Kann Bio die Welt ernähren?

Diese Frage wurde wieder einmal vor und während der BioFach 2018 erörtert.  Wir wissen bereits: Bio-Landwirtschaft ist gut für die Umwelt, wirkt der Klimaerwärmung entgegen, ist gesünder für Mensch und Tier. Könnte sie auch die Welt ernähren? Eine neueste Gemeinschaftsstudie (Fibl, FAO, Universitäten  Klagenfurt und Aberdeen) kommt zusammengefasst zum Ergebnis: Ja, es geht. Es muss gehen, denn mit der konventionellen Landwirtschaft wird es künftig nicht gelingen, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren.

Die Nürnberger  Nachrichten führen in ihrem Artikel „Warum – Bio alleine nicht reicht“ (14.02.2018, S. 2) folgende Argumente und Bedingungen der Wissenschaftler an, wenn 2050 weltweit nur noch Bio angebaut würde:

  • Artenvielfalt würde erhalten
  • Bauern lebten gesünder
  • 19 – 27 Prozent Energie würde gespart
  • Treibhausgase würden um 3 – 7 Prozent verringert

Voraussetzungen wären allerdings:

  • geringerer Fleischkonsum weltweit
  • kein Wegwerfen von Lebensmitteln mehr
  • erhöhte Forschungsanstrengungen, um Schädlinge mit natürlichen Methoden in Schach halten zu können
  • Ernährungsbildung, die verantwortungsvolles Konsumverhalten unterstützt

Fibl-Langzeitstudien zeigen: Kleinbauern in Ländern wie Indien, Kenia und Bolivien geht es mit Bio besser; sie können sich von dem ernähren, was sie erzeugen und erwirtschaften ein höheres Einkommen.

Die Voraussetzungen, die die Wissenschaftler für 100 Prozent Bio fordern, unterstützt der Bio-Verbraucher e.V. Seine Mitglieder essen weniger oder gar kein Fleisch, verschwenden keine Lebensmittel und konsumieren verantwortungsvoll. Erhöhte Forschungsanstrengungen im Bio-Bereich ist uns ein wichtiges Anliegen, damit auf Pestizideinsatz – auch im konventionellen Anbau – verzichtet werden kann. Hier muss die Politik die finanziellen Mittel umlenken von der massiven agrar-chemischen Forschungsförderung zur Förderung der Forschung der biologischen Schädlingsbekämpfung.

Wolfgang Ritter/ Bio-Verbraucher e.V.

Klassische Hühnersuppe

Unter dem Titel „Was Oma noch wusste“ wird in den Nürnberger Nachrichten vom 10./11. März 2018 unter anderem Hühnersuppe als gutes Schnupfenmittel genannt. Sie enthalte große Mengen an Zink und Proteinen. Zink dämpfe die Vermehrung der Schnupfen-Viren, der Eiweiß-Baustein Cystein bringe entzündete Schleimhäute zum Abschwellen. Wir haben Hühnersuppe nach Omas Rezept gekocht.

Zutaten
Suppenhuhn (meist tiefgefroren und ausgenommen erhältlich), Kartoffeln, Gemüse der Jahreszeit, z.B. Möhren, Lauch, Sellerie, Pastinaken, Kohlrabi, weiße Bete, Petersilienwurzel, 2-4 Gemüsebrühwürfel, Pfeffer, Salz, Kümmel, Paprikapulver, Wachholderbeeren und weitere Gewürze nach Geschmack

Zubereitung
Suppenhuhn in einen großen Topf geben, mit kaltem Wasser bedecken und eine Stunde kochen und eine halbe Stunde ziehen lassen. Huhn herausnehmen und mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver einreiben und zusammen mit geschnittenen Kartoffeln und geschnittenem Gemüse, den Gemüsebrühwürfeln und den Gewürzen kochen lassen. Huhn auf die Teller verteilen, die Suppe abschmecken und ebenfalls auf die Teller geben.

Gabriele und Jennifer Ritter wünschen guten Appetit

Liebe Leserinnen und Leser,

wir trauern um unser Gründungsmitglied Dr. Horst Habisreitinger. Er ist am 2. September im Alter von 89 Jahren verstorben. „Wir werden seine wichtigen Impulse, seine Geistesschärfe sowie seine große biodynamische Erfahrung vermissen“, würdigt ihn Demeter-Vorstandssprecher Alexander Gerber. Diese Worte gelten auch für den Bio-Verbraucher e.V.

