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Foto Weingut Hell

Überwindung von Ertragslücken im organischen und biodynamischen Weinbau – Erkenntnisse aus einem 18-jährigen Feldversuch

Die Bekämpfung von Umweltzerstörung und die Förderung der landwirtschaftlichen Nachhaltigkeit sind zentrale Herausforderungen des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Agroökologische Praktiken wie biologische und biodynamische Landwirtschaft sind entscheidend, um die Landwirtschaft zu transformieren und die Ökosystemdienstleistungen zu verbessern, indem synthetische Betriebsmittel vermieden werden. Obwohl sie oft für geringere Erträge kritisiert werden, ist wenig darüber bekannt, wie sich diese Systeme über längere Zeiträume unter unterschiedlichen Klimabedingungen anpassen und funktionieren, insbesondere bei mehrjährigen Kulturen wie Weinreben. Dies stellt eine große Wissenslücke dar, da das Verständnis ihrer langfristigen Anpassungsfähigkeit unerlässlich ist, um widerstandsfähige und nachhaltige Produktionssysteme unter dem Klimawandel zu gestalten. Diese 18-jährige Feldstudie in Geisenheim, Deutschland, adressiert diese Lücke, indem sie die langfristigen Auswirkungen organischer, biodynamischer und integrierter Behandlungen auf Vitis vinifera cv. Riesling bewertet.

Sie stellt die einzige Langzeitstudie zu mehrjährigen Kulturen dar, die systematisch die Auswirkungen dieser Systeme auf agronomische Parameter, Pflanzenleistung und Traubenqualität vergleicht, wobei deren Entwicklung nach der Umwandlung und ihre Reaktion auf klimatische Variabilität beobachtet werden. Anfangs zeigten organische (−17 %) und biodynamische (−14 %) Systeme geringere Erträge und eine geringere Rebenvitalität im Vergleich zur integrierten Bewirtschaftung. Allerdings verringerten sich die Ertragslücken nach etwa einem Jahrzehnt deutlich.

Die Change-Point-Analyse zeigte verbesserte relative Erträge in organischen und biodynamischen Flächen 8–9 Jahre nach der Umwandlung, begleitet von stabilen oder verbesserten Ravaz-Indexwerten. Bemerkenswert ist, dass in heißen, trockenen Jahrgängen organische und biodynamische Systeme erhöhte Ertragseffekte (+2,3 % bzw. +9,0 %) sowie einen erhöhten verfügbaren Hefestickstoff aufwiesen. Im Gegensatz dazu blieben Ertragslücken in kühleren, feuchteren Jahrgängen bestehen, wahrscheinlich aufgrund pathogenbedingter Verluste. Nährstoffmängel waren nicht die Hauptursache für anfängliche Ertragsrückgänge, und die Traubenqualitätsparameter zeigten minimale Unterschiede in der Behandlung. Diese Langzeitergebnisse zeigen, dass organischer und biodynamischer Weinbau anfängliche Ertragsdefizite überwinden und unter zunehmend wärmeren, trockenen Bedingungen möglicherweise eine integrierte Bewirtschaftung übertreffen kann. Die Ergebnisse heben die Anpassungsfähigkeit und Klimawiderstandsfähigkeit agroökologischer Systeme hervor und bieten einen nachhaltigen Weg für die zukünftige mehrjährige Landwirtschaft.

Quelle: Newsletter des Forschungsring e.V. vom 26.05.2026; Überwindung von Ertragslücken im organischen und biodynamischen Weinbau: Erkenntnisse aus einem 18-jährigen Feldversuch | Agronomie für nachhaltige Entwicklung | Springer Nature Link