Ursprung der biologischen Landwirtschaft: acht Vorträge Rudolf Steiners 

Koberwitz damals und heute – Wie findet der „Landwirtschaftliche Kurs“ zu mir?, Auszug aus einem Beitrag von Engelhard Troll in Rundbrief Demeter Bayern, Frühjahr 2024

Stellt man sich heute als Demeter-Mitglied die Frage nach der Identität unserer Bewegung, oder interessiert sich vielleicht ein Außenstehender, „um was geht es eigentlich bei Demeter“, so würde man eher nicht in die Richtlinien schauen, die Beitragsordnung oder gar den Sanktionskatalog studieren, sondern man würde sich den „Landwirtschaftlichen Kurs“ vornehmen. Dieser wurde vor 100 Jahren auf dem modernsten Musterbetrieb des damaligen Deutschen Reiches gehalten, der zu einer Zuckerfabrik gehörte.

Steiner, der eher etwas zögernd die weite Reise ins damalige Schlesien antrat, ging auf dem modernsten Vorzeigebetrieb deutlich zur Sache, scheute keine Provokationen, um sich radikal vom damaligen Wissenschafts- und Wirtschaftsbetrieb abzusetzen:

  1. Ziemlich zu Beginn vergleicht er die Vorgehensweise der damaligen Forschung mit einem, der die Ursache für das Ausschlagen der Kompassnadel im inneren Aufbau des Kompasses suchen würde, anstatt das Magnetfeld der ganzen Erde zur Erklärung heranzuziehen. Denn so muss die Natur und das Geistige in der Natur im Großen angeschaut werden, in einem umfassenden Kreis bis zu den fernen Sternen.
  2. Die damals betriebene Landwirtschaft würde Raubbau an der Erde betreiben. (Interessanter[1]weise machten uns Berufskollegen bei der Umstellung 1980 genau denselben Vorwurf, wir würden unsere Felder auslaugen, weil wir keinen Mineraldünger streuen würden.) Steiner meinte das aber so, dass die Lebenskräfte der Erde, durch die Ernten beansprucht, nicht erneuert würden.
  3. Damals wurden bereits Mikroben erforscht. Auch hier wendet er die Betrachtungsweise um: „Die Mikrobenwelt und auch der Regenwurm tritt lediglich symptomatisch auf in einem Milieu, das von Lebenskräften ursächlich bestimmt wird.“ Impfen mit Mikroorganismen wäre nur eine Maßnahme an der symptomatischen Oberfläche, ändere aber nichts nachhaltig an der Grundsituation. Übrigens, auch der Ansatz des damaligen bayrischen Hygieneforschers Max von Pettenkofer, der vertrat: Die Infektion sei nichts, die Gesundheit und Abwehrkraft des Organismus sei entscheidend und damit Maßnahmen der Hygiene, der Steigerung der Lebens- und Abwehrkräfte, heute sprechen wir von Salutogenese.
  4. Steiner betont das Miteinander von Stoffen und Kräften. Die übliche Wissenschaft unter[1]sucht nur die materialistische Seite der Stoffe, wie, wenn sie ein Leichnam wären, oder in einem anderen Bild, wie mit einem photographischen Apparat abgeknipst. Das zeige nur die äußere Seite der Stoffe. Zu diesen brauche es aber ein persönliches Verhältnis. Das Sprechen von Kräften war damals nicht unüblich, man meinte aber solche, wie die eben entdeckte Elektrizität und Magnetismus, für die man auch esoterische Effekte in Séancen oder psychische Sonderfälle verantwortlich machte.
  5. Der Einsatz von Mineraldünger sei nicht nachhaltig, Mineraldünger wirke nur im wässrigen Bereich des Bodens belebend und gehe somit zu schnell durch den Boden durch, wie wir heute wissen, ins Grundwasser. Entscheidend sei im Gegensatz die Belebung des festen Elements im Boden, wie z. B. bei Humuswirtschaft.
  6. Die Rolle des Stickstoffs im Pflanzenwachstum würde überbewertet. Damals nach dem Welt[1]krieg fand ja die für die Munitionsherstellung wichtige Stickstoffindustrie eine Absatzmöglichkeit für Stickstoff als Düngemittel. Eine zentrale Rolle spiele im Pflanzenwachstum der Kohlenstoff. Stickstoff beschreibt er als einen Schlepper (des Lebendigen zu dem Geistigen auf dem Kohlenstoffgerüst).
  7. Im Vortrag über die Fütterung beklagt er das Schicksal der Haustiere, die im dumpfen Stall am Futtertrog stehen und „dasjenige zubemessen erhält, was die Weisheit des Menschen in diesen Futtertrog tut.“ Das sagt er, nachdem er die beiden Ströme der irdischen und kosmischen Ernährung dargelegt hat und ihre Bedeutung für die Qualität der tierischen Sinneswahrnehmungen bei Weidegang und selektivem Fressen. Und dabei sei es wichtig, rationell (!) vorzugehen, nicht so wie die übliche Wissenschaft, die durch bloßes Probieren wohl mal auf ein brauchbares Ergebnis kommt, aber eben oft auch nicht.

