Bündnis für Biodiversität in Nürnberg

Auszüge aus dem Protokoll des Umweltamtes/ Referat für Umwelt und Gesundheit/ Treffen am 08.02.2024

Biodiversitätsfördernde Ansätze in der Stadtverwaltung

 Biodiversität im öffentlichen Grün

Unterhalt von Grünflächen, Verzicht auf Spritzmittel aller Art, umfangreiches Konzept zum Erhalt von Altbäumen und Totholz, heimische Stauden statt Wechselflor, Landschaftsrasen und Blühflächen, Streifenmahd und Mahdränder, extensives Straßenbegleitgrün

 Nachhaltige Forstwirtschaft

gesamter Stadtwald (rund 220 ha) mit PEFC-Standard, Waldrandgestaltungen im Ökokonto, „Reichswaldstrategie“, permanenter Zukauf von Waldflächen (Ziel 5 ha p.a.), klimaresilienter Umbau

 Stadt- und Umweltplanung

Biodiversitätsfördernde Standards in der Stadtplanung, Flächenakquise für GEP (Bsp. Gaulhofer Graben, Eichenwaldgraben), Qualitätssicherung durch zentrale Koordination von Planung, Umsetzung, Unterhalt und Überwachung/Monitoring von Maßnahmen, Masterplan Freiraum setzt Standards und sichert öffentliche Grün- und Freiflächen für die Entwicklung der Biodiversität im Rahmen der Stadtentwicklung,          Mindestanforderungen Grünflächen, Berücksichtigung des Biotopverbundsystems ABSP bei Planungen, naturschutzfachliche Planungsraumanalysen als Grundlage minimalinvasiver Planungen, Animal-Aided-Design-Standards in Baugebieten,   Dach- und Fassadenbegrünung nach modernen Standards, Vogelschutz an Glasfassaden, nachhaltige Verpachtung von landwirtschaftlicher Nutzfläche, Gewässerrandstreifen WRRL und Art.1a BayNatSchG, 30% Bio-Landwirtschaft auf städtischem Eigentum

„Die Pestizid-Spirale – mein persönliches Erweckungserlebnis“

Anna Becker vom Bündnis für enkeltaugliche Landwirtschaft im Gespräch mit dem Agrarwissenschaftler und Vorstandsvorsitzenden des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau, Prof. Dr. Jürgen Heß/ Ausschnitte aus dem Interview

Anna Becker: Herr Heß, wenn es um das Thema Pestizide geht, sprechen Sie gerne von ihrem „persönlichen Erweckungserlebnis“. Was ist damit gemeint?

Jürgen Heß: Ich habe mich in meiner Zeit als Jungwissenschaftler in den 1980er Jahren mit der Entwicklung beschäftigt, die zu dem heute hohen Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden geführt hat. Mir wurde deutlich, dass es sich um eine Art fragile Entwicklungs-spirale von Maßnahmen handelt, die zu einer fortschreitenden Abhängigkeit des Systems geführt hat. Langsam, aber kontinuierlich wurde das System hochgefahren, und immer wieder gab es neue Bruchstellen, die mit Hilfe neuer Maßnahmen gekittet werden mussten. Das war für mich damals eine Art persönliche Erweckung.

Können Sie uns diese Entwicklung genauer erläutern?

Seit den 1950er Jahren, erlebte die Landwirtschaft einen drastischen Wandel. Lagen die Durchschnittserträge von Winterweizen 1950 in Deutschland noch bei 27 Dezitonnen pro Hektar, stiegen sie im Lauf der nächsten dreißig Jahre auf über 50 Dezitonnen pro Hektar an, verdoppelten sich also. Der entscheidende Faktor hierfür war die zunehmende Anwendung von industriell hergestelltem Stickstoffdünger, dessen aufgebrachte Menge sich im gleichen Zeitraum vervierfachte. Dies führte einerseits zu einer Steigerung der Ernteerträge, stieß andererseits jedoch eine unvorhergesehene Kette von Entwicklungen an, die in die uns heute bekannte, massive Abhängigkeit der Lebensmittelerzeugung von chemisch-synthetischen Pestiziden mündete.

