Besser, aber nicht ausreichend

Bioland-Präsident Jan Plagge kommentiert Beschlüsse der Agrarministerkonferenz zur Umsetzung der EU-Agrarpolitik

„Die heutigen Beschlüsse sind nach den zuletzt immer wieder gescheiterten und verschobenen Verhandlungen der Agrarminister*innen ein positives Zeichen. Anders als die Vorschläge von Landwirtschaftsministerin Klöckner zeigen sie mit einer dynamischen Umschichtung von Direktzahlungen aus der ersten Säule in Agrarumweltmaßnahmen der zweiten Säule in die richtige Richtung. Um die nationalen und europäischen Umweltziele zu erreichen, reichen die Beschlüsse aber nicht aus. Dazu müssen in der kommenden Förderperiode sowohl das Finanzbudget für die Eco-Schemes stärker ansteigen als auch deutlich mehr Mittel aus der ersten in die zweite Säule umgeschichtet werden. Über dynamisch ansteigende Finanzmittel müssen schließlich die Leistungen der Landwirt*innen für den Umwelt- und Klimaschutz honoriert und der Ausbau des Ökolandbaus entsprechend der nationalen und europäischen Flächenziele für 2030 finanziert werden.“ Auf unserer Website haben wir die Bioland-Kernforderungen im Superwahljahr 2021 gesammelt: www.bioland.de

Bioland wird 50
Bioland feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag. In Presseterminen, bei Hofbesuchen und mit vielen Jubiläumsaktionen erzählen wir entlang unserer Historie, woher Bioland kommt und wofür der Verband heute steht. Was 1971 mit einer Idee von 12 Frauen und Männern begann, hat sich zu Deutschlands größtem Bio-Anbauverband mit rund 10.000 Betrieben aus Erzeugung, Herstellung und Handel entwickelt. Die Bioland-Betriebe wirtschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette nach strengen Bioland-Vorgaben. Gemeinsam bilden sie eine Wertegemeinschaft zum Wohl von Mensch und Umwelt und setzen sich auf vielen Ebenen für die Anliegen des Ökolandbaus und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen ein.
Pressemitteilung vom 26.03.2021, gerald.wehde@bioland.de

Der Bio-Verbraucher e.V. gratuliert herzlich zum Jubiläum und freut sich auf weitere, gute Zusammenarbeit.

Live-Diskussion zur eBioFach 2021

Die BioMetropole Nürnberg hatte auch dieses Jahr den Bio-Verbraucher e.V. als Mitaussteller zur BioFach eingeladen, die diesmal wegen Corona nur im Internet stattfand. Wir beteiligten uns mit einer Live-Diskussion mit Experten. Das Thema lautete: „The Great Reset“ – Wie könnte ein Neustart unserer Gesellschaft aussehen? Was ist uns wichtig? Wie kann die Zukunft gerechter und grüner gestaltet werden?

Unsere Experten waren Prof. Karl-Dieter Bodack, Fachmann für Sozialgestaltungen, Johannes Ehrnsperger, Chef der Neumarkter Lammsbräu, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft), Richard Mergner, Vorsitzender Bund Naturschutz in Bayern und Dr. Peter Pluschke, Umweltreferent der Stadt Nürnberg von 2010-2020. Nach der Diskussion bat ich unsere Experten, mir in wenigen Sätzen für diesen Info-Brief zu schreiben, was jetzt dringend nötig ist, damit wir wirklich einer gerechteren und grüneren Zukunft entgegen gehen. Hier die eingegangenen Antworten und meine Meinung.

Johannes Ehrnsperger
Mir ist besonders wichtig, dass den Menschen bewusster wird, wie wichtig es ist, auf welche Art und Weise unsere „Mittel zum Leben“ hergestellt werden und dass jeder von uns täglich mit seinem Konsum das Heft des Handelns in der Hand hält, ob die Welt für unsere Enkel in Zukunft noch lebenswert sein wird oder nicht. Durch die Corona-Pandemie ist dieses Bewusstsein durchaus angestiegen, es gibt aber noch viel zu tun.