20 Jahre assoziative Zusammenarbeit im Bio-Bereich

Bericht von Wolfgang Ritter

 Rudolf Steiner ist nicht nur der Vater der biologischen Landwirtschaft (siehe Rubrik 2/ Landwirtschaft und Handel, Ursprung der biologischen Landwirtschaft: acht Vorträge Rudolf Steiners, 1924 gehalten vor etwa 100 Landwirten und Interessierten), sondern auch der Ideengeber für eine assoziative Zusammenarbeit. In „Die Kernpunkte der sozialen Frage“ (GA 23) 1919 und in „Nationalökonomischer Kurs“ (GA 340),  14 Vorträge 1922 gehalten für Studenten der Volkswirtschaftslehre und in vielen Vorträgen, empfiehlt er eine Zusammenarbeit aller am Wirtschaftsprozess Beteiligten. Einige Gedanken aus der genannten Literatur mögen helfen zu verstehen, was Rudolf Steiner vorschwebte.

Jeder Partner im Handelsprozess sieht einen Vorteil; dem Käufer erscheint die Ware begehrenswerter als das Geld, das er besitzt oder sich für den Kauf leiht, der Verkäufer begehrt das Geld mehr als die Ware, die er anbietet, weil er damit das Erzeugte oder selbst Erworbene bezahlen und neue Produkte herstellen oder einkaufen kann. Der einzelne Handelspartner wird sich aber niemals ein richtiges Urteil über den gesamten Wirtschaftsprozess bilden können, denn er verfolgt ja nur eigene Interessen. Die können aber zu Störungen im volkswirtschaftlichen Prozess führen, z.B. Warenüberangebot, Warenknappheit, überhöhte oder zu niedrige Preise oder kein Zugang zu Krediten für sinnvolle Projekte. Durch die Fachleute in den zu bildenden wirtschaftlichen Assoziationen kann das Einzelurteil korrigiert werden, sie können zu einem ausgewogenen Urteil der richtigen Warenzirkulation kommen und Empfehlungen aussprechen. Außerdem: „Die (Assoziation) vermittelt ihm (dem Unternehmer) die vernünftigste Art und Weise, wie er leihen kann, und vermittelt ihm die vernünftigste Art, wie er schenken kann“ (GA 340, 12. Vortrag). Der kulturelle Bereich in der Volkswirtschaft ist auf Schenkungen aus der Wirtschaft angewiesen, denn er erwirtschaftet nur selten die entstehenden Kosten.

Zum „richtigen“ Preis sagt Rudolf Steiner: „Dieser muss so sein, dass jeder Arbeitende für ein Erzeugnis so viel an Gegenwert erhält, als er zur Befriedigung sämtlicher Bedürfnisse bei ihm und den zu ihm gehörenden Personen nötig ist, bis er ein Erzeugnis der gleichen Arbeit wieder hervorgebracht hat. Ein solches Preisverhältnis kann nicht durch amtliche Feststellung erfolgen, sondern es muss sich als Resultat ergeben aus dem lebendigen Zusammenwirken der im sozialen Organismus tätigen Assoziationen“ (GA 23, Fußnote in Kapitel 3).

