Tiere landen im Müll und im Bio-Kraftstoff

Bericht von Wolfgang Ritter

In Deutschland sterben jährlich 100 Millionen Zuchttiere, ohne dass ihr Fleisch verzehrt wird. Darunter fallen 200.000 männliche Kälber aus Milchtierrassen, 45 Millionen  männliche Küken aus eierlegenden Rassen, weil sich die Aufzucht wegen des geringen Fleischansatzes nicht lohnt. Auf Hochleistung gezüchtete Rassen und schlechte Haltungsbedingungen führen zu vielen Todesfällen vor Schlachtreife der Tiere. Bei Schweinen sind es 8,6 Millionen Tiere, bei Rindern etwa 580.000.  Etwa 4–11 Prozent des gekauften Fleisches landet im Müll. Umgerechnet auf ganze Tiereinheiten sind das alleine in Privathaushalten pro Jahr in Deutschland 640.000 Schweine, 450.000 Puten, 360.000 Enten, 50.000 Rinder und 8,9 Millionen Hühner. Tierische Nebenprodukte, die nicht zum menschlichen Verzehr geeignet sind, wie Knochen, einige Organe, Klauen und Krallen, werden zu Haustier- und Fischfutter verarbeitet, in der Chemie- und Düngemittelindustrie verwertet oder als Bio-Kraftstoff in den Tank gefüllt.

Quelle: Nürnberger Nachrichten vom 6. Juli 2021

Bio-Kraftstoff hat nichts mit „Bio“ zu tun

Zur Klarstellung: Bio-Kraftstoff besteht aus nachwachsenden Rohstoffen pflanzlicher und tierischer Art. Er hat nichts mit „Bio“ zu tun, in dem Sinne, wie wir das Wort verwenden. Die Pflanzen werden in monokultureller Anbauweise unter Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden angebaut. Sie reduzieren die Flächen für Nahrungspflanzenanbau, ihr Anbau belastet die Umwelt und gefährdet in Entwicklungsländern die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung.

Die Tiere werden in tierquälerischer Massentierhaltung und unter hohem Einsatz von Kraftfutter und Antibiotika gemästet. Viel Kraftfutter für die Mäster in Deutschland kommt aus ärmeren Ländern in Übersee und bedeutet ebenfalls riesigen Flächenverbrauch, der die Nahrungsmittelversorgung dort gefährdet. Die weiten Transporte belastet die Umwelt in erheblichem Maße. Der hohe Antibiotika-Einsatz überträgt sich durch Fleischkonsum auf den Menschen. Dadurch sind von Ärzten in Notfällen eingesetzte Antibiotika in zunehmendem Maße unwirksam.

Interview mit Johannes Ehrnsperger, Chef der Neumarkter Lammsbräu

Die Neumarkter Lammsbräu pflegt mit dem Bio-Verbraucher e.V. seit dessen Gründung im Jahr 2004 eine ausgezeichnete Zusammenarbeit. Für viele Veranstaltungen des Vereins sponsert die Firma Getränke aus ihrem Lieferprogramm. Die Fragen stellte Wolfgang Ritter, Vorstandsvorsitzender des Bio-Verbraucher e.V., im Rahmen der eBioFach 2021.

Herr Ehrnsperger, Sie pflegen in Ihrem Unternehmen eine mitarbeiterorientierte Personalpolitik. Dafür wurden Sie mit dem Felix Burda Award und von Great Place to Work als einer der besten Arbeitgeber Bayerns ausgezeichnet. Wie sieht eine mitarbeiterorientierte Personalpolitik aus?

Einer der Unternehmenswerte der Neumarkter Lammsbräu ist der Wert „fürsorglich“. Von diesem Anspruch als fürsorglicher Arbeitgeber ist das Miteinander bei der Neumarkter Lammsbräu geprägt. Das bedeutet für uns, jeden als Menschen zu sehen und wertzuschätzen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von der „Lammsbräu-Familie“. Die Fürsorge und Verantwortung hört dabei für uns nicht an der Firmenpforte auf, sondern reicht auch bis in die Familien unserer Mitarbeiter/innen hinein. Neben unserem umfangreichen betrieblichen Gesundheitsmanagement haben wir beispielsweise auch für jede/n unserer Mitarbeiter/innen eine Unfallversicherung abgeschlossen, damit sie im Privaten ähnlich gut abgesichert sind wie im Beruf.