Als erste chemische Maßnahme fanden Saatgutbeizungen statt. Ein Prozess, bei dem die Samenkörner vor der Aussaat mit Fungiziden inkrustiert (gebeizt) wurden, um einem Pilzbefall vorzubeugen. Diese Verbindungen, die häufig Quecksilber enthielten, sind heute längst verboten und wurden durch andere – verträglichere – Mittel ersetzt. Auch Beizungen gegen Bodenschädlinge (Insektizide) kamen in den 1950er Jahren erstmals zum Einsatz.

 Was war schließlich der Auslöser für die ersten flächendeckenden Pestizideinsätze?

Bereits um 1956 trat ein neues Problem auf. Die Stickstoffdüngung des Winterweizens war weiter angestiegen – eine Zunahme von immerhin 44 Prozent. Stickstoff war damit auch für Ackerwildkräuter nicht mehr der limitierende Wachstumsfaktor, auch sie profitierten vom zusätzlich zur Verfügung stehenden Stickstoff, vermehrten sich rasant und konkurrierten in der Folge mit den Nutzpflanzen um Nährstoffe und Wasser. Als Antwort entwickelte die Agrarindustrie sogenannte Unkrautbekämpfungsmittel (Herbizide). Der Haken an diesen ersten Herbiziden war jedoch, dass nur bestimmte Unkräuter von ihnen gut erfasst wurden, die sogenannten Zweikeimblättrigen. Gräser (Einkeimblättrige) hingegen wurden weniger gut erfasst und konnten sich trotz des Herbizid-Einsatzes weiterhin ausbreiten, wurden also unbeabsichtigt begünstigt und damit selektiert. Infolgedessen entwickelte die Agrarindustrie als nächstes Spezial-Herbizide gegen Gräser und brachten diese erfolgreich auf den Markt.

Neben Herbiziden kamen weitere Chemikalien hinzu, unter anderem auch Fungizide. Wie kam es dazu?

Insbesondere die Stickstoffdüngung in Verbindung mit erhöhten Bestandsdichten führte zu einer erhöhten Lagergefahr des Getreides. Das Getreide wurde also anfälliger für Schäden durch Sturm- und Starkniederschläge, wie sie häufig bei Sommergewittern auftreten. Durch klassische Pflanzenzüchtung und die Anwendung des Wachstumsregulators Chlorcholinchlorid (CCC) begegnete man diesem Problem mit einer Verkürzung des Halms (Einbremsung der Internodien-Streckung) und verlieh der Weizenpflanze damit eine erhöhte Standfestigkeit. Leider begünstigte dies in der Folge jedoch neue Krankheiten: speziell bodenbürtige Pilze (Septoria) erreichten nun leichter die Ähre, da der Infektionsweg vom Boden in die Ähre von 1,5 m auf nur mehr 50 cm verkürzt war. Spezialisierte Fungizide (gegen Pilzbefall) waren für dieses Problem das nächste Mittel der Wahl. Um die Erträge weiter zu erhöhen, wurden die Pflanzenbestände weiter verdichtet. Da dichte Bestände jedoch weniger winddurchlässig sind und deshalb nach Niederschlägen langsamer abtrocknen, verbesserte sich dadurch das Pilzklima im Pflanzenbestand. Das Ergebnis waren weitere Krankheiten, die im Weizenanbau vormals eher unbekannt waren, wie vor allem der Mehltau. Er forderte den Einsatz eines weiteren Spezial-Fungizids.

Welche Rolle spielt die Entkopplung von Ackerbau und Viehhaltung beim Einsatz von Pestiziden?

