Reis mit Ofengemüse und Tahin

Zutaten für vier bis fünf Personen

Reis, zwei kleine Hokkaido-Kürbisse,  zwei große Rote Bete, zwei große Karotten, zwei große Pastinaken, Tahin (Sesam-Mus, gibt’s im Bio-Fachmarkt und bei Discountern), Gewürze  (Salz, Pfeffer, Paprika und weitere nach Belieben), frische Kräuter der Saison

Zubereitung

Zwei Backbleche mit Backpapier auslegen und mit etwas Wasser befüllen (Wasserhöhe: etwa 1/2  Zentimeter). Gemüse waschen. Rote Bete, Pastinaken und Karotten schälen, in dünne Scheiben schneiden, auf das Blech legen, mit Olivenöl beträufeln, würzen nach Belieben und in den vorgeheizten Backofen geben. (Garzeit bei 200 Grad und Umluft etwa 60 Minuten). Nun die Kürbisse in schmale Halbmonde teilen, die weiche Samenanlage herausschneiden und  aufs zweite  Blech legen, mit Olivenöl beträufeln, nach Belieben würzen und in den Backofen schieben (Garzeit etwa 45 Minuten). Je dünner die Gemüse-Scheiben, um so kürzer die Garzeit, und je kürzer die Garzeit, umso mehr Biss hat das Gemüse. Testen Sie hin und wieder, ob das Gemüse schon Ihren Essgewohnheiten entspricht.

Reis, wie gewohnt, waschen und kochen. Das Öl im Tahinglas mit der Gabel in das Mus einrühren, dann drei bis vier EL mit wenig heißem Wasser vermischen, so dass sich eine zähflüssige Soße ergibt. Reis und Gemüse mit Tahin-Soße und frischen Kräutern servieren.

Wenn Gemüse übrig ist …

Am nächsten Tag erwärmtes Gemüse, mit Tahin-Soße serviert, schmeckt ebenfalls hervorragend.

Guten Appetit wünschen Gabriele und Wolfgang Ritter

Dänemark: „Bio sorgt für gesundes und frisches Essen in Kitas und Kantinen“

Ausschnitt aus einer Pressemitteilung des BÖLW vom 25.11.2024

Durch die Umstellung seiner Küchen auf Bio hat Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen vorzeitig sein Klimaziel im Ernährungssektor erreicht – und sorgt zudem für erntefrisches Essen in öffentlichen Kantinen. Wie diese Ernährungsrevolution möglich wurde, ohne dafür mehr Geld auszugeben, und wie das „Kopenhagener Modell“ deutsche Kommunen beflügelt, dazu äußerten sich heute Expertinnen aus Küchen, Behörden und Politik in den Nordischen Botschaften Berlin.

„Mehr Bio kann auch hierzulande für gesundes und frisches Essen in Kitas, Schulen oder Kliniken sorgen“, sagte Peter Röhrig, geschäftsführender BÖLW-Vorstand. „Die Bundesregierung hat dafür die Weichen gestellt; der Ball liegt nun bei den Kommunen.“

Den Weg zu mehr leckeren, frischen Gerichten mit einem hohen Anteil an Bio-Zutaten in der Außerhausversorgung skizzierte Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung: „Jeden Tag essen 16 Millionen Menschen in Deutschland in Kantinen, in der Mensa oder z.B. auch in Kitas oder Seniorenunterkünften. In jeder Mahlzeit steckt ein riesiges Potential für die heimischen Höfe, für die Gesundheit der Gäste und für den Schutz von Umwelt, Klima und Artenvielfalt. Wir heben dieses Potential Schritt für Schritt und entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit unserer Bio-Strategie – und ganz konkreten Maßnahmen vom Bio-Logo für die Gemeinschaftsverpflegung über die Forschung an pflanzlichen Proteinen bis hin zur Verbesserung der Beratung für die Küchen. Von Dänemark können wir dabei lernen!“

In Kopenhagen liegt der Bio-Anteil im Schnitt aller 1000 öffentlichen Küchen heute bei 85 Prozent; viele schaffen 90 Prozent und mehr. Der Umstellungsprozess begann 2001; zuletzt kam als ernährungsstrategisches Ziel hinzu, bis 2025 ein Viertel der Treibhausemissionen des Sektors zu senken. Dieses Ziel wurde nun schon 2023 erreicht.

