„Weniger ist mehr – für Bauern, Tiere und Umwelt“

Liebe Leserinnen und Leser,

„Weniger ist mehr – für Bauern, Tiere und Umwelt“
titelt der BÖLW in einem Diskussionsbeitrag zum Milchgipfel am 30. Mai in Berlin: „Weniger Milch, mehr Qualität, mehr Einkommen: Extensivierung als Schlüssel zur Lösung der Milchkrise“
Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hatte einige Vertreter der Milchwirtschaft Ende Mai zum „Milchgipfel“ nach Berlin geladen. „Kurzfristige Finanzspritzen reichen nicht aus“, betont der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein anlässlich von Milchkrise und -Gipfel. Wesentliche Anteile des Futters für die Überproduktion wachsen nicht auf heimischem Grund sondern auf den Sojafeldern Südamerikas. Zu viel Kraftfutter und eine Tierzucht, die nur auf Turboleistungen setzt, schaden der Tiergesundheit und verschärfen den Teufelskreis von Milchüberschüssen und Tiefstpreisen. „Da muss sich grundsätzlich etwas ändern“, so Löwenstein. „Wir müssen die Kuh von unseren eigenen Flächen und mit weniger Kraftfutter ernähren. Das nützt der Umwelt, den Tieren und den Bauern. Weniger Kraftfutter ist besser für Tiere und Umwelt und die Milchmenge wird gesenkt.“
Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (20.000 Mitglieder), nicht zum Milchgipfel geladen, sieht die Lösung der Milchkrise ebenfalls in der Senkung des Angebots. Um das zu erreichen, sollten staatliche Unterstützungen nur die Bauern erhalten, die ihre Milchlieferungen reduzieren, so Manfred Gilch vom bayerischen Milchviehhalterverband. Wer zu Zeiten der Milchquoten (bis 2015) mehr lieferte, musste Strafzahlungen leisten. So sind in Europa 1,2 Milliarden Euro zusammengekommen. Dieses Geld könnte man jetzt ausgeben (vgl. Nürnberger Nachrichten vom 31.05.2016, S. 17).
An der gegenwärtigen Milchkrise erleben wir, wohin es führt, wenn assoziative Zusammenarbeit fehlt: Es herrschen die Marktgesetze: großes Angebot = sinkende Preise. Die marktstarken Einzelhandelsketten diktieren den Molkereien und diese den Milchbauern die Preise. Mit 20 Cents pro Liter kann ein Milcherzeuger mit 70 – 80 Kühen wirtschaftlich langfristig nicht existieren; viele Betriebe geben auf. Die Konzentration und damit die Industrialisierung in der Landwirtschaft schreiten weiter voran. Das marktwirtschaftliche Prinzip darf nicht für die Landwirtschaft gelten!
Würden sich alle am Milch-Wirtschaftsprozess Beteiligten in einer Milch-Assoziation besprechen, also Vertreter der Milchbauern, Vertreter von Molkereibetrieben, Vertreter der Großhändler und Einzelhandelsketten und Verbrauchervertreter, so wären die gegensätzlichen Interessen damit zwar nicht aufgehoben, aber man würde die Argumente der anderen Beteiligten verstehen und daran seine eigenen Vorstellungen korrigieren lernen. Qualitäten könnten besprochen, Quoten verabredet, Strafzahlungen für Mehrlieferungen vereinbart werden, die zu Hilfszwecken für notleidende Milcherzeuger bereit stünden. So könnte sich die Milchwirtschaft selber helfen – ohne staatliche Beteiligung und ohne Einsatz von Steuergeldern.
Bio-Verbraucher, Bio-Einzel- und Großhändler, Bio-Molkereien haben ein größeres Verständnis für „ihre“ Landwirte und zahlen ihnen korrekte Milchpreise. Sie wollen, dass die kleinbäuerliche Landwirtschaft erhalten bleibt, denn sie sorgt über die Nahrungsmittelversorgung hinaus für Bodenregeneration, Landschaftspflege, Klimaregulierung, Artenschutz.
In der Molkerei Schrozberg fand kürzlich auch ein erstes assoziatives Gespräch statt. Am Tisch saßen Vertreter der Milchbauern, der Molkerei, Wissenschaftler und Verbraucher. Thema waren Qualitätsunterschiede. Es waren verglichen worden Demeter-Qualitäten mit anderen Bio-Qualitäten und konventionellen Qualitäten. Ich werde demnächst darüber berichten.
Lesen Sie heute in Rubrik 1 dieses Briefes einen Beitrag zu einer von Otto Jachmann selbst ausprobierten Alternative zur Marktpreisbildung. Durch sie wird das Prinzip des Wettbewerbs um die Komponente der Verlässlichkeit ergänzt.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Gekräuterte Lammschulter

Einer unserer Bio-Ausflüge im vergangenen Jahr führte uns zu unserem Mitglied Bio- Berggasthof und -Hotel Sammüller, Schafhofstr. 25, 92318 Neumarkt. Wir waren inzwischen wieder dort, haben wieder hervorragend gespeist und um ein Rezept gebeten.

