Genetisch veränderte Lebensmittelzusatzstoffe sind kennzeichnungspflichtig

Ein Großteil der Verbraucher in Deutschland steht dem Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft nach wie vor skeptisch gegenüber. Das zeigt eine Studie des Bundesumweltministeriums aus dem Jahr 2018. Damit Konsumenten erkennen können, ob bei der Herstellung von Lebensmitteln Gentechnik eingesetzt wurde, ist eine klare Kennzeichnung erforderlich.

Landen gentechnisch veränderte Zutaten oder Bestandteile einer solchen Zutat direkt im Lebensmittel, so muss dies EU-weit eindeutig gekennzeichnet sein. Dennoch kann Gentechnik bei der Herstellung von Lebensmitteln zum Einsatz kommen, ohne dass Verbraucher davon erfahren: Zum Beispiel, wenn Milch von Kühen stammt, die gentechnisch veränderte Futtermittel bekommen haben. Auch wenn diese Milch selbst keine gentechnisch veränderten Bestandteile enthält, wollen viele Verbraucher beim Einkauf erkennen können, ob solche Futtermittel eingesetzt wurden.

GVO im Lebensmittel: immer kennzeichnungspflichtig

Nicht nur Lebensmittel, die selbst ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) sind, müssen gekennzeichnet werden. Auch alle Zutaten, Zusatzstoffe und Vitamine in Lebensmitteln, die direkt aus einem GVO stammen, sind kennzeichnungspflichtig. Dies gilt auch für gentechnisch veränderte Mikroorganismen, wenn diese einem Lebensmittel zugesetzt werden, wie die Milchsäurebakterien im Joghurt.

Laut einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs unterliegen auch neuere Verfahren der Gentechnik wie die „Genschere Crispr-Cas“ der Gentechnik-Verordnung. Bei diesem Verfahren werden keine fremden Gene ins Erbgut eingebaut, sondern das bestehende Erbgut gezielt verändert. Lebensmittel, die mit diesen neuen Verfahren erzeugt wurden, müssen daher ebenso gekennzeichnet werden wie andere gentechnisch veränderte Produkte.

Quelle: https://www.lebensmittelklarheit.de/informationen/gentechnik-lebensmitteln, abgerufen am 24.02.2022

Demeter als Qualitätsführer – Mehr als der kleine Unterschied im Vergleich zu EU-Bio

Verbraucher wollen es ganz genau wissen. Sie fragen: Wie unterscheiden sich Bio-Produkte
mit dem staatlichen Bio-Siegel von Demeter-Lebensmitteln? Demeter-Vorstand Alexander
Gerber erklärt: „Das Bio-Siegel setzt das Mindestmaß fürs Öko-Essen. Demeter-Bauern und
-Hersteller leisten erheblich mehr als die EU-Bio-Verordnung vorschreibt. Das kommt der
Qualität der Lebensmittel ebenso zu Gute wie der Umwelt.“