Neben der gesundheitlichen Fürsorge versuchen wir auch unsere Mitarbeiter/innen in ihrer jeweiligen Lebensphase ideal zu unterstützen, z. B. durch Unterstützung junger Familien bei der Kinderbetreuung oder bei der Vorbereitung des Renteneintritts für ältere Mitarbeiter, worauf wir in diesem Jahr besonders den Fokus legen. Um die individuellen Bedürfnisse unserer Mitarbeiter für diese Unterstützungen zu kennen, finden regelmäßige Feedback-Gespräche statt, die auch die persönliche Weiterentwicklung unserer Mitarbeitenden zum Ziel haben.

Sie unterstützen durch Ihren Betrieb eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Welche Argumente könnten Sie anführen, um konventionell arbeitende Bauern und verarbeitende Betriebe zur Umstellung zu bewegen?

Die konventionelle Landwirtschaft wird derzeit häufig zum Buhmann der Nation auserkoren. Dabei trifft die einzelnen Landwirte meiner Ansicht nach tatsächlich nur wenig Schuld. Über Jahrzehnte hinweg wurde Ihnen von der vorgelagerten Agro-Industrie eingetrichtert, dass die Menschheit nur mit Hilfe chemisch-synthetischer Dünge- und Spritzmittel ernährbar sei und die Landwirte zugleich mehr wirtschaftlichen Ertrag und damit Unabhängigkeit erzielen könnten.

Genau das Gegenteil ist der Fall: Die Abhängigkeit der Landwirtschaft von Agro-Chemie-Konzernen ist teils enorm, die Böden intensiv bewirtschafteter Flächen sind ausgezehrt und Rückstände von Dünge- und Spritzmitteln finden sich teils in erheblichem Ausmaß in unserem Grundwasser. Das alles nur, um unsere Lebensmittel hier in Deutschland so billig wie nur möglich zu produzieren. Den „wahren Preis“ dafür bezahlen andere bzw. er fällt an anderer Stelle an, durch z. B. erhöhte Kosten für die Wasseraufbereitung.

Das ist keine Wertschätzung, weder für unsere „Lebens-Mittel“ noch für diejenigen, die mit deren Erzeugung zu tun haben. Eine Strategie, die auch noch unseren Enkeln und deren Kindern eine lebenswerte Erde ermöglicht muss anders aussehen. Und dabei spielt der ökologische Landbau eine entscheidende Rolle.

Gesunde und humusreiche Böden sind das wichtigste Kapital eines jeden Öko-Landwirts und gleichzeitig die Grundlage für gesunde Pflanzen und damit gesunde Lebensmittel. Durch die mit dem Ökolandbau verbundene extensive Bodenbewirtschaftung werden aktiv Wasser, Klima, Artenvielfalt und Umwelt geschützt. So werden unser aller Lebensgrundlagen bewahrt und den Öko-Landwirten wird die Souveränität und Wertschätzung zurückgegeben, die sie als Stütze und „Ernährer“ unserer Gesellschaft verdient haben.

Was ist Ihnen in Bezug auf eine gerechtere und grünere Zukunft besonders wichtig?

Mir ist besonders wichtig, dass den Menschen bewusster wird, wie wichtig es ist, auf welche Art und Weise unsere „Mittel zum Leben“ hergestellt werden und dass jeder von uns täglich mit seinem Konsum das Heft des Handelns in der Hand hält, ob die Welt für unsere Enkel in Zukunft noch lebenswert sein wird oder nicht. Durch die Corona-Pandemie ist dieses Bewusstsein durchaus angestiegen, es gibt aber noch viel zu tun.