Zutaten für 10 Personen
2,5 kg Lammschulter, 1 Liter Lammfond, 500 g Wurzelgemüse (Karotten, Sellerie usw.), 2 Zehen Knoblauch, ca. 250 ml Rotwein, 250 ml Olivenöl, 200 g Creme Fraiche, 2 EL Tomatenmark, 1EL Senf, 1 EL Meerrettich, Rosmarin, Thymian, Salz, Pfeffer, Zucker

Zubereitung
Zuerst die Lammschulter mit mittelscharfem Senf und Meerrettich einreiben. Etwas Rosmarin, Thymian und Knoblauch mit Öl vermengen und auch auf das Fleisch geben. Danach 2 Tage abgedeckt im Kühlschrank ziehen lassen. Das Fleisch mit Salz und Pfeffer würzen. Den Ofen auf 160° vorheizen. Etwas Öl in einen hohen Topf geben und das Fleisch scharf anbraten, danach aus dem Topf rausnehmen. Nun das Wurzelgemüse kurz andünsten und Tomatenmark dazugeben. Mit Rotwein ablöschen. Jetzt das Fleisch zugeben und mit Lammfond aufgießen. Alles ca. 2 Stunden im Ofen schmoren lassen. Nach der Garzeit das Fleisch herausnehmen und ruhen lassen. Die Soße abpassieren, mit Salz, Pfeffer und etwas Zucker abschmecken und etwas einkochen lassen. Etwas Creme Fraiche dazugeben.
Als Beilage empfehlen wir Oberpfälzer Kartoffelknödel und grünen Salat. Guten Appetit wünscht Bio-Berggasthof Sammüller in Neumarkt, Telefon 09181 – 4057-11,

Was macht lieblichen Rotwein lieblich?

Was macht lieblichen Rotwein lieblich?
Zu dieser Frage eines Mitglieds haben wir beim Demeter-Weingut im Zwölberich an der Nahe folgende Antwort erhalten: Es wird kein Zucker zugesetzt! Nach der Lese wird eine so genannte Süßreserve gewonnen, die dem Rotwein später zugesetzt werden kann, um den Rotwein geschmacklich auszubalancieren. Bei der Süßreserve handelt es sich um einen speziell behandelten, lagerfähig gemachten Traubenmost. Früher machte man das mit großen Beigaben von Schwefeldioxid. Heute ist das durch Anwendung neuester Kühl- und Filtertechnik nicht mehr nötig.
Der Wein muss allerdings immer noch mit relativ kleinen Mengen Schwefeldioxid stabilisiert werden. Warum? Man hat Versuche ohne Schwefeldioxid gemacht; dabei ist folgendes herausgekommen: Die Mikro-Organismen im Wein entwickeln sich dann und der Wein ist nicht lagerfähig. Außerdem verändert sich der Geschmack: Der Wein ist nicht mehr so fruchtig und spritzig. Er hat den Kunden nicht geschmeckt.

Zum Thema Landgrabbing: Exorbitante Preise für landwirtschaftliche Flächen
Brief eines unserer Mitglieder (Name der Redaktion bekannt)
Ich bewirtschafte eine „überlassene“ Wiese seit etwa 10 Jahren (Hochlage, mager bis nass, knapp 0,4 ha). Die Wiese war Mitte 2015 zum Kauf angeboten: 10.000 € (= 2,50 €/qm). Erstens hatte ich das Geld nicht zum Kauf, zweitens liegt der Preis exorbitant über dem vergleichbarer Wiesen dieser Qualität und Größe (max. 1 €/qm). Käufer wurde ein Lokalpolitiker, dessen Partei sich laut Programm der Ökologie verschrieben hat. Seine Erklärung: Er wolle Flächen der konventionellen Landwirtschaft entziehen, Kapitalanlage sei das auch. Da er keinerlei eigene Bewirtschaftung betreibt, bot er mir diese Wiese zur Pacht an. Seine Pachtpreis-Vorstellung: 150 €/ Jahr. Ich bot 50. Seine Antwort: „Meine unterste Forderung: 75“. Die Differenz erscheint marginal. Aber sie berührt ein grundsätzliches Dilemma der hierzulande geforderten Pachtpreise: Ich habe durchgerechnet, welchen Geldwert ich mit dieser Wiese erwirtschaften kann und lande (unter Abzug aller Aufwendungen) bei etwa 75 €. D.h. ich würde alleine für den Kapitalertrag des Verpächters arbeiten.
Sind da noch die landwirtschaftlichen Ausgleichszahlungen von EU, Bund und Land. Als deren Zweck ist die Stützung der wirtschaftlichen Lage des Landwirts definiert, für ihn als Träger des betrieblichen Risikos, nicht für den Verpächter. Die Moral von der Geschicht? Lieber Leser, was ist deine Quintessenz? Was ist zu tun? Deine Stellungnahme ist gefragt.