Dr. Felix zu Löwenstein
Wir sind in einem Wahljahr im Bund und etlichen Ländern und erste Eindrücke lassen hoffen, dass die Themen um Klimawandel und Biodiversität, Lebensstile, Ernährung und Landwirtschaft enorme Bedeutung gewonnen haben. Wenn wir wollen, dass die nächste Bundesregierung die auf diesen Feldern notwendige Transformation einläutet, dann müssen jetzt, wenn die Wahlprogramme erstellt werden, die Telefone bei den Abgeordneten klingeln. Sie müssen erfahren, dass sie sowohl Erwartungsdruck als auch Unterstützung für eine zukunftsfähige Agrar-, Energie-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik bekommen.

Dr. Peter Pluschke
Zentraler Baustein für eine gesunde, moderne Ernährungspolitik ist die Förderung der ökologischen Landwirtschaft. Dazu können Bund, Länder und Gemeinden durch Verstärkung ihrer Förderansätze beitragen. In Bayern sollte das Konzept der Ökomodellregion zu einem Regelförderrahmen für die gesamte Fläche des Freistaats werden und durch spezifische Programme zur Lösung besonderer Fachaufgaben (z.B. für eine verbesserte Praxis der Tierhaltung, Entwicklung des Futtermittelanbaus zum Ersatz von importierten Soja etc.) ergänzt werden. Der Ausbau des Netzwerks der Bio-Städte und -Gemeinden (ggfs. ergänzt durch die Formierung von Ernährungsräten) kann dazu beitragen, auch die Bürgerinnen und Bürger des Landes intensiver in diese Entwicklung einzubeziehen.

Wolfgang Ritter
Es kommt darauf an, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Wen wollen wir mit unseren Einkäufen unterstützen: die Agrarindustrie mit Massentierhaltung, die Konzerne und Handelsketten oder die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die mittelständischen Verarbeitungsbetriebe, den Fachhandel? Wenn wir biologisch erzeugte Lebensmittel und Getränke möglichst aus der Region, oder fair gehandelte Produkte – auch Kleidung – aus fernen Ländern kaufen, tun wir etwas gegen den verhängnisvollen Klimawandel, für die Erhaltung der Artenvielfalt und für gerechte Preise für die Erzeuger im In- und Ausland. Über eine gerechtere, grünere Zukunft entscheidet der Verbraucher!

Jetzt mitmachen: Stoppt Patente auf Pflanzen und Tiere!

Patente auf Pflanzen und Tiere, die ohne Gentechnik gezüchtet wurden, sind eigentlich verboten. Doch rechtliche Schlupflöcher ermöglichen es dem Europäischen Patentamt (EPA) und der Industrie, dieses Verbot systematisch zu umgehen. Dadurch können Agrarkonzerne die Ergebnisse der züchterischen Arbeit, die seit Jahrtausenden von Landwirt:innen auf der ganzen Welt geleistet wird, an sich reißen.

Bisher wurden mehr als 1600 Patentanmeldungen eingereicht und rund 220 Patente erteilt, die Pflanzen aus herkömmlicher Züchtung betreffen. Besonders erschreckend ist die große Tragweite vieler Patente, die sich nicht nur auf die Pflanzen, sondern auch auf deren Saatgut, die Ernteprodukte wie Getreidekörner, Obst oder Gemüse sowie die daraus hergestellten Lebensmittel erstrecken. Und die Patentierungswelle macht auch vor Tieren nicht halt. So wurde beispielsweise 2018 ein Patent auf Lachse und Forellen erteilt.

Um dieser Praxis einen Riegel vorzuschieben, muss der Verwaltungsrat des EPA, der über die Auslegung des Patentgesetzes entscheidet, klarstellen, dass Patentanträge auf Lebewesen aus herkömmlicher Zucht abzulehnen sind. Doch die Beratungen im Verwaltungsrat, dem die 38 Mitgliedstaaten des EPA angehören, sind zäh und ziehen sich oft über viele Jahre hin. In der Zwischenzeit kann die Agrarindustrie mit neuen Patentanmeldungen auf Tiere und Pflanzen Fakten schaffen.

