Wir brauchen ein transparentes Pestizidregister

Liebe Leserinnen und Leser,

die folgende Zuschrift erhielten wir vom Umweltinstitut, einem unserer Partner. Sie zeigt, wie dringend ein Pestizidregister ist. Wir setzen uns zusammen dafür ein, dass es kommt.

Pestizide haben in unserer Umwelt nichts zu suchen. Sie gefährden sowohl die Artenvielfalt als auch unsere Gesundheit. Durch unsere jahrelange Arbeit ist diese Erkenntnis endlich auch in der Politik angelangt, die mittlerweile verspricht, den Einsatz der Ackergifte in der Landwirtschaft zu begrenzen. Das Problem ist nur: Niemand weiß genau, wie viele Pestizide überhaupt eingesetzt werden, geschweige denn wann und wo! Zwar sind alle landwirtschaftlichen Betriebe in der EU bereits seit mehr als zehn Jahren gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Pestizideinsätze zu dokumentieren. Doch diese Aufzeichnungen werden weder umfassend kontrolliert noch zentral gesammelt oder gar veröffentlicht.

Laut Koalitionsvertrag sollte sich dieser Zustand bald ändern: Denn die Ampelregierung hat sich darauf verständigt, ein zentrales Register zur Erfassung der Pestizideinsätze einzuführen. Jüngste Äußerungen aus dem Landwirtschaftsministerium zeigen nun allerdings: Die Einführung eines solchen Registers könnte bis Anfang 2025 verschleppt werden!

Wie dringend es ein zentrales, elektronisches Pestizidregister braucht, stellten wir fest, als wir die Spritzhefte aus dem Südtiroler Apfelanbau zu Gesicht bekamen: Mal digital geführt, mal auf Papier, zum Teil in unleserlicher Handschrift, mit uneindeutigen Ortsbezeichnungen oder ganz fehlenden Angaben. So sieht die Dokumentation der Pestizideinsätze aktuell aus. Diese chaotische Praxis macht es enorm schwierig nachzuvollziehen, welche Pestizide wo genau und in welcher Menge in unserer Umwelt landen. Daher bekam unsere Forderung nach einem öffentlich zugänglichen Pestizidregister auch Rückenwind aus der Wissenschaft: Renommierte Professor:innen aus verschiedenen Fachgebieten betonten im Rahmen unserer Kampagne, wie dringend sie ein solches Register brauchen, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. Mit Fachgesprächen, Aktionen und Gutachten wollen wir jetzt dafür sorgen, dass die deutsche Bundesregierung das nicht weiter auf die lange Bank schiebt!

Die Informationen über Pestizideinsätze unterliegen dem Umweltinformationsgesetz und stehen somit uns allen zu. Wir wollen dafür sorgen, dass aus diesem Recht auch Realität wird. Unterstützen Sie uns dabei! Veronika Feicht, Referentin für Agrarpolitik, Umweltinstitut München e.V., 80336 München, www.umweltinstitut.org, Spendenkonto: IBAN: DE 70 7002 0500 0008 8311 01

Wir haben gespendet und uns bei den Bundesministern für Gesundheit und Landwirtschaft für eine umgehende Einführung des Pestizid-Registers eingesetzt.

Ihr Wolfgang Ritter

Assoziative Zusammenarbeit verwirklicht

Auszug aus einem Bericht von Wolfgang Ritter
Assoziative Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen

1. im Bio-Verbraucher e.V.
Zu unseren Mitgliederversammlungen treffen sich Bio-Erzeuger, Bio- Händler, Bio-Dienstleister und Bio-Verbraucher, also alle am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten. Man nimmt sich gegenseitig wahr, man schätzt sich. Firmenmitglieder können sich, ihre Arbeit und ihr Angebot vorstellen, Waren verkosten lassen und verkaufen. Es gibt ein Bio-Menü  und eine „Bio-Ausschüttung“ (eine Tüte mit Bio-Produkten verschiedener Unternehmen).  Jedes Jahr werden mehrere Bio-Ausflüge zu Bio-Erzeugern (Landwirten, Imkern, Bäckern, Brauern, Winzern usw.) organisiert, um sie und ihre Arbeitsweise kennenzulernen. Firmenmitglieder können Vorträge halten und Berichte für unseren Info-Brief oder Internetauftritt einreichen.