Wesentliche Pluspunkte sind:
Gesamtbetriebs-Umstellung: Während Brüssel erlaubt, dass einzelne Betriebsteile eines
Bauernhofes auf Bio-Wirtschaft umgestellt und andere konventionell weiter bewirtschaftet
werden, muss bei Demeter grundsätzlich der gesamte Betrieb umgestellt werden. Und zwar
nicht nur, weil Abgrenzung und Kontrolle erschwert werden, sondern aus Überzeugung. Der
gesamte Hof wird als individueller Organismus verstanden. 100 Prozent Bio-Futter sind Pflicht für Demeter-Bauern, mindestens 80 Prozent der
Futterration für die Wiederkäuer und mindestens 50 Prozent des gesamten Tierfutters muss
Demeter-Qualität haben, 50 Prozent muss vom eigenen Hof oder einer Betriebs-Kooperation
stammen.
Obligatorische Tierhaltung: Als einziger Öko-Verband schreibt Demeter für seine
landwirtschaftlichen Betriebe die Tierhaltung vor. Denn Demeter-Bauern halten so viele
Kühe, wie es zu ihrem Land passt (mindestens 0,2 Raufutter-fressende
Großvieheinheiten = Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde pro Hektar). Die Tiere sorgen mit
ihrem Mist exakt für den wertvollen Dünger, der gebraucht wird, um das Land fruchtbar
zu halten.
Demeter-Kühe haben Hörner: Hörner passen nicht in eine Landwirtschaft, die möglichst
viel Ertrag auf möglichst wenig Fläche erzielen will. Statt der Kuh einen Stall zu bauen, der
ihren Bedürfnissen gerecht wird, wird die Kuh auf vielen Höfen kurzerhand dem Stall
angepasst. Heutzutage werden fast alle Kälbchen ein paar Wochen nach der Geburt
enthornt oder kommen durch Züchtung bereits hornlos zur Welt. Kaum zu glauben: Aktuell
sind bereits über 90 Prozent der Kühe in Deutschland ‚oben ohne‘. Nicht bei Demeter: Nur
der älteste Bioverband schreibt in seinen Richtlinien das Halten von Hornkühen vor
Einsatz von Präparaten: Typisch für die biodynamische Landwirtschaft und deshalb in den
Richtlinien entsprechend verankert ist der Einsatz spezieller Präparate aus Heilkräutern,
Mineralien und Kuhdung. Die Landwirte stellen sie selbst her: Aus Baldrian, Kamille,
Eichenrinde, fein zerriebenen Quarzkristallen, Schafgarbe oder einem Kuhhorn. Durch die
Biologisch-Dynamischen Präparate wird der Boden immer lebendiger und fruchtbarer. Seine
Humusschicht wächst, die Pflanzen reifen harmonischer. Demeter-Landwirt*innen geben so
der Natur mehr zurück, als sie ihr nehmen.
Biodynamische Züchtung: Um Qualität von Anfang an zu sichern, bietet die Züchtung von
eigenem Saatgut optimal angepasste Sorten bei Getreide und Gemüse. Kulturpflanzen als
das Jahrtausende alte Erbe unserer Vorfahren züchten Demeter-Bäuerinnen und Bauern
weiter, gestalten besondere Qualitäten bei Inhaltsstoffen und Geschmack im Dialog mit der
Natur und entwickeln so eigenständige Alternativen zur Saatgutzüchtung aus dem Labor. Die
Richtlinien setzen bei Getreide bereits komplett auf diese samenfesten Sorten und lassen
weder Hybriden noch Sorten aus Zellfusionstechnik zu.
Demeter-Produkte stehen für höchste Qualität. Dank handwerklich gekonnter Verarbeitung
ohne Einsatz fragwürdiger Zusatzstoffe bleiben die Lebenskräfte in den wertvollen
biodynamischen Rohstoffen weitestgehend erhalten und werden wo immer möglich in der
Verarbeitung nach Demeter-Richtlinien sogar noch gefördert. Dafür erlaubt Demeter nur
wenige, unbedingt notwendige Zusatz- und Verarbeitungshilfsstoffe.
Quelle: Presseerklärung Demeter e.V.

Ende des Kükentötens

Wir freuen uns, dass die neue Regierung das Kükentöten in diesem Jahr zu einem Ende bringen will. Bisher wurden in Deutschland jährlich fast 45 Millionen männliche Küken in der Legehennenhaltung gleich nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert. Eier legen sie nicht, und sie setzen auch nicht genügend Fleisch an, so dass ihre Aufzucht nicht lohnend ist. Ein Ausweg: das Zweinutzungshuhn – eine Rasse, die genügend Eier legt und auch Fleisch ansetzt.

Mehr Info: https://www.oekotierzucht.de/tiere/zweinutzungshuhn

„Panschen und Tricksen“ Bio-Betriebe?