Neuerscheinung „The Great Reset“

Neuerscheinung: Klaus Schwab und Thierry Malleret „The Great Reset“, deutscher Titel  „Covid-19: Der große Umbruch“,  ISBN 978-2-940631-19-3, 2020

Zusammenfassung auf einer Seite durch Wolfgang Ritter, Januar 2021

 

1 Makro-Umbruch

Die Pandemie bietet die Chance, die Volkswirtschaft in eine gerechtere, grüne Zukunft zu führen. Geht die Tyrannei des ständigen BIP-Wachstums zu Ende? Werden andere Kommunen und Länder dem Beispiel Amsterdams folgen? Die Stadt hat sich verpflichtet, nach der Pandemie die Wirtschaft auf einem Niveau zu halten, das die Bedürfnisse deckt, aber auch die planetarischen Grenzen achtet (Doughnut-Vorstellung: innerer Ring = notwendige Produktion zur Deckung der Bedürfnisse, äußerer Ring = mögliche Produktion unter Beachtung der ökologischen Grenzen). Grüne Wirtschaft bedeutet z. B. umweltfreundliche Energien, Kreislaufwirtschaft, Ökotourismus, längere Nutzungsdauer, Reparatur, Recycling, Degrowth, Downscaling. Die Pandemie bedeutet wahrscheinlich den Tod des Neo-Liberalismus, eine Umverteilung von Reich zu Arm, Abnahme des BIP um 20–30 Prozent, Anstieg der Arbeitslosigkeit um 20–30 Prozent, soziale Unruhen, zerstörerisches Handeln. Wohlfahrtsstaaten werden sich an die Herausforderungen von heute anpassen müssen und einen faireren Gesellschaftsvertrag zu erarbeiten haben. Für alle Staaten gilt: 1. einen breiteren Zugang zu Sozialhilfe, Sozialversicherung, Gesundheitsversorgung und hochwertiger Grundversorgung zu ermöglichen und 2. für einen besseren Arbeitnehmerschutz zu sorgen. Die beiden bedeutendsten Umweltrisiken sind Klimawandel und Zusammenbruch des Ökosystems. Ein Neustart bringt klimapolitisch nur etwas, wenn wir Gewohnheiten ändern, z. B. mehr Homeoffice statt Pendeln, mehr Rad fahren und zu Fuß gehen, mehr Urlaub in der Nähe. Staaten dürfen nicht durch Wirtschaftsförderung aufholen wollen, was an Produktion versäumt wurde, sondern müssen, wenn überhaupt, neue, umweltfreundliche Produktionsmethoden unterstützen. Maßnahmen wie Green Deal, Green Recovery, Green New Deal müssen konsequent umgesetzt werden. Kurzfristig könnte der Einsatz von 250 Mrd. Dollar an Fördermitteln 37 Millionen umweltfreundliche Arbeitsplätze schaffen.

 

2 Mikro-Umbruch

Umwelt-, Sozial- und Governance (ESG)-Kriterien werden für eine nachhaltige Wertschöpfung im Stakeholder-Kapitalismus immer relevanter werden. (Stakeholder-Kapitalismus berücksichtigt alle am Wertschöpfungsprozess Beteiligten.) Eine Ausrichtung nur auf Gewinnmaximierung, um die Kapitalgeber zu befriedigen, wird künftig von Verbrauchern, Mitarbeitern und Aktivisten zunehmend bestraft werden. Bildung und andere Branchen werden teilweise virtuell werden. Homeoffice und Resilienz (das Durchstehen von Krisensituationen) wird zum „Muss“. Big Tech, Gesundheit und Wellness sind Branchen, die durch den Covid-19-Schock begünstigt wurden. Banken, Versicherungen und der Automobilbereich müssen größere Resilienz aufbauen. Die Reisebranche, der Flugzeugbau, die Autovermieter, das Hotel- und Gaststättengewerbe wurden hart getroffen. Themen, wie Luftverschmutzung, Wassermanagement, Wahrung der Artenvielfalt werden an erster Stelle stehen. „Sauber“ zu produzieren wird das Gebot der Industrie sein, weil es der Verbraucher erzwingen wird. „In der Welt nach Corona werden präzise Informationen über unsere CO2-Fußabdrücke, unsere Auswirkungen auf die Biodiversität, die Toxizität aller Inhaltsstoffe, die wir konsumieren, und die Umgebungen oder räumlichen Kontexte, in denen wir uns bewegen, bedeutende Fortschritte unseres Bewusstseins für das kollektive und individuelle Wohlbefinden bewirken. Die Industrie wird dies zur Kenntnis nehmen müssen.“ (S. 244) Der Energiesektor zeigt sich in der Krise resilient, kann nach der Krise die Energiewende beschleunigen. Eine fortschrittliche Energie-Infrastruktur hat das Potential den wirtschaftlichen Aufschwung zu unterstützen und die Resilienz zu erhöhen.