Bio 3.0 – Kommunen als Partner

Ausschnitt aus einem Beitrag vom Dr. Werner Ebert, Stadt Nürnberg, Referat für Umwelt und Gesundheit, werner.ebert@stadt.nuernberg.de, www.biometropole.de, in der Zeitschrift Ökologie und Landbau 1/2016, Teil 1 (Teil 2 folgt im nächsten Info-Brief)

Die Diskussion um Bio 3.0 hat bisher viele gute Ansätze hervorgebracht. Doch wo bleiben die Kommunen? Städte, Gemeinden und Landkreise wurden noch kaum berücksichtigt – obwohl sie ideale Partner für die Ökobranche von morgen sind.
Kommunen realisieren schon heute Bio 3.0
Kommunale Förderrichtlinien für die Biobranche setzen an drei strategischen Zielen an:
Nachfrage steigern,
informieren, motivieren und Zugang schaffen sowie
koordinieren, vernetzen und die Markterschließung fordern.
Konkret heißt dies: Öffentliche Akteure beziehen große Mengen an Lebensmitteln. Es hat einen wichtigen Markteffekt in Kantinen, Krankenhäusern, Schulen und Kitas stärker auf Biolebensmittel zu setzen. Der Anteil an Biolebensmitteln in Nürnbergs städtischen Kitas beträgt mittlerweile 40 Prozent, in den Schulen sind es 20 Prozent. Bis 2020 will die Stadt in den Kitas 75 Prozent biozertifizierte Lebensmittel anbieten. Kommunen leisten zudem wichtige Informations- und Motivationsarbeit. Bei Veranstaltungen, wie beim Bio-Fest „Bio erleben“ in Nürnberg mit bis zu 40 000 Besuchern, kommen Menschen oft zum ersten Mal mit Biolebensmitteln in Berührung. Schätzungsweise werden fünf bis zehn Prozent der Besucher anschließend zu neuen Kunden im Biofachhandel und bei Biounternehmen. Kommunen erleichtern so den Marktzugang für Verbraucher.
Entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfüllen Kommunen eine weitere wichtige Funktion: Sie vernetzen Unternehmen und erschließen neue Märkte. Durch gemeinsame Projekte mit Erzeugern, Verarbeitern und Handel können neue Produkte platziert und die regionale Wertschöpfung gestärkt werden. In Nürnberg geschieht dies mit Urgetreide, Gemüse, Streuobst und Fleisch. Beim Urgetreide brachte die Stadt zum Beispiel alle Akteure an einen Tisch, um Anbau und Verkauf von Emmer und Kreuzritterweizen zu fördern.
Forciert wird die direkte Kooperation zwischen Landwirten und Verbrauchern auch durch die Initiative Solidarische Landwirtschaft (SOLAWI), die mit dem Projekt „Stadt, Land, Beides“ auf einer gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft aufbaut (mehr Info auf: www.stadt-landbeides. de). Auf die kommunale Kompetenz setzen Bayern und Hessen mit ihren „staatlich anerkannten Öko-Modellregionen“, bei denen Gemeindeverbünde die Chance erhalten, zukunftsfähige Ideen zur Entwicklung des Ökolandbaus in ihren Kommunen umzusetzen. Nürnberg hat diesen Titel im Verbund mit zwei angrenzenden Landkreisen erlangt. Sowohl auf deutscher (Netzwerk Bio-Städte, -Gemeinden, -Landkreise) als auch auf europäischer Ebene (Organic Cities Network, Citta del Bio) vernetzen sich Biostädte, um den Ökolandbau, die regionale Produktion, eine nachhaltige Verbrauchs- und Esskultur sowie den Verzicht auf Gentechnik in Lebensmitteln zu fördern. Die beteiligten Kommunen profitieren vom Erfahrungsaustausch, von gemeinsamen Veranstaltungen und Projekten.