Als ich mich vor der Gründung des Bio-Verbraucher e.V. 2004 mit Horst Habisreitinger („Lassen Sie doch den Doktor weg“, wurde er nicht müde zu fordern.) traf, warnte er mich aus eigener Erfahrung: „Es ist sehr schwer, Verbraucher zu mobilisieren und für einen Verbraucher-Verein zu gewinnen.“ Als er aber wohl mein Feuer für die Verwirklichung von Rudolf Steiners Idee der assoziativen Zusammenarbeit von Erzeugern, Händlern und Verbrauchern im Bio-Bereich spürte, sagte er schließlich: „Machen Sie das, ich bin dabei.“ Und so war es dann auch; er reiste nicht nur zur Gründung von seinem Wohnort München an, sondern war hin und wieder bei unseren Mitgliederversammlungen und anderen Veranstaltungen in Nürnberg dabei. Er hat sich sehr darüber gefreut, zu erleben, wie der Bio-Verbraucher e.V. wuchs und seinen Verein, „Förderkreis für Umweltgesundung durch biodynamische Agrarkultur e.V.“ am Obergrashof an Mitgliederstärke bald bei weitem (jetzt etwa um das 10-fache) übertraf. Sein Förderkreis wurde Mitglied im Bio-Verbraucher e.V.

Zusammen haben wir erste assoziative Gespräche auf Demeter-Höfen, in der Molkerei Schrozberg und auf der BioFach geführt. Im Frühjahr führte er mich in das Demeter-Grundlagenforum ein, in dem man jetzt nach 100 Jahren Dreigliederungsimpuls durch Rudolf Steiner die assoziative Zusammenarbeit bei Demeter verwirklichen will. Die Gründungs-Mitglieder des Bio-Verbraucher e.V. werden Horst Habisreitinger nicht vergessen.

Zum Jahresbeginn möchte ich allen Mitgliedern, Partnern und Freunden für die Unterstützung unserer Arbeit danken. Dieser Dank gilt auch meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen und den meist ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. (Wir sind jetzt insgesamt 18). Auch unsere Mitgliederzahl nimmt ständig zu (zum Jahresbeginn mehr als 700). Und das Wunderbare ist: Unsere Arbeit in allen drei Bereichen (Verbraucherberatung, Zusammenarbeit und Lobbying) wird zunehmend wahrgenommen. Ich wünsche allen Bio-Anbietern, Bio-Dienstleistern und Bio-Verbrauchern ein gesundes, erfolgreiches neues Jahr.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Dr. Habisreitinger ganz rechts

Brotaufstriche selbst gemacht

Während der Woche der Nachhaltigkeit haben Bio-Berater des Bio-Verbraucher e.V. mit drei Schulklassen auf AEG in Nürnberg Bio-Brotaufstriche und Bio-Säfte hergestellt. Uns ging es darum, Lehrerinnen und Schülern/Schülerinnen die Freude und den Genuss an selbst verarbeitetem, saisonalem Obst und Gemüse erleben zu lassen. Wir danken der Bio-Marktkette ebl herzlich für die Bereitstellung von Lebensmitteln zu dieser Aktion. Hier die Rezepte:

Karottenbutter
125 g Butter, 100 g Karotten, 2 EL fein gehackte Kräuter: Basilikum, Schnittlauch, verschiedene Blütenblätter, z.B. Löwenzahnblüten, Gänseblumenblüten, Rosenblüten, Kapuzinerkresse, Kräutersalz, Paprikapulver, frischer Pfeffer aus der Mühle

Die Butter schaumig rühren. Die Karotten putzen, waschen und auf einer Küchenreibe fein raspeln. Butter mit Karottenraspeln, Küchenkräutern, Pfeffer und Paprikapulver abschmecken.

