Die positiven Effekte biodynamischer Landwirtschaft

Liebe Mitglieder,
bei einer Demeter-Tagung im Rudolf Steiner Haus Nürnberg trug Dr. Jürgen Fritz, Lehrer und
Forscher an den Universitäten Bonn und Kassel, Teile seiner Forschungsergebnisse zum Thema
Hornkiesel- und Hornmistpräparate vor. Ich hatte Gelegenheit über die Bedeutung der
kleinbäuerlichen und bio-dynamischen Landwirtschaft zu sprechen. Iris Leonhardt und Juri
Sinitson von Demeter Bayern haben im Rundbrief Nr. 152, Sept. 2021, eine Zusammenfassung
veröffentlicht, die ich hier auszugsweise und teilweise überarbeitet wiedergebe.

Mit biodynamischen Präparaten – Demeter-Qualität erfahrbar machen

Da die Anwendung der biodynamischen Präparate häufig hinterfragt wird, ging Dr. Jürgen Fritz
in seinen Ausführungen folgenden Fragen nach: Wirken die Präparate? Warum wirken sie?
Ergebnis: Am meisten Effekt erzielt man, wenn die beiden Präparate Hornmist (Präparat 500)
und Hornkiesel (Präparat 501) verwendet werden. Während Hornmist die Qualität der Erde
beträchtlich fördert, steigert Hornkiesel die Immunität und die Vitalität der Pflanzen. Nicht
selten wurde in den Versuchen auch eine deutliche Steigerung des Ertrags festgestellt. Die
Verbesserung der Qualität der Erde sieht man u.a. daran, dass die Erde krümeliger und mehr
durchwurzelt ist und die Früchte von besserer Qualität sind.
Dr. Fritz ging auch auf die Zusammensetzung von Mikroorganismen anhand von
Vernetzungsdiagrammen ein. Dabei wurden die Diagramme für einen natürlichen Wald, einen
konventionell bewirtschafteten Acker, einen Bio-Acker und einen biodynamischen Acker, der
mit den o.g. Präparaten behandelt war, verglichen. Die Diagramme für einen biodynamischen
Acker und den natürlichen Wald zeigten, dass die Mikroorganismen deutlich mehr Symbiosen
haben und dadurch das ganze System lebendiger und robuster machen. Beim konventionellen
Acker war das Gegenteil der Fall.

Agrarindustrie vs. kleinbäuerliche Betriebe im globalen Süden

Wolfgang Ritter entkräftet den Mythos der Agrarindustrie, dass sie die Lösung für die
wachsende Bevölkerung biete. Anhand vieler Beispiele aus Afrika, Nahost, Australien und
Kanada zeigt er, dass kleinbäuerliche Betriebe die Zukunft sind, wenn sie biologische oder
biodynamische (bd) Landbaumethoden einsetzen. Er spricht über das „Geheimnis“ bd-
Landwirtschaft, die Präparate 500 und 501, und zeigt in seinem Dia-Vortrag, wie man mit
ihnen auch dort gute Erträge erwirtschaftet, wo nicht genügend Tiermist als Stickstoffspender
zur Verfügung steht.
Den Agrar-Konzernen geht es nicht um das Wohl kleinbäuerlicher Betriebe in den
Entwicklungsländern, in denen die Bevölkerung ständig wächst und mit ihr der Hunger. Sie
bringen ihre Kunden in ihre Abhängigkeit. Aus ihrem Saatgut wachsen meist nur Pflanzen, aus
denen der Kleinbauer kein eigenes Saatgut gewinnen kann. Er muss es jedes Jahr erneut
kaufen. Ihr Saatgut verlangt meist künstlichen Dünger und Pestizide, die sich Kleinbauern gar
nicht leisten können. Manche Kleinbauern des globalen Südens besitzen noch die
Samensorten, die an die örtlichen Bedingungen angepasst sind. Sie verwenden Kompost, der
durch Verrottung von Viehmist und Pflanzresten entsteht. Kleinbauern des globalen Südens
versorgen zu einem großen Teil ihre Region, belasten die Umwelt geringer, verbrauchen
weniger Wasser, spielen auch eine große Rolle für die Erhaltung dezentraler Saatgutbanken.