Glyphosat-Fund im Bier

Kleiner Erfolg: Weniger Gentechnik-Forschung bei BASF
Der Chemiekonzern BASF schrumpft seine Gentechnik-Forschungsabteilung: 350 von circa 700 Arbeitsplätzen in den USA, Europa, Indien und Puerto Rico sollen bis Ende des Jahres wegfallen. „Wir werden Projekte stoppen, die mit extrem hohen technischen Hürden verbunden sind und signifikante zeitliche und finanzielle Investitionen erfordern“, erklärte BASFVorstandsmitglied Harald Schwager letzte Woche.
Quelle: Informationsdienst Keine Gentechnik, Newsletter vom 02.03.2016

Glyphosat-Fund im Bier
Die Meldung, dass auch Bier mit Glyphosat belastet ist, heizt die Debatte um die Wiederzulassung des von der WHO als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuften Unkraut- Vernichters erneut an. Umwelt- und Verbraucherschützer sowie Grüne fordern die von der EUKommission anvisierte Genehmigung bis 2031 zu stoppen. CDU und CSU halten das für „reine Panikmache“. Die SPD will zumindest ein Verbot für Privatgärten und öffentliche Flächen, für die Landwirtschaft fordert Umweltministerin Barbara Hendricks eine Mengenbegrenzung. Unterdessen hat die Baumarktkette Hornbach angekündigt, ab sofort keine glyphosathaltigen Spritzmittel mehr zu verkaufen.
Quelle: Informationsdienst Keine Gentechnik, Newsletter vom 02.03.2016

Stellungnahme des Bio-Verbraucher e.V.
Der Bio-Verbraucher e.V. hatte u.a. auch Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt am 24. Februar aufgefordert: „Sprechen Sie sich gegen die Zulassungsverlängerung aus, wenn Sie am 7. März ihre Empfehlung abgeben“. Wegen starken Protests aus der Zivilgesellschaft, unterstützt auch von der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament, konnte die EUKommission keine Mehrheit für ihren Vorschlag finden; Deutschland stimmte im Fachausschuss nicht für die Verlängerung der Zulassung. Das freut uns. Wir haben Hendricks und Schmidt aufgefordert, bei dieser Entscheidung zu bleiben.

Stellungnahme unseres Firmenmitgliedes Neumarkter Lammsbräu
Kunden-Information vom 25. Februar, Aussschnitt
Pestizide wie Glyphosat werden leider seit Jahrzehnten in hohen Mengen in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt. So ist es kein Wunder, dass man diese Stoffe mittlerweile auch in den Erzeugnissen der konventionellen Landwirtschaft und den daraus hergestellten Lebensmitteln finden kann. Zusätzlich belasten sie Boden und Wasser.
Wir bei Lammsbräu haben uns unter anderem aus diesen Gründen schon vor über dreißig Jahren entschieden, keine konventionell erzeugten Rohstoffe mehr zu verwenden. Für uns als Bio-Bier-Brauer fängt das Reinheitsgebot nämlich auf dem Acker an. Wir setzen bei unseren Bio-Bieren kompromisslos nur auf Zutaten aus 100 Prozent und absolut streng kontrolliertem Öko-Landbau, der komplett auf Pestizide und Kunstdünger verzichtet, sowie zertifiziertes Bio- Mineralwasser.

