Bio-regionale Gemüse Wertschöpfung beginnt im Dialog!

Assoziative Zusammenarbeit findet immer dort statt, wo (möglichst) alle am Wertschöpfungsprozess Beteiligten sich zusammensetzen, um sich kennenzulernen und die Dinge zu besprechen oder zu verabreden, die alle Beteiligten interessieren oder betreffen. Eine solche Zusammenarbeit wird jetzt für Gemüse aus dem Nürnberger Knoblauchsland angestrebt. Der Bio-Verbraucher e.V. ist für die Verbraucher dabei.

 

„Bio-regionale Gemüse Wertschöpfung beginnt im Dialog!“

Pressemitteilung von Felix Schmidling, Projektleiter GemüseWert, vom 20.07.2021

 

Leider spiegelt sich der Wert des Gemüses oft nur im Preis wieder. Da Preis aber nicht das alleinige Kriterium sein sollte, will das Projekt „GemüseWert“ die gesamte Gemüse-Wertschöpfungskette vom Acker bis auf den Teller genauer unter die Lupe nehmen. Ziel bis Juli 2023 ist, mindestens drei Gemüseerzeuger*innen im Knoblauchsland und den angrenzenden Öko-Modellregionen Nürnberger Land und Roth bei der Öko-Umstellung zu begleiten und den genossenschaftlichen Öko-Anteil bei der Erzeugergenossenschaft Franken-Gemüse Knoblauchsland eG mindestens zu verdoppeln.

 

Das Projekt „GemüseWert“, welches der Bio-Wertschöpfungsketten-Manager Felix Schmidling seit Dezember 2020 verantwortet, wird im Rahmen des „Bundesprogrammes Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft“ (BÖLN) vom Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung gefördert und hat eine Laufzeit von drei Jahren. Hauptprojektnehmer und auch Arbeitgeber von Felix Schmidling ist die Franken-Gemüse Knoblauchsland eG. Weitere Projektpartner sind der Gemüseerzeugerverband, die Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm und die BioMetropole Nürnberg.

 

Die Auftaktveranstaltung am 15. Juli 2021 im Nürnberger Knoblauchsland diente in erster Linie dazu sich unter den verschiedenen eingangs genannten Wertschöpfungsstufen (besser) kennenzulernen und eine erste Vernetzung herzustellen. Nicht weniger wichtig war aber die Präsentation der ersten Forschungsergebnisse durch Prof. Dr. Jan Niessen, Leiter des Studiengangs „Management in der Ökobranche“ an der Technischen Hochschule Nürnberg, zum Status Quo der heimischen Bio-Gemüsewertschöpfungsketten. Des Weiteren wurde eine Podiumsdiskussion mit Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen der Wertschöpfungsstufen durchgeführt. Die kontroverse Diskussion thematisierte die Rahmenbedingungen für mehr bio-regionales Gemüse im vor- und nachgelagerten Bereich der Lieferkette. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch den Online-Vortrag von Dr. Philipp Stierand, welcher die „Kantine Zukunft“ aus Berlin als Leuchtturmprojekt hinsichtlich Workshops für Küchenpersonal und mehr Bioeinsatz in der Außer-Haus-Verpflegung darstellte.

 

Fazit der Veranstaltung war, dass man durch einen ausführlichen Dialog auf jeder Stufe der Kette „faire & soziale“ Kriterien etablieren muss und wir uns die Frage stellen müssen, „was ist uns eigentlich gutes, biologisches und sozialverträglich hergestelltes Gemüse wert“? Dazu wird es im Anschluss an die Veranstaltung intensive Gespräche mit allen Bereichen der Wertschöpfungsstufe geben, wo gezielt ein eigenes Positionspapier je Handelsstufe erarbeitet wird. Dieses soll im Anschluss dann in kooperativer Weise mit den anderen Stakeholdern der Wertschöpfungskette ausgehandelt werden. Begleitend wird es außerdem Workshops geben, um den Wissenstransfer für alle Beteiligten gleichermaßen sicherzustellen.

 

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GemüseWert, Foto: Felix Schmidling

Chef des Umweltamtes wird Ehrenmitglied

Am 29. April 2019 fand die diesjährige Mitgliederversammlung des Bio-Verbraucher e.V. statt. Etwa 100 Mitglieder waren gekommen, um den Vorstandsbericht zu hören, Entlastung zu erteilen, ein Bio-Menü einzunehmen, Bio-Getränke zu genießen, Berichte anwesender Firmenmitglieder zu hören, etwas zu verkosten und eine Tüte voll Warenproben mitzunehmen.