Ertragsunterschiede im globalen Norden und Süden

Experten hatten in weltweiten und jahrelangen Vergleichsstudien festgestellt: In den
gemäßigten Ländern ist der Ertrag, den man durch biologische bzw. biodynamische
Landwirtschaft erzielt, etwa gleich dem der konventionellen Landwirtschaft. In vielen Ländern
des globalen Südens aber ist die Bio-Landwirtschaft überlegen. Daher empfahlen die
Wissenschaftler mit dem Weltagrarbericht von 2008 eine Abkehr von der agrar-industriellen
Landwirtschaft und eine Förderung der biologischen, kleinbäuerlichen Landbaumethoden.

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für das neue Jahr
Ihr Wolfgang Ritter

Lachs im Test und Bioland-Qualitätsprüfungen Würste und Brote

Lachs im Test

„Nur einer ist sehr gut“, titelt ÖKO-TEST seinen Räucherlachstest. „Inhaltsstoffe meist topp,
Geschmack na ja. Tierwohl? Eine längere Geschichte.“ 20 Räucherlachsangebote wurden
getestet. Ergebnis auf einen Blick: Gute Qualität findet man unter den Wildlachsangeboten
oder den Bio-Qualitäten.

Beanstandet wurden z.B. vorgefundene Nematoden oder eine erhöhte Anzahl von Keimen,
erkennbare Blutergüsse, traniger, bitterer, zu fischiger, zu salziger oder fisch-fremder
Geschmack. Nicht gefallen hat den Testern auch, wenn die Scheiben zu weich, zu musig,
schwer trennbar oder schlecht hergerichtet waren oder leicht auseinander fielen. Untersucht
wurden auch die Fangmethoden bzw. Haltungsformen. Gottfried Friedrichs lässt mit Haken und
Leine im Trolling-Verfahren fangen, die anderen Wildlachsanbieter mit Netzen. Die
Besatzdichte in den Aquakulturen der Bio-Anbieter fanden die Tester durchweg als akzeptabel,
was – mit einer Ausnahme – für die konventionellen Züchter nicht zutrifft. Man muss sich
darüber im Klaren sein, konventionelle Aquakulturen bedeuten Massentierhaltung unter
Wasser! Das erklärt teilweise die hohen Preisunterschiede zum Wildlachs.

Quelle: ÖKO-TEST-Magazin 12/2021

 

Bioland-Qualitätsprüfungen: Würste und Brote

Bioland-Bericht vom 5. November 2021, Auszüge

Bei den Bioland-Qualitätsprüfungen 2021 haben 10 Metzgereien und 19 Bäckereien aus ganz
Deutschland ihre Produkte von unabhängigen Fachleuten auf ihre Qualität prüfen lassen. Fast
alle Produkte haben die Prüfung bestanden – viele mit voller Punktzahl.

Bioland-Würste können es mit Branchenklassikern aufnehmen
Annika Bruhn, Herstellerberatung Bioland-Fleischwaren freut sich: „Es ist toll zu sehen, mit wie
viel Engagement und Liebe zum Detail die Bioland-Partner ihre Produkte herstellen und diese
immer weiter optimieren. Sei es auf die reine Produktqualität oder auch im Hinblick auf
Nachhaltigkeit und Klimaschutz.“

Für die Wurstherstellung nach Bioland-Richtlinien sind nur sieben Zusatz- und Hilfsstoffe
zugelassen. In Bioland-Wurstwaren finden sich kein Nitritpökelsalz, keine
Geschmacksverstärker, keine Reifebeschleuniger oder Phosphate. Stattdessen arbeiten
Bioland-Metzger*innen mit bewährten handwerklichen Verfahren und traditionellen
Rezepturen. Dazu braucht es auch handwerkliches Können, Fachwissens und Leidenschaft.

Keine Ausfälle bei den Bioland-Broten

Der Bioland-Brotprüfung haben sich noch ein paar Betriebe mehr gestellt: 19 Bioland-
Bäckereien ließen insgesamt 75 Brote von der Fachjury unter anderem nach Geschmack,
Geruch, Aussehen, Kruste, Krumenbild und Struktur überprüfen. Die geschulten Prüfer*innen
gingen dabei von außen nach innen vor: Zunächst begutachteten sie die äußerlich erfassbaren
Eigenschaften, wie Krustenfarbe und Bestreuung, dann das Brotinnere und schließlich den
Geruch und Geschmack. Das Ergebnis: Alle Brote haben die Fachleute überzeugt, 57 der 75
Brote schnitten sogar mit der vollen Punktzahl ab und erhielten die Auszeichnung „Gold“.