Blockade von unbedenklichen Alternativen zum Pökeln von Wurst

Pressemitteilung von Bioland e.V. vom 10.12.2015

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat heute in dritter Instanz entschieden, dass Bio- Gemüsepulver und Bio-Gemüsesaftkonzentrat in Bio-Wurst ohne EU-Zulassung und Deklaration als Zusatzstoff nicht eingesetzt werden darf. Kläger ist ein Bioland-Metzger aus Niedersachsen.
Der Bioland-Verband kritisiert das Urteil: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Zugabe eines Rote-Beete-Saftes bei der Wurstherstellung untersagt wird, da es sich um ein Lebensmittel und nicht einen Zusatzstoff handelt. Damit blockieren niedersächsische Behörden ein Alternativverfahren zur Pökelung von Wurst, welches gesundheitlich unbedenklich ist. Das übliche Verfahren mit dem Konservierungsmittel Nitrit-Pökelsalz hinterlässt einen hohen Rest- Nitrit-Gehalt in der Wurst und damit das Risiko der Entstehung gesundheitsgefährdender Nitrosamine. Die WHO hat erst vor kurzem Wurstwaren als krebserregend kategorisiert“, kommentiert Bioland-Präsident Jan Plagge das Urteil.
Bioland-Metzger müssen nach den strengen Bioland-Vorgaben auf den Konservierungsstoff Nitrit-Pökelsalz verzichten und erreichen ein Pökelaroma und eine Umrötung bestimmter Wurstwaren mit Rote-Bete-Saft oder Gemüsepulver. Die zuständigen niedersächsischen Behörden haben diese Praxis verboten, weil sie diese Gemüsebeigaben als Lebensmittelzusatzstoffe werten. Dagegen klagt ein Bioland-Metzger aus Hildesheim. Grundlage des Behördenhandelns ist eine Fehlinterpretation von EU-Vorgaben. Zudem wäre die Beantragung eines Zulassungsverfahrens für Bio-Gemüsepulver und Bio- Gemüsesaftkonzentrat als Zusatzstoff auf EU-Ebene sehr zeit- und kostenaufwendig.
Die gesetzliche Pflicht zur Umrötung von Brühwürsten und Kochpökelware kann von Bioland- Metzgern so nicht mehr erfüllt werden. Das führt zur absurden Konsequenz, dass Bioland- Metzger bestimmte Wurstsorten nicht mehr entsprechend der deutschen Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse herstellen können – und dies, obwohl sie mikrobiologisch und geschmacklich einwandfrei sind.
Mehr Informationen: http://tinyurl.com/gmb2cnf

Isst du noch vegetarisch oder lebst du schon vegan?

Aus: KinderLeicht-Foodletter Nr.99, Okt. 2015, www.kinderleichtmuenchen.de
Galten vor wenigen Jahren noch die Vegetarier als Herausforderung für so manchen Koch, wurden diese heute durch den absoluten Trend der jungen Generation abgelöst: Veganismus. Der vollständige Verzicht auf alle tierischen Produkte scheint eine neue Art Protestbewegung gegen das Wirtschaftssystem, die Nutztierhaltungsbedingungen und die soziale Ungerechtigkeit zu sein. Der einstige Nischenmarkt hat sich inzwischen längst zu einer eigenen, nicht zu unterschätzenden Wirtschaftskraft entwickelt. Wurst aus Seitan, Käse ohne Milch oder Schnitzel aus Soja – für eine Millionen Menschen gehören solche Lebensmittel in Deutschland zum täglich Brot. Die Wachstumsraten für den veganen Markt sind beachtlich: alleine die vegane Produktauswahl nahm vom Jahr 2012 auf 2013 um 20% zu, der Umsatz der veganen Produkte stieg um ganze 17%. Vegane Supermärkte, Restaurants oder auch Bekleidungsgeschäfte sind mittlerweile in fast allen Großstädten nicht mehr wegzudenken. Doch nicht nur die kleinen Spezialanbieter profitieren von diesem Trend. Auch finden Kunden in Discountern vegane Produkte wie Sojamilch oder Fleisch- und Käseersatz.
Umweltschützer sehen diese Entwicklung mit Begeisterung: „Würden wir fleischlos oder zumindest fleischärmer essen, wäre das für die Umwelt und das Klima eine große Entlastung“, so Martin Hofstetter von Greenpeace. Mediziner sind dagegen geteilter Meinung. Befürworten die einen den tierfreien Trend, gibt es immer wieder auch kritische Stimmen. Einig sind sich die Experten, dass eine obst- und gemüsebasierte Ernährung in jedem Falle gesundheitsförderlich ist. Allerdings gibt es auch Studien, die darauf hindeuten, dass eine jahrelange vegane Ernährung das Herzinfarkt- sowie das Osteoporose-Risiko erhöhen kann. Wie gesund eine vegane Ernährungsweise nun also wirklich ist und welche Langzeitfolgen auch durch die zahlreichen Zusatzstoffe auftreten können, die den meisten Fleischersatz-Produkten zugefügt werden, das scheint noch lange nicht geklärt.
Quelle: Martina Hahn, http://www.sz-online.de/sachsen/veganismus-ernaehrungstrend-wirdwirtschaftsfaktor-2776505.html