 Assoziative Zusammenarbeit im Bio-Verbraucher e.V.

Zu Assoziationen, die in der geschilderten Weise handeln, ist es meines Wissens nicht oder nur ansatzweise gekommen. Aber es gibt einige Initiativen, die Elemente einer assoziativen Zusammenarbeit verwirklichen. Im Bio-Verbraucher e.V. kommt es uns darauf an, alle am Bio-Wirtschaftsprozess im Verein zusammenzubringen: Bio-Erzeuger, Bio-Händler, Bio-Dienstleister, Bio-Verbraucher. Wir schätzen die Arbeit unserer Bio-Anbieter, wir wollen, dass sie uns auch in Zukunft versorgen, wir lernen sie kennen, um ihre Arbeitsweise zu verstehen und wirklich zu würdigen wissen. Das geschieht durch Eintrag der Firma, des  Angebotes und der Vertriebswege auf unseren Internetseiten, www.netz.bio/Bio-Adressen, durch Firmenberichte und Terminankündigungen von Firmen-Events in unserem Info-Brief, Firmenbesuche und Kontakte auf der Bio-Leitmesse BioFach in Nürnberg. Auch bei unseren Mitgliederversammlungen stellen sich immer einige Bio-Firmen vor. Manche haben auch schon Vorträge für uns gehalten.

Regionale und bundesweite assoziative Zusammenarbeit

Ständig besprechen wir uns in der Bio-Metropole Nürnberg und mit anderen am Bio-Wirtschaftsprozess interessierten Organisationen, wie wir gemeinsam die Bio-Idee voran bringen oder ein Verständnis für bestimmte Erzeugnisse wecken können. Ein Projekt, das schon seit mehr als 15 Jahren wiederholt wird, ist die Bio-Brot-Boxaktion: mehr als 10.000 Erstklässler erhalten nach der Einschulung eine mit Bio-Produkten gefüllte Box, die sie gemeinsam mit ihren Lehrern erkunden und leeren.  Bei solchen Besprechungen treffen sich oft wirklich alle am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten: Erzeuger, Händler Verbraucher. Wir nennen diese Arbeit auch tri-sektorale Zusammenarbeit, weil Firmen, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Politik (städtisches Gesundheitsamt) beteiligt sind.

Auf eigene Initiative haben wir auch schon einmal mit einer Molkerei, einigen Milcherzeugern und Wissenschaftlern zusammen beraten, wie die Joghurt-Qualität verbessert werden könnte. Auf Bundesebene wurden wir zweimal zu assoziativen Gesprächen über die Apfelqualität eingeladen. Die deutschen Obsterzeuger und Vertreter von Groß- und Einzelhandel wollten wissen, wie wir Bio-Verbraucher zum Aussehen der Äpfel stehen. Wir erfuhren, dass auch die Bio-Erzeuger durch vermehrte Anwendungen von zugelassenen Bio-Spritzmitteln den perfekten Apfel anbieten könnten – dann allerdings zu erhöhten Preisen. Nach einer Umfrage unter Bio-Verbrauchern konnten wir das Ergebnis präsentieren. Der perfekte Apfel ist unter Bio-Verbrauchern unbeliebt, unbedeutende Schorfstellen werden in Kauf genommen, wenn der Apfel gut schmeckt. (Bei Rubrik 3/Wissenschaft/ Forschung wird dieser Prozess beschrieben.)

20 Jahre Bio-Verbraucher e.V.

Liebe Leserinnen und Leser,

als wir vor 20 Jahren den Bio-Verbraucher e.V. gründeten, stellte sich noch öfter die Frage, wo man bestimmte Produkte in Bio-Qualität kaufen könne. Unser erstes Projekt war deshalb der Aufbau eines Bio-Adress-Verzeichnisses auf der neu kreierten Internetseite www.bio-verbraucher.de. Dazu wurden inzwischen über 1000 Bio-Anbieter kontaktiert. Für einen geringen Beitrag können Bio-Betriebe ihre Angebote mit Bildern bei uns präsentieren. Vor etwa 10 Jahren wurde unser Internet-Auftritt modernisiert. Jetzt gibt es unter https://netz.bio oder https://sei.bio bei „Bio-Adressen“ eine Suchfunktion: Man kann nicht nur nach Anbietern und Orten, sondern auch nach Produkten suchen. Firmen können Schlagwörter angeben, über die sie im Internet gefunden werden wollen. Bei uns sieht man sie gleich unter der Firma. Bei einem Klick auf diese öffnet sich eine Seite mit Einzelheiten und Bildern des Bio-Betriebes.

Seit dem 1.1.2005 wird auf unseren Internetseiten auch unser „Info-Brief“ veröffentlicht. Persönliche und Firmenmitglieder erhalten ihn vierteljährlich per Email oder Briefpost. Im Editorial und acht Rubriken bringen wir Nachrichten, die man selten über die Tagespresse erfährt. Alle neuen Firmenmitglieder werden mit ihrem Angebot kurz vorgestellt unter „Angebote & Gesuche“, einige für uns wichtige Termine werden genannt. Auf unseren Internetseiten erscheinen der Leitartikel und die Rubriken unter der Überschrift „Nachrichten aus der Bio-Welt“, die Termine unter „Veranstaltungen“, die neuen Firmen unter „Angebote & Gesuche“. Alle behandelten Themen findet man über „Suche“ rechts oben auf der Startseite.

Schon bald nach unserer Gründung begannen wir auch damit, Politikern unsere Meinung zu sagen – auf regionaler Ebene, im Bund und in Europa. Derzeit erleben wir: Bundeslandwirtschaftsminister, Cem Özdemir, von den Grünen möchte Manches in die Richtung bewegen, die wir uns wünschen, wird aber von seinen Koalitionspartnern oft gebremst. Vor einigen Jahren haben wir einen Forderungskatalog aufgestellt. Er enthält u.a. keine Zulassung von umweltschädlichen Pestiziden, landwirtschaftliche Förderungen nur für nachhaltig bewirtschaftete Flächen, strengere Auflagen, häufigere Kontrollen und durchgreifende Strafen bei Verstößen gegen das Tierschutzgesetz und Rückbau der Massentierhaltung, mindestens ein Bio-Essen in Großküchen, keine Patente auf Saatgut, Jungpflanzen, Tierzüchtungen für die Lebensmittelherstellung, keine Verschwendung/ Entsorgung von Lebensmitteln, die noch genießbar sind. Ist schon etwas zu unserer Zufriedenheit erledigt? Nein! Der Kampf geht weiter!

Seit unserer Gründung arbeiten wir mit allen Organisationen und Persönlichkeiten zusammen, denen Bio ein Anliegen ist. Dazu gehören u.a. der Dachverband der Bio-Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die Anbau-Verbände, Bio-Regionen und –Metropolen, Forschungsorganisationen und Vereine. Manche, die wir bei Eingaben als unsere Partner auch nennen, sind auf unserer Startseite unter „Unsere Partner“ aufgeführt.

Rudolf Steiner, der „Vater“ der Bio-Bewegung, empfahl u.a. eine assoziative Zusammenarbeit von allen am Wirtschaftsprozess Beteiligten als ein Mittel gegen den anonymen und ruinösen Wettbewerb unseres marktwirtschaftlichen Systems. Diese Idee verwirklichen wir für den Bio-Bereich im Bio-Verbraucher e.V. Die Mitgliedschaft setzt sich zusammen aus Bio-Erzeugern, -Händlern, -Dienstleistern, -Verbrauchern. Man kennt sich, man erfährt voneinander, man schätzt sich. Regional sind wir mit allen am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten vernetzt. In der Arbeitsgemeinschaft Bio-Metropole Nürnberg haben wir in den vergangenen zwei Jahrzehnten daran mitgearbeitet, Bio in  Großküchen und Einzelhaushalten einzuführen. Auf überregionaler Ebene sind wir ein Ansprechpartner, wo bei Beratungen die Meinung der Verbraucher gefragt ist. (Siehe auch Bericht bei Rubrik 1/Assoziative Zusammenarbeit in diesem Info-Brief.)