„Die vielen Goldauszeichnungen belegen erneut, dass Bioland-Bäckereien nach dem Motto
arbeiten: ‚Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.‘ Darauf sind wir sehr
stolz“, sagt Paul Hofmann, Bäcker-Berater bei Bioland, und ergänzt: „Dabei ist nicht zu
vergessen, dass nicht nur die 57-Gold-, sondern auch die 18 Silber- und
Bronzeauszeichnungen den Kundinnen und Kunden bereits Meisterklasse garantieren.“

Bioland-Bäcker*innen verwenden in ihren Backwaren ausschließlich natürliche Zutaten.
Zahlreiche Zusatzstoffe, die woanders üblich sind, werden durch handwerkliches Können
überflüssig gemacht.

Quelle: Presseabteilung, leon.mohr@bioland.de

Patentansprüche auf Lachs und Forellen gestrichen

Politik muss Missbrauch des Patentrechtes stoppen! Nachricht von no patents on seeds vom
16. November 2021

Heute hat das Europäische Patentamt (EPA) Patentansprüche auf Fische gestrichen. Im Patent
EP1965658 werden Lachse und Forellen beansprucht. Die Fische werden mit ausgewählten
Pflanzen gefüttert, um die Zusammensetzung der Fettsäuren in ihren Muskeln zu beeinflussen.
Das EPA schloss sich der Auffassung der Einsprechenden an und entschied, dass die so
gefütterten Fische nicht erfinderisch sind. Damit ist aber nicht ausgeschlossen, dass ähnliche
Patente in naher Zukunft wieder erteilt werden.

Ein breites Bündnis von über 30 Organisationen, das zusätzlich von rund 5000 Einzelpersonen
unterstützt wurde, hatte im Juni 2019 Einspruch gegen das Patent eingelegt. Sie fordern jetzt
grundlegende Korrekturen im Patentrecht:

„Mit unserem Einspruch haben wir heute einen wichtigen Erfolg erreicht. Aber das
Grundproblem bleibt bestehen: Mit der Erteilung von Patenten auf Gerste und Bier,
Buschmelonen, Salat oder Fische stellt sich das EPA gegen die Interessen der Gesellschaft. Die
neue Bundesregierung muss zusammen mit den Regierungen der anderen Vertragsstaaten
aktiv werden, um hier einen Riegel vorzuschieben“, sagt Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer
der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Kontakt: Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
(AbL), janssen@abl-ev.de, + 49 170 4964684, Christoph Then, Keine Patente auf Saatgut!,
info@no-patents-on-seeds.org, +49 151 54638040

Fränkisches Rindergulasch – mit regionalen und saisonalen Zutaten

Zutaten für etwa 4 Personen

½ kg Rindergulasch, 2-3 Zwiebeln, 2 Karotten, 1 kleine Petersilienwurzel, 1 kleine Pastinake,
¼ Sellerie, Rapsöl, Gemüsebrühe, Tomatenmark, Gewürze (Paprikapulver, Thymian, Majoran,
Basilikum, Oregano oder andere Gewürze), Knoblauch, frische Kräuter, Salz

Zubereitung

Zwiebeln würfeln und in reichlich Öl bei mittlerer Hitze glasig werden lassen. Karotten,
Petersilienwurzel, Pastinake und Sellerie klein würfeln, zu den Zwiebeln geben und etwa 10
Minuten schmoren lassen. Nun die Gulasch-Stücke hinzugeben und etwa weitere 10 Minuten
schmoren lassen. Jetzt etwa drei Tassen Gemüsebrühe und einen gehäuften EL Tomatenmark
hinzugeben und bis zu drei Stunden köcheln lassen. Mit Gewürzen, frischem Knoblauch und
frischen Kräutern nach Belieben abschmecken, und erst jetzt einen EL Salz dazu geben. Noch
weitere 5 Minuten köcheln lassen.