 

3 Persönlicher Neustart

Wird in Zukunft mehr auf das Gemeinwohl geachtet? Wird die Preistreiberei für notwendige Güter aufhören? Werden wir die Engel in uns ans Licht holen? Wir haben keine andere Wahl! Introspektion, Selbstreflexion, Fragen, wie „Was zählt wirklich? Was wollen wir als Individuum und als Gesellschaft?“ werden zu einer Prioritätenverschiebung, zu neuen Formen der individuellen und gesellschaftlichen Organisation führen. Wir werden in den nächsten Jahren eine Explosion der Kreativität, auch von Start-ups erleben. Wir werden uns der Folgen unserer Entscheidungen und Gewohnheiten stärker bewusst werden. Werden wir beschließen, unseren Konsum zu reduzieren oder „Rachekonsum“ (Rückkehr zum Konsum vor der Pandemie) üben? Auffälliger Konsum könnte in Ungnade fallen,  von nicht mehr angesagt bis obszön. Die Japaner pflegen seit dem Platzen einer Spekulationsblase in den späten 1980er Jahren einen genügsamen Lebensstil. Die Natur wird während der Pandemie als essentiell für das Wohlbefinden erfahren. Das könnte dazu führen, sie erhalten zu wollen, umweltschonend zu produzieren und zu konsumieren. Bewegung, Natur, unverarbeitete Nahrungsmittel stärken das Immunsystem, hemmen Entzündungen. Der Trend scheint klar: weniger Umweltzerstörung, mehr Nachhaltigkeit.

Bio-Waschsalon in Nürnberg eröffnet

„Lavendel  Waschen – natürlich & umweltfreundlich“, so heißt der neue Bio-Waschsalon von Marilena Pal. Wir haben sie in ihrem  kürzlich eröffneten Unternehmen in Nürnberg-Johannis, Johannisstraße / Ecke Amalienstraße besucht. Vorher war hier eine Apotheke untergebracht, so ist genug Platz für einen relativ großen Verkaufsraum, in dem Sonett-Reinigungsmittel  angeboten werden. Viele Gebinde kann man immer wieder nachfüllen nach dem Motto „Recycling ist gut, Wiederverwenden ist besser!“. Im Nebenraum wird derzeit eine Wäscherei eingerichtet, in der auch gebügelt und gemangelt wird.

Die Wäscherei startet mit einem Hemden- und Blusen-Service: Waschen und Bügeln pro Hemd oder Bluse für 1,99 Euro. Auf alle Sonett-Produkte gibt es bis zum 30. Juni 2020 einen Einführungs-Rabatt von 10 Prozent.

Das Besondere an den Sonett-Produkten: Sie  sind zu 100 % abbaubar. Das Besondere an der Eigentümerin: Sie arbeitet mit Herz und Verstand.

Kontakt: „Lavendel  Waschen – natürlich & umweltfreundlich“, Marilena Pal, Johannisstr. 107, 90419 Nürnberg, Tel. 0152/ 2991 8053, Bestellungen per Internet: https://lavendel.waschen.jetzt, Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag 16 – 20.00 Uhr, Samstag 10 – 16.00 Uhr

Wir brauchen Deine Unterstützung – jetzt!

Machst Du Dir Gedanken über die Zukunft? Lebst Du bewusst? Möchtest Du Dich gesund und frei von Gentechnik ernähren? Liebst Du Bio? Forderst Du artgerechte Tierhaltung? Kaufst Du gerne regional und fair ein? Bei uns findest Du Gleichgesinnte. Wir vertreten Deine Interessen. Lerne über uns Bio-Erzeuger, Bio-Händler und Bio-Dienstleister kennen, die so denken wie Du. Schließe Dich uns an, sei ein Teil der Zukunft, die schon begonnen hat. Durch uns hast Du eine Stimme!