2. in der Stadt Nürnberg
Seit 2005 arbeiten wir regelmäßig mit der Bio-Metropole Nürnberg zusammen. In dieser Arbeitsgemeinschaft treffen sich alle am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten und Interessierten. In den zweimonatlich stattfindenden Gesprächen geht es in erster Linie um Aktivitäten, wie Bio-Erzeugung und -Verbrauch in Stadt und Land gefördert werden können.  Dazu drei Beispiele:

1. Erstklässler in der Region erhalten jährlich etwa 10.000 gefüllte Bio-Brot-Boxen, um schon die Kinder mit Bio bekannt zu machen und ihre Eltern für Bio zu motivieren
2. jährlich wird im Juli ein dreitägiges Bio-Event, Bio erleben, auf dem Hauptmarkt in Nürnberg organisiert – mit etwa 100 Ausstellern und 20.000 Besuchern
3. immer wieder werden gemeinsame Aktionen in der Region durchgeführt, um z.B. alte Getreidesorten bekannt zu machen oder für regionale und saisonale Bio-Produkte zu werben (siehe auch www.biometropole-nuernberg.de).

3. Regional und national
Der Wunsch zu assoziativen Gesprächen kann von allen am Bio- Wirtschaftsprozess Beteiligten ausgehen. Dazu drei Beispiele:

1. Zusammen mit kleineren Demeter-Verbraucher-Verbänden und einigen Molkereien ließen wir Demeter-Joghurts der Molkereien Andechs, Schrozberg und Söbbeke untersuchen. Das Ergebnis: Joghurt aus Schrozberg wies geringere Gehalte an Fettsäuren der Gruppen n3 und CLA auf, was auf einen geringen Grünfutteranteil schließen ließ. In Gesprächen mit Wissenschaftlern, Molkereivertretern, Demeter-
Beratern und Bauern suchten wir Verbraucher nach Wegen, den Grünfutteranteil des Milchviehs im Einzugsgebiet von Schrozberg zu verbessern (siehe Berichte dazu Info- Brief 42/ April 2015/ Rubrik 4/ Qualitäts- und Preisrecherchen und Info-Brief 50/ April
2017/ Rubrik 1/ Assoziative Zusammenarbeit, auf www.netz.bio/ Archiv).
2. Der ökologische Obstbau in Deutschland sah sich vor große Herausforderungen gestellt. Um die Meinung der Verbraucher in künftige Produktions- und Vermarktungsstrategien mit einzubeziehen, hatte Die Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V. (FÖKO) zu
einem eintägigen Runden-Tisch-Gespräch mit Obsterzeugern und –Vermarktern aus ganz Deutschland geladen. Man wollte u.a. wissen, welche Ansprüche die Verbraucher an deutsche Äpfel stellten. Wenn der Apfel ein perfektes Äußeres zeigen muss, dann bedeutet das mehr Aufwand, weil öfter gegen Schädlinge und Krankheiten biologisch
gespritzt werden muss. Wir hatten für diesen Termin eine kleine Umfrage durchgeführt. Ergebnis: Wichtig ist der Geschmack. Perfekte Äpfel schmecken nicht. Der bewusste Käufer nimmt kleinere Unebenheiten in Kauf, wenn der Apfel nicht schadstoffbelastet ist
und besser schmeckt (siehe Bericht dazu in Info-Brief 53 / Rubrik 1/ Assoziative Zusammenarbeit auf www.netz.bio/ Archiv).
3. Griechische und italienische Erzeuger wollten mit ihren Produkten in Deutschland Fuß fassen. In Gesprächen mit ihnen haben wir Möglichkeiten aufgezeigt, wie wir sie dabei durch unser Netzwerk unterstützen können. Sie folgten unserem Rat und konnten Geschäftsverbindungen anknüpfen, fanden Abnehmer für ihr Olivenöl, ihre Südfrüchte.

Quelle: Vierteljahresschrift Anthroposophie, Weihnachten 2022

Mehr als eine Million Europäer*innen fordern „Bienen und Bauern“ zu retten

Zuschrift vom 14.10.2022, newsletter@umweltinstitut.org

Am Montag (17. Oktober) war es endlich so weit: Die EU-Kommission hat unsere europäische Bürgerinitiative (EBI) „Bienen und Bauern retten“ für gültig erklärt. Somit ist es offiziell: Als erst siebte EBI überhaupt haben wir die Hürde der einen Million gültigen Unterschriften geknackt. Die EU-Institutionen müssen jetzt auf unsere Forderung nach einem Pestizidverbot in Europa reagieren!

Dafür ist es höchste Zeit, denn der Einsatz der Ackergifte in der Landwirtschaft ist eine der Hauptursachen für das dramatische Insektensterben in Europa und weltweit. Dieser Rückgang von Bienen, Hummeln, Käfern und Schmetterlingen gefährdet nicht nur ganze Ökosysteme, sondern auch unsere eigenen Lebensgrundlagen. Denn ohne bestäubende Insekten kann es keine intakte Umwelt geben und auch unsere eigene Lebensmittelproduktion ist ohne ihren Beitrag gefährdet. Daher fordern wir mit unserer EBI ein Verbot giftiger Pestizide in Europa, die Wiederherstellung verlorener Artenvielfalt in ländlichen Gebieten und die Unterstützung der europäischen Bäuerinnen und Bauern bei der Umstellung auf naturverträgliche Anbaumethoden.

Unseren Forderungen müssen die EU-Institutionen nun Gehör schenken. Dabei werden wir deutlich machen, warum die bisherigen Pläne der EU zur Pestizidreduktion viel zu kurz greifen. Zwar ist die geplante Halbierung des Einsatzes der Ackergifte bis 2030 ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, zu dem es ohne den Druck durch unsere EBI niemals gekommen wäre. Doch um das dramatische Insektensterben wirklich aufzuhalten, reicht er nicht aus. Dafür müssen wir endlich komplett aus der Nutzung chemisch-synthetischer Pestizide aussteigen!

Diese Forderung werden die Europa-Abgeordneten und die Beamten/ Beamtinnen in Brüssel nicht ignorieren können. Denn weil unsere EBI erfolgreich war, haben wir jetzt ein Anrecht darauf, unser Anliegen in einer öffentlichen Anhörung im EU-Parlament und in Gesprächen mit Vertreter*innen der EU-Kommission zu schildern. Außerdem ist die Kommission verpflichtet, bis April 2023 schriftlich darzustellen, wie sie auf unsere Forderungen reagieren will.

Das Umweltinstitut gehörte zur Kerngruppe der Organisationen, die die EBI initiiert und koordiniert haben. Möglich war dieser Kraftakt nur durch die Hilfe ganz vieler Menschen: An dieser Stelle möchten wir uns darum noch einmal bei allen bedanken, die der EBI ihre Stimme gegeben haben, bei der Sammlung der Unterschriften geholfen haben oder uns finanziell unterstützt haben!

Mit herzlichen Grüßen Ihr Team des Umweltinstitut München

Ab 1.1.2023 weniger Antibiotika in der Nutztierhaltung

Das neue Tierarzneimittelgesetz sieht vor, den Antibiotikaeinsatz In der Nutztierhaltung bis 2030 um 50 Prozent zu senken. Gut wenn das die Massentierhalter bewegt, zu einer artgerechteren Tierhaltung überzugehen.

Einiges ist schon erreicht. So gibt es die prophylaktischen Antibiotikagaben kaum noch. Breitband-Antibiotika werden fast gar nicht mehr eingesetzt. Rinder und Schweine nur noch bei Bedarf auf tierärztliche Anordnung geimpft. So ist der Antibiotikaeinsatz in Deutschland in den letzten Jahren gesunken (2011 = 1700 Tonnen jährlich, 2020 = 700 Tonnen).

Eine weitere Antibiotika-Reduzierung ist dringend erforderlich, denn alles, was das Nutztier aufnimmt, erreicht ja über seine Produkte auch uns, macht uns krank oder resistent gegen Antibiotikagaben, wenn sie wirklich einmal nötig sind. Antibiotika-Resistenzen gehören zu den größten Gesundheitsproblemen unserer Zeit, so Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir, man spreche auch von einer „stillen Pandemie“.

Quelle: Nürnberger Nachrichten vom 29.12.2022


Großer Erfolg für die Natur in Europa!

WeMove Europe, Zuschrift vom 1. Juli 2022, Ausschnitt

Wir haben uns durchgesetzt! Die Agrarkonzerne nutzten alle nur erdenklichen Tricks, damit die EU-Kommission ihr neues Klimagesetz zum Schutz der Natur auf Eis legt. Sie haben dafür sogar den Krieg in der Ukraine benutzt. Aber die WeMove Europe-Gemeinschaft konnte die Wahrheit
mit eurer Hilfe in Brüssel deutlich machen. Wir sind nur noch einen Schritt davon entfernt, die ökologische Wende, die wir brauchen, durchzusetzen.

Wir wissen, dass die Klimakrise die wahre Bedrohung für unsere  Lebensmittelversorgung ist. Schon jetzt machen Dürren und Hitzewellen den landwirtschaftlichen Betrieben in Europa die Arbeit schwer und bringen ihre Ernten in Gefahr. Wir brauchen mehr Natur! Wir müssen unsere Bäume schützen, die als Lungen unserer Erde Treibhausgase absorbieren und den Klimawandel bekämpfen.

Also haben wir gemeinsam dafür gesorgt, dass die führenden Politikerinnen und Politiker der EU die Wahrheit hören. Wir schickten Hunderte von Tweets an den Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius. Unsere Botschaft: Der Schutz der europäischen Natur ist wichtig für unsere Zukunft!
Er stimmte zu: Wir brauchen neue Gesetze zur Wiederherstellung der Natur! (Tweet von Sinkevičius, vom 13. Juni 2022: Die abnormalen Hitzewellen, die Spanien und Frankreich diese Woche erleben, zeigen, warum wir die Natur wiederherstellen müssen. Die Wiederbelebung von
Ökosystemen kann ein Drittel der bis 2030 erforderlichen  Klimaschutzmaßnahmen ausmachen. Zusammen mit EU-Regierungen und der richtigen Gesetzgebung können wir es schaffen!

Wir sammelten über 100.000 Unterschriften! Gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern überzeugten wir den Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Frans Timmermans, das neue Gesetz zu verkünden. Er sagte: „Die Bürger Europas haben dies eingefordert.“

Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur wird das erste in 30 Jahren sein, das den dramatischen Verlust unserer Ökosysteme stoppt: ein echter Gewinn für unsere Natur. Landwirtschaftliche Betriebe werden verpflichtet, mehr Bäume und Hecken anzupflanzen und den Einsatz chemischer Pestizide zu halbieren. Das schützt Bienen, Schmetterlinge und Feldvögel. Es trägt dazu bei, die Treibhausgase zu reduzieren, die den Klimawandel verursachen.

Wie teuer ist Bio wirklich?

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft e.V. und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau Österreich (www.FibL.org), Ausschnitt

Gründe für den Preisunterschied

Sicher ist: die hohen Folgekosten von viel zu billig (u.a. mithilfe von einem viel zu hohen Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide) produzierten Nahrungsmitteln, ist eine desaströse Fehlentwicklung, die einer politischen Nachregulierung am gesamten System bedarf. Bis diese greift, müssen wir uns mit den Fakten auseinandersetzen: Biolebensmittel kosten heute immer noch meist (etwas) mehr als herkömmliche Produkte. Die Ursachen sind höhere Produktionskosten durch arbeits- und platzaufwändigere Verfahren beim Pflanzenbau und in der Tierhaltung, dazu häufig geringere Erträge und eine oft zeit- und kostenintensivere Verarbeitung. Auch durch meist niedrigere Verarbeitungsmengen sind die Stückkosten höher.
Dazu kommen die Kosten für die umfassende Kontrolle der Bio-Richtlinien, die sich ebenfalls im Preis von Bioprodukten wiederfinden (BÖLW, 20121).
Je nachdem, um welche Produkte es sich handelt, ist der Mehrpreis für Bioprodukte jedoch sehr unterschiedlich und teilweise sogar nur gering. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn man ein Bioprodukt mit einem entsprechenden Markenprodukt vergleicht. Auch ist die Preisspanne gering, wenn man Lebensmittel aus saisonalem und regionalem Bio-Anbau bzw. entsprechend konventioneller Erzeugung miteinander vergleicht.

Das Rechenmodell

Um die Mär von «Bio ist für mich zu teuer» konkret zu entschärfen, ist die Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) (Schlatzer und Lindenthal, 20192) aufschlussreich. Sie zeigt nämlich, dass der Einkauf im Biomarkt gar nicht viel teurer sein muss, als zu konventionellen Produkten zu greifen. So wurde in einer Untersuchung der durchschnittliche Wocheneinkauf für eine vierköpfige Familie in Österreich nach verschiedenen Einkaufsvarianten berechnet und miteinander verglichen. Es wurde deutlich, dass sich der Umstieg des Einkaufsverhaltens hin zu einem Warenkorb mit gesünderen Nahrungsmitteln, d.h.
deutlich weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse, weniger Softdrinks etc. in der Summe preislich kaum niederschlug. Im Gegenteil – durch den Umstieg auf eine gesunde Ernährung könnte eine Familie in einer Woche am Ende einen Geldbetrag sparen, der ihnen ermöglichen würde, einen Anteil von mehr als zwei Dritteln ihrer gesamten Lebensmittel aus biologischer
Erzeugung einzukaufen.

Zugegeben – seine Ernährungsgewohnheiten dauerhaft zu ändern, ist nicht leicht. Doch blicken wir auf die Herausforderungen wie Klimawandel oder das Artensterben, ist ein verändertes Konsumverhalten im Grunde unumgänglich. Je schneller es uns jetzt noch gelingt, den Wandel selbstinitiativ voranzutreiben, umso weniger drastisch werden am Ende die Konsequenzen sein, die ansonsten nicht mehr verhandelbar sind.

Eine der wichtigsten Anpassungen, die jede und jeder vornehmen kann, ist beispielsweise die Verringerung seines Konsums von Wurst und Fleisch. So haben die Wissenschaftler*innen der
bereits genannten Studie errechnet, dass bei einer Veränderung hin zu gesünderer Ernährung mit u.a. einer Reduktion von Fleisch von jährlich derzeit im Schnitt 65 kg/Person auf ca. 20 kg/Person pro Jahr eine vierköpfige Modellfamilie etwa 40 % der ernährungsbedingten
Treibhausgase einsparen könnte. Im Grunde eine gute Nachricht, zeigt es doch das enorme Potenzial von Maßnahmen, die wir selbst in der Hand haben.

Quelle:https://enkeltauglichbio.sharepoint.com/:w:/s/Bndnisenkeltauglich/EQjZZOoXBjRDlaRrD
PYpgcUBcN-3B0BzNcOMEzdp-mos1g?rtime=YOqe7cRd2kg

Die Arbeitsgemeinschaft BioMetropole Nürnberg und der Bio-Verbraucher e.V.

Bericht von Wolfgang Ritter

Bio erleben auf dem Hauptmarkt in Nürnberg

Nach zwei Corona-Jahren konnte die BioMetropole Nürnberg Bio erleben auf dem Hauptmarkt in Nürnberg vom 22.-24. Juli endlich wieder durchführen – diesmal unter dem Titel bioERLEBEN & Agrikulturfestival. Es gab ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm, man konnte essen und
trinken, Vieles probieren, viele Informationen zu Bio sammeln, sein Bio-Wissen testen. Es gab auch Attraktionen für Kinder, z.B. eine Bio-Entdecker-Rallye. Der Bio-Verbraucher e.V. war dabei – auch als eine Anlaufstation der Bio-Entdecker-Rallye.
Unser Angebot an unserem Info-Stand:

  • Bio-Beratungen
  • Verkostungen: Gebäck der Minderleinsmühle und Limonaden der Neumarkter Lammsbräu
  • Man konnte sein Bio-Wissen testen. Die Ergebnisse werden Anfang 2023 veröffentlicht.
  • Bio-Entdecker-Rallye-Station: Kinder konnten sich mit unserer Flockenquetsche und entsprechenden Zutaten ein Bio-Müsli bereiten und mit Bio-Limonaden erfrischen.

BioFach

Nach einer virtuellen BioFach (eBioFach) im vergangenen Jahr fand die Weltleitmesse für Bio- Produkte diesmal im Sommer statt – vom 26.-29. Juli. Wie immer, hatte die BioMetropole Nürnberg einen Info-Stand – unterstützt von einigen ihrer Partner. Der Bio-Verbraucher e.V. war
wie immer dabei.

Höhepunkt am Gemeinschaftsstand war der Besuch des neuen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir. Die Umwelt- und Gesundheitsreferentin der Stadt Nürnberg, Britta Walthelm,
moderierte. In einer Gesprächspause fragte Wolfgang Ritter vom Bio-Verbraucher e.V. den Minister: „Kennen Sie den Bio-Verbraucher e.V.?“ Özdemir: „Nein.“ Ritter: „Ich habe Ihnen doch schon zweimal geschrieben. Die Post ist wohl im Vorzimmer hängen geblieben … Ich hatte Sie gelobt, aber auch geschrieben, was wir von Ihnen erwarten.“ Özdemir: „Das ist immer gut. Ich kümmere mich darum.“ Ritter zum Abschied: „Viel Erfolg für Ihre Arbeit.“ Özdemir: „Ich tue mein Bestes.“

Bio-Brotbox-Aktion

Wie jedes Jahr wird die BioMetropole Nürnberg auch dieses Jahr etwa 10.000 gefüllte Brotboxen zum Schulanfang an erste Klassen in der Metropolregion Nürnberg liefern. Der Bio-Verbraucher e.V. unterstützt die Aktion regelmäßig mit einer Geldzuwendung und mit Packhilfe.

Hast auch du Lust auf Gespräche mit Verbrauchern bei Bio erleben, mit Erzeugern auf der BioFach oder zum Brotboxenpacken, dann komme zu uns als ehrenamtliche(r) Mitarbeiter*in. Kontaktiere bitte: Wolfgang Ritter, ritter@bio-verbraucher.de, Tel. 0911 – 40 48 27

Sekems Vision für die künftige Landwirtschaft in Ägypten

Ägypten 2057: Die Bauern Ägyptens arbeiten in der Hauptausrichtung der Agrikultur nachhaltig, mit biologisch-dynamischen oder biologischen Methoden.