Dazu passen Reis, Nudeln oder Kartoffeln und als Gemüse Rosenkohl.
Guten Appetit wünschen Jennifer und Thomas Ritter

Ernährungsrat Nürnberg und Umgebung (ENU)

Bericht von Sophia Fettinger

Im Ernährungssystem in Deutschland, Europa und der Welt liegt vieles im Argen. Wir bewegen
uns auf eine Sackgasse zu, in der unter anderem Böden an Fruchtbarkeit und die Ökosysteme
an Artenvielfalt verlieren, und die Produzent*innen unserer Lebensmittel um ihre Existenz
fürchten müssen. Dazu kommt, dass in diesem ganzen Prozess auch noch unglaublich viel CO2
ausgestoßen und Plastikmüll produziert wird. Dass sich etwas ändern muss, ist inzwischen
immer mehr Menschen klar. Nur wie? Weil Menschen selbst etwas tun möchten, sind
Ernährungsräte entstanden. Zunächst im anglophonen Raum, aber inzwischen haben sich auch
in zahlreichen deutschsprachigen Städten und Gemeinden solche Initiativen gegründet. Der
Gedanke dabei: Auf lokaler, kommunaler Ebene können wir, die Zivilgesellschaft, zusammen
mit allen Akteuren die zum Ernährungssystem gehören, selbiges verändern. Hier können wir
einen Beitrag zu mehr Ernährungssouveränität leisten.

Etwas daran zu ändern, wie Essen im Raum Nürnberg produziert, weiterverarbeitet, eingekauft
und konsumiert wird, war auch der Beweggrund für die Gründung des Ernährungsrates für
Nürnberg und Umgebung, kurz ENU. Anfang 2018 trafen sich Julia Schrader, Johanna
Wiglinghoff und Sophia Fettinger auf einer Veranstaltung zur kommunalen Agenda21-Politik
und stellten fest, dass sie alle drei das Thema Ernährung bewegte und sie sich für die Idee
eines Ernährungsrates begeisterten. So kam es zu einem Auftakttreffen im Frühjahr 2018, bei
dem die drei vom gemeinnützigen, zivilgesellschaftlichen Verein Bluepingu e.V. unterstützt
wurden – eine Unterstützung, die bis heute andauert. Der Ernährungsrat für Nürnberg und
Umgebung ist Teil des Vereins. Rund 20 Interessierte trafen sich bei der Auftaktveranstaltung,
um mehr über Ernährungsräte zu erfahren und Ideen für eine Nürnberger Variante
zusammenzutragen. Seitdem gab es viel zu tun und wurde viel getan.

Klar war schnell: der ENU will vor Ort eine ökologisch und sozial verträgliche Landwirtschaft
unterstützen, damit unsere lebenswichtigen Ressourcen wie Boden, Wasser, Artenvielfalt und
Luft erhalten bleiben. Ziel ist es außerdem, Achtsamkeit und Wertschätzung für Lebensmittel
zu stärken, um Verschwendung aufzuhalten und ein enkeltaugliches Ernährungssystem zu
ermöglichen. Die Arbeit des ENU gilt also einer globalen Wende des Ernährungssystems hin zu
einem gerechten Umgang mit Mensch, Tier und Natur.

Doch was heißt das konkret? Der ENU arbeitet seit 2018 an der Vernetzung verschiedener
Akteur*innen in Stadt und Land. Vor Ort kann etwas bewirkt werden, wenn die verschiedenen
Beteiligten des regionalen Ernährungssystems zusammenkommen: von den Produzent*innen
bis zu den Entsorger*innen, schon bestehenden Initiativen, z.B. der Bio-Verbraucher e.V.,
engagierten Bürger*innen und der kommunalen Verwaltung (BioMetropole, Ökomodellregion,
etc.). Das, was schon getan wird und erreicht wurde, will der ENU mit seinem Tun ergänzen
und/oder weiterführen. Dies passiert über Pilotprojekte, wie die Essbare Stadt oder durch
Engagement für bestimmte Themen, wie die Umstellung der Küchen in den städtischen
Kliniken.