Jahresbeitrag nur 12 Euro (Fördermitglied) bzw. 24 Euro (ordentliches Mitglied mit Stimmberechtigung) Euro. Hier kannst Du Mitglied werden.

Was wir leisten:
• Wir beraten Privathaushalte und Großküchen (Kita, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime)
• Wir laden ein zu Vorträgen, gemeinsamem Kochen und Besuchen bei Bio-Erzeugern
• Wir vertreten deine Interessen gegenüber Politikern
• Wir bieten bei unserer jährlichen Mitgliederversammlung ein Bio-Menü, Bio-Proben und Kontakt zu Bio-Erzeugern, -Dienstleistern und –Händlern
• Wir helfen bei Ernährungsumstellungen, Bio-Einkäufen und beim Kochen oder Bio-Essen-Gehen

Unter netz.bio und sei.bio findest Du:
• Bio-Adressen (Bio-Verkäufer, Bio-Dienstleister mit Angebot und Verkaufszeiten)
• Info-Brief (Wissenswertes aus der Bio-Welt) mit interessanten aktuellen Berichten
• Bio-Erlebnistage, Hoffeste, Reisen, Angebote und Gesuche
• mehr über uns/ Beitrittserklärungen

Noch mehr gute Gründe für unsere Arbeit:

• Warum Bio-Beratung? Viele Haushalte und Einrichtungen bedürfen der Beratung, wenn der Gedanke zu nachhaltigerem Konsum aufkommt.
• Warum Vernetzung von allen am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten (Erzeugern, Händlern, Dienstleistern, Verbrauchern)? Wir wollen die Anonymität des Marktes ein Stück weit durchbrechen. Bewusste Verbraucher kennen gerne ihre Lieferanten. Und manche Unternehmer auch gerne ihre Abnehmer.
• Warum Lobby-Arbeit? Politiker handeln oft im Sinne großer Konzerne und deren Interessen. Die sind oft konträr zu denen der Verbraucher und zu einer nachhaltigen Land- und Viehwirtschaft. Wir sagen Politikern, was wir wollen und was wir nicht wollen. Und arbeiten auf diesem Felde zusammen mit gleichgesinnten Organisationen.

 

Stimmen für die Umwelt

Am 15. März sind in Bayern Kommunalwahlen. Um in puncto Bio und Nachhaltigkeit etwas zu bewegen, lohnt es sich, sich mit den Programmen der jeweiligen Kandidaten und Parteien auseinanderzusetzen.

Neben den Medien informieren lokale Infoveranstaltungen, wie hier im Literaturhaus in Nürnberg. Dort ging es am 18. Februar ganz konkret um das Thema Umwelt. Vertreter unterschiedlichster Parteien standen Rede und Antwort. Geladen hatten der Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) und der BUND Naturschutz Kreisgruppe Nürnberg.

Immer wieder stolpern Menschen auch über Hürden im Wahlsystem, verschenken Stimmen oder machen ihren Wahlzettel unabsichtlich ungültig. Wie es geht, erläutert dieser interessante Clip:

https://www.youtube.com/watch?v=zaL5ttLIZa4

Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft

Ergebnisse einer umfangreichen Studie (Ausschnitte)

Warum wurde die Studie durchgeführt?
Der ökologische Landbau gilt als ein nachhaltiges Landnutzungssystem und wird deshalb in besonderer Weise politisch unterstützt. Obwohl die Zusammenhänge zwischen der ökologischen Wirtschaftsweise und der Erbringung gesellschaftlich relevanter Umweltleistungen auf eine zunehmend breitere Anerkennung stoßen, werden die Potenziale des ökologischen Landbaus zur Bewältigung der umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderungen unserer Zeit in Politik und Wissenschaft weiterhin unterschiedlich bewertet. Vor diesem Hintergrund war es das Ziel des Forschungsprojektes Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft, gesellschaftlichen Leistungen des ökologischen Landbaus in den Bereichen Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaschutz, Klimaanpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl auf der Grundlage einer umfassenden Analyse wissenschaftlicher Veröffentlichungen zu bewerten.