Paprika-Aufstrich
1 rote Paprika, 1 Zwiebel, 1 EL Olivenöl, 50 g Cashewkerne, 200 g Frischkäse, 1 Knoblauchzehe zerdrückt, Steinsalz, 1 Prise Chilipulver, 2 EL Basilikum gehackt oder 2 EL Schnittlauch gehackt

Paprika und Zwiebel fein würfeln, im Öl andünsten und abkühlen lassen. Cashewnüsse grob mahlen und in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten, abkühlen lassen. Frischkäse mit den Gewürzen verrühren, Paprika, Zwiebel, Cashewnüsse und Kräuter unterrühren und pikant abschmecken.
Obst-Gemüse Saft
Äpfel, Karotten und Rote Bete entsaften, mit einem TL Rapsöl verfeinern. Ein Glas Saft jeden Tag schützt vor Erkältungen in der nasskalten Jahreszeit.

Öko-Modellregion Nürnberg, Nürnberger Land, Roth Mehr regionale Bio-Lebensmittel

Text entnommen aus: www.nuernberg.de/internet/biomodellstadt/oekomodellregion.html

Ein wichtiges Ziel der Öko-Modellregion Nürnberg, Nürnberger Land, Roth ist die effektivere Vernetzung von Stadt und Land, von Angebot und Nachfrage am Beispiel einer Großstadt und zweier umliegender Landkreise. Damit soll die regionale Wertschöpfung für Landwirte, weiterverarbeitende Betriebe und auch für Verbraucher gesteigert werden. Die Öko-Modellregion will insbesondere auch die Zahl der Umstellungsbetriebe steigern.

Im Fokus stehen die Produktbereiche (Ur)Getreide, Gemüse, Streuobst und Fleisch. Zudem soll eine Kampagne für regionale Bio-Produkte gestartet sowie eine direkte Kooperation zwischen Landwirten und Verbrauchern (Solidarische Landwirtschaft) initiiert werden. Die Förderung alter Sorten bzw. alter Rassen durchzieht dabei wie ein roter Faden alle Maßnahmenbereiche.

Landesprogramm BioRegio Bayern 2020
Die Öko-Modellregionen sollen dazu beitragen, den Anteil der Bio-Produkte aus Bayern bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln. Dies hat die Staatsregierung als politisches Ziel formuliert. Die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln soll künftig stärker aus heimischer, regionaler Produktion gedeckt werden. Mit diesem Landesprogramm werden die Bereiche Bildung, Beratung, Förderung, Vermarktung und Forschung mit insgesamt rund 5,4 Millionen Euro zusätzlichen Landesmitteln in den nächsten Jahren gefördert.

Deutschlands Zustimmung zu Glyphosat

Bericht von Wolfgang Ritter

In einem beispiellosen Vorgang hat Agrarminister Schmidt die Zulassung des umstrittenen Pestizids Glyphosat in der EU um fünf weitere Jahre erwirkt. Er hat dabei nicht nur die Umweltministerin brüskiert, sondern auch die Warnungen zahlreicher Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ignoriert, die Schäden für Umwelt und Gesundheit erwarten. Der Bio-Verbraucher e.V. hat umgehend an Schmidt und Schulz geschrieben:

Sehr geehrter Herr Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt,
mit Ihrer Zustimmung zur Verlängerung der Anwendung von Glyphosat haben Sie vielen einen Bärendienst erwiesen:
• der Natur: Sie wird weiterhin den schädlichen Wirkungen des Totalherbizids ausgesetzt sein; Böden, Wasser, Luft werden weiterhin verseucht, das Artensterben geht weiter.
• der Bevölkerung: Menschen werden über die Nahrungskette weiterhin das Gift aufnehmen, Allergien werden weiter zunehmen, das Krebsrisiko bleibt.
• Ihren Wählern: Millionen Mitbürger und Mitbürgerinnen fühlen sich vor den Kopf gestoßen und durch Sie nicht mehr vertreten.
• Ihrer Partei: Das wird Stimmen kosten bei der nächsten Wahl.
• der Kanzlerin der geschäftsführenden Bundesregierung: Sie wird es nun wesentlich schwerer haben bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen mit der SPD.
Unser Aufruf an Sie: Retten Sie, was noch zu retten ist – falls Sie im Amt bleiben. Sorgen Sie dafür, dass Glyphosat während der nächsten fünf Jahre in Deutschland nur noch sehr eingeschränkt angewendet werden darf!

Sehr geehrter Herr Schulz,
sofort nach der Entscheidung in Brüssel hat Staatspräsident Macron in Frankreich ein nationales Verbot für Glyphosat angekündigt. Ein solches Verbot ist auch in Deutschland möglich.
• Wir fordern Sie daher auf: Setzen Sie bei den anstehenden Gesprächen mit der CDU/CSU durch, dass die kommende Bundesregierung das problematische Pestizid umgehend verbietet.
• Sorgen Sie zugleich dafür, dass die Pestizidzulassung nicht mehr durch Behörden des Agrarministeriums erfolgt, sondern vom Umwelt- und Gesundheitsministerium.

Bio-Landwirtschaft in Malawi erfolgreich

Bericht von Wolfgang Ritter

Vor 10 Jahren berichtete mein Freund und damaliger Vorstand im Bio-Verbraucher e.V., Georg Modlmayer, an dieser Stelle von einer kleinen Initiative in Malawi unter dem Titel „Biologischer Landbau – die Chance gegen Hunger in Malawi“ (Juli 2007, nachzulesen bei: www.bio-verbraucher.de/ Info-Briefe/ Alle Info-Briefe/ Info-Brief 11). Im Mai 2007 hatten mein Freund und ich eine gemeinsame Reise durch Malawi gemacht und anschließend den Entschluss gefasst dort zu helfen, wo nie ein Cent staatlicher Subventionen oder Subventionen großer Hilfsorganisationen ankommt – im Busch. Unsere Prinzipien waren:
1. Die Einheimischen müssen Entwicklung selbst wollen und machen; wir wollen nur Hilfe zur Selbsthilfe geben.
2. Die Menschen sollen durch unsere Hilfe eine Lebensperspektive gewinnen.
3. Jeder Cent eingehender Spendengelder soll die Ärmsten der Armen erreichen; alle in Deutschland anfallenden Verwaltungskosten eines zu gründenden Vereins wollen wir selber tragen.
Bald nach unserer Rückkehr aus Malawi wurden zwei Vereine gegründet:
• Hoffnung für Misanjo (HfM), ganz im Süden Malawis, in der Nähe der Stadt Mulanje; er kümmert sich um arme (Waisen-)Kinder in 10 Dörfern.
• Freunde der Malawi-Waisen e.V. (FMW) in Deutschland; er fördert das Projekt.

Von diesen Anfängen berichtete ich damals in der Zeitschrift Das Goetheanum. (Dieser Artikel ist auch enthalten in: Wolfgang Ritter, Initiativen, die die Welt verändern, Verlag Ch. Möllmann 2013.) Die Schwedin Elisabet Sjöborg las damals meinen Bericht und hat uns mit Mitteln versorgt, um dort helfen zu können, wo Hilfe dringend Not tut. Durch sie haben wir mehr erreicht, als wir ursprünglich zu träumen gewagt hatten.

10-Dörfer-Projekt
Bisher wurden in den Dörfern Mulanje, Ekhamunu und Wasi Häuser als Tagesstätten für die Kinder gemietet, erworben und gebaut, in denen etwa 175 Kinder betreut und erzogen werden und täglich eine warme Mahlzeit erhalten. 2018 will man dort etwa 270 Kinder versorgen. Land wurde für Kartoffel- und Gemüseanbau gekauft und ein Brunnen gebohrt. Jedes der 10 Dörfer bestellt ein Feld für die Waisen mit Getreide. Mehrmals war ein staatlicher Berater jeweils für mehrere Wochen im Projekt, um die Menschen mit biologischen Landbaumethoden vertraut zu machen. Amos Chikaonda, ein Einheimischer, ist seit fast 10 Jahren Projektleiter.

Bio-Musterfarm Mother Elisabet Organic Farming (MEOF)
Im Norden Malawis haben wir mit Spendengeldern den Aufbau einer Musterfarm ermöglicht, auf der Patrick Mhone, studierter malawischer Bio-Landwirt, mit einigen Mitarbeitern Kleinstlandwirte in mehrmonatigen Kursen in biologische und biologisch-dynamische (bd) Landbaumethoden einweist, damit sie ohne Kunstdünger bessere Erträge erzielen können. Patrick ist der erste bd-Multiplikator in Malawi.

Damit das Projekt künftig unabhängig wird, wurden vier schöne Touristen-Hütten mit fließendem Wasser und WC gebaut, die jetzt von Besuchern gebucht werden können. Info und Buchungen über: www.malawi-lodge.jimdo.com

Biologisch-dynamisches Musterdorf Mhone Village
Bei seiner zweiten bd-Schulung in SEKEM/ Ägypten im Frühjahr 2016 wurde Patrick von seinem Bruder Duncan begleitet. Duncan will jetzt sein Heimatdorf zu einem bd-Musterdorf machen, denn die ersten Ernten haben ihn überzeugt. Er schreibt: „Wir haben das Wunder der bd-Landbau-Methoden erlebt. Die Pflanzen gedeihen prächtig; wir haben gute Ernten erzielt. Trockenperioden überleben die Pflanzen jetzt besser. 200 Familien in der Umgebung möchten jetzt auch diese Methoden anwenden. Könnt ihr uns dabei unterstützen, Mhone Village zu einem Schulungszentrum zu machen, wie MEOF eines ist?“

Wir haben sofort reagiert und Geld für die Anschaffung von Saatgut, Gartengeräten, Rindern und einen Ochsenkarren geschickt. Um mehr investieren zu können, bräuchten wir Unterstützung.
Info und Kontakt: www.malawi-waisen.de, freunde@malawi-waisen.de, Tel. Georg Modlmayr 0049-(0)9544-5843, Konto: IBAN: DE87 7705 0000 0300 8551 60, BIC: BYLADEM1SKB

 

Erste assoziative Gespräche im ökologischen Obstbau

Bericht von Jutta Kienzle, FÖKO-Beraterin, und Wolfgang Ritter, Bio-Verbraucher e.V.

Der ökologische Obstbau in Deutschland sieht sich vor große Herausforderungen gestellt.

Im konventionellen Obstanbau wird den Bauern der Erzeugerpreis von den fünf großen Einzelhandelsketten in Europa (Schwarz (= Lidl/Kaufland), Aldi, Metro, Edeka, REWE) diktiert. Diese diktierten Preise sind oft nicht ausreichend, um langfristig überleben zu können. Immer mehr konventionelle Erzeuger suchen deshalb ihr Heil im Bio-Anbau, wo bisher noch anständig bezahlt wird und stellen um – auch in anderen Regionen Europas. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, kann aber auch sehr schnell zu einer Konventionalisierung des Bio-Anbaus führen, da die Vermarktung der zusätzlichen Bio-Äpfel wohl vor allem über die Einzelhandelsketten erfolgen wird. Dabei besteht das Risiko, dass der Bio-Apfelanbau in die gleiche Preisdruck-Spirale gerät wie der konventionelle Anbau – mit sehr negativen Konsequenzen für das Anbausystem.

Durch das konventionelle Apfelangebot sind die Kunden nicht nur in Bezug auf die Verkaufspreise verwöhnt, sondern auch in Bezug auf die äußere Qualität. Konventionelle Erzeuger setzen chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel nicht nur für die Pflanzengesundheit ein, sondern auch für ein makelloses Aussehen ihrer Produkte. Um in der äußeren Qualität einigermaßen mithalten zu können, sehen sich die biologisch arbeitenden Obsterzeuger in Deutschland immer stärker gefordert, dies nun – wenn auch mit zugelassenen Biomitteln – ebenfalls zu tun. Dies widerspricht aber dem Grundgedanken des Bio-Anbaus, solche Mittel nur dann einzusetzen, wenn es zwingend notwendig ist. Einträge in die Umwelt sollten auch mit zugelassenen Bio-Mitteln (z.B. Kupfer), so weit wie möglich reduziert bleiben. Man steht also vor der Frage: Wie groß ist die Toleranz der Verbraucher, wenn biologisch erzeugte Äpfel keine perfekte Oberfläche aufweisen?

„Die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V.“ (FÖKO) arbeitet seit 2004 an der Weiterentwicklung des Bio-Anbausystems, an Strategiefragen zur Gesunderhaltung der Pflanzen im Hinblick auf die Grundprinzipien des Ökolandbaus in Deutschland. Vertreter der Obstbauern, Wissenschaftler und Berater kamen nun zu der Einsicht, dass das Konzept zur Gesunderhaltung der Kulturpflanzen im ökologischen Obstbau eigentlich als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden müsse und bei künftigen Beratungen der Verbraucher miteinbezogen werden sollte. Das Zukunftskonzept dürfe nicht nur auf den Maßnahmen basieren, die in den Betrieben durchgeführt werden, sondern auch darauf, ob Verbraucher höhere Preise akzeptierten und welche Kriterien sie an die innere und äußere Qualität anlegten.