Viehhaltung wanderte im Laufe der 1960er Jahre zunehmend aus den Gunststandorten ab und konzentrierte sich auf die weniger fruchtbaren Böden. Gleichzeitig wurde der Ackerbau auf den Gunststandorten intensiviert. Dadurch ging jedoch der Vorteil der vielfältigen Fruchtfolgen und somit langen Anbaupausen einzelner Kulturen verloren. Denn der Anbau von Tierfutter (mehrjähriger legumer Futterbau mit Luzerne und Kleegras), der – vereinfacht gesagt – einer Bodensanierung gleichkommt, wurde an Ackerbaustandorten plötzlich überflüssig. In den Tierhaltungsregionen wurde er zunehmend durch Maisanbau und Sojaimporte ersetzt. Die Folge der stark verengten Ackerbau-Fruchtfolgen waren neue bodenbürtige pilzliche Krankheiten an der Halmbasis und den Wurzeln (die sogenannten Fußkrankheiten) der Weizenpflanze gegen die erneut neue Fungizide eingesetzt werden mussten.

Wie ist die Situation heute? Es gibt doch sicher längst modernere Verfahren?

An dem Muster der letzten Jahrzehnte hat sich nicht viel geändert. Die Anwendung von Pestiziden erfolgt vor, während und nach der Aussaat. Die hohen Ertragssteigerungen der letzten Jahrzehnte führten folglich schrittweise und schleichend zur Eskalation des Systems, bei der die Erhöhung der Stickstoffdüngung zwar weitere Ertragsteigerungen zur Folge hatten, stets aber auch neue Stützmaßnahmen erforderlich machten. Diese Entwicklung beim Winterweizen ist dabei ja nur ein Beispiel von vielen, sie zeigt auf, was sich auch in anderen Anbaukulturen so oder so ähnlich abgespielt hat.

Sie sind Professor für ökologischen Landbau. Was macht der Ökolandbau anders?

Die Entwicklung unserer Landwirtschaft, gerade am dargestellten Beispiel Winterweizen zeigt, dass es wichtig ist, nicht nur einzelne Maßnahmen zu betrachten, sondern das Gesamtkonzept. Der ökologische Landbau bietet in diesem Sinne eine alternative Herangehensweise. Während konventionelle Landwirtschaft viel zu häufig noch bei der Symptomfrage stehen bleibt und beispielsweise bei einem Schädlingsbefall überlegt, welches Pestizid eingesetzt werden kann, befasst sich der Ökolandbau mit dem Gesamtsystem und sucht nach den Ursachen. Was lief in der Vergangenheit schief? War es die Sorte, war es die Fruchtfolgestellung oder die Düngung oder passt diese Pflanze vielleicht gar nicht an diesen Standort? Grundsätzlich setzt der Ökolandbau, wo auch immer es geht auf Selbstregulation, auf Eigenstabilität und Prävention. Erst wenn dieses Potenzial ausgeschöpft ist, kommen Mittel zum Einsatz. Wir sehen heute mehr denn je, dass wir die langfristigen Aus- und Nebenwirkungen berücksichtigen müssen, um nachhaltig und zukunftsfähig Lebensmittel zu erzeugen.

Quelle: https://enkeltauglich.bio/die-pestizid-spirale-mein-persoenliches-erweckungserlebnis/#sdfootnote1symke

48 Frühstückflocken im Test – davon 28 Bio-Produkte

Bericht von Wolfgang Ritter

Cornflakes können aus Dinkel, Mais, Braunhirse, Buchweizen oder gemischten Getreidesorten bestehen. Sie dürfen Zucker, Salz und Ballaststoffe enthalten, wenn das deklariert ist. Pestizidrückstände, Acrylamid, Mineralölbestandteile, Schwermetalle und Schimmelpilzgifte sollten sie nicht enthalten. Daraufhin hat ÖKO-TEST die 48 Proben untersuchen lassen. Die gute Botschaft: 14 Bio-Produkte sind „sehr gut“, je vier „gut“ und „befriedigend“. Die schlechte Botschaft: vier sind „mangelhaft“, eines „ungenügend“ (Acrylamid „erhöht“ und „weitere Mängel“ oder Acrylamid „stark erhöht“ und teilweise zusätzlich „weitere Mängel“). Kaufen Sie ein einwandfreies Produkt? Prüfen Sie hier:

„Sehr gut“ (Preise je 300 g)

Alnatura Cornflakes, glutenfrei, 1,75 €; Alnatura Mini Dinkelflakes, ungesüßt, Bioland, 3,93 €; Bauck Mühle Corn Flakes, glutenfrei, Demeter, 2,76 €; Campo Verde Dinkel Flakes, Demeter, 3,65 €; Davert Cornflakes, glutenfrei, 3,35 €; Davert Dinkelflakes, Bioland, 3,59 €; Dm Bio Dinkelflakes, Naturland, 1,84 €; Ener Bio Cornflakes, ohne Zuckerzusatz, 1,79 €; Ener Bio Cornflakes, ohne Zuckerzusatz, Bioland, 2,54 €; Hensel Bio Dinkelvollkorn Flakes, 4,92 €; K Bio Dinkelflakes/Kaufland, 1,84 €; Rewe Bio Dinkel Flakes, Naturland, 2,39 €; Spielberger Mühle Cornflakes, glutenfrei, Demeter, 3,59 €; Verival Bio Cornflakes, glutenfrei, 3,59 €

„Gut“ (Preise je 300 g)

Bio Primo Dinkelflakes/Müller Drogeriemarkt, ungesüßt, 2,25 €; Edeka Bio Cornflakes, ungesüßt, 1,99 €; Spielberger Mühle Dinkelflakes, ungesüßt, Demeter, 4,19 €; Wurzener Bio Corn Flakes, ohne Zuckerzusatz, 2,07 €

„Befriedigend“ (Preise je 300 g)

Barnhouse Flakes Dinkel, 4,49 €; Bio Zentrale Cornflakes, ungesüßt, 3,59 €; Dm Bio Cornflakes, ungesüßt, glutenfrei, 1,45 €; Werz Buchweizen Flakes Vollkorn, ungesüßt, glutenfrei, 7,55 €

„Ausreichend“ (Preis/ 300 g)

Barnhouse Cornflakes Original, 3,03 €

„Mangelhaft“ (Preise je 300 g)

Alnavit Bio Cornflakes, glutenfrei, 2,39 €; Dennree Cornflakes, 1,59 €; Koro Bio Cornflakes, ohne Zuckerzusatz, 2,03 €; Werz Braunhirse Flakes, glutenfrei, 5,99 €

„Ungenügend“ (Preis/ pro 300 g)

Bio Primo Cornflakes/Müller Drogeriemarkt, ungesüßt, 1,45 €

Quelle: ÖKO-TEST Magazin 5.2024

Neue Erkenntnisse zu Reiz-Darm und Gluten-Unverträglichkeit

Textauszug aus Thomas Hardtmuth: Mikrobiom und Mensch, 2. Überarbeitete und erweiterte Auflage, Salumed Verlag 2024