Das außergewöhnliche Ereignis in diesem Jahr war aber: Der Leiter des Umweltamtes der Stadt Nürnberg, Dr. Peter Pluschke, und der Leiter der Arbeitsgemeinschaft BioMetropole Nürnberg, Dr. Werner Ebert, wurden als Ehren-Mitglieder in den Bio-Verbraucher e.V. aufgenommen. In der Urkunde dazu heißt es: „Mit der Ehrenmitgliedschaft werden herausragende Leistungen in der Verbreitung der Bio-Idee unter Erzeugern, Dienstleistern und Verbrauchern gewürdigt.“

 

Bio-Wachstum und Verbraucherverhalten

Liebe Leserinnen und Leser,

in den vergangenen 10 Jahren hat der Bio-Verbraucher e.V. mehrmals Umfragen zum Bio-Konsum durchgeführt – bei den eigenen Mitgliedern und bei Fremden (aktuell am 15. Und 16. Februar 2019; siehe www.netz.bio/Unser Blog oder www.sei.bio/Unser Blog). Auch das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung ließ kürzlich über 1000 Konsumenten befragen (siehe Ökobarometer 2018 bei www.bmel.de oder www.netz.bio/ Unser Blog oder www.sei.bio/Unser Blog). Alle Umfrage-Ergebnisse zeigen:
• Der Bio-Konsum steigt stetig an; auch künftig wollen Verbraucher mehr Bio kaufen. Die Party ist noch nicht zu Ende, würden Börsianer sagen.
• Die Motivation für Bio-Einkäufe ist in erster Linie altruistisch. Dass Bio gesünder ist und oft besser schmeckt, tritt als Argument für den Bio-Konsum zurück hinter dem Wunsch, mit dem Einkauf den Klimakatastrophen entgegen zu wirken, die Umwelt zu verbessern, das Engagement der Bio-Erzeuger zu unterstützen, das Tierwohl zu fördern, die Artenvielfalt zu erhalten. Dafür ist man bereit einen höheren Preis zu zahlen.
• Der Einstieg in den Bio-Konsum geschieht am häufigsten über frische Bio-Nahrungsmittel. Nach und nach wendet man sich auch Bio-Getränken, Bio-Kosmetik, Bio-Haushaltsmitteln und Bio-Kleidung zu.

Auch das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen!“ in Bayern zeigt, dass vielen Bürgern die Umwelt und der Artenschutz ein Anliegen ist. Bio-Bauern pflegen eine enkeltaugliche Landwirtschaft, in dem sie auf Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel verzichten, weil diese den Insekten und Vögeln den Garaus machen.

Nun gibt es ein gewichtiges Argument der Bauern: Wenn immer mehr Landwirte zum Bio-Anbau konvertieren, wächst das Bio-Angebot. Wird der Bio-Konsum mitwachsen? Wenn nicht, werden die Marktkräfte für sinkende Erzeugerpreise sorgen. Das wiederum wird dazu führen, dass auch immer mehr kleinere Bio-Bauern aufgeben müssen, weil sie dem Preisdiktat der großen Handelsketten nicht folgen können. Schon jetzt gelte für sie die Losung: Wachse oder weiche. Oder: Suche dir eine Nische.

Bauern, Handel und Konsumenten stehen vor einer großen Herausforderung: Will man, dass der Umwelt zu Liebe immer mehr Bio angeboten und konsumiert wird, dann muss man jede Initiative der Handelsketten begrüßen, ihr Bio-Sortiment zu erweitern, eigene Bio-Siegel einzuführen und Bio günstiger anzubieten als der Bio-Fachhandel oder der Bio-Bauer im eigenen Hofladen. Großen Konsumentengruppen wird dadurch Bio nahegebracht, immer mehr Bevölkerungsschichten können sich Bio leisten. Aber, was wird aus dem kleineren Bio-Erzeuger und dem Bio-Fachhandel? Werden ihnen die Kunden treu bleiben? Können sie etwas Besonderes bieten, z.B. bessere Beratung oder Bio-Ware mit Siegeln der Anbauverbände, die eine bessere Qualität versprechen? Schon bieten die ersten Discounter solche an: Demeter-Produkte gibt es bei Kaufland, Bioland-Produkte bei Lidl.

Der Verdrängungswettbewerb ist systemimmanent. Sind Vereinbarungen, wie sie jetzt Lidl mit Bioland getroffen hat (siehe Rubrik 1/ Assoziative Zusammenarbeit in diesem Info-Brief). ein Ausweg? Müssten nicht assoziative Branchen-Gespräche auf regionaler und nationaler Ebene geführt werden, in denen Mengen- und Preisvereinbarungen getroffen würden, die allen Bio-Anbietern die Existenzsicherung gewährleistet? Nahrungsmittelerzeugung ist die Grundlage unseres Lebens und Bio-Landwirtschaft wichtig für die Wiederherstellung einer intakten Umwelt. In dieser Hinsicht bedeutete jeder Bio-Landwirt, der aufgeben müsste, einen Verlust. Wir, die bewusst kaufenden Verbraucher, können durch unseren Einkauf dafür sorgen, dass auch kleinere Bio-Bauern und der Bio-Fachhandel morgen noch existieren können.

Ihr Wolfgang Ritter