Die ZEIT-Redakteurin Anne Kunze stellt in ihrem Artikel vom 18. November 2021, DIE ZEIT
No. 47 DOSSIER „Die Bio-Lüge“, das gesamte System der Produktion von ökologischen
Lebensmitteln in Frage und unterstellt ihm Lügen und Kontrollversagen. In der Vorankündigung
zum Artikel spricht sie sogar – noch plakativer – von systematischem „Panschen und Tricksen“
von Bio-Betrieben. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nimmt dazu wie folgt
Stellung.

„Bio-Lebensmittel stehen für ein Versprechen: Sie sollen gesünder sein, die Umwelt schützen
und dem Wohl der Tiere dienen“, beginnt Kunze ihren Artikel. Und in der Tat, dieses
Versprechen erfüllen Bio-Lebensmittel in aller Regel. Dort, wo sie das nicht tun, decken Bio-
Kontrollen Verstöße auf. Aus solchen Kontrollberichten zitiert die Redakteurin einzelne Verstöße
(die also entdeckt wurden!), um daraus ein generelles Kontrollversagen abzuleiten. Zudem
mischt sie Unterstellungen, Einzelmeinungen und ihre subjektiven Erwartungen zu ihrem
Narrativ von der großen „Bio-Lüge“.

50.000 Bio-Betriebe aus Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel grundsätzlich zu
diskreditieren, das ist absolut unangemessen“, sagt Peter Röhrig, geschäftsführender Vorstand
des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Bio ist der am strengsten kontrollierte
Teil der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Röhrig betont: „Wer so engmaschig kontrolliert,
findet Abweichungen, die natürlich auch sanktioniert werden.“ Im Schnitt werden Bio-Betriebe
1,3-mal im Jahr kontrolliert.

„Bio ist der weitgehend gelungene Spagat, produktiv gute Lebensmittel zu erzeugen und
gleichzeitig verantwortungsvoll mit öffentlichen Gütern, wie dem fruchtbaren Boden, der
Artenvielfalt oder der Luft- und Wasserqualität umzugehen“, so Röhrig. Wissenschaft zeigt
immer wieder, dass Bio als System beim Umwelt- und Ressourcenschutz deutliche und
messbare Vorteile bringt. [1] Untersuchungen von Bio-Lebensmitteln bestätigen, dass Bio u.a.
deutlich weniger mit Schadstoffen belastet sind.[2]

Quelle: Stellungnahme des BÖLW zu DIE ZEIT No. 47 DOSSIER „Die Bio-Lüge“ vom
17.11.2021, presse@boelw.de

[1]Die Leistungen des Ökolandbaus für Umwelt und Gesellschaft, siehe
https://www.thuenen.de/de/thema/oekologischer-landbau/die-leistungen-des-oekolandbausfuer-
umwelt-und-gesellschaft/
[2] Ergebnisse der Untersuchung von Bio-Lebensmitteln, Zusammenfassung aus dem Bericht
zum Ökomonitoring 2020, s. https://oekomonitoring.ua-bw.de/aktuelles.html

Die positiven Effekte biodynamischer Landwirtschaft

Liebe Mitglieder,
bei einer Demeter-Tagung im Rudolf Steiner Haus Nürnberg trug Dr. Jürgen Fritz, Lehrer und
Forscher an den Universitäten Bonn und Kassel, Teile seiner Forschungsergebnisse zum Thema
Hornkiesel- und Hornmistpräparate vor. Ich hatte Gelegenheit über die Bedeutung der
kleinbäuerlichen und bio-dynamischen Landwirtschaft zu sprechen. Iris Leonhardt und Juri
Sinitson von Demeter Bayern haben im Rundbrief Nr. 152, Sept. 2021, eine Zusammenfassung
veröffentlicht, die ich hier auszugsweise und teilweise überarbeitet wiedergebe.