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Ritter

Tiny Farms

Eine Initiative mit folgendem Ziel: Wir möchten möglichst vielen Menschen einen Zugang in die Landwirtschaft bieten und gemeinsam bio-regionale Lebensmittel anbauen.

Wir sind ein Berliner Landwirtschafts-Start-up mit Sitz in den Atelier Gardens. Aktuell produzieren wir Bio-Gemüse auf unseren Tiny Farms in Brandenburg und Hamburg und bieten unterschiedliche Academy-Formate an. Ein neuer Standort in der Schweiz wird 2024 realisiert.

Da wollen wir gemeinsam hin
Ein Netzwerk von Micro-Farmen produziert gemeinsam landwirtschaftliche Produkte und gestaltet die Transformation
einer regenerativen LandWirtschaft. Wir wollen gemeinsam bessere Lebensmittel erzeugen – regional, fair und ökologisch; Menschen
eine erfüllende Tätigkeit im Kontakt mit der Natur ermöglichen und die Gesellschaft in Beziehung mit dem Lebensmittelanbau bringen.

Unser Weg
Wir schaffen Eintrittsmöglichkeiten in die Landwirtschaft für
Quereinsteiger:innen & Interessierte. Wir tragen zu einer zukunftsfähigen
Landwirtschaft bei und bringen neue Ideen in einen Bereich mit hohem
Transformationsdruck. Wir erhöhen den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche und bieten Produkte mit einem geringen ökologischen Fußabdruck. Wir sensibilisieren wichtige Akteurinnen für regionale Landwirtschaft.

Unsere 3 Säulen
Anbau
Wir orientieren uns am Market Gardening als einer ökologischen
Anbaumethode auf kleinster Fläche. Durch intensive Pflege und
effiziente Nutzung der Anbaufläche produzieren wir frische, gesunde
Bio-Produkte in Brandenburg und Hamburg, fördern eine lebendige
Community und reduzieren ökologische Auswirkungen.

Akademie
Fieldwork & Innerwork: In der Tiny Farms Academy ermöglichen wir es
Menschen, in die Landwirtschaft einzutauchen. Wir begleiten sie durch ein
neun-monatiges Weiterbildungsprogramm, das sie auf die Praxis vorbereitet. Wir bieten Formate für nicht landwirtschaftliche Teams um sich in einer inspirierenden Umgebung mit Inner Work (innere Arbeit) zu beschäftigen.

Netzwerk
Wir möchten Menschen und viele kleine Betriebe verknüpfen, um
Verbindungen herzustellen und bestimmte Prozesse gemeinsam zu
organisieren. In diesem Jahr stellen wir die Weichen und entwickeln
gemeinsam mit einem Forschungsprojekt und Interessierten an Tiny
Farms ein tragfähiges Konzept. Quelle: www.tinyfarms.de/hallotinyfarms

Kontakt: www.academy.tinyfarms.de, kraut@tinyfarms.de

 

Grüne Lust

Katharina Winter
Foto W.R.

Am Wochenende, 14./15. September 2024, fand wieder die Grüne Lust am Wolfgangshof in Anwanden bei Zirndorf statt. Etwa 100 Aussteller boten Ihre Waren feil, es gab Unterhaltung, Essen und Trinken, ein Kinderprogramm und Info. Auffällig: unter den Verkäufern gab es wenig Bio-Betriebe. Hubert Rottner, der langjährige Betreiber der Grünen Lust, hat im vergangenen Jahr seinen beiden Töchtern, Katharina und Johanna, die Organisation übertragen.

Am Sonntag waren wir, der Bio-Verbraucher e.V., mit einem Info-Stand dabei und konnten einige bio-beratende Gespräche führen.