Tierschutz mit Messer und Gabel, Teil 1

Vorwort von Dr. Andrea Flemmer aus ihrem neuen Buch: Tierschutz mit Messer und Gabel, Baunach 2015, ISBN 978-3-88778-456-0, 29,80 €
Tierliebe heutzutage – ein trauriges Kapitel?
Tierlieb sind bei uns viele Menschen. Wie oft denkt man, wenn man entsprechende Bilder im Fernsehen sieht, dass es bei uns viele Tiere besser haben als so manche Menschen und Kinder in anderen Ländern – oder sogar bei uns. Jedoch, wenn es um – nennen wir es – „kostengünstiges Essen“ geht, ist es mit der Tierliebe oft vorbei. Mag es an Unwissen liegen, aber geschlemmt wird mit Fleisch aus Massentierhaltung und Eiern, die nicht unbedingt von „glücklichen“ Hühnern stammen. Man verspeist das Fleisch von Tieren, die während ihres kurzen Lebens eine intensive Leidensgeschichte hinter sich haben. Tiere, die quasi in ihrer eigenen Toilette lebten – ohne Abzug, Tiere, die sich nicht bewegen können, stumm vor sich hin vegetieren. Sie warten nur darauf in den Mägen von irgendwelchen Menschen zu landen, die sich keinerlei Gedanken darum machen, dass ihr Mageninhalt zu Lebzeiten erbarmungslos gequält wurde. Dass sich das auf die Qualität des Fleisches auswirkt, kann man sich sehr gut ausmalen. Nicht umsonst kosten bei uns die Antibiotikaresistenzen, die zu erheblichem Anteil auf die Massentierhaltung zurückzuführen sind, Tausenden jedes Jahr das Leben – die Mittel wirken schlichtweg nicht mehr, wenn man sie dringend bräuchte. Bis vor wenigen Jahrzehnten stand bei Milchrindern die lange Nutzungsdauer mit zwölf und mehr Kälbern sowie (auf die Milchmenge bezogen) die Lebensleistung im Vordergrund. Heute muss die Kuh anstelle von 4000 Litern im Jahr 8000 Liter geben. Dafür benötigt sie Hochleistungsfutter auf der Grundlage von Mais als Energielieferant und Soja als Eiweißträger.
Manchmal stockt einem der Atem, wenn man nur daran denkt, wie schnell es in der Tiermast heute funktionieren muss: Das Wildrind konnte 30 Jahre alt werden, die heutige Milchkuh wird nach 5,5 Jahren „erlöst“. Mastschweine wurden früher fast zwei Jahre alt, heute müssen sie nach nur fünf bis sechs Monaten „schlachtreif“ sein. Legehennen haben nur noch eine Legeperiode von etwa 12 Monaten und sind im Alter von 17 Monaten ausgemergelt und „verbraucht“. Masthühner wiegen beim Schlüpfen ca. 42 Gramm, in nur sieben Wochen und damit noch vor Eintritt in die Geschlechtsreife, erreichen sie ein Körpergewicht von etwa 2 Kilogramm, damit das 46-fache ihres Geburtsgewichts! Umgerechnet auf uns Menschen würde das bei einem Geburtsgewicht von 3,5 kg einem Gewicht von gut 161 Kilogramm bei Eintritt in die Pubertät bedeuten. Das entspricht einem höheren Gewicht als dem eines japanischen Sumo-Ringers!
Wenn man dann noch daran denkt, dass seit September 2002 der Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz steht, versteht man die Welt nicht mehr. Aber es geht auch anders! Nicht nur, dass vegetarisches Essen köstlich schmeckt und in mancher Lebensphase ideal ist – wer Fleisch essen will, kann dies auch ohne schlechtes Gewissen tun. Artgerecht gehaltene Tiere liefern nicht nur besseres – nein, auch gesünderes Fleisch! Wir tun viel für unsere Gesundheit, wenn wir unsere Nutztiere fair behandeln! Welches Fleisch und welche Milchprodukte das sind, wo man sie kaufen kann und woher man weiß, dass es den Tieren während ihres Lebens gut ging, das erfährt man in diesem Buch. Guten Appetit wünscht Ihnen beim Fleischgenuss von Tieren, die artgerecht gehalten wurden Ihre Andrea Flemmer.

Auszeichnung für Demeter-Frankenwein
Nachricht von Öko-Weingut Hell, 97355 Wiesenbronn, T. 09325–90909, www.weingut-hell.de

Der Landesverband für den ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ) hat auf der Grünen Woche in Berlin den „Rotweincuveé Faszination“ unseres Mitgliedes Anton Hell mit der Silbermedaille für Bayerns beste Bio-Produkte ausgezeichnet. Wir gratulieren herzlich!