Zur Unterstützung der Bauern, die ihre Betriebe umstellen wollen, hat Sekem die „Egyptian Bio- Dynamic Association” (EBDA) gegründet. In enger Anbindung an die Biodynamic Federation (ehemals Demeter-International e.V.) werden die Kapazitäten der EBDA erweitert, um die
wachsende Anzahl an biologisch-dynamisch wirtschaftenden Bauern in Ägypten zu betreuen, die zu den wichtigsten Multiplikatoren für einen Wandel zählen. Wir erreichen hier bereits mehrere Tausend Landwirte und sind zuversichtlich, dass wir bis 2027 eine kritische Masse der sieben
Millionen ägyptischen Farmer erreicht haben, so dass ein sichtbarer Wandel in der Landwirtschaft stattfindet. Und in unserem “Wahat – Greening the Desert”-Projekt (siehe SVG 16) erproben wir, wie großflächig angelegte Wüstenbegrünungsmaßnahmen und Bio-Landwirtschaft auf ariden Böden wirtschaftlich lohnender und ertragreicher sind, als die unserer konventionellen Nachbarn. Ein Faktor dabei sind beispielsweise die Einnahmen durch die CO2- Bindung in Boden und Bäumen (siehe auch: Positive CO2-Bilanz in der Wüste).

Wir entwickeln gemeinsam mit der Biodynamic Federation Demeter International (BFDI) eine Strategie, die es bald allen Demeter-Bauern ermöglichen wird, ihre CO2-Bindung zu bestimmen und dafür einen finanziellen Ausgleich zu erhalten. Dies trägt dazu bei, dass eine  Umstellung auf biologisch-dynamische Landwirtschaft attraktiver wird und entsprechend mehr CO2 in der Agrikultur gebunden werden kann. Und das nicht nur in Ägypten, sondern weltweit (siehe dazu auch SVG 9: Klimaneutralität).

Unsere Vision zeigt aber bewusst nicht nur den Öko- oder Demeter-Landbau als Lösung auf. Wir sind der Meinung, dass etwa die Bio-Kriterien längst nicht ausreichen für einen wirklich nachhaltigen Umgang mit der Natur. Pestizidgrenzen, der Verzicht auf chemische Düngung oder
das Verbot von genmanipuliertem Saatgut sind zwar wichtige Grundlagen, aber nachhaltige Agrikultur beinhaltet weitaus mehr als das. So sind etwa der Humusgehalt im Boden, der Einsatz des richtigen Saatguts, CO2-Bindung, aber auch soziale Standards oder die Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen von Bedeutung, um wirklich nachhaltig agieren zu
können (siehe dazu auch SVG 11).

Für die erfolgreiche und weitreichende Umsetzung eines solch nachhaltigen Agrikultur-Ansatzes ist neben konkreten Praxisprojekten die Bewusstseinsbildung auf allen Ebenen von Bedeutung. Während die Schülerinnen und Schüler der Sekem-Schulen schon lange Landbau-Epochen und Projekte zum nachhaltigen Umgang mit der Umwelt und natürlichen Ressourcen auf dem Lehrplan haben, wollen Sekem und die Heliopolis Universität anderen Schulen in Ägypten ihre Erfahrung in der Integration von Lernkonzepten für nachhaltige Entwicklung zur Verfügung
stellen. Über das Sekem-Bio-Unternehmen ISIS Organic und die SEKEM-Marke finden Informationskampagnen für KonsumentInnen statt und auch die Sekem-Landwirte werden gezielt darin geschult, ihre Erfahrungen mit konventionellen KollegInnen zu teilen.

Inspiration: Bio-Landwirtschaft für 2500 Kleinbauern
Bis Ende des Jahres 2022 wollen wir mindestens 2500 Bauern in Ägypten in biologischdynamischen Anbau-Methoden geschult haben, so dass sie im Prozess der Umstellung von konventionell zu biologisch-dynamisch sind. Da nicht alle von Sekem direkt unter Vertrag genommen werden können, leisten wir Unterstützung in der Abnahme und Vermarktung der Produkte, insbesondere während der dreijährigen Umstellungsphase, in der die Produkte noch nicht zertifiziert werden können. Wir bieten ihnen außerdem an, ihre CO2-Bindung zu zertifizieren. Den Preis, den wir dafür zahlen erhöht ihr Einkommen zusätzlich. 2500 Bauern sind zwar nur ein minimaler Prozentsatz der insgesamt sieben Millionen Landwirte im Land, aber wir sind zuversichtlich, dass die zu erreichende kritische Masse auf die Verbreitung und den darauf ffolgenden Jahren großflächig voranschreitet.

Quelle: Helmy Abouleish mit Christine Arlt: SEKEM, Inspirationen – Impulse für einen zukünftigen Wandel, ISBN 978-3-95779-165-8, Info-3-Verlag, Frankfurt am Main 2022, Kapitel „Sekem-Vision (SVG 5)/ Agrikultur: Ägypten 2057“

Unsere Visionen von Sekem und Ägypten bis 2057 im Überblick

Liebe Leserinnen und Leser,
unser Partner Sekem in Ägypten und Firmenmitglied (https://shop.sekem.com) hat jetzt Visionen entwickelt, wie Ägypten in  Zukunft aussehen soll und was man selber dazu beitragen möchte. Es ist  einmalig, dass eine wirtschaftliche Initiative Visionen für einen ganzen  Kontinent entwirft und veröffentlicht. Mit freundlicher Genehmigung der  Autoren des neuen Buches „SEKEM, Inspirationen – Impulse für einen zukünftigen Wandel“ berichten wir davon (siehe auch Rubrik 2/ Landwirtschaft und Handel in diesem Info-Brief).

Unsere Visionen von Sekem und Ägypten bis 2057 im Überblick

  • SEKEM 2057: Sekem ist ein internationales Kompetenzzentrum für ganzheitliche nachhaltige Transformation in Ägypten und der Welt. Um diese Vision in die  Wirklichkeit zu bringen, haben wir in den vier Dimensionen Kultur, Ökologie, Wirtschaft und soziales Leben Visionsziele für Ägypten formuliert. Wir nennen unsere Visionsziele Sekem Vision Goals, abgekürzt SVGs. Hier eine erste Übersicht. Alle Visionsziele werden im Verlauf des Buches noch ausführlich erläutert.

KULTUR

  • SVG 1: Individuelle Entwicklung ist das zentrale Anliegen in Ägyptens Bildungssystemen, und die Potenzialentfaltung jedes Menschen wird  ganzheitlich und lebenslang gefördert!
  • SVG 2: Es wird ein ganzheitliches Forschungsmodell entwickelt, das sowohl naturwissenschaftliche, geisteswissenschaftliche als auch spirituelle Aspekte berücksichtigt.
  • SVG 3: Ein integratives Verständnis von Gesundheit und Therapie ist im ägyptischen Gesundheitssektor etabliert und weit verbreitet.
  • SVG 4: Regionale, lokale und internationale Kunst- und Kulturaktivitäten sind lebendig, sie werden von der ägyptischen Bevölkerung geschätzt und mitgestaltet.

ÖKOLOGIE

  • SVG 5: Die Bauern Ägyptens arbeiten in der Hauptausrichtung der Agrikultur nachhaltig, mit biologisch-dynamischen oder biologischen Methoden.
  • SVG 6: Ägypten betreibt ein nachhaltiges Wasser-Management, das den
    Wasserverbrauch optimiert, Abwasser wiederverwendet und innovative
    Wassergewinnungsmethoden nutzt.
  • SVG 7: Ein nachhaltiges Energiekonzept auf Basis von erneuerbaren Energien und optimiertem Verbrauch findet in Ägypten Anwendung.
  • SVG 8: Die biologische Vielfalt in Ägypten ist nachhaltig, wächst und entfaltet sich.
  • SVG 9: Ägypten ist klimaneutral, denn es wird kein CO2 ausgestoßen, das die Natur nicht wiederaufnehmen kann.

WIRTSCHAFT

  • SVG 10: Die Unternehmen im Land praktizieren Kreislaufwirtschaft und Ägypten ist ein Vorzeigemodell für Abfallreduktion und -management.
  • SVG 11: Die Unternehmen in Ägypten arbeiten auf der Grundlage eines Standards der Wirtschaft der Liebe, der transparent ist und die tatsächlichen Kosten berücksichtigt.
  • SVG 12: Ägypten hat ein ethisches Bank- und Finanzwesen eingeführt.
  • SVG 13: Verantwortungsvoller Konsum und ein nachhaltiger Lebensstil sind Mainstream. Es gibt ein breites Angebot an nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen für alle Kundenbedürfnisse und sozialen Schichten.

SOZIALES LEBEN

  • SVG 14: In den unterschiedlichen Institutionen gibt es lebendige und agile
    Organisationsstrukturen, die der Bewusstseinsentwicklung dienen.
  • SVG 15: Ägypten zelebriert Vielfalt und gewährleistet Chancengleichheit für alle unabhängig von Alter, Nationalität, Religion oder Geschlecht.
  • SVG 16: In Ägypten hat eine gesellschaftliche Transformation  stattgefunden, die zu einer nachhaltigen ländlichen Entwicklung und regenerativen Städten geführt hat. Dies ermöglicht, dass die Menschen sich befähigt und verantwortlich fühlen, die Zukunft ihres Landes zu gestalten.