Verhindern könnte das António Campinos. Als Präsident des Europäischen Patentamts hat er es in der Hand, ein Moratorium für Patente auf Leben zu erlassen, bis der Verwaltungsrat Rechtsklarheit über das Patentverbot geschaffen hat. Bitte beteiligen Sie sich deshalb jetzt an unserer gemeinsamen Aktion mit No Patents On Seeds und fordern Sie Herrn Campinos auf, jetzt zu handeln, um den Raubzug der Agrarkonzerne zu stoppen.
Quelle: Newsletter des Umweltinstituts München vom 17.02.2021, Verena Schmitt, Referentin für Ökolandbau und Ernährung
Link zur Stimmabgabe:
https://www.umweltinstitut.org/mitmach-aktionen/stoppt-patente-auf-pflanzen-und-tiere?utm_source=CleverReach&utm_medium=email&utm_campaign=Jetzt+mitmachen%3A+Jetzt+mitmachen%3A+Stoppt+Patente+auf+Tiere+und+Pflanzen%21&utm_content=Mailing_7676355

Forschungsergebnisse zur biodynamischen Land- und Lebensmittelwirtschaft

Auszüge aus aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen (2017 bis heute), welche zeigen, wie die biodynamische Landwirtschaft das Saatgut und den Ertrag verschiedener Kulturen beeinflusst

1. Anhand von Daten aus einer 7 Jahre laufenden brasilianischen Fallstudie wurde die Rentabilität von biodynamischen und konventionellen Sojabohnen verglichen. Die Betriebskosten waren in der biodynamischen Landwirtschaft um 4,4% höher als in der konventionellen Landwirtschaft und die Erträge um 3,6% niedriger. Allerdings waren die Preise im biodynamischen um 57% höher als im konventionellen Anbau. Die höheren biodynamischen Handelspreise markierten einen Preis-Gleichgewichtspunkt (PEP), ab dem die höheren Kosten gedeckt waren und die Rentabilität stieg.

2. In dieser Untersuchung wurden die Wirkungen von drei Kompostarten auf den phytosanitären Zustand und den Ertrag von Weizen und Einkorn verglichen. Es wurden Bio-Kompost (Kuhmist), biodynamischer Standardkompost (ebenfalls mit Kuhmist) und biodynamischer pflanzlicher Kompost (nach Maria Thun) eingesetzt. Sowohl der beste phytosanitäre Zustand als auch die besten Erträge von Weizen und Einkorn wurden mit dem biodynamischen Standardkompost erzielt.

3. In dieser Studie wurden die Effekte von biologischen Präparaten (BD-500, BD-501 und Panchagavya), die mit Vermicompost gemischt wurden, auf den Ertrag von Sharbati-Weizensorten untersucht. Die Ergebnisse zeigten einen höheren Ertrag bei der kombinierten Anwendung aller Präparate – BD-500, BD-501, Panchgavya, Vermicompost – im Vergleich zur alleinigen Anwendung eines Präparats mit Vermicompost. Mit dieser Anwendung erzielte der Anbau der Weizensorte JW-3020 im Gegensatz zu anderen Weizensorten den höchsten Ertrag.

4. In dieser Studie wurden die Auswirkungen des biodynamischen Anbaus auf den Ertrag von Kartoffeln, Kohl, Karotten und Brechbohnen in Indien untersucht. Für den biodynamischen Anbau im Vergleich zum konventionellen ergaben sich höhere Erträge. Die Werte, jeweils unter bewässerten und regenwassergespeisten Bedingungen sind bei Kartoffeln um 10,4 % und 10,9 % höher, von Karotten um 17,2 % und 24 %, von Kohl um 14,3 % und 28,3 % und der Ertrag von Brechbohnen um 24,5 % und 22,5 %.

5. In dieser Untersuchung wurde die Wirkung verschiedener biologischer Nährstoffquellen (Stallmist, Wurmkompost und Geflügelmist mit und ohne die biodynamischen Präparate 500 und 501) auf die Produktivität und Rentabilität von indischem Senf bewertet. Die kombinierte Ausbringung von Geflügelmist mit den biodynamischen Präparaten 500 + BD 501 führte zu einem signifikant höheren Samen- und Reinertrag gegenüber der Kontrollprobe. Die Variante Geflügelmist + 500 + 501 ergab den höchsten Nettoertrag.
Quelle: Forschungsring e. V., www.forschungsring.de, info@forschungsring.de, Newsletter 3/2020 vom 04.09.2020

Eco-Schemes – die neue grüne Agrarpolitik – Hoffnung oder doch nur wieder Greenwashing?