Welche Institutionen waren beteiligt?
An dem interdisziplinären Verbundprojekt waren folgenden Institutionen beteiligt: Thünen-Institut, Universität Kassel, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Justus-Liebig Universität Gießen, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Technische Universität München, Zentrum für angewandte Forschung und Technologie an der HTW Dresden. Die Koordination des Projektes lag beim Thünen-Institut (J. Sanders) und der Universität Kassel (J. Heß).

Was sind die zentralen Ergebnisse?
Die Auswertung der wissenschaftlichen Literatur ergab über alle Indikatoren hinweg, dass die ökologische Bewirtschaftung gegenüber der konventionellen Variante im Bereich des Umwelt- und Ressourcenschutzes bei 58 % der analysierten Vergleichspaare Vorteile aufwies. Bei 28 % konnten keine Unterschiede festgestellt werden, bei 14 % der Vergleichspaare war die konventionelle Variante vorteilhafter. Eine höhere gesellschaftliche Leistung durch ökologischen Landbau wurde insbesondere in den Bereichen Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaanpassung und Ressourceneffizienz festgestellt. Beim Klimaschutz hängt die Vorzüglichkeit des ökologischen Landbaus von der Betrachtungsebene (Emissionen pro Hektar / pro Tonne) ab.

Unter Berücksichtigung der quantitativen Auswertung der Ergebnisse der herangezogenen Studien sowie der qualitativen Auswertung der Literatur und der Produktionsvorschriften weisen 26 Leistungsindikatoren auf höhere Leistungen durch ökologischen Landbau hin. Bei 6 Indikatoren ist von vergleichbaren Leistungen auszugehen und bei einem Indikator von einer niedrigeren.

Die Unterschiede zwischen der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft im Bereich des Umwelt- und Ressourcenschutzes sowie des Tierwohls ergeben sich insbesondere durch den im ökologischen Landbau verfolgten Systemansatz, den daraus resultierenden Synergiewirkungen und der verminderten Produktionsintensität. Ferner ist zu berücksichtigen, dass eine ökologische Bewirtschaftung verschiedene Umweltbelastungen gleichzeitig reduzieren kann und folglich auch die aggregierte Wirkung bei der Bewertung des ökologischen Landbaus eine wichtige Rolle spielen sollte. Es ist deshalb zu schlussfolgern, dass der ökologische Landbau einen relevanten Beitrag zur Lösung der umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderungen dieser Zeit leisten kann und zu Recht als eine Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Landnutzung gilt.

Quelle: https://www.thuenen.de/media/ti/Infothek/Presse/Pressemitteilungen/2019/2019-01-21/190121_OEkolandbau_Auf-den-Punkt-gebracht.pdf

EU-Agrarpolitik nach 2020: Geld mit Gemeinwohlleistungen verdienen, anstatt durch Landbesitz

Liebe Leserinnen und Leser,

der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) berät das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Deutschland. Die 19 unabhängigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler machen in ihrer jüngsten Stellungnahme deutlich, dass das Steuergeld Umwelt-, Klima- und Tierschutz statt Flächenbesitz belohnen muss und zeigen auf, wie das umgesetzt werden kann.

Mit jährlich 60 Mrd. € bestimmt die EU-Agrarpolitik (GAP), welche Landwirtschaft sich in Europa lohnt. Alle sieben Jahre wird die GAP reformiert, derzeit verhandeln Mitgliedsstaaten und EU-Parlament über die Agrarförderung nach 2020. Eine Forsa-Umfrage zeigt: Zwei Drittel der Landwirte wünschen sich eine andere EU-Agrarpolitik. Aktuell durchkreuzt die EU mit der EU-Agrarpolitik ihre eigenen Ziele, zu denen sich die Staatengemeinschaft mit Blick auf das Klima, die Umwelt, Artenvielfalt oder lebendige Dörfer verpflichtet haben.