Außerdem ist Ziel des ENU, auf allen Ebenen Bewusstsein für die Wichtigkeit der regionalen
und ökologischen Lebensmittelversorgung zu schaffen. Dafür werden Führungen und
Workshops organisiert oder über Öffentlichkeitsarbeit auf Entwicklungen, Probleme und gute
Initiativen aufmerksam gemacht. Der ENU ist immer wieder auf Märkten und Messen sowie in
den sozialen Medien präsent. Einen enormen Beitrag leistet auch hier das Projekt Essbare
Stadt, das aus dem ENU heraus entstanden ist. Eine Arbeitsgruppe entwickelt gerade
außerdem eine Veranstaltung für gemeinsames Kochen.
Überregional werden Themen durch das Netzwerk der deutschsprachigen Ernährungsräte
kommuniziert, bearbeitet und verbreitet.

Neben der Arbeit in kleineren Gruppen trifft sich der Ernährungsrat für Nürnberg und
Umgebung jeden vierten Montag im Monat im Plenum, um sich über aktuelle Entwicklungen
auszutauschen und gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Hier können auch neue Ideen
vorgestellt und dafür Mitstreiter*innen gefunden werden. Zu den Plenumstreffen sind alle
Interessierten immer herzlich willkommen! Erreichbar ist der ENU unter
kontakt@ernaehrungsrat-nuernberg.de.

Tiermast, Mikroorganismen und die Biologie der Moral, Teil 2

Ein Beitrag von Thomas Hardtmuth, Auszug; Teil 1 zum gleichen Thema erschien in Info-Brief 68/ Oktober 2021, Rubrik 2/ Landwirtschaft und Handel

In den Krankenhäusern wächst die Sorge vor der zunehmenden Ausbreitung sogenannter multiresistenter Keime, die allein in Deutschland tausende Todesfälle pro Jahr verursachen, mit steigender Tendenz. Durch immer raschere Resistenzentwicklung hat sich mittlerweile eine Vielzahl von gefährlichen Keimen (MRSA, ESBL, VRE) entwickelt, die vor allem für Schwerkranke auf Intensivstationen eine wachsende Gefahr darstellen; im Falle einer akuten Infektion stehen immer weniger effektive Wirkstoffe zur Verfügung.

Eine Hauptbrutstätte für die tödlichen Keime rückt nun immer mehr ins Blickfeld: die Massentierhaltung. Hier werden bundesweit pro Jahr 1700 Tonnen Antibiotika verabreicht, in der Humanmedizin sind es weniger als die Hälfte. Die Bilder von den katastrophalen Lebensverhältnissen von Hühnern, Schweinen und Puten sind
im öffentlichen Bewusstsein präsent, und obwohl die ethisch-moralische Entrüstung, ja Beschämung wächst
und die allgemeine Gesundheitsgefährdung dramatische Ausmaße annimmt, geschieht von politischer Seite
wenig – im Gegenteil, viele solcher Großbetriebe werden noch immer mit Millionenbeträgen subventioniert.
Ohne den Großeinsatz von Antibiotika wären solche Mästereien gar nicht zu betreiben, denn diese Form der
nicht artgerechten Haltung bietet einen idealen Nährboden für verschiedenste Seuchen, an denen die
meisten Tiere ohne antibiotische Dauertherapie verenden würden.

Nach einer neuesten Untersuchung vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind 90
Prozent des bei Discountern erhältlichen Putenfleischs mit methicillin-resistenten Bakterien der Art
Staphylococcus aureus (MRSA) und Antibiotika kontaminiert. Wir sprechen bereits heute vom Anbruch der
postantibiotischen Ära und meinen damit einen Zustand medizinischer Ohnmacht gegenüber den
Infektionserkrankungen, wie er zu Beginn des letzten Jahrhunderts bestand.

Diese aktuelle Thematik bietet hier den Anlass, einmal das Bewusstsein auf eine verborgene Welt zu richten,
auf das unsichtbare und so heilsame Leben der Mikroorganismen, und damit die Frage zu berühren, ob es
eine Biologie der Moral gibt. Ohne eine Wesenserkenntnis dieser ursprünglichen Lebensformen ist ein
Verständnis der kollektiven Erkrankungen, der Seuchen und anderen Infektionskrankheiten nicht möglich.