Um unsere Ziele umzusetzen und zur Realisierung der Vision beizutragen, haben wir in allen Bereichen Visionsgruppen gegründet, die sich auf geistiger Ebene mit dem großen Leitbild hinter den Zielen befassen, Ideen entwickeln und die Vision präzisieren. Zur Umsetzung der Ideen gibt
es wiederum in jedem Bereich Center mit Fachleuten und angewandter Forschung, die mit der Realisierung betraut sind und dafür Sorge tragen, dass sich das Leitbild mit den Köpfen, Herzen und Händen der Menschen verbinden kann. In dieser Phase wollen wir herausfinden, wie wir die
Vision verwirklichen können. Es werden Modelle und Werkzeuge entwickelt für Prototypen, die es zu testen gilt. Diese Modelle werden so kreiert, dass es möglichst einfach ist, sie weitflächig zu übernehmen, damit sie bald systemrelevant werden können.

Quelle: Helmy Abouleish mit Christine Arlt: SEKEM, Inspirationen – Impulse für einen zukünftigen Wandel, ISBN 978-3-95779-165-8, Info 3 Verlag, Frankfurt am Main 2022

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Besuch bei Gemüsegärtnerei Höfler GbR im Knoblauchsland

Die Höfler GbR ist die einzige Demeter-Gärtnerei im Nürnberger Knoblauchsland. Am 13. August hat uns Peter Höfler durch seinen Betrieb geführt. Es ist ein Großbetrieb: sieben Hektar, davon fünf unter heizbarem Hochglas. Spezialität: Tomaten und Minigurken. In einem weiteren Betrieb in Weißenbronn werden Schlangengurken kultiviert. Die Kulturperiode reicht von Februar bis November, die Erntezeit von Juni bis November. Dann werden die Gewächshäuser leer geräumt; das Tomaten- und Gurkenkraut geschreddert und mit verottetem Schafs- und Hühnermist kompostiert. Von den zwei Hektar Freifläche wird zweimal im Jahr Kleegras geschnitten und zu Pellets gepresst.

In das Erdreich in den Gewächshäusern wird im Winter der mit den biodynamischen Präparaten behandelte Kompost sowie Kali eingearbeitet. Mit den Jungpflanzen werden im Februar dann auch die Kleegraspellets zur ständigen Stickstoffversorgung ausgebracht. Der Humusgehalt im Boden erreicht durch diese natürliche Düngung Höchstwerte.

Die Pflanzen werden mit Wasser aus eigenen Brunnen und mit dem Regenwasser versorgt, das man von den Gewächshausdachflächen gewinnt. In Weißenbronn hat man einen riesigen Regenwassertank. Die Gewächshäuser werden mit Gas beheizt. Wasser- und Wärmeversorgung erfolgen computergesteuert. Schädlinge (Weiße Fliege, Blattlaus, Trips) werden mit Nützlingen (z.B. Marienkäfer) bekämpft.

Die Höfler GbR beliefert verschiedene Einzelhandelsketten und die ebl-Bio-Fachmärkte. Manche der Ketten kooperieren mit den Anbauverbänden Demeter, Bioland oder Biokreis. Höfler hat die Zertifizierungen aller drei und verpackt seine Demeter-Erzeugnisse auch mit Bioland- und Biokreissiegel. Wer bestimmt, wie viel der Erzeuger für seine Tomaten und Gurken erhält? Die Einkäufer der Supermarktketten. Jetzt, im Sommer, wo es riesige Mengen an Gemüse gibt, drücken sie den Preis. In solchen Zeiten kommt es vor, dass die Ernte tonnenweise vernichtet werden muss, weil auch die Einkäufer sie nicht in den Supermarktfilialen loswerden. Wer kann in solchen Situationen mehrere Tonnen Tomaten oder Gurken abnehmen und verarbeiten? Höfler hat damit begonnen, Überschüsse zu Passierten Tomaten zu verarbeiten. Die Gläser und auch Frischware kann man jederzeit am Automaten vor den Gewächshäusern im Götzenweg kaufen.

Nach dem Rundgang durch die Gewächshäuser konnten wir verschiedene Sorten Tomaten und Gurken probieren, wurden mit einem leckeren Imbiss bewirtet und konnten Gemüse kaufen. Erfahrung: Es gibt noch Tomaten, die so schmecken, wie selbstgezogen.

Kontakt: Höfler GbR, Irrhainstrasse 33, 90427 Nürnberg; Betrieb mit Verkaufsautomat: Götzenweg; Zweigstelle: 91560 Weißenbronn: Lehrweg 333; www.hoefler-biogemuese.de