Was entscheidend ist für eine zukunftsfähige GAP:

1. Statt 70 % Pauschalzahlungen nach Fläche brauchen wir 70 % der gesamten EU-Fördermittel für die Honorierung von freiwilligen Leistungen für den Umwelt-, Klima- und Tierschutz.
2. Verbindliche Umwelt-, Klima- und Tierschutzziele für alle Mitgliedsstaaten sind nötig, um einen Dumpingwettbewerb zu verhindern.
3. Ein großer Teil der Direktzahlungen der ersten Säule müssen für freiwillige Umweltmaßnahmen (Ecoscheme) genutzt werden.
4. Mittel aus der ersten Säule müssen in die finanziell geschwächte zweite Säule umgeschichtet werden, um dort Agrarumweltmaßnahmen, den ökologischen Landbau und Maßnahmen zur flächengebundenen artgerechten Tierhaltung finanzieren zu können.
5. Die Vorgaben für die künftige Investitionsförderung für Stallbauten müssen sich an den baulichen Vorgaben der EU-Öko-Verordnung orientieren. Nur so kann für konventionell wirtschaftende Betriebe sichergestellt werden, dass sie später auf ökologischen Landbau umstellen können.

Nach Übergabe der Empfehlungen des WBAE an das BMEL kommentiert Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW):

„Es besteht ein sehr hoher Veränderungsdruck in Landwirtschaft und Gesellschaft, da können wir uns keine unwirksamen teuren Politikmaßnahmen mehr leisten. Die Wissenschaftler stellen erneut fest, dass die bisherige GAP keinen hinreichenden Beitrag zur Reduzierung von Umweltbelastungen leistet. Das ist Rückenwind für Bundesministerin Klöckner durch ihren wissenschaftlichen Beirat, wenn sie eine ambitionierte Agrarpolitik für mehr Umwelt-, Klima- und Tierschutz in Brüssel einfordern will.“
Quelle: BÖLW-PM vom 17.07.2019: Die Gemeinsame Agrarpolitik kann jetzt zu einem Veränderungsmotor werden!

Wie der BÖLW begrüßt auch der Bio-Verbraucher e.V. die Empfehlungen des WBAE und drängt Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner, sie als Richtschnur für ihre Verhandlungen in Brüssel einzusetzen, um die kleinbäuerliche Bio-Landwirtschaft in Europa bei ihren Maßnahmen für Umwelt-, Klima- und Tierschutz angemessen zu unterstützen.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Mikroplastik – die unsichtbare Gefahr für unsere Umwelt

Unsichtbar, umweltschädlich und weitgehend unerforscht – Mikroplastik hat in der jüngsten Vergangenheit zunehmend für Schlagzeiten gesorgt. Bewusste Verbraucher sind verwirrt und fragen sich: wie kann Mikroplastik vermieden bzw. zunächst überhaupt als solches erkannt werden?

Warum ist Plastik generell problematisch?
Plastik ist aus folgenden Gründen problematisch: erstens, werden die meisten synthetischen Kunststoffe aus Erdöl hergestellt, welches ein nicht nachwachsender Rohstoff ist. Zweitens, sind diese nicht biologisch abbaubar, d.h. sie sind auch nach Jahrhunderten noch nachweisbar. Drittens, wird Plastik oft mit Zusatzstoffen, wie Weichmachern, Stabilisatoren oder Flammschutzmitteln versetzt, um dem Material bestimmte Eigenschaften zu geben.

Was ist Mikroplastik?
Wie bereits der Name impliziert, handelt es sich bei Mikroplastik um mikroskopisch kleine Kunststoffpartikel. Der BUND definiert Mikroplastik als „feste und unlösliche synthetische Polymere (Kunststoffe), die kleiner als fünf Millimeter sind“. Diese sind mit dem bloßen Auge gerade noch erkennbar. Dabei unterscheidet man zwischen primärem Mikroplastik, welches sogenannte Basispellets, das Grundmaterial zur Plastikproduktion (z.B. von Zahnpasta), sowie Fasern (z.B. Fleece in Kleidungsstücken) umfasst. Sekundäres Mikroplastik hingegen entsteht durch die Zersetzung oder den Zerfall von Makroplastikteilen, d.h. größeren Kunststoffteilen, beispielsweise durch Sonne oder Wasser.