Quelle: Demeter | Rundbrief Nr. 151, Juni 2021

Assoziative Zusammenarbeit in Deutschland und der Schweiz

Im vergangenen Jahr wurden zwei deutsche Verbrauchervereine im Bio-Bereich aufgelöst: der
Demeter-Verbraucher Nürnberg e.V. nach 50 Jahren und die Fördergemeinschaft für
Biologisch-Dynamische Landwirtschaft e.V., Wiesbaden, nach 40 Jahren. Schade eigentlich,
wenn man bedenkt, dass es in beiden Vereinen Verbraucher waren, die schon vor Jahrzehnten
eine Zusammenarbeit mit Demeter-Landwirten suchten. Heute können wir alles in Bio-
Fachmärkten kaufen, was das Herz begehrt. Vor Jahrzehnten hatten nur einige Reformhäuser
ein Bio-Frischeangebot. So taten sich interessierte Verbraucher zusammen und unterstützen
die wenigen Demeter-Landwirte bei der Vermarktung ihrer Feld-Erzeugnisse. Teilweise
finanzierte man die ersten Demeter-Berater, damit konventionelle Höfe einen Ansprechpartner
hatten, wenn sie umstellen wollten. Auch für Forschungsprojekte gaben die Verbraucher Geld
und beteiligten sich bei der Herstellung der bio-dynamischen Präparate, füllten auf einem Hof
Kuhmist in Kuhhörner für das Präparat 500. Eine erste assoziative Zusammenarbeit von
Erzeugern und Verbrauchern entstand.

Die Idee der assoziativen Zusammenarbeit wird in Deutschland seit 2004 auch vom Bio-
Verbraucher e.V. wahrgenommen. Er vertritt die Bio-Verbraucher in assoziativen Gesprächen
mit Erzeugern, Händlern und Dienstleistern im Bio-Sektor und allen am Bio-Konsum
Interessierten. Der Verein selber pflegt eine Zusammenarbeit von allen am Bio-
Wirtschaftsprozess Beteiligten: Mitglieder sind Bio-Erzeuger, -Händler, -Dienstleister, –
Verbraucher. Dadurch wird die Anonymität des Marktes ein Stück weit aufgehoben; man kennt
sich, man schätzt sich. Weitere wichtige Aufgaben sind Verbraucher-Beratung und Lobbying.
Kontakt: Bio-Verbraucher e.V., 90419 Nürnberg, Rieterstr. 20, Beitrittserklärungen unter
www.sei.bio/ Vorteile für Mitglieder oder per Mail: info@bio-verbraucher.de

In der Schweiz gibt es verschiedene Konsumentenvereine, welche die biodynamische
Landwirtschaft fördern und das Verständnis schaffen für eine assoziative Wirtschaft. Alle 3 Konsumentenvereine sind Mitglied im Schweizerischen Konsumenten-Verband. Dieser
wiederum ist Partner von Demeter Schweiz und dem Bio-Verbraucher e.V. in Deutschland. Die
regionalen Vereine sind:

  • Konsumentenverein Basel und Umgebung
  • Konsumentenverein Bern zur Förderung der Demeter-Landwirtschaft
  • Genossenschaft zur Unterstützung des biologisch-dynamischen Landbaus BDL
  • BioDyn&Fair Winterthur-Schaffhausen
  • Konsumentenverein für biodynamische Landwirtschaft Zürich

Kontakt: Schweizerischer Konsumenten Verband, Gentenwisstrasse 15, CH – 8332 Russikon,
Telefon 044 955 07 42, info@konsumentenverband.ch

Demeter-Zertifizierung und geplantes „Anerkennungsverfahren“

Schirin Oeding, schirin.oeding@demeter.de, von der Demeter-Zertifizierungsabteilung in
Darmstadt beantwortet Fragen des Bio-Verbraucher e.V.

1. Welche Bedeutung haben externe Kontrollen?

Für eine unabhängige Qualitätskontrolle beauftragen wir externe Kontrollen, bzw. Demeter- Inspektionen durch staatlich anerkannte Öko-Kontrollstellen. Von den Kontrollstellen wird auf
den landwirtschaftlichen Betrieben die Einhaltung der EU-Öko-Verordnung geprüft und zusätzlich bei Demeter-Betrieben die Einhaltung der Demeter-Richtlinien. Die Kontrollen werden zusätzlich durch Demeter geschulte Bio-Inspektoren anhand des Demeter- Inspektionsbogens vorgenommen.