Am 5. und 6. Dezember 2017 fand ein erstes assoziatives Gespräch statt. Die FÖKO hatte Bio-Obsterzeuger aus allen Regionen Deutschlands, „Bündler“ (=Firmen, die das Obst bei kleineren Erzeugern abholen und zu den Zentrallagern bringen), Händler und Verbraucher nach Kassel eingeladen, um ihre Sicht auf Bio-Obst-Qualität und –Preise einzubringen. Die Verbraucher waren durch Slow Food und den Bio-Verbraucher e.V. vertreten.

Die Stellungnahmen, die Wolfgang Ritter für den Bio-Verbraucher e.V. abgab, basierten auf einer von ihm im November 2017 durchgeführten Blitzumfrage zum Apfelkauf. Die Ergebnisse dazu sind in diesem Info-Brief in der Rubrik 7/ Verbrauchermeinung dargestellt. Die Ergebnisse der Beratungen in Kassel werden derzeit von FÖKÖ ausgewertet und sollen in einem Strategiepapier münden. FÖKO und der Bio-Verbraucher e.V. sind nun Partner und werden künftig zusammen arbeiten. Wir werden weiter berichten.

Vorsicht bei Mineralwasser: Statt Nitrat- droht Strahlenbelastung

In manchen Gegenden Deutschlands ist das Grundwasser derart mit Nitrat belastet, dass eine Gefährdung der Gesundheit – besonders für Schwangere, Babys und Kleinkinder – zu befürchten ist. Der EU-weit gültige Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter wird auf fast einem Drittel der Fläche der Bundesrepublik überschritten: In Nordrhein-Westfalen auf 40 Prozent der Fläche, in Schleswig-Holstein auf 50 Prozent und in Niedersachsen sogar auf mehr als 60 Prozent. Das Nitrat stammt aus den Stickstoffdüngern der Landwirtschaft und den Exkrementen der Massentierhaltung. In Regionen mit intensiver Massentierhaltung quellen die Ställe über vor Gülle, die umliegenden Felder verwandeln sich in Entsorgungsflächen und sind überflutet mit Dung und Gülle. Das überschüssige Nitrat, das von Pflanzen nicht aufgenommen werden kann, landet im Grundwasser. Die EU-Kommission bezeichnet die Lage als „äußerst besorgniserregend“ und hat im November 2016 Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Deutschland habe es versäumt, strenger gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat vorzugehen, und damit die europäische Nitrat-Richtlinie von 1991 missachtet. Im Juni 2017 hat die Bundesregierung die Düngemittelverordnung novelliert. Als Reaktion auf die Düngemittelverordnung des Bundes erarbeitet die Bayerische Staatsregierung derzeit die Landesverordnung „Rote Gebiete Nitrat“. Quellen: Zeit Online vom 16.09.2016, Spiegel Online vom 7.11.2016, Nürnberger Nachrichten vom 11.082017
Wegen der Grundwasserbelastung vertrauen viele Haushalte auf Mineralwässer. Aber Vorsicht, wenn Sie sich statt Nitrat Radionuklide (Mineralien, die radioaktive Strahlung abgeben) im Trinkwasser einhandeln, ist nicht wirklich etwas gewonnen. Öko-Test 8-2017 hat 21 Mineralwässer getestet, die besonders hohen Anforderungen gerecht werden sollen – der Zubereitung von Säuglingsnahrung. 15 davon werden mit „sehr gut“ oder „gut“ bewertet, bei relativ großen Preisunterschieden: Das günstigste „gute“ Wasser kostet 0,13 Euro pro Liter, das teuerste 0,61 Euro, das billigste „sehr gute“ 0,50 Euro, das teuerste 1,29 Euro.
Kaufen Sie nicht Mont Roucous Ohne Kohlensäure aus Frankreich; es strahlt. Auch 1000 Wasser Naturelle ist mit „ungenügend“ bewertet; es wurden Pestizidrückstände nachgewiesen. Ebenfalls nicht zu empfehlen sind: Volvic Still; es enthält Arsen, Evian Still und Celtic Naturell; beide enthalten Uran.