Apfel- und Birnenzüchtung – Projekt BioResiObst gestartet

Die Auswahl der Apfel- und Birnensorten für den ökologischen Obstbau ist begrenzt: Das liegt einerseits an den hohen Ansprüchen des Handels. Andererseits gibt es nicht genügend Sorten, die ausreichend robust gegen Krankheiten, Schädlinge sowie klimatische Veränderungen sind und somit gut zum ökologischen Anbau passen. Deshalb braucht der Bio-Obstbau eigene Sorten, die auch mit wenig Pflanzenschutz gesund sind und konstante Erträge im sich wandelnden Klima erbringen. Da der Bio-Obstbau im Verhältnis zum konventionellen Anbau ein geringeres Marktvolumen hat, ist es für konventionelle Zuchthäuser nicht interessant, Bio-Obstsorten zu züchten. Deshalb nehmen engagierte Akteur*innen aus dem Bio-Obstbau im apfel:gut e.V. bereits seit 2011 die Züchtung selbst in die Hand.

Nun ist unter Federführung vom apfel:gut e.V. das BÖL-Forschungsprojekt BioResiObst gestartet. Zu den Projektpartnern zählen die Bioland Beratung GmbH, Öko-Obstbau Norddeutschland e.V. und die Universität Kassel. Gemeinsam arbeiten die Projektpartner daran, den Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen im Kernobstanbau durch die Züchtung von nachhaltig resistenten Apfel- und Birnensorten zu vermindern und die ökologische Obstzüchtung durch innovative Maßnahmen zu optimieren. Bei der Apfel- und Birnenzüchtung baut das Projekt auf die bereits geleisteten Züchtungsarbeiten seitens des apfel:gut e.V. auf. Zahlreiche Zuchtklone aus der apfel:gut-Züchtung werden auf ihre Resistenzeigenschaften und Klimaresilienz ebenso geprüft, wie auf ihre Ertrags- und Fruchteigenschaften.

Die Birne ist züchterisch bislang weniger bearbeitet als der Apfel. So sind Ökobetriebe stärker mit Krankheits- und Schädlingsbefall konfrontiert. Mit dem Projekt BioResiObst sollen wichtige Grundlagen für eine ökologische Züchtung geschaffen werden. Das Projektteam untersucht an rund 250 Birnensorten die Krankheits- und Wuchseigenschaften sowie ihre Toleranz gegenüber Krankheiten unter Null-Pflanzenschutz-Bedingungen. Die Ergebnisse liefern die Grundlage für erste Züchtungsschritte hin zu einer höheren Krankheitsresilienz.

Für zukünftige Züchtungsarbeiten an Apfel und Birne erarbeitet das Projekt eine erweiterte Methodik. Für die Einschätzung, ob die tatsächlich vererbten Eigenschaften mit den beabsichtigten Zuchtzielen übereinstimmen, sollen auch molekulare Marker getestet und genutzt werden. Auf der Basis dieser Daten und mit Hilfe einer Datenbank, wird eine Zuchtwertschätzungen erstellt. So kann der Züchter vorab besser einschätzen, welche Elternsorten verlässlich die gewünschten robusten Eigenschaften an neue Sorten vererben.

Das Projekt wird gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau.

Quelle: presse@bioland.de vom 09.07.2024, www.bioland.de, T. +49 6131 23979-20

Nestlé: verunreinigtes Brunnenwasser illegal gefiltert

Ausschnitt aus einem Bericht von foodwatch e.V. vom 21.08.2024

Nestlé hat Wasser aus verunreinigten Brunnen illegal gefiltert – und dann als „natürliches Mineralwasser“ verkauft. Sehr wahrscheinlich auch nach Deutschland. Ein klarer Fall von Betrug. Und vielleicht auch gefährlich für uns Verbraucher:innen. Denn die Brunnen waren unter anderem mit Pestizidrückständen, Bakterien und Fäkalkeimen belastet. [2]

Doch das ist nicht alles: Offenbar hat das Unternehmen auch über Jahre verbotenerweise Grundwasser abgepumpt. Ohne Genehmigung und an den Kontrollen vorbei. [3]

Als wir bei foodwatch Anfang des Jahres von dem Fall erfuhren, sind wir sofort aktiv geworden. Wir haben in Frankreich Klage eingereicht, sowohl gegen Nestlé als auch gegen die Behörden. Wir sorgten dafür, dass der Fall auch in Deutschland an eine breitere Öffentlichkeit gelangte. Und wir starteten eine Online-Protestaktion gegen Nestlé, die bereits fast 40.000 Menschen unterzeichneten.