2. Wie oft finden Kotrollbesuche statt?

Die EU-Öko-Kontrolle findet jährlich statt. Die Demeter-Inspektionen werden je nach Risiko-
Status des Hofes entweder jährlich, alle zwei, drei oder vier Jahre durchgeführt. Bei 75 – 80%
der Betriebe findet eine Jahresinspektion statt. Es werden zusätzlich unangekündigte
Stichprobenkontrollen durchgeführt. Durch den risikoorientierten Ansatz konnten wir die
Qualität der Kontrollen deutlich erhöhen.

3. Wie laufen sie ab?

Geschulte Inspektor:innen prüfen mit Hilfe von Checklisten die Einhaltung der jeweiligen
Richtlinien (EU-Öko- und Demeter-Richtlinien). Sie begutachten z.B. die vorhandenen Futtermittel auf dem Hof — sind alle Futtermittel in der entsprechenden Demeter-Qualität vorhanden? Und kontrollieren die Qualität (Demeter oder Bio?) von eingegangenen Waren wie Saatgut, Jungpflanzen oder Tierfutter. Auch die Historie von zugekauften Tieren wird kontrolliert — kommen die Tiere von einem Demeter-Betrieb oder einem Bio-Betrieb?

Im Rahmen einer Kontrolle wird außerdem ein Betriebsrundgang gemacht. Es werden Felder,  Grünland und Weiden besichtigt und der Stall wird besucht. Zusätzlich werden Tierwohlkontrollen durchgeführt. Auch hier sind speziell geschulte Inspektor:innen für die Durchführung zuständig. Auf Betrieben die Erzeugnisse selbst verarbeiten, z.B. in einer Hof-
Käserei oder -Bäckerei, wird zusätzlich eine Kontrolle des verarbeitenden Betriebs
durchgeführt.

4. Wieviel Zeit- und Geldaufwand bedeuten sie?

Je nach Betriebsgröße dauern die Kontrollen von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen.
Außerdem brauchen die Betriebe oft, je nach Größe und Komplexität des Unternehmens, etwas Zeit, um die Unterlagen für die Kontrolle vorzubereiten. Die Kosten für die Demeter-
Zertifizierung trägt der Verband.

5. Was ist mit dem „Anerkennungsverfahren“ geplant, was erhofft man sich damit zu
erreichen?

Gesamtziel des Vorhabens ist, die Anwendbarkeit eines entwicklungsorientierten
Anerkennungsverfahrens für die Produktion nach verbindlichen Standards (Richtlinien) in der Land- und Lebensmittelwirtschaft als Alternative zur verstoß-orientierten Kontrolle zu prüfen. Hierfür wird ein Verfahren, welches seit 2018 im Demeter-Verband als Pilotprojekt entwickelt 4 und erprobt wird, umfassend evaluiert und die Übertragbarkeit des Verfahrens erprobt. Es wird erwartet, dass das entwicklungsorientierte Verfahren einen offenen und konstruktiven Umgang
mit zertifizierungsrelevanten Herausforderungen in der Produktion fördert und die betriebliche Entwicklung im Sinne der gesellschaftlichen Ziele der ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft unterstützt.

Aktuell wird das Projekt „Anerkennung“ als Pilotprojekt zu Forschungszwecken durchgeführt. Projektzeitraum ist 2018-2022. Ob die Anerkennung als Alternative bzw. als Ergänzung zur herkömmlichen Demeter-Kontrolle eingeführt wird, wird – je nach den Ergebnissen des Projekts – durch einen Entscheid der Delegiertenversammlung des Demeter e.V. beschlossen. Das Projekt bzw. die Auswertung des Projekts werden durch die Software AG Stiftung sowie durch eine Förderung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung/Bundesprogramm
Ökologischer Landbau unterstützt.
Mehr Informationen zu dem Projekt Anerkennung finden Sie unter:
https://www.demeter.de/forschung/projekt-anerkennung,
https://www.demeter.de/forschung/zerti4.0