Reiz-Darm

Die sogenannte Psycho-Mikrobiotik entwickelt sich mittlerweile zu einer neuen medizinischen Fachdisziplin. Zu den wichtigen pathologischen Befunden gehören unter anderem die erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere, die vermehrte Freisetzung von verschiedenen Neurotransmittern (Serotonin u. a.), Peptiden und proinflammatorischen Zytokinen, die Aktivierung des Immunsystems mit Mikroentzündungen in der Darmschleimhaut, Motilitätsstörungen (beschleunigte oder verzögerte Transitzeiten, Spasmen) und emotionale Auffälligkeiten, besonders die pathologische Perzeption von Schmerzsignalen aus dem Darm. Patienten mit Reiz-Darm-Syndrom (RDS) haben regelhaft eine schwere Dysbiose, vor allem sind die Bacteroidetes vermindert und die Clostridien erhöht. Eine Studie ergab, dass durch eine Stuhlübertragung (Fäkaler Mikrobiomtransfer, FMT) bei 65 % der Patienten eine Besserung der klinischen Symptomatik zumindest für den Zeitraum eines Jahres zu erzielen war. Eine weitere Untersuchung mit 243 RDS-Patienten in 25 Arztpraxen erzielte nach zwölfwöchiger Verabreichung von Lactobacillus plantarum (LP299V) eine Besserung bei allen Reizdarmtypen. Eine Metaanalyse, die 13 verschiedene Ernährungsformen beim RDS verglich, zeigte für die Low-FODMAP-Diät die beste Evidenz, insbesondere beim Diarrhoe-dominanten Typ. Diese Ernährung enthält kaum fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide sowie wenig Polyole. Der primäre Therapieansatz sollte jedoch in psychotherapeutischen und ernährungsphysiologischen Maßnahmen liegen. Auch Probiotika aus abgetöteten Bifidobakterien sowie Kombinationen aus Pfefferminz- und Kümmelöl zeigen lindernde Effekte. Eine ganzheitliche Therapie sollte immer individuell mit einer psychotherapeutischen Begleitung erfolgen.

Zöliakie

Die Zöliakie ist eine autoimmunvermittelte Enteropathie durch eine Unverträglichkeit von Gluten, ein Klebereiweiß, das in verschiedenen Getreidearten vorkommt, weshalb die glutenfreie Kost als Standardtherapie gilt. Nun gibt es Hinweise, dass die Pathogenese auch mit dem Mikrobiom des oberen Dünndarms zusammenhängt, das sich wiederum hauptsächlich aus dem Speichelmikrobiom rekrutiert, von dem wir wissen, dass es ein hohe Diversität und auch Potentiale für den Abbau von Gliadin (Untereinheit des Glutens) besitzt. Säugetieren und Menschen fehlen im Gegensatz zu den Bakterien die nötigen Enzyme (Proteasen) zum Gliadin-Abbau. Zöliakie-Patienten haben nicht nur eine gestörte Darm-, sondern auch Mundflora. Für die Prävention und auch für bereits Betroffene ist es daher ratsam, einen sehr bewussten Umgang mit ihrer Ernährung zu pflegen, sich Zeit und Ruhe zu nehmen, die Nahrung bewusst in Geschmack und Qualität wahrzunehmen und gut zu kauen, um dem Speichelmikrobiom die Möglichkeit zu geben, sein hohes Stoffwechselpotential als „Vorspiel“ der gesamten Verdauung zu entfalten. Dadurch intensivieren wir den Verarbeitungs- und Aneignungsprozess und damit die Individualisierung des Mikrobioms, die ein wichtiger Faktor für eine stabile Gesundheit ist, wie wir noch zeigen werden [➝ Kapitel I.6. über das Hautmikrobiom].

Für einen systemischen Ansatz erübrigt sich die Diskussion darüber, ob die Dysbiose Ursache oder Folge der Erkrankung ist. Wir haben es bei der Zöliakie mit einem beispielhaften Synergismus aus verschiedenen Komponenten zu tun, die in die Mikroökologie des komplexen Darm-Milieus hineinspielen: Ernährung, Umwelt, Mikrobiom, Immunsystem und Psyche.

