunigte oder verzögerte Transitzeiten, Spasmen) und emotionale Auffälligkeiten, besonders die pathologische Perzeption von Schmerzsignalen aus dem Darm. Patienten mit Reiz-Darm-Syndrom (RDS) haben regelhaft eine schwere Dysbiose, vor allem sind die Bacteroidetes vermindert und die Clostridien erhöht. Eine Studie ergab, dass durch eine Stuhlübertragung (Fäkaler Mikrobiomtransfer, FMT) bei 65 % der Patienten eine Besserung der klinischen Symptomatik zumindest für den Zeitraum eines Jahres zu erzielen war. Eine weitere Untersuchung mit 243 RDS-Patienten in 25 Arztpraxen erzielte nach zwölfwöchiger Verabreichung von Lactobacillus plantarum (LP299V) eine Besserung bei allen Reizdarmtypen. Eine Metaanalyse, die 13 verschiedene Ernährungsformen beim RDS verglich, zeigte für die Low-FODMAP-Diät die beste Evidenz, insbesondere beim Diarrhoe-dominanten Typ. Diese Ernährung enthält kaum fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie wenig Polyole. Der primäre Therapieansatz sollte jedoch in psychotherapeutischen und ernährungsphysiologischen Maßnahmen liegen. Auch Probiotika aus abgetöteten Bifidobakterien sowie Kombinationen aus Pfefferminz- und Kümmelöl zeigen lindernde Effekte. Eine ganzheitliche Therapie sollte immer individuell mit einer psychotherapeutischen Begleitung erfolgen.

Zöliakie

Die Zöliakie ist eine autoimmunvermittelte Enteropathie durch eine Unverträglichkeit von Gluten, ein Klebereiweiß, das in verschiedenen Getreidearten vorkommt, weshalb die glutenfreie Kost als Standardtherapie gilt. Nun gibt es Hinweise, dass die Pathogenese auch mit dem Mikrobiom des oberen Dünndarms zusammenhängt, das sich wiederum hauptsächlich aus dem Speichelmikrobiom rekrutiert, von dem wir wissen, dass es ein hohe Diversität und auch Potentiale für den Abbau von Gliadin (Untereinheit des Glutens) besitzt. Säugetieren und Menschen fehlen im Gegensatz zu den Bakterien die nötigen Enzyme (Proteasen) zum Gliadin-Abbau. Zöliakie-Patienten haben nicht nur eine gestörte Darm-, sondern auch Mundflora. Für die Prävention und auch für bereits Betroffene ist es daher ratsam, einen sehr bewussten Umgang mit ihrer Ernährung zu pflegen, sich Zeit und Ruhe zu nehmen, die Nahrung bewusst in Geschmack und Qualität wahrzunehmen und gut zu kauen, um dem Speichelmikrobiom die Möglichkeit zu geben, sein hohes Stoffwechselpotential als „Vorspiel“ der gesamten Verdauung zu entfalten. Dadurch intensivieren wir den Verarbeitungs- und Aneignungsprozess und damit die Individualisierung des Mikrobioms, die ein wichtiger Faktor für eine stabile Gesundheit ist, wie wir noch zeigen werden [➝ Kapitel I.6. über das Hautmikrobiom].

Für einen systemischen Ansatz erübrigt sich die Diskussion darüber, ob die Dysbiose Ursache oder Folge der Erkrankung ist. Wir haben es bei der Zöliakie mit einem beispielhaften Synergismus aus verschiedenen Komponenten zu tun, die in die Mikroökologie des komplexen Darm-Milieus hineinspielen: Ernährung, Umwelt, Mikrobiom, Immunsystem und Psyche.