Kontakt: presse@boelw.de, www.boelw.de

Tiny Farms

Kürzlich wurden in der BioMetropole Nürnberg die Tiny-Farms-Initiative vorgestellt. Hier erfahren Sie, worum es dabei geht. Eine Initiative mit folgendem Ziel: Wir möchten möglichst vielen Menschen einen Zugang in die Landwirtschaft bieten und gemeinsam bio-regionale Lebensmittel anbauen. Wir sind ein Berliner Landwirtschafts-Start-up mit Sitz in den Atelier Gardens. Aktuell produzieren wir Bio-Gemüse auf unseren Tiny Farms in Brandenburg und Hamburg und bieten unterschiedliche Academy-Formate an. Ein neuer Standort in der Schweiz wird 2024 realisiert.

Da wollen wir gemeinsam hin

Ein Netzwerk von Micro-Farmen produziert gemeinsam landwirtschaftliche Produkte und gestaltet die Transformation einer regenerativen LandWirtschaft. Wir wollen gemeinsam bessere Lebensmittel erzeugen – regional, fair und ökologisch; Menschen eine erfüllende Tätigkeit im Kontakt mit der Natur ermöglichen und die Gesellschaft in Beziehung mit dem Lebensmittelanbau bringen.

Unser Weg

Wir schaffen Eintrittsmöglichkeiten in die Landwirtschaft für Quereinsteiger:innen & Interessierte. Wir tragen zu einer zukunftsfähigen Landwirtschaft bei und bringen neue Ideen in einen Bereich mit hohem Transformationsdruck. Wir erhöhen den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche und bieten Produkte mit einem geringen ökologischen Fußabdruck. Wir sensibilisieren wichtige Akteurinnen für regionale Landwirtschaft.

Unsere 3 Säulen

Anbau: Wir orientieren uns am Market Gardening als einer ökologischen Anbaumethode auf kleinster Fläche. Durch intensive Pflege und effiziente Nutzung der Anbaufläche produzieren wir frische, gesunde Bio-Produkte in Brandenburg und Hamburg, fördern eine lebendige Community und reduzieren ökologische Auswirkungen.

Akademie: Fieldwork & Innerwork: In der Tiny Farms Academy ermöglichen wir es Menschen, in die Landwirtschaft einzutauchen. Wir begleiten sie durch ein neunmonatiges Weiterbildungsprogramm, das sie auf die Praxis vorbereitet. Wir bieten Formate für nicht landwirtschaftliche Teams, um sich in einer inspirierenden Umgebung mit Inner Work (innere Arbeit) zu beschäftigen.

Netzwerk: Wir möchten Menschen und viele kleine Betriebe verknüpfen, um Verbindungen herzustellen und bestimmte Prozesse gemeinsam zu organisieren. In diesem Jahr stellen wir die Weichen und entwickeln gemeinsam mit einem Forschungsprojekt und Interessierten an Tiny Farms ein tragfähiges Konzept.

Quelle: www.tinyfarms.de/hallotinyfarms, Kontakt: www.academy.tinyfarms.de

Weitreichende Monopolansprüche auf konventionelle Züchtung

Bericht von Keine Patente auf Saatgut!, Den Haag, 15. Oktober 2024

Das Europäische Patentamt (EPA) hat heute einen Einspruch gegen ein Patent der Firma KWS auf kältetoleranten Mais (EP 3380618) zurückgewiesen. Die internationale Koalition von Keine Patente auf Saatgut! hatte den Einspruch eingelegt, weil Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen und Pflanzensorten in Europa nicht zulässig sind. Bei seiner Entscheidung beruft sich das EPA auf eine umstrittene Klausel, nach der dieses Verbot nur auf Patente angewendet wird, die nach 1. Juli 2017 angemeldet wurden. Das Patent der KWS wurde aber bereits 2016 eingereicht.

Christoph Then, der auch an der Verhandlung teilgenommen hatte, hält diese Rechtsauslegung für willkürlich und inkorrekt: „Das Verbot der Patentierung von Pflanzen und Pflanzensorten gab es schon lange vor 2017. Die Beschwerdekammer des EPA hat dieses Verbot 1995 bestätigt. Seitdem wurden die Gesetze nur geändert, um Patente auf gentechnische Verfahren zur Produktion von Pflanzen zu erlauben. Aber Patente auf konventionelle Züchtung waren nie zugelassen.“

Tatsächlich stammt der Mais aus konventioneller Züchtung. Die relevanten genetischen Anlagen wurden in Pflanzen entdeckt, die in der Vergangenheit bereits vielfach zur Zucht eingesetzt wurden. Bisher waren entsprechende Sorten für Züchter*innen frei verwendbar, um neue Sorten zu züchten. Den unbeschränkten Zugang zum Züchtungsmaterial garantiert in Europa das sogenannte Züchterprivileg.

Doch jetzt könnten Zuchtunternehmen wie die niederländische Firma Nordic Maize Breeding direkt von dem Patent betroffen sein. Seit vielen Jahren züchtet die Firma Maissorten, die sowohl in der konventionellen Landwirtschaft als auch im ökologischen Landbau eingesetzt werden und in Regionen mit kürzerer Vegetationsperiode besonders gut angebaut und mit Fruchtwechsel kombiniert werden können.

Grietje Raaphorst-Travaille von Nordic Maize Breeding, die ebenfalls an der Verhandlung teilgenommen hat, warnt vor großen rechtlichen Unsicherheiten: „Vermutlich wurden diese Pflanzen bereits jahrelang zur Zucht eingesetzt, bevor das Patent angemeldet wurde. Es scheint jetzt unklar, ob Pflanzen mit diesen Erbanlagen auch in Zukunft zur Zucht frei verwendet werden können. Wir können unsere Sorten nicht einmal nach den speziellen Genabschnitten durchsuchen, weil sogar die entsprechenden Nachweisverfahren patentiert wurden. Derartige Patente können der konventionellen Züchtung den Boden unter den Füßen wegziehen.“

Wird die Entwicklung nicht gestoppt, droht eine weitreichende Blockade der Pflanzenzucht durch eine stetig wachsende Zahl von Patentanträgen. Vor diesem Hintergrund plant das Bündnis Keine Patente auf Saatgut! gegen die heutige Entscheidung eine Beschwerde einzulegen und fordert die Politik zum Handeln auf.

Quelle und Kontakt: Christoph Then, Sprecher für Keine Patente auf Saatgut!, info@no-patents-on-seeds.org, +49 151 54638040, Grietje Raaphorst-Travaille, Nordic Maize Breeding, nmb.graaphorst@gmail.com, +3161734594

Sehr viele Bio-Haferflocken und Bio-Apfelsäfte sind „sehr gut“

Zarte Haferflocken

ÖKO-Test hat 35 Zarte Haferflocken getestet. Erfreuliches Ergebnis: Fast alle 21 getesteten Bio-Produkte sind empfehlenswert. Ausgerechnet das teuerste Bio-Produkt, das Reformhaus Haferwunder Feine Haferflocken von Reformkontor für 5,98 Euro pro 500 g fällt durch, weil es stark erhöhte Werte der Schimmelpilzgifte T-2 und HT-2 enthält. Diese Toxine wirken u.a. zellgiftig, greifen den Verdauungstrakt an und schwächen das Immunsystem, so Ökotest.

„Sehr gute“ Bio-Haferflocken gibt es schon ab 85 Cent pro 500g. Auch Ware mit Verbandsiegel kostet nicht (viel) mehr (z.B. DM Bio Haferflocken Feinblatt, Naturland, 85 Cent, Lidl Crownfield Bio-Haferflocken Zart, Bioland, 85 Cent, Bio Primo Haferflocken Kleinblatt, Bioland, von Müller Drogeriemarkt, 95 Cent je 500g. Demeter Haferflocken kosten etwas mehr als das Doppelte aus (Bauckhof 1,99 Euro, Spielberger 2,19 Euro, Campo Verde 2,29 Euro je 500 g).