Welche Auswirkungen hat (Mikro-)Plastik auf Mensch und Tier?
Die oben erwähnten Zusatzstoffe, wie z.B. Weichmacher (Phthalate), können ausdünsten oder auf andere Materialien, wie z.B. Öle, übergehen. Folglich gelangen sie in die Umwelt und somit auch in den menschlichen Körper. Unter anderem gibt es bereits jetzt eindeutige Hinweise darauf, dass Weichmacher mit Diabeteserkrankungen oder ADHS in Verbindung stehen. Aber nicht nur für den Menschen, auch für die Tierwelt ist Plastik nicht nur schädlich, sondern gar lebensbedrohend. Beispielsweise nehmen Fische und Meeresvögel Mikroplastik mit der Nahrung auf und sterben daran. Weiterhin können sich biologisch schwer abbaubare organische Schadstoffe (z.B. das als krebserregend geltende DDT) aus dem umgebenden Wasser in hoher Konzentration an Mikroplastikpartikel binden und in die Nahrungskette gelangen.

Wo kommen die kleinen Partikel vor?
Während herkömmliches Plastik relativ einfach als solches erkannt, und als Konsequenz gegebenenfalls gemieden werden kann, ist dies bei Mikroplastik nicht so leicht: zum einen aufgrund der Größe der Partikel, zum anderen aufgrund der mangelnden Transparenz in Bezug auf die Kennzeichnung der Produkte. Mikroplastik ist zunächst in ganz alltäglichen Pflegeprodukten, wie Zahnpasta, Duschgele, Sonnencreme, sowie vielen weiteren Kosmetika enthalten. Außerdem ist Mikroplastik in Kleidung, wie Fleecejacken und Sportbekleidung, sowie generell Kleidung aus synthetischen Fasern (wie z.B. Polyester oder Polyacryl) zu finden.

Wie gelangt Mikroplastik in Gewässer?
Das Mikroplastik aus Kosmetikprodukten gelangt ungehindert ins Abwasser, während synthetische Kleidung bei jedem Waschgang Kunststoffpartikel abgibt, die dann ebenfalls ins Abwasser gelangen. Leider ist es den Kläranlagen nicht möglich, Mikroplastik vollständig aus dem Abwasser herauszufiltern: ein Teil wird im Klärschlamm zurückgehalten, der Rest gelangt in Meere und Flüsse.

Welche alternativen Stoffe gibt es?
Während bei der Kosmetikherstellung relativ leicht auf Mikroplastik verzichtet werden kann, ist die Sache bei Bekleidung etwas schwieriger. Aber auch hier existieren bereits Alternativen: So findet Tencel in Bekleidung zunehmend Verwendung. Laut VAUDE weist die zu 100 % aus nachhaltig gewonnenem Eukalyptus- und Buchenholz hergestellte Faser nicht nur hervorragende Funktionseigenschaften auf, sondern ist zudem vollständig biologisch abbaubar. So konnte das Unternehmen bereits alternatives Fleece-Material entwickeln.

Was kann der Verbraucher tun?
Viele Hersteller – auch von konventionellen Kosmetikprodukten – verzichten bereits auf Mikroplastik. Sicher kann der Verbraucher bei zertifizierter Naturkosmetik sein, die ohne Mikroplastik auskommt. Einen Einkaufsratgeber für Kosmetikprodukte stellt beispielsweise der BUND auf seiner Homepage (www.bund.net, „Mikroplastik – Die unsichtbare Gefahr“) zum Download zur Verfügung. Außerdem informiert die Internet-Plattform Utopia regelmäßig über das Thema (z.B. www.utopia.de/ratgeber/mikroplastik-kosmetik-produkte/) und zeigt konkrete Alternativen zu Produkten mit Mikroplastik auf.

Bericht von Daniela Mayr

Quellen: www.bund.net, www.umweltbundesamt.de, www.nabu.de, www.vaude.de, www.textilemission.bsi-sport.de, www.aerzteblatt.de, www.aerztezeitung.de