Auszeichnung für einen Nürnberger Bio-Fachmarkt
Nachricht von ebl Naturkost im Februar

Die ebl-Filiale in Laufamholz erhielt bei der Leserwahl der Zeitschrift Schrot & Korn die Gold- Auszeichnung „bester Bio-Supermarkt Deutschlands“. Die Bio-Verbraucher freuen sich mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitern und gratulieren herzlich.

Preisfindungsstellen – eine Alternative zur Marktpreisbildung , Teil 1

Gibt es eine Alternative zur Preisbildung durch Angebot und Nachfrage mit den oft schmerzhaften Nebenwirkungen für den kleinen Erzeuger (Beispiel Milchbauern!)? Otto Jachmann stellt in seinem Buch „Beobachtungen und Gedanken zu Wirtschaft und Gesellschaft“, Borchen 2008, ISBN 978-3-89979-103-7, € 13,-, selbst ausprobierte Alternativen vor: Preisfindungsstellen für Kernobst und Ferkel. Im Folgenden und in weiteren Info-Briefen stellen wir Auszüge daraus vor.
Die Preise stehen im Mittelpunkt des Wirtschaftsgeschehens, sie sind sein Dreh- und Angelpunkt (siehe S. 41 f. und 54 f.). Jede Veränderung der Wirtschaft, jede Störung des Wirtschaftsgleichgewichts schlägt sich früher oder später, meist rasch, in den Preisen nieder. Preise sind wie empfindliche Messinstrumente, wie Seismometer, die Wirtschaftstendenzen anzeigen, oft bevor sie auf andere Weise erkennbar sind. Das gilt auch umgekehrt. Wenn man Preise reguliert, von außen festsetzt, wie es Jahrzehnte lang in der EU-Agrarmarktpolitik geschah, zeigen sich unerwünschte „Nebenwirkungen“ oft an ganz anderer, unerwarteter Stelle. Die Fäden zwischen Wirtschaftsgeschehen und Preisentwicklung lassen sich nicht kappen. Sie sind der Lebensnerv der Wirtschaft.
Soll man also der Preisentwicklung freien Lauf lassen? Soll man sich z.B. als Erzeuger den Preiszyklen, die in ihren Ausschlägen schmerzhaft sein können, einfach unterwerfen? Gibt es nicht Mittel und Wege, den Vorgang der Preisbildung seinen eigenen Gesetzen gemäß zu befördern und zu gestalten? Dem Verfasser wurde die Schicksalsgunst zuteil, in seinem beruflichen Verantwortungsbereich zwei landwirtschaftliche Preisfindungsstellen vorzufinden und jahrelang betreiben zu helfen, die eben dies versuchen.
Sie gehen auf Forschungen und Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Institut für Landwirtschaftliche Marktlehre der Universität Hohenheim zurück. Ihr Grundgedanke ist, die Preisbildung nicht allein den Umwegen, Unwägbarkeiten und Wechselfällen des Marktgeschehens zu überlassen, sondern in einem kleinen, repräsentativen Kreis von Marktbeteiligten sozusagen „in nux“ zu vollziehen und damit die Preisentwicklung zu glätten und vor extremen, durch die Marktlage nicht gerechtfertigten Ausschlägen, zu bewahren.
Dies geschieht in wöchentlich zusammentretenden Preisfindungs- oder Notierungskommissionen, in welche die jeweiligen Marktpartner Vertreter entsenden. In einem Preisfindungsgespräch werden die aktuelle Marktlage erörtert, die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Partner geltend gemacht und daraus gemeinschaftlich Preise abgeleitet, welche der augenblicklichen Marktlage und der unmittelbar absehbaren, kurzfristigen Marktentwicklung entsprechen. Dies geschieht unter neutraler Leitung, die über ein ausgewogenes Ergebnis wacht und einseitige Einflussnahmen verhindert.
Die Erfahrung zeigt, dass ein Eingreifen umso weniger nötig ist, je länger die Kommissionen zusammenarbeiten. Jeder Interessenvertreter bringt zwar seine einseitige Sicht des Marktgeschehens ein und versucht sie durchzusetzen, wird aber von den Vertretern anderer Interessen in Schranken gehalten. Bald stellt sich unter allen Beteiligten ein gewisses Verständnis für die Interessenlage der Anderen ein, so dass rasch der Punkt gefunden werden kann, an dem sich die Interessen die Waage halten: ein den Marktkräften entsprechender Preis ist gefunden. (In folgenden Info-Briefen wird die Arbeit der beiden Preisfindungsstellen beschrieben. Die Redaktion.)