Naturtrüber Apfelsaft

Erstes erfreuliches Ergebnis: Alle 16 getesteten Bio-Produkte haben den Test bestanden; 13 sogar mit „sehr gut“. Sie sind frei von Schadstoffen, wie Pilzen und Giften. Zweites erfreuliches Ergebnis: Viele mit „sehr gut“ bewertete Bio-Säfte sind günstiger als manche konventionelle, die bis zu sechs verschiedene Pestizide enthalten.

Wir vergleichen:

Günstige Bio-Apfelsäfte („sehr gut“) für   jeweils 1,35 € je Liter     

  • DM Naturland
  • Lidl Solevita
  • Netto Bio Bio 
  • Norma Bio Sonne
  • Penny Naturgut

konventionelle Apfelsäfte

  • Niehoffs Vaihinger Lindavia, 3 Pestizide in Spuren 2,49 €/Liter
  • Pfanner 100% Apfel naturtrüb, 6 Pestizide in Spuren, 1,99 €/Liter
  • Beckers Bester, 5 Pestizide, darunter auch Acetamiprid, 2,29 €/Liter 

Auch „sehr gute“ Verbandsware mit ausschließlich deutschen Äpfeln ist konkurrenzfähig:

  • Naturland-Säfte: DM Drogeriemarkt 1,35 €/Liter, Netto Marken-Discount 1,35 €/Liter
  • Bioland-Säfte: Alnatura 2,69 €/Liter, Kaufland (Völkel) 1,99 €/Liter, Lidl (Niederrhein-Gold Tersteegen) 1,35 €/Liter, Müller Drogeriemarkt (Jacoby, Baden-Württemberg) 1,65 €/Liter
  • Demeter-Säfte: Voelkel 2,59 €/ Liter

Quelle: ÖKO-Test 10/ 2024

Bio-Stimulanzien und Bio-Pestizide

Aus Gemüseabfällen gewonnene Biostimulanzien und Biopestizide können eingesetzt werden, um hochqualitative und nährstoffreiche Lebensmittel zu produzieren. Forschungsergebnisse des Instituts für Lebensmittel- und Umweltforschung e.V. (ILU), D-Bad Belzig, aus dem Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL), Themenbereich Lebensmittel

Zusammenfassender Abschlussbericht

Eine weit verbreitete Anwendung von persistierenden, synthetischen Pestiziden in der Landwirtschaft stellt ein erhebliches Risiko für die Biodiversität und die Umwelt dar. Darüber hinaus werden Pestizide von der Allgemeinheit als problematisch angesehen und die Öffentlichkeit setzt sich vermehrt für Produkte ein, die frei von persistierenden Pestiziden sind. Landwirt*innen stehen vor der Aufgabe, sich mit diesen Sorgen auseinanderzusetzen und ein nachhaltiges Gleichgewicht zwischen „umweltfreundlicher“ und „profitabler“ Pflanzenproduktion zu finden. Um die Bedenken der Landwirt*innen und Verbraucher*innen zu berücksichtigen, ist es notwendig, neue Wege zu finden, um die Ernteerträge zu sichern, Nahrungs- und Ernteabfälle zu minimieren und Gemüse und Obst mit gesundheitsfördernden Eigenschaften zu produzieren.

Im Rahmen des Bio4Food-Projekts wurden diese drei Gesichtspunkte behandelt und es wurde eine Strategie zur Wiederverwertung von Ernterückständen verfolgt. Vom ILU wurden daher Ernterückstände von Tomaten, Fenchel, Artischocke, Basilikum und Petersilie verwendet, um biostimulierende und biopestizid wirkende Extrakte herzustellen. Besonders die Extrakte aus Basilikumrückständen waren reich an phenolischen Verbindungen und wiesen eine hohe antioxidative Kapazität auf – im Vergleich zu den Extrakten der anderen Reststoffe. Von Projektpartnern aus Belgien und Italien wurden die Extrakte im Labor, sowie in Feldversuchen getestet. Petersilienextrakte zeigten vor allem gegen pflanzenpathogene Pilze eine hemmende Wirkung in Laborversuchen. Beim Anbau von Fenchelpflanzen konnte ein Petersilienextrakt den Ertrag und den Mineralstoffgehalt der geernteten Knollen im Vergleich zu unbehandelten Fenchelpflanzen steigern.

Quelle: forschung@fibl.org, Newsletter Forschung BÖL und EPS vom 2. Oktober 2024

Landwirte sind ausgebrannt

Ein Bericht von Isabella Hirsch, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (Auszug aus ihrem Kritischen Agrarbericht 2023)

Psychische Erkrankungen treten bei Landwirten und Landwirtinnen doppelt so häufig auf wie im Durchschnitt der Bevölkerung. Burnout und Depression sind laut landwirtschaftlicher Sozialversicherung (SVLFG) die zweithäufigste Ursache für Erwerbsminderungen. Bei ihrer zentralen Krisenhotline gehen jede Woche 20 bis 30 Notrufe ein. Artensterben kennen wir aus dem Pflanzen- und Tierreich. Die Politik setzt es auf ihre Agenda und die Bevölkerung bringt Blühsamen und Kräuter in den Garten. Das Sterben der Einzelhandelsgeschäfte und der kleinen Handwerksbetriebe ist für uns ebenfalls allgegenwärtig. Produkte werden dennoch 24 Stunden am Tag im Netz bestellt und häufig nach kurzem Gebrauch im nächsten Wertstoffhof entsorgt. Das Verschwinden der bäuerlichen Betriebe jedoch ist weitreichender. Nicht nur die regionale Urproduktion und Lebensmittelverarbeitung, sondern auch die bäuerliche Gestaltung von Natur- und Erholungsräumen geht mit ihrem Verschwinden verloren. In allen Regionen entstehen Dörfer, in denen immer weniger Arbeits- und gesellschaftliches Leben stattfinden. Man kennt sich häufig nicht mehr; viele leben im gleichen Dorf, aber jeder für sich allein. Was verändert sich dadurch für uns Menschen, für uns als Gesellschaft? Und vor allem: Was geschieht in dieser Zeit mit den Bäuerinnen und Bauern auf den landwirtschaftlichen Betrieben? Ohne dass es von der Öffentlichkeit groß wahrgenommen wird, sterben viele dieser Betriebe einen leisen und harten Tod.

Jung und schon ausgebrannt

»Mit der Natur und den Tieren zu arbeiten«, halten die meisten ihrer Bekannten für einen wohltuenden Arbeitsplatz, so Tanja, Bäuerin aus Franken. Trotz ihres noch jungen Alters von 42 Jahren fühlt sie sich komplett ausgebrannt. 85 Milchkühe stehen im Stall plus Nachzucht, insgesamt versorgt die Familie rund 190 Tiere. Kinder, Garten, Haus, Hof und Ehrenamt fordern sie. Sie ist Schwiegertochter, Eingeheiratete und Schwägerin dreier weichender Erben. Zudem ist sie Ehefrau eines ebenso belasteten Partners, mit dem sie nur deswegen so viel gemeinsame Zeit verbringt, weil sie täglich bis zu fünf Stunden zusammen im Stall arbeiten. Von Montag bis Sonntag, fünf Stunden jeden Tag, das ergibt 35 Wochenarbeitsstunden nur Stallarbeit! Doch damit ist es längst nicht getan. Hinzu kommen Arbeiten auf dem Feld, im Wald, am Hof, im Haus usw. Alles muss bearbeitet werden, dazu kommen Reparaturen, Bautätigkeiten und nicht zuletzt die angeschwollene Überlast an Bürokratie und Digitalisierung. Keine sechs Wochen Jahresurlaub, kein regulär freies Wochenende, keine Feiertage, mal »Blaumachen« – Fehlanzeige! Mit Kühen nicht! Arbeit geht vor – meist 365 Tage lang. Das Familienleben hat sehr oft hinten anzustehen.

Es belastet die Bäuerinnen und Bauern aber vor allem auch in ihrem Selbstwertgefühl, immer aufs Neue gesagt zu bekommen, dass sie fehlerhaft arbeiten. Manch Kontrolleur verhält sich dann auch noch unsensibel und lässt einen Umgang auf Augenhöhe mit dem Landwirt vermissen. Schwer zu ertragen für täglich hart arbeitende Bäuerinnen und Bauern.

Dienstleistungsunternehmen, die Büroarbeit übernehmen, kosten viel Geld, das vor allem bei kleinen Betrieben nicht da ist. Beratungsstellen für Zeitmanagement, Betriebsabläufe, Überlastung gibt es vielfältige, sie gehen aber nicht das Problem der staatlich erzeugten Überbürokratisierung an. Bürokratie erzeugt mehr Bürokratie, das wissen wir längst. Sie geht so weit, dass die Landwirte nicht mehr zur eigentlichen Arbeit kommen und ein Gefühl der Fehlerhaftigkeit erzeugt wird, das sie krank macht. »Es wird immer mehr Bürokratie, ich kann einfach nicht mehr«, so Lukas aus der Oberpfalz.

Erzeuger und Verbraucher weiter entfernt denn je

Im Discounter denkt kaum noch jemand an Tanja, die Bäuerin, die heute morgen im Stall stand und gemolken hat. Und Tanja bemerkt nicht mehr, dass jemand ihr Produkt kauft. Gegenseitige Wertschätzung oder einfach nur Verständigung sind schwer zu realisieren. Die Tatsache, dass 75 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf und Jahr in den Haushalten zu Müll werden, kennzeichnet zudem den Wertverlust. »Der nächste Stall mit Kühen ist elf Kilometer weg«, so Christina aus Schwaben. »Früher habe ich im Ort Milch geholt, aber wir haben keinen Milchbauern mehr. Biogasanlagen gibt es 15 Stück in der näheren Umgebung.« Mit »Scheiße« und Gas konnte man die letzten 20 Jahre Geld verdienen, mit Lebensmitteln kaum. Rahmenbedingungen, die die Politik gestaltet hat. Müssten wir uns von den Feldern vor Ort ernähren, würde es mancherorts eng werden. Zusätzlich wurden Betriebe der Lebensmittelerzeugung »weltmarktfähig« gemacht. Das heißt: Der Schlachthof ist mindestens 50 Kilometer weg, die Molkerei 100 Kilometer und eine Mühle gibt es auch nicht mehr in der Region.

Die Landwirtschaft wird immer intensiver: Ein Landwirt ernährt heute 155 Menschen, 1960 waren es 17 und um 1900 nur vier. Aber diese 155 Menschen können heute oft nicht die eine Landwirtsfamilie ernähren, ihr ein würdiges Auskommen sichern.

Der vollständige Kritische Agrarbericht wurde von Isabella Hirsch unter Mitarbeit vieler Bäuerinnen und Bauern erarbeitet und ist unter folgendem Link zu lesen: https://kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2023/KAB_2023_93_98_Hirsch.pdf

Freundschaftsökonomie

Beitrag von Wolfgang Ritter

Kürzlich las ich ein Interview mit Günter Faltin. Er ist ein ganz erstaunlicher Wissenschaftler, der in seinem Buch Wir sind das Kapital zeigt, wie man von einer ersten Idee bis zu einem ausgearbeiteten Konzept gelangt und wie man das Konzept dann in der Praxis verwirklicht. Faltin baute den Arbeitsbereich Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin auf, lehrt seit 2013 an der Universität Chiang Mai, gründete 1985 die Projektwerkstatt GmbH mit der Idee der Teekampagne als Modell für Entrepreneurship. Das Unternehmen wurde zum weltgrößten Importeur von Darjeeling Tee!

„Die Teekampagne startete 1985 in der Projektwerkstatt“, berichtet Faltin im Interview mit Cornelia Gretz und André Bleicher. „Ich hatte mir die Wertschöpfungskette des Tees angesehen und festgestellt, dass der Tee bei uns zehnmal teurer war als in den Erzeugerländern. Als Kostentreiber erwies sich der Handel, insbesondere die Zwischenhandelsstufen und die handelsüblichen Kleinpackungen. Skandalös daran war auch, dass nur ein geringer Anteil der Wertschöpfung bei den Erzeugern verblieb. Die Kernidee der Teekampagne bestand in der Beschränkung auf eine einzige Teesorte – aber dafür die beste -, um so Einkaufsmengen zu generieren, die groß genug waren, dass man den Zwischenhandel überspringen und direkt im Erzeugerland einkaufen konnte.“

Großpackungen, die innerhalb eines Monats in Deutschland gegen Vorkasse an Verbraucher verkauft wurden, erlaubten einen Preis, der deutlich unter dem des konventionellen Handels lag. Und 50 Prozent des Verkaufspreises verblieben im Erzeugerland. Wer kauft nun die großen Mengen? „Wir haben viele Sammelbestellungen“, so Faltin. „Ein Kunde bestellt für seinen Bekanntenkreis mit und verteilt den Tee dann weiter. Das findet in Schulen statt, in Büros, in Kanzleien, in der Hausgemeinschaft oder im Freundeskreis.“

Faltin: „Ich selbst denke seit einiger Zeit über etwas nach, das ich Freundschaftsökonomie nenne. Die Grundidee: Einen Freund betrügt man nicht. Im Gegenteil: Man versucht ihm möglichst Gutes zu tun. Und eben auch, indem man ihn an den eigenen ökonomischen Kenntnissen und Erfahrungen teilhaben lässt.“

Diese Aussagen Faltins entsprechen dem Ansatz, den einige Firmen – und auch der Bio-Verbraucher e.V. – verfolgen, dargestellt in meinem Buch Wirtschaft der LiebeElemente einer künftigen Wirtschaftsordnung.

Faltin fragt nun: „Wie müssen wir Ökonomie gestalten, damit nicht nur die egoistischen Eigenschaften des Menschen in den Vordergrund treten oder sogar noch durch das ökonomische System angeheizt werden?“ Er sieht, wie ich, eine mögliche Transformation vom jetzigen marktwirtschaftlichen System mit Konkurrenzkampf hin zu einem brüderlichen Wirtschaftssystem, das auf Kooperation beruht, durch „Insellösungen“. Er nennt etwa folgende Ansätze: konsumkritische Lebensformen, wie „weniger ist mehr“, genossenschaftliche Organisationen, Lebensmittelkooperative, Direktkauf in Hofläden, Abo-Kisten, Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi), gemeinwohlorientierte Ökonomie, sozial orientierte Unternehmen, Tauschgemeinschaften, Nachbarschaftsdienste.

Von der Verbraucherseite her gedacht bedeutet das: Wir interessieren uns für unsere Lieferanten, möchten wissen, wer sie sind, wie sie arbeiten, welche Nöte und Erfolge sie haben. Wir sind bereit, den „gerechten Preis“ zu bezahlten, damit sie uns auch morgen noch mit ihren wertvollen Produkten beliefern können. Apropos „wertvolle Produkte“: Verbraucher sollten regelmäßig auf Qualitäts- und Preisrecherchen für ihre Einkaufsentscheidungen zurückgreifen. Jahrzehntelange Beobachtung zeigt, die teuersten Produkte sind nicht immer die besten.

Durch so geübtes gegenseitiges Interesse von Lieferanten und Konsumenten wird das übliche anonyme Marktgeschehen ein Stück weit überwunden, die Marktteilnehmer schätzen sich wieder, eine assoziative Zusammenarbeit, eine Ökonomie der Liebe wird die Zukunft sein.

Quelle für das Interview: Sozialimpulse 3/2024, S. 4, www.sozialimpulse.de

Demeter kennt jeder

Ergebnisse einer Bio-Befragung 2024 zu Bio-Einkäufen und Verbraucherwünschen

Liebe Leserinnen und Leser,

an mehreren Standorten und zu verschiedenen Zeiten haben wir während des Jahres 2024 in Franken eine Befragung durchgeführt, um das Einkaufsverhalten von Bio-Konsumenten, ihre Kenntnisse und Wünsche kennenzulernen. Gleichzeitig diente die Befragung auch dazu, die Aktivitäten und Vorteile des Bio-Verbraucher e.V. bekannter zu machen. 146 Personen haben unsere Fragen beantwortet, manche nur teilweise. Mehrfachantworten waren möglich.

Zusammenfassendes Ergebnis

Die meisten Bio-Konsumenten kaufen wöchentlich ein (71%), monatlich 18%, täglich 17%. Fast jeder kauft Lebensmittel (97%), zwei Drittel der Befragten auch Getränke (66%), die Hälfte auch Reinigungsmittel (51%) und Naturkosmetik (49%). Ein Fünftel (22%) auch Bio-Kleidung. Mehr als drei Viertel kauft im Bio-Fachgeschäft ein (78%), mehr als die Hälfte (55%) deckt seinen Bedarf auch im Supermarkt. In Bio-Hofläden kauft fast ein Drittel (32%), auf Wochenmärkten ein Fünftel (21%), über den Versandhandel 8%.

Motivationen für die Bio-Einkäufe sind:

  • Man will einen Beitrag zu Umwelt-, Arten- und Klimaschutz leisten (82%)
  • Bio-Produkte werden gekauft, weil sie gesünder sind (76%)
  • Man will den Bio-Erzeugern Wertschätzung zeigen (76%)

Demeter ist das bekannteste Bio-Siegel

84% der Befragten achten beim Einkauf auf die Bio-Siegel. Die Teilnehmer sollten nun die Bio-Siegel nennen, die ihnen spontan einfielen. Am bekanntesten sind Demeter (66%), Bioland (48%), Naturland (24%), EU-Siegel (18%), Deutschland-Siegel (14%), Biokreis (10%).

(Unser Umfrage-Ergebnis von 2022 ist in etwa bestätigt: Demeter 53%, Bioland 31%, Naturland 23%, EU-Siegel 15%, deutsches Bio-Siegel 12% und Biokreis 4%; vgl. Info-Brief 73/ Januar 2023.)

Nun folgten Fragen zu Wünschen der Bio-Verbraucher (Zustimmung in Prozent):

Wünschen Sie sich

  • bessere politische Entscheidungen für Bio-Erzeugung, -Handel und –Verbrauch? (86%)
  • qualifizierte Informationen zu Bio-Themen (39%)

Würden Sie gerne jährlich

  • Bio-Erzeuger kennenlernen (51%)
  • Bio-Produkte kostenlos erhalten, um sie auszuprobieren (45%)
  • ein Bio-Menü genießen (45%)

Nach diesen Fragen war der folgende Text zu lesen: Wenn Sie bei den letzten beiden Fragen etwas angekreuzt haben, sind Sie beim Bio-Verbraucher e.V. goldrichtig. Wir sorgen uns um die fünf angegebenen Themen. Auch in unserem Jubiläumsjahr werden wir wieder

  • kostenfreie Bio-Ausflüge organisieren
  • unseren Mitgliedern zur Mitgliederversammlung (MV) ein Bio-Menü spendieren – diesmal im Tiergartenrestaurant Nürnberg
  • jedem Mitglied bei der MV eine Tüte voll Bio-Produkten überreichen

Lassen Sie sich das nicht entgehen! Werden Sie Mitglied (Jahresbeitrag nur 24 Euro)!

Erstaunliche Erfahrung für uns war, obwohl viele der Befragten alle die Vorteile, die der Bio-Verbraucher e.V. bietet, gerne für sich in Anspruch nehmen würden, konnten sich nur wenige entschließen, spontan Mitglied zu werden. Woran liegt das? Traut man uns nicht zu, die Versprechen einzuhalten? Fürchtet man die zusätzliche Geldausgabe? Will man sich ungern binden?

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Ritter

Bio auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt

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