Beitrag von Julia Mlawez, Bio-Verbraucher e.V.

Die Landwirtschaft steckt in einer Krise. Während immer mehr Bauern ihre Existenzen aufgeben müssen, Diversität verloren geht, wirkt die Politik nicht effektiv genug dagegen. Dabei betrifft es jeden von uns, denn es geht darum, was täglich auf unseren Tellern landet.

Die GAP (gemeinsame europäische Agrarpolitik) ist auf zwei Säulen aufgestellt, die wie folgt definiert werden:

Säule 1: Direktzahlungen an Höfe je Hektar Bewirtschaftung – ergo; umso größer ein Hof, desto mehr Geldleistungen erhält man. Aus dieser Säule werden ¾ des Geldes geschöpft
Säule 2: Hier gehen die Gelder an Maßnahmen, die an die Förderung des ländlichen Raums geknüpft sind. Diese Säule wendet sich eher an die kleinen Bauern und betrifft Artenschutz, Infrastruktur und vieles mehr.

Alle sieben Jahre wird das Geld für die Landwirtschaft aus der EU neu verhandelt. Julia Klöckner (CDU) sprach von einem Systemwechsel und einem Meilenstein für Europa. Zu klären gilt nur noch, was sie unter einem Systemwechsel versteht. Das System wird bisher von der industriellen Landwirtschaft dominiert. Der Trend in den letzten Jahrzehnten führte dazu, dass die Höfe immer größer und automatisierter wurden, große Monokulturen die Regel waren, welche mit starkem Pestizideinsatz aufrechterhalten wurden. Die Titelseiten überschlugen sich mit negativen Schlagzeilen von Missständen und Artensterben. Die gravierenden Zustände haben die mediale Aufmerksamkeit erreicht; nun ist es Zeit, seitens der Politik verantwortungsvoller zu handeln.

Kritisch zu betrachten ist die Verteilung der Gelder aus der ersten Säule, denn ein Hof ist umso umweltschädlicher, je größer er ist. Nun der angekündigte Systemwandel, die Eco-Schemes. 20 Prozent aus der ersten Säule werden nun an Umweltauflagen geknüpft, welche die einzelnen Mitgliedsstaaten selbstständig festlegen können. Hier kritisiert der Bauernverband, wann wird es eine einheitliche Regelung für die EU geben, im Ausland wird es, wie gewohnt, niedrigere Standards geben, so können die Bauern dort zu geringeren Kosten produzieren als in Deutschland. Es ergibt sich erneut ein Unterbietungswettbewerb und ein Wettbewerbsdruck für die deutschen Bauern, die am ökologischsten produzieren und dennoch am meisten darunter leiden.

Die Landwirtschaftsverbindungen protestieren schon seit Längerem; erinnert euch an die Demo in Berlin, wo Traktoren um die Siegessäule kreisten. Nicht überraschend ist, dass es den Bauern schon lange nicht gut geht, und wenn es darum geht, mehr Tierwohl und weniger Pestizide zu verwenden, heißt es dann, dass sich die Betriebe dies einfach nicht leisten können. In den neuen Eco-Schemes gibt es wieder keine Vereinbarung, die dieses Problem effektiv löst. Die Bauern, die ökologischer und bewusster wirtschaften verlieren Produktionsfläche, da sie Hecken und Blumenwiesen für den Schutz und Futterflächen für Wildtiere anbauen und dadurch einen Einkommensausgleich bekommen. Das ist zwar ein netter Ausgleich, aber keine effektive Lösung für das globale Problem. Viele Bauern bewirken bereits mit dem Anbau von Zwischenfrüchten, Maßnahmen für Klima und Umwelt. Dies sind aber keine neuen langfristigen Strategien, um etwas zu verändern. Präzisionslandschaft (Precision Farming) gilt als die passende Öko-Regelung. Damit ist die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen durch elektronische Technik gemeint. Dies führt dazu, dass man weniger Dünger und Pestizide anwendet. Ein Beispiel wäre, wenn man mit einem Traktor automatisiert über ein Feld fährt – viel Einfluss hat dieser Einsatz per se nicht auf die Umwelt. Bisher hat Deutschland Precision Farming nicht in seine Öko-Regelungen aufgenommen.