Einen kleinen Erfolg konnten wir schon erzielen: Nestlé verkauft nach eigenen Angaben bei uns kein Mineralwasser mehr aus Frankreich. [4]

Der Fall Nestlé zeigt einmal mehr die Schwachstellen in der Lebens­mittelüber­wachung. Die Behörden in Frankreich wussten offenbar seit langem Bescheid. [5] Doch wir Verbraucher:innen blieben ahnungslos. Eine öffentliche Warnung gab es nicht. Ein Prüfbericht der Europäischen Kommission fällte kürzlich ein verheerendes Urteil über das Kontrollsystem in Frankreich. [6]

Alles nur ein französisches Problem? Nein. Viele Schwachstellen, die der EU-Bericht zu dem Fall Nestlé kritisiert, sehen wir auch in Deutschland. Schon vor Jahren zeigten foodwatch-Recherchen: Jede dritte Kontrolle fällt aus. [7] Und vor allem: Auch in Deutschland sind Behörden nicht verpflichtet, immer alle Informationen über Kontrollen und Kontrollergebnisse zu veröffentlichen. Wir Verbraucher:innen erfahren daher oft nur spät, unzureichend oder gar nicht von Verstößen.

Solange aber Unternehmen mauern können und Behörden schweigen, ist der nächste Skandal nur eine Frage der Zeit. 

Wir bei foodwatch setzen uns daher seit Jahren für mehr Transparenz und eine wirksame Lebens­mittelüber­wachung ein.

 

foodwatch e.V., Brunnenstr. 181, 10119 Berlin,
E-Mail: neuigkeiten@foodwatch.de
Telefon: 030 – 28 44 52 96

Besuch beim Rotenbauer

Muttergebundene Kälberaufzucht

So wünscht man sich die Rinderhaltung. Beim Rotenbauer bleiben die  Kälber 4 – 6 Wochen bei der Kuh, dann kommen sie in den Kälber-(Kinder-)Garten. Die Nachzucht – auch die männliche – bleibt am Hof; nur wenige Kälber werden an befreundete Betriebe verkauft. Alle Rinder, Kühe und Ochsen,  haben von dem riesigen Laufstall aus freien Zugang zur großen Weide direkt am Hof.  So ist für die art- und wesensgerechte Tierhaltung bestens gesorgt.

Eine weitere Besonderheit dieses Hofes: Man hält eine vom Aussterben bedrohte Rinderrasse – das fränkische Gelbvieh, eine gutmütige Rasse. Der Respekt, den man den Tieren zollt, reicht bis zu ihrem Tod: Die Rinder werden stressfrei in Gegenwart eines Tierarztes am Hof getötet.

Produkte, die man auch im Hofladen erwerben kann:  Demeter-Milch, -Joghurt, -Käse, -Salami, -Pfefferbeisser, -Weiderindfleisch, -Soja-Öl und Bio-Eis

Kontakt: Rotenbauer, Katrin und Martin Hauser, Kaltenbuch 61, 91790 Bergen, T. 09148 – 90 80 986, www.rotenbauer.de,  info@rotenbauer.de 

 

Bio-Ausflug zum Demeterhof Rotenbauer

Sa, 3. August, 14.00 Uhr: Bio-Ausflug zum Demeterhof Rotenbauer, Katrin und Martin Hauser, Kaltenbuch 61, 91790 Bergen, Demeter-Weiderindfleisch, -Wurst, -Käse, -Öl, -Eis, Hofführung, Verkostung, Hofeinkauf, T. 09148 – 90 80 986, www.rotenbauer.de; Anmeldung bis 28.07. bei Wolfgang Ritter, ritter@bio-verbraucher.de, T.0911 – 404827 mit AB