Mit biodynamischen Präparaten – Demeter-Qualität erfahrbar machen

Da die Anwendung der biodynamischen Präparate häufig hinterfragt wird, ging Dr. Jürgen Fritz
in seinen Ausführungen folgenden Fragen nach: Wirken die Präparate? Warum wirken sie?
Ergebnis: Am meisten Effekt erzielt man, wenn die beiden Präparate Hornmist (Präparat 500)
und Hornkiesel (Präparat 501) verwendet werden. Während Hornmist die Qualität der Erde
beträchtlich fördert, steigert Hornkiesel die Immunität und die Vitalität der Pflanzen. Nicht
selten wurde in den Versuchen auch eine deutliche Steigerung des Ertrags festgestellt. Die
Verbesserung der Qualität der Erde sieht man u.a. daran, dass die Erde krümeliger und mehr
durchwurzelt ist und die Früchte von besserer Qualität sind.
Dr. Fritz ging auch auf die Zusammensetzung von Mikroorganismen anhand von
Vernetzungsdiagrammen ein. Dabei wurden die Diagramme für einen natürlichen Wald, einen
konventionell bewirtschafteten Acker, einen Bio-Acker und einen biodynamischen Acker, der
mit den o.g. Präparaten behandelt war, verglichen. Die Diagramme für einen biodynamischen
Acker und den natürlichen Wald zeigten, dass die Mikroorganismen deutlich mehr Symbiosen
haben und dadurch das ganze System lebendiger und robuster machen. Beim konventionellen
Acker war das Gegenteil der Fall.

Agrarindustrie vs. kleinbäuerliche Betriebe im globalen Süden

Wolfgang Ritter entkräftet den Mythos der Agrarindustrie, dass sie die Lösung für die
wachsende Bevölkerung biete. Anhand vieler Beispiele aus Afrika, Nahost, Australien und
Kanada zeigt er, dass kleinbäuerliche Betriebe die Zukunft sind, wenn sie biologische oder
biodynamische (bd) Landbaumethoden einsetzen. Er spricht über das „Geheimnis“ bd-
Landwirtschaft, die Präparate 500 und 501, und zeigt in seinem Dia-Vortrag, wie man mit
ihnen auch dort gute Erträge erwirtschaftet, wo nicht genügend Tiermist als Stickstoffspender
zur Verfügung steht.
Den Agrar-Konzernen geht es nicht um das Wohl kleinbäuerlicher Betriebe in den
Entwicklungsländern, in denen die Bevölkerung ständig wächst und mit ihr der Hunger. Sie
bringen ihre Kunden in ihre Abhängigkeit. Aus ihrem Saatgut wachsen meist nur Pflanzen, aus
denen der Kleinbauer kein eigenes Saatgut gewinnen kann. Er muss es jedes Jahr erneut
kaufen. Ihr Saatgut verlangt meist künstlichen Dünger und Pestizide, die sich Kleinbauern gar
nicht leisten können. Manche Kleinbauern des globalen Südens besitzen noch die
Samensorten, die an die örtlichen Bedingungen angepasst sind. Sie verwenden Kompost, der
durch Verrottung von Viehmist und Pflanzresten entsteht. Kleinbauern des globalen Südens
versorgen zu einem großen Teil ihre Region, belasten die Umwelt geringer, verbrauchen
weniger Wasser, spielen auch eine große Rolle für die Erhaltung dezentraler Saatgutbanken.

Ertragsunterschiede im globalen Norden und Süden

Experten hatten in weltweiten und jahrelangen Vergleichsstudien festgestellt: In den
gemäßigten Ländern ist der Ertrag, den man durch biologische bzw. biodynamische
Landwirtschaft erzielt, etwa gleich dem der konventionellen Landwirtschaft. In vielen Ländern
des globalen Südens aber ist die Bio-Landwirtschaft überlegen. Daher empfahlen die
Wissenschaftler mit dem Weltagrarbericht von 2008 eine Abkehr von der agrar-industriellen
Landwirtschaft und eine Förderung der biologischen, kleinbäuerlichen Landbaumethoden.

Mit herzlichen Grüßen und allen guten Wünschen für das neue Jahr
Ihr Wolfgang Ritter