Ein weiterer Grund, warum die Agrarwende keine wirkliche Wende ist: die Mitglieder des Agrarausschusses sind Menschen aus dem industriellen Agrarbusiness. Zum Beispiel ist der Vorstandsvorsitzende einer aus der Großmolkerei in Bayern – Leute aus dem System machen Politik für das System.

Wir benötigen einheitliche Regelungen von der Politik für ganz Europa, damit der Wettbewerbsdruck in der Landwirtschaft die Luft ausgeht. Heute haben sich die Klimaziele geändert und dennoch debattieren die Politiker um Punkte, die vor drei Jahren festgelegt wurden. Wir benötigen wirksame Strategien, die dem Erhalt der Böden dienen, die Erosion vermeiden, die Übersäuerung des Wassers reduzieren und das Tierwohl verbessern.
Quellen: Beushausen, Katrin; Methmann, Chriss (Theory of Change – Der Podcast für progressive Politik (Im Versteck der Agrarlobby) (Veröffentlicht am 13.11.2020) [Zugriff am 01.12.2020], Blazekoviv, Jessica (Das neue Zauberwort der Agrarpolitik) https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-energie-und-umwelt/eco-schemes-das-neue-zauberwort-der-agrarpolitik-17036467.html [Zugriff am 03.12.2020] (Veröffentlicht am 16.11.2020), https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsame_Agrarpolitik [Zugriff am 03.12.2020]
Siehe auch die Stellungnahme von Bioland zu diesem Thema in Rubrik 7/ Verbrauchermeinung

Die positiven Wirkungen der Corona-Krise

Liebe Leserinnen und Leser,

Bayern ist ein Bundesland mit Vorreiterfunktion: Nach dem neuen bayerischen Naturschutzgesetz soll ein Drittel der Felder und Wiesen in Bayern bis 2030 ökologisch bewirtschaftet werden. Wir meinen: Dieses Ziel muss von der Politik nachhaltig unterstützt werden, denn bisher arbeiten erst etwa 10 Prozent der Bauern hier ökologisch. Es bedarf also weiterer und besserer Förderungen, damit noch viele konventionell arbeitende Betriebe zu Bio konvertieren, denn in den ersten Jahren nach der Umstellung hat man weniger Ertrag und darf seine Produkte noch nicht mit dem Bio-Label verkaufen.
Quelle: Nürnberger Nachrichten, 12.02.2021

Mit dem geplanten Lieferkettengesetz übernimmt Deutschland eine Vorreiterrolle. Wenn das Gesetz ab 2023 in Kraft tritt, stehen deutsche Unternehmen bei Verstößen gegen Mensch und Umwelt stärker in der Verantwortung – weltweit, entlang der gesamten Lieferkette. Man kann ein deutsches Unternehmen also dann verklagen, wenn einer seiner Zulieferer gegen die Menschenrechte verstößt oder Umweltsünden begeht. Zunächst soll dieses Gesetz nur für die etwa 600 Großbetriebe gelten, die mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigen; ab 2024 gilt es dann auch für Unternehmen ab 1000 Mitarbeiter. Das stelle viele Betriebe vor große Herausforderungen, meinte BDI-Präsident Siegfried Russwurm. Wir sagen: Gut so, dann wird das Gesetz auch Wirkung zeigen.
Quelle: Nürnberger Nachrichten, 13.02.2021

Während der Corona-Krise waren viele Haushalte, die sonst auf Gemeinschaftsverpflegung angewiesen waren oder öfter essen gingen, genötigt, selber zu kochen. Das führte zu einer vermehrten Nachfrage nach Bio-Produkten. Erstaunlich? Eigentlich nicht! Wenn man selber einkauft und selber kocht, wählt man gern das Beste: Bio! So konnte die Bio-Branche im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von fast 15 Milliarden Euro verzeichnen, ein Zuwachs von 20 Prozent. 35.000 Höfe arbeiteten in Deutschland biologisch auf einer Fläche von 1,7 Millionen Hektar. Der Bio-Verbraucher e.V. arbeitet daran, das bewusste Einkaufen zu fördern.
Quelle: Nürnberger Nachrichten, 18.02.2021

Anstatt konkret zu benennen, woher angebotene Früchte und Gemüse stammen, hatte Amazon bis zu 13 (!) mögliche Herkunftsländer angegeben. Foodwatch hat nun vor dem Münchner Oberlandesgericht erwirkt, dass auch Amazon Fresh das Herkunftsland im Online-Handel konkret anzugeben hat – wie jeder andere Einzelhändler auch. Ein gerechtes Urteil!
Quelle: aktuell@foodwatch.de vom 19.02.2021

Weil in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb im vergangenen Jahr Corona ausbrach, ist auch die Massentierhaltung in den Blick der Öffentlichkeit gerückt worden, mit der Folge, dass Überlegungen angestellt wurden, wie das Tierwohl auf breiter Front verbessert werden kann. Jetzt gibt es einen Vorschlag der Borchert-Kommission, der gangbar erscheint. Danach zahlt für das Tierwohl, wer Fleisch essen will. Die Kommission empfiehlt eine Fleischabgabe, die beim Kauf von Fleisch und Wurstwaren fällig ist. Die Teuerung durch die Fleischabgabe würde 40 Cents/kg Fleisch oder Wurst ausmachen, damit die Mehrkosten für artgemäße Tierhaltung bezahlt werden können. Wer Tiere so hält, wie es ihren Bedürfnissen entspricht – mit viel Platz, frischer Luft, auf Stroh statt Betonspalten, und wer ausreichend Zeit für die Betreuung aufbringt, die Umwelt schont und bäuerlich wirtschaftet, hat deutlich höhere Kosten als jemand, der nach gesetzlichem Mindeststandard billigst auf Kosten von Tieren, Umwelt und Klima produziert. Mit der Fleischabgabe könnten Bäuerinnen und Bauern ihre Ställe artgerecht einrichten; die tierquälerische Massentierhaltung könnte so in einer überschaubaren Zeit zu einem Ende kommen.
Quelle: presse@boelw.de vom 29.01.2021 und Nürnberger Nachrichten vom 03.03.2021

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Mi, 17. – Sa, 20. Feb.: BioFach 2021 – diesmal online

Der Bio-Verbraucher e.V. ist dabei u.a. mit einer Live-Diskussionsrunde zum Thema „The Great Reset“ (Titel des neuesten Buches von Wolfgang Schwab, Begründer des Weltwirtschaftsforums, Titel der deutschen Ausgabe „Covid 19: Der große Umbruch“). Wie könnte ein gesellschaftlicher Neustart aussehen? Was ist uns wichtig? Näheres zum Online-Messebesuch, zum „Info-Stand“ und zur Live-Diskussion im Februar auf www.netz.bio/ Unser Blog

Una cena italiana

Kürzlich berichtete ich, Wolfgang Ritter, von einem italienischen Abendessen auf einem Biohof am Gardasee (siehe www.netz.bio/ Unser Blog). Es war ein Fünf-Gang-Menü, für das man sich einen ganzen Abend Zeit mitbringen musste – ein abendfüllendes Ereignis – ohne Völlegefühl. So etwas kann man auch zu Hause einmal zelebrieren, wenn ein besonderer Anlass zu feiern ist oder einfach so. Ich habe das kürzlich getan. Hier mein Menü-Vorschlag, in dem Fleischesser und Vegetarier etwas finden. Sie können alle Gänge ja selber variieren.

Aperitivo
Beim Eintreffen der Gäste und Familienmitglieder wurde ein Hugo gereicht, hergestellt aus Holunderblütensirup, Sekt, Limettenscheiben, frischen Pfefferminzblättern und Eiswürfeln. Es gibt auch fertigen Bio-Hugo von Peter Riegel Weinimport. Dazu wurden Vollkorn Sticks (Erdmann Hauser) und Mais-Chips (Mayka Naturbackwaren) gereicht.

Antipasti
Vormittags hatte ich verschiedene Gemüsesorten vorbereitet: Zucchinischeiben wurden auf dem Elektrogrill gegrillt, parallel dazu Fenchelscheiben, Möhrenstücke mit gelben und roten Paprika im Topf gegart und anschließend in der Pfanne gebraten, auf Präsentiertellern mit Kräutersalz und Olivenöl versehen und beiseite gestellt. Abends wurden sie kalt serviert. Dazu gab es aufgeschnittenen Schinken, Salami- und Käsescheiben (Scamorza und Südtiroler Bergkäse). Als Vorspeise eignen sich auch Mozzarella- und Tomatenscheiben mit Basilikumblättern, besprenkelt mit Balsamico-Essig und Olivenöl. Zu den Antipasti kommt Wein auf den Tisch. Wir hatten Bio-Rotwein vom Gardasee.

Pasti
Da ich Gäste mit Weizen- und Tomatenallergie erwartete, gab es Dinkel-Spaghetti Aglio e Olio sowie Panna e Piselli, die frisch zubereitet und serviert wurden, nachdem die Vorspeisen verzehrt waren. Die Spaghetti Aglio e Olio wurden nach dem Kochen in einer Pfanne mit erhitztem Olivenöl und kleingehacktem Knoblauch auf dem Feuer etwa fünf Minuten immer wieder gewendet. Alternative für Fleischliebhaber: Spaghetti Prosciutto. Für die Spaghetti Panna e Piselli gießt man das Kochwasser ab und zieht Sahne und gekochte Erbsen unter die Spaghetti.

Piatto principale
Die Hauptspeise bestand bei mir aus verschiedenen vegetarischen Bratlingen, Bratfilets Japanische Art (Taifun-Tofu), Energie-Talern (Soto/ organic veggie food), Tofu-Scheiben und Hokkaido-Kürbis mit Grünen Bohnen. Der Hokkaido-Kürbis kann schon am Nachmittag ungeschält in Scheiben geschnitten etwa 15 Minuten auf Backpapier auf dem Backblech einseitig gegrillt werden. Am Abend wendet man ihn dann, um ihn kurz vor dem Servieren von der anderen Seite auf dem Blech zu erhitzen. Inzwischen grillt man die Bratlinge auf dem Elektrogrill oder in Pfannen. Alternativ zu vegetarischen Bratlingen geht natürlich auch Fleisch aus dem Bio-Fachmarkt. Zu Bratlingen und Gemüse servierte ich Grill- und Knoblauchsaucen.

Dolce
Als Dessert konnte ich Crostatine di Farro al Mirtillo (Dinkelgebäck mit Blaubeeren) servieren, die ich aus Italien mitgebracht hatte. Dazu gab‘s Schoko- und Vanille-Eis mit Sahne. Und wer wollte, trank Café oder Orzo (Getreidekaffee) aus Italien.

20 Jahre Zukunftsstiftung Landwirtschaft – eine starke Initiative

Bericht von Wolfgang Ritter

Der Bio-Verbraucher e.V. arbeitet mit kleineren und größeren Partnern zusammen. Einer unserer größeren Partner wurde vergangenes Jahr (2020) 20 Jahre alt und hat immer wieder neue Initiativen ins Leben gerufen oder sich an ihnen wesentlich beteiligt. Hier ein Überblick über 20 Jahre zivilgesellschaftliche Aktivitäten.

2000 Gründung der Zukunftsstiftung Landwirtschaft Das starke Engagement der GLS Treuhand für den Ökolandbau und die ökologische Saatgutzüchtung soll dadurch sichtbarer gemacht werden. Von 20 Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen werden rund 3 Millionen DM Gründungskapital bereitgestellt.

2001 Die erste Saatgut-Tagung findet in Kassel unter dem Titel: „Ökologisches Saatgut – Kapital von Morgen; Neue Wege in der Pflanzenzüchtung“ statt.

2002 Gründung des Berliner Büros der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und Finanzierung des Gründungskonzeptes des BÖLW (Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft)

2003 Save Our Seeds (SOS), die erste Kampagne des Berliner Büros, setzt sich europaweit für die Reinhaltung des Saatgutes von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) ein. Über 300.000 Unterschriften werden gesammelt und das Reinheitsgebot in der EU durchgesetzt.

2004 Start des Informationsdienst Gentechnik, der tagesaktuell über Zusammenhänge und Hintergründe der Agro-Gentechnik informiert. Der Informationsdienst wird von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft im Auftrag von neunzehn Umwelt-, Verbraucher- und Landwirtschaftsorganisationen herausgegeben.
Gründung des Tierzuchtfonds gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund, der Schweisfurth Stiftung und bis 2008 auch von ProVieh: Ziel ist eine eigenständige, ökologische Tierzucht, die nicht auf Höchstleistung setzt.

2005 SOS organisiert die erste Europäische Konferenz gentechnikfreier Regionen in Berlin.

2006 Start der Aktion Bantam-Mais: Alle Anbaustandorte der samenfesten Mais-Sorte „Golden Bantam“ werden in einer Karte eingetragen. So demonstrieren Gärtner*innen und Privatpersonen erfolgreich gegen den Anbau von Gentechnikmais und machen auf die Gefahr seiner Auskreuzung aufmerksam.

2008 Veröffentlichung der wichtigsten Aussagen des Weltagrarberichts. Dieser wurde ab 2003 von über 400 Wissenschaftler*innen im Auftrag der Weltbank und der UN erarbeitet. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft war durch Benny Haerlin im Aufsichtsrat vertreten und betreibt seit 2009 eine Webseite zu dem Bericht.

2011 Gründung „Meine Landwirtschaft“ durch die Zukunftsstiftung Landwirtschaft und andere Organisationen. Dieses neue Bündnis organisiert 2011 die erste „Wir haben es satt“-Demo in Berlin.

2013 Gründung der Kampagne „Freiheit für die Vielfalt“, die im folgenden Jahr erfolgreich eine von der EU-Kommission vorgeschlagene Saatgutrichtlinie verhindert, die biologisches und Erhaltungssaatgut gegenüber industriellen Hybriden noch mehr benachteiligt hätte.

2014 „Farbe der Forschung“, der zweite Wissenschaftskongress der Zukunftsstiftung Landwirtschaft, findet zum Thema „Beziehungsnetzwerke“ in Berlin statt. Spendenrekord beim Saatgutfonds: Erstmals können in einem Jahr über eine Million Euro für die Forschung und Entwicklung in der ökologischen Pflanzenzüchtung gesammelt werden.

2015 Der erste 2000 m² Weltacker wird eröffnet. Er vermittelt, wie viel Ackerfläche global pro Mensch zur Verfügung steht und wie unser Lebensmittelverbrauch deren Bestellung bestimmt. 2017 hat er über 100.000 Besucher*innen auf der Internationalen Gartenausstellung in Berlin.
,
2016 Der Saatgutfonds wird 20 Jahre alt. Mit seiner Unterstützung stehen inzwischen circa 100 ökologisch gezüchtete Getreide- und Gemüsesorten zur Verfügung.

2017 Gründung des Bildungsfonds Landwirtschaft, um die gezielte Förderung von Bildungs- und Ausbildungsprojekten in der Landwirtschaft zu verstärken. Veröffentlichung einer Schrift zur integralen Produktivität anlässlich der Debatte „Bio 3.0“. Ein Beitrag gegen die Konventionalisierung des Ökolandbaus. Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft fördert mit 30.000 Euro die Gründung der BioHöfe Stiftung. In die Stiftung der GLS Treuhand und der Stiftung Ökologie & Landbau können Höfe als Schenkung eingebracht und deren zukünftige ökologische Bewirtschaftung gesichert werden.

2019 Start der SOS-Kampagne für ein weltweites Moratorium bei der Freisetzung von Gene Drives. Neuer Spendenrekord beim Saatgutfonds: 1,8 Millionen Euro können für die Ökozüchtung gesammelt werden.

2020 Auf dem Weltacker in Berlin entsteht der erste Klima-Acker. Das Buch von Hans Herren und Benny Haerlin zum zehnjährigen Jubiläum des Weltagrarberichts wird von Biovision und der Zukunftsstiftung Landwirtschaft veröffentlicht.
Quelle: Jubiläumsbroschüre 20 Jahre Zukunftsstiftung Landwirtschaft, S. 4 ff., Auszüge, www.zukunftsstiftung-landwirtschaft.de