Biologisch-dynamischer Landbau seit 1924

Ein Beitrag des Schweizerischen Konsumenten Verbandes, CH-8332 Russikon

Impuls zur heutigen Bio-Bewegung: Vorträge von Rudolf Steiner zu Pfingsten 1924

Bereits Anfang der zwanziger Jahre erkannten einige anthroposophisch orientierte Landwirte die Probleme, die eine rein materialistisch ausgelegte Landwirtschaft mit sich bringen würde. Auf ihr Drängen hielt Dr. Rudolf Steiner 1924 in Koberwitz bei Breslau acht Vorträge als «Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft». Dieser sogenannte Landwirtschaftliche Kurs bildet die Grundlage für die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Als wichtiger Grundsatz daraus ergibt sich für den Landwirt, seinen Betrieb als Organismus aufzufassen und so zu gestalten. In einem Organismus wirken verschiedene Organe harmonisch zusammen, übernehmen differenzierte Funktionen und erhalten den Organismus lebendig und fruchtbar. Es muss das geistige Ordnungsprinzip eines Organismus durch den Landwirt gestaltend in seinen Betrieb eingebracht werden. Dabei muss zuerst die natürliche Voraussetzung und Möglichkeit des Betriebes erfasst werden: Das Klima, die jährlichen Niederschläge, die Landschaft usw. Dementsprechend kann dann an die Gestaltung des Betriebes herangegangen werden: Welche Tierarten braucht der Hof, wie groß kann die Tierhaltung sein, welche Fruchtfolge auf den Feldern bringt dem Boden Fruchtbarkeit und letztlich dem Betrieb den notwendigen ökonomischen Erfolg usw.?

Diese Art der Landbewirtschaftung hat nicht die Chemie als Grundlage, sondern im Wesentlichen die Beachtung von Gesetzmäßigkeiten des Lebendigen, aber auch dessen, was im Seelisch-Geistigen einer Landwirtschaft wirkt. Das Hauptstreben im biologisch-dynamischen Betrieb ist die Belebung des Bodens. Die biologisch-dynamische Landwirtschaft bewirkt im Boden Humuszunahme und damit erhöhte Speicherfähigkeit für Wasser und Luft, ermöglicht wesensgerechtes Wachstum der Pflanzen, die wiederum Tier- und Menschengerechte Nahrung geben. Für den professionellen Bauern bringt das konstantere Erträge bei geringeren Kosten.

Der biologisch-dynamische Anbau ist die nachhaltigste aller landwirtschaftlichen Anbaumethoden. Er übertrifft deutlich die gesetzlichen Mindestanforderungen an Bio-Produkte.

Quelle: https://konsumentenverband.ch/biodyn/landbau.php

Was ist assoziative Wirtschaft?

Ein Beitrag des Schweizerischen Konsumenten Verbandes, CH-8332 Russikon

Um aus unserer derzeitig willkürlichen und triebhaften Konkurrenzwirtschaft herauszufinden, bedarf es mündiger Produzenten und Konsumenten, die aus eigenen Einsichten öko- und sozialverträgliche Produkte und Dienstleistungen anbieten und kaufen.

Um ein wirtschaftlich-soziales Zusammenleben der Menschen in Zukunft zu ermöglichen, muss ein neues Grundprinzip, das das Konkurrenzdenken überwindet, erkannt und umgesetzt werden: eine offene, sachliche und verantwortungsvolle Zusammenarbeit aller Wirtschaftsglieder auf ein vernünftiges Gesamtziel hin. Deshalb nennen wir es: assoziative Wirtschaftsordnung, in der sich die Menschen nicht gegenseitig übervorteilen, sondern gemeinsam und zielgerichtet zusammenarbeiten. Diese assoziative Wirtschaftsordnung wird Ausdruck des umfassenden Bewusstseins sein, das die mündigen Produzenten und mündigen Konsumenten auszeichnet.

Wirtschaftliche Assoziationen als Zusammenschluss von Konsumenten, Händlern und Produzenten

Wirtschaftliche Assoziationen sind Beratungs- und Kooperationsorgane zwischen Produzenten, Handel und Konsumenten auf der Grundlage der Vertragsfreiheit. Sie arbeiten regional und/oder branchenbezogen. Es geht in Assoziationen um die bestmögliche Durchführung der notwendigen Leistungsprozesse zum gegenseitigen Vorteil.

«Die Assoziation ist keine Organisation, ist nicht irgendeine Koalition. Sie entsteht dadurch, dass sich die einzelnen Wirtschaftenden zusammenfinden, und dass jeder einzelne nicht das aufnimmt, was aus irgendeiner Zentralstelle heraus gemacht wird, sondern dass der einzelne das beitragen kann, was er aus seiner Erkenntnis des Gebietes, in dem er darinnen steht, weiß und kann. Und aus dem Zusammenarbeiten, bei dem ein jeder sein Bestes gibt und wo das, was geschieht, durch den Zusammenklang einer Anzahl von Menschen entsteht. Aus solchen Assoziationen kann sich erst alles übrige Wirtschaftliche ergeben.» (Rudolf Steiner: «Westliche und östliche Weltgegensätzlichkeit – Wege zu ihrer Verständigung durch Anthroposophie», GA 83, S. 304 f)

Assoziative Wirtschaft als Alternative zur Konkurrenzwirtschaft: Bauen wir die Welt, die wir uns wünschen!

Die heutige Dominanz des Wirtschaftslebens mit der Globalisierung der Waren-, Dienstleistungs- und Finanzmärkte sowie der Deregulierung der bisherigen staatlichen Rechtsordnungen, kombiniert mit der finanziellen Beherrschung von Wissenschaft und Lehre, macht die Frage nach dem Sinn unseres Wirtschaftens immer brennender. Einige meinen, das Ziel des Wirtschaftens sei die Gewinnmaximierung. Die meisten Menschen wollen aber im Grunde genommen eine Wirtschaft, die die Entwicklung der Menschen zu immer einsichtsvolleren und sozialeren, zu mündigen Erdenbürgern fördert. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es einer freien Wissenschaft, die aufzeigt, was dem Kulturfortschritt am meisten dient, eines regionalen und globalen Rechtslebens, das die Menschenrechte garantiert und eines effizienten, Ressourcen sparenden, umweltpflegenden und sozialen Wirtschaftslebens. (vgl. Rudolf Steiner, 1919: Der dreigliedrige soziale Organismus durch Freiheit im Geistesleben, Gleichheit im Rechtsleben und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben).

Eine Aufgabe der Konsumentenvereinigungen ist es, den schlafenden Riesen (die Konsumentenschaft) zu wecken, der durch sein Kaufverhalten die Produktion nachhaltig bestimmen kann. Dabei kommt der Aufklärung über Wirtschafts- und Qualitätsfragen entscheidende Bedeutung zu. Die Wirtschaft sollte produzieren, was der menschlichen Kulturentwicklung förderlich ist. Eine solche gesellschaftliche Entwicklung bedarf einer Wirtschaftsweise, in der Produzenten, Handel und Konsumenten selbstverantwortlich zusammen arbeiten: eine assoziative Wirtschaftsweise.

Quelle: https://konsumentenverband.ch/asso/index.php

Unser Kaufverhalten fördert eine nachhaltige Zukunft

Liebe Leserinnen und Leser,

eine der wichtigsten Aufgaben des Bio-Verbraucher e.V. ist die Verbraucher-Beratung. Unser Partner in der Schweiz, der Schweizerische Konsumenten Verband, lanciert eine neue Serie zur Konsum-Bildung in Film und Schrift. Konsum-Bildung verstärkt uns zur Fähigkeit, verantwortungsbewusst und selbstbestimmt zu handeln. Mit der Initiative «Konsum-Bildung» setzt der Schweizerische Konsumenten Verband Zeichen, um das Wirtschaftsleben neu zu denken. Dazu setzt er Medien wie Filme und Schriften ein. Diese Veröffentlichungen sollen Zusammenhänge zwischen Produktion und Konsum transparenter machen, um so die Verbraucher*innen zu befähigen, diese Werte in ihre Konsumentscheidungen einzubeziehen, was letztlich einer Gesundung einer aus dem Gleichgewicht geratenen Welt beiträgt.

Der erste Kurz-Film handelt davon, wie unser Kaufverhalten eine nachhaltige Zukunft fördert. Marc C. Theurilat, der Autor des Buches «Veränderung ist möglich – Solidarisch wirtschaften für eine nachhaltige Gesellschaft» im aktuellen Interview.

Zum Kurz-Film: https://konsumentenverband.ch/bildung/kaufverhalten.php Auf dieser Seite kann auch das schriftliche Interview als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Ritter

Sommerfest auf dem Ökonomiehof Klosterlangheim

Samstag, 22. Juni 2024, 10-18.00 Uhr, Ökonomiehof
Klosterlangheim, Abteistr. 18,  in 96215 Lichtenfels
Ab 10 Uhr besteht die Möglichkeit, den Tag mit einer individuellen Bodenanalyse durch unseren Fachexperten Stephan Junge zu starten. Wer teilnehmen möchte: Vergesst nicht, eine trockene Bodenprobe (20x20x30 cm) mitzubringen.
Ab 14 Uhr freut Euch auf ein geselliges Beisammensein, inspirierende Gespräche und die Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Das Sommerfest bietet die ideale Gelegenheit, sich über das wichtige Thema lebendigen Boden auszutauschen.

Interessengemeinschaft gesunder Boden e. V.

Anmeldung: Tel. 09576 – 720, mail@oekonomiehof.de

Sekem Festival in Deutschland

Vom 14.-16. Juni 2024 wurde ein Sekem Festival in einer Jugendherberge bei Fulda statt. Etwa 160 Persönlichkeiten aus Europa und Afrika trafen sich, um das 40-jährige Bestehen des deutschen Sekem-Unterstützervereins zu feiern.

Sekem ist eine ägyptische Initiative, die die Ideale der „Wirtschaft der Liebe“ realisiert. Ibrahim Abouleish kaufte 1977 ein Wüstengrundstück in der Nähe von Kairo und begann dort biologisch-dynamisch zu arbeiten. Die Felderträge wurden und werden zu zahlreichen Produkten verarbeitet, im eigenen Land verkauft und exportiert. Inzwischen konnte man  Hunderte von Kleinbauern als Zulieferer für biologisch-dynamische Felderzeugnisse gewinnen und selbst weitere Wüstengebiete begrünen. Den Dörfern in der Umgebung hilft man bei ihrer Entwicklung. Derzeit arbeitet man daran Tausenden Bauern den biologisch-dynamischen Feldanbau nahe zu bringen.

Zahlreiche kulturelle Einrichtungen konnten aus den Überschüssen der Verkaufserlöse und den Spenden der europäischen Fördervereine errichtet werden: Kindergarten, Schule, medizinisches Zentrum, eine Universität.

Mehr Info: www.sekem.com, www.sekem-freunde.de

Siehe auch:

Ibrahim Abouleish: Die Sekem-Vision – Eine Begegnung von Orient und Okzident verändert Ägypten, Mayer-Verlag, Stuttgart und Berlin 2004

Wolfgang Ritter: Wirtschaft der Liebe – Elemente einer künftigen Wirtschaftsordnung, Möllmann-Verlag, Borchen 2016

Helmy Abouleish mit Christine Arlt: SEKEM, Inspirationen – Impulse für einen zukünftigen Wandel, Info 3 Verlag, Frankfurt am Main 2022

Podiumsdiskussion – Zwischen Vielfalt und Nachhaltigkeit

 Podiumsdiskussion zur Zukunft der Ernährung
Mittwoch, 12. Juni 2024, 17:30 Uhr, Keßlerplatz 12, KA.002
  • Dr. Werner Ebert, Leiter Biometropole und Geschäftsführer des Netzwerks der Bio-Städte, Referat für Umwelt und Gesundheit der Stadt Nürnberg
  • Sebastian Lillge, Mitglied des Bürgerrats „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen Aufgaben“
  • Prof. Dr. Jan Niessen, Professor für Strategische Marktbearbeitung in der Ökobranche und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, TH Nürnberg
  • Dietrich Pax, Vorstandsmitglied der Ernährungsräte Oberfranken e.V., Bayreuth