Fleischatlas zeigt den ganzen Zahlenhorror der Agrarindustrie

Liebe Leserinnen und Leser,

der Preisverfall für landwirtschaftliche Erzeugnisse zwingt immer mehr kleinbäuerliche Betriebe zur Aufgabe, Massentierhaltung verseucht unsere Umwelt und Billigfleischangebote gefährden unsere Gesundheit. Dieser Info-Brief widmet sich einmal den verschiedenen Facetten der Landwirtschaft (siehe auch Rubrik 1, 2, 3 und 6). Zu Beginn zitiere ich, was mir der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) am 13. Januar mailte:
Der Trend zu Megamastanlagen geht weiter. In Deutschland konzentriert sich die Produktion von Fleisch auf immer weniger Betriebe, während sich zugleich das Höfe-Sterben ungebremst fortsetzt. Unser neuer Fleischatlas (www.bund.net/fleischatlas) zeigt den ganzen Zahlenhorror der Agrarindustrie. Hier einige Beispiele:

In den vergangenen 15 Jahren mussten bis zu 80 Prozent der Bauernhöfe die Tierhaltung aufgeben, während gleichzeitig bundesweit bis zu 50 Prozent mehr Fleisch produziert wird.
Im gesamten Bundesgebiet sind mehrere Hundert neue Mastanlagen geplant.
Für Geflügel sind Anträge für mindestens 10,8 Millionen Plätze bekannt, darunter mindestens 6,65 Millionen Mastplätze. Für Schweine wurden mindestens 720.000 neue Plätze beantragt.
In einer der größten Schweinemastanlagen Deutschlands fallen pro Jahr bis zu 100 Millionen Liter Gülle an. (Zitatende)
Die Landwirtschaft ist einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren – nicht ökonomisch aber existenziell. Hier dürfen nicht nur die Marktgesetze gelten. Wir haben schon öfter assoziative Zusammenarbeit vorgeschlagen. Das heißt: Bauern, Rohstoff-Verarbeiter, Händler und Verbraucher gehören an einen Tisch, um die gegensätzlichen Bedürfnisse kennenzulernen, Muster-Kalkulationen zu erstellen und zu veröffentlichen, Mengen und Preise zu vereinbaren, die allen am Wirtschaftsprozess Beteiligten einleuchten und unserer kleinbäuerlichen Landwirtschaft eine Überlebenschance bieten. Das hat jetzt auch der stellvertretende Präsident des Bayerischen Bauernverbandes erkannt: „Wir müssen ein Bündnis mit dem Verbraucher schmieden“, fordert Günther Felßner, zitiert in den Nürnberger Nachrichten vom 24.03.2016. Im Bio-Bereich haben mit assoziativer Zusammenarbeit begonnen.
Ermutigend ist die Abkehr großer Teile der Verbraucher von der „Geiz-ist-geil“-Mentalität im Lebensmittelsektor: Über 80 Prozent der Deutschen sind bereit, höhere Preise für Fleisch und Wurst zu zahlen, wenn sie dadurch zu besseren Haltungsbedingungen der Tiere beitragen können. Nur bei der deutschen Agrarpolitik ist dieser gesellschaftliche Wandel leider noch nicht angekommen. Quellen: BUND am 13.01.16 (s.o.), Nürnberger Nachrichten v. 24.03.16, S. 19.
Auch von der BioFach 2016 gehen positive Nachrichten aus: Immer mehr konventionell arbeitende Landwirte entdecken den lukrativen Bio-Markt und stellen um. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind im Keller, mit Bio-Produkten kann man mehr verdienen, weil die Verbraucher das honorieren. Beispiele:

Konventionelle Qualität
Bio-Qualität
Schweinefleisch pro Kilogramm
1,30 €
3,65 €
Milch pro Liter
0,30 €
0,49 €

Allerdings bedeutet das Konvertieren zur Bio-Tierhaltung zunächst Investitionen, z.B. müssen größere Ställe gebaut werden, Weidegang muss möglich sein. Das kann mindestens 100.000 € kosten. Quelle: Nürnberger Nachrichten vom 13.02.2016, S. 24
Seit der BioFach 2014 diskutiert die Bio-Branche unter dem Stichwort Bio 3.0, welche Schritte für die Zukunft nötig sind, um den Bio-Verbrauch in weiteren Kreisen der Bevölkerung noch akzeptabler zu machen. Wie das unter Mithilfe der Kommunen und Landkreise geschehen kann, zeigt Dr. Werner Ebert/ BioMetropole Nürnberg in Rubrik 6 auf.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter