Brauereibesichtigung

Weinprobe in Dresden

Das hatte ich nicht gewusst: In Karl Mays Heimat, Radebeul, wächst Wein.  Laut Flaschenetikett des Weingutes Hoflößnitz seit 1401. Wir haben eine Flasche Spätburgunder, Radebeuler Steinrücken, Jahrgang 2015, in einem Dresdener Bio-Fachmarkt gekauft und in der WG von Thomas Ritter verkostet. Das heißt, die Flasche war anschließend leer.

Die Beschreibung konnte man nachvollziehen: feine Erdbeernote, schmeichelnde Barriquetöne. Das hätte man einem „Sachsen“ nicht zugetraut. Frankenurteil: Da kann man fei nix sagen.

Kontakt:  www.hofloessnitz.de

Backseminar in Lundo/Gardasee/Italien

Fr-So, 14.-16. Juli:: Thema: Innovativ Backen – Was zeichnet ein gutes Brot aus, wie kann man es erzeugen? Wir backen in einem Holzbackofen mit Backferment, Sauerteig und Lievito Madre ohne Zusatz von Backhefe Brote, Pizza, Foccacia und Brötchen. Einführungsvortrag von Heinz Grill; Info und Anmeldung: Monika Lepold, +49. (0)6171. 635 680, +49. (0)152.2958 9410, www.backferment.de, www.backnatur.de

Gemeinsam stoppen wir das Superackergift Glyphosat

Glyphosat ist das weltweit und auch hierzulande am häufigsten eingesetzte Pestizid: Über 4000 Tonnen davon wurden 2021 allein in Deutschland verkauft. Der Unkrautvernichter wird in der Landwirtschaft, auf kommunalen Flächen und sogar in Privatgärten verwendet. Doch der
massenhafte Einsatz von Glyphosat ist alles andere als unproblematisch: Das Ackergift wurde von der internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend eingestuft und gefährdet die Artenvielfalt. Nun steht die Entscheidung über die erneute Zulassung von Glyphosat in der Europäischen Union bevor. Mit
unserer Aufklärungs- und Kampagnenarbeit wollen wir dafür sorgen, dass Glyphosat endlich verboten wird.

Das zerstörerische System der industriellen Landwirtschaft, das auf dem massiven Einsatz von Agrochemikalien basiert, würde ohne Glyphosat ins Wanken kommen: Denn Glyphosat wirkt nicht nur gegen bestimmte Unkräuter, sondern es ist eine Art „Super-Ackergift“ – ein sogenanntes Totalherbizid, das jede grüne Pflanze vollständig tötet, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Gifteinsatz überlebt. Weil es in so großen Mengen eingesetzt wird, ist Glyphosat der absolute Liebling von Konzernen wie Bayer-Monsanto oder BASF: Allein 2020 verdienten die Hersteller weltweit fast 450 Millionen US-Dollar mit dem Verkauf des Gifts!
Es ist also kaum überraschend, dass die Konzerne versuchen, ihren Kassenschlager gegen jede Vernunft weiter auf dem Markt zu halten. Jetzt gilt es, die Chance zu ergreifen und dem Agro- Chemie-System mit Glyphosat einen entscheidenden Baustein zu entziehen!

Ein Glyphosat-Verbot in der EU könnte dabei sogar weltweite Konsequenzen haben: Denn damit einhergehen könnte auch ein Verbot von Rückständen des Pflanzengifts auf Lebens- oder Futtermitteln, die nach Europa importiert werden. Damit dürfte es für die Chemiekonzerne auch schwieriger werden, den Topseller Glyphosat in Ländern wie Brasilien
oder Argentinien zu vermarkten, wo es in großen Mengen beim Anbau genmanipulierter Pflanzen eingesetzt wird.

Um diesen Domino-Effekt einzuleiten, wollen wir in den nächsten Monaten Druck auf die deutsche Bundesregierung aufbauen. Unser Ziel: Deutschland soll im zuständigen EUAusschuss gegen die Wiederzulassung des Totalherbizids stimmen. Dazu wollen wir neue Studien, die die Gefährlichkeit von Glyphosat untermauern, in der breiten Öffentlichkeit bekannt machen und Tausende Unterschriften für ein Glyphosat-Verbot sammeln. Bitte unterstützen Sie uns dabei jetzt mit Ihrer Spende!

Umweltinstitut München e.V., www.umweltinstitut.org, info@umweltinstitut.org
Spendenkonto: IBAN: DE 70 7002 0500 0008 8311 01 • BIC: BFSWDE33MUE
Quelle: newsletter@umweltinstitut.org vom 8. Mai 2023

Menschlich Wirtschaften durch Soziale Dreigliederung

Beitrag von Anne Berger

Vor einiger Zeit wurde eine Genossenschaft gegründet, deren Ziel ist: Menschlich Wirtschaften. Mitglieder sind Unternehmer, Handwerker, Dienstleister, Mütter, Väter, Großeltern, Arbeitnehmer, Rentner, Studenten, Ärzte, Wissenschaftler, Professoren – einfach
Menschen – die die aktuelle Krise als Chance sehen für ein neues Miteinander und Füreinander in unserer Gesellschaft. Sie bauen zusammen eine tragfähige Infrastruktur auf. Ein Forum zum Vernetzen und Projekte initiieren sowie einen Marktplatz für Waren, Dienstleistungen und Jobangebote. Ein stabiles Netzwerk, das wirtschaftliche und emotionale Sicherheit durch ein menschliches Wirtschaften unter Gleichgesinnten fördert.

m Fokus steht menschlich Wirtschaften durch eine Haltung im Sinne der Wissenschaft der Sozialen Dreigliederung: der gesunden autonomen Gliederung der Gesellschaft in das Geistesleben, das Bildung, Wissenschaft, Medien, Religion und Kultur umfasst, und die Grundlage für eine menschliche Zusammenarbeit darlegt; in das Rechtsleben, das Gesetze, Regeln und Vereinbarungen der Gesellschaft für das Zusammenleben umfasst; in das Wirtschaftsleben, das die Produktion, den Handel und Konsum von Waren und Dienstleistungen zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse umfasst. Die Rechtsform einer Genossenschaft bietet dazu die Möglichkeit, dass sehr viele Menschen und Unternehmen an dieser Idee beteiligt sind und gemeinsam daran mitwirken und profitieren. Ebenso können über Sozialbeiträge Projekte von Mitgliedern im Bereich des freien Geisteslebens gefördert werden. Mehr Info: https://menschlich-werte-schaffen.de/genossenschaft-menschlich-wirtschaften.

Es haben sich innerhalb der Genossenschaft viele regionale Gruppen gebildet, eine davon ist die Gruppe Nürnberg, Fürth, Erlangen. Zum einen beschäftigen wir uns mit der Sozialen Dreigliederung, wollen aber auch verschiedene Projekte voran bringen. Ein Projekt ist z.B. die Landwirtschaft. Peter Schubert, ebenfalls Mitglied bei Bioverbraucher e.V., ist Inhaber eines nachhaltig wirtschaftenden Demeter-, Naturland- und Bioland- zertifizierten Bio-Betriebes und Impulsgeber für den Aufbau eines Netzwerks von Genossenschaftsläden, Landwirten, Lebensmittelmanufakturen und –händlern. Er war Gastgeber für unser erstes persönliches Treffen innerhalb der Genossenschaft. Katherine Taylor ist im Raum Erlangen ebenfalls am Projekt Genossenschaftsläden tätig.

Ein weiteres Projekt, das entstehen soll, ist ein „Gesundheitshaus“ im Raum Nürnberg–Fürth– Erlangen für alle Altersstufen. Hierbei ist der Begriff „Gesundheit“ sehr weit gefasst und soll vor allem auch alternative Heilmethoden beinhalten. Wir würden uns freuen, wenn wir für dieses Projekt noch mehr interessierte Menschen fänden.

Kontaktaufnahme gern unter: Renate.Kuenne@t-online.de

Bio für die Kantine

Die Regionalwert AG (RWAG) Oberfranken, ein Partner des Bio-Verbraucher e.V. arbeitet jetzt mit der BioMetropole Nürnberg zusammen und teilte uns am 7. April 2023 Folgendes mit: Wir haben unseren Wirkungskreis offiziell erweitert, und heißen nun „Regionalwert AG Franken“. Aktien gibt es wieder ab Mitte 2023 zu kaufen. Die „EPOS Bio Partner FRANKEN GmbH“, unser erstes echtes Partnerunternehmen, wurde gegründet und nimmt die Arbeit auf.

Bio für die Kantine
Am 31.03.2023 haben wir zusammen mit der EPOS Bio Partner Süd GmbH, https://www.biopartner. de, die „EPOS Bio Partner FRANKEN GmbH“ gegründet. Die RWAG Franken ist zunächst mit 10% beteiligt, mit der Option und der Intention diese nach der nächsten Kapitalerhöhung auf 30% zu erhöhen. Die EPOS FRANKEN hat zum Ziel, im Wirkungsgebiet der RWAG Franken Kantinen und ähnliche Einrichtungen der Außer-Haus-Verpflegung mit regionalen Bio-Lebensmitteln zu versorgen. Damit kommen wir als RWAG Franken unserem Ziel einer geschlossenen Wertschöpfungskette „vom Acker auf dem Teller“ ein kleines Stückchen näher, auch wenn natürlich noch viel in die Vernetzung und auch die Produktion investiert werden muss.

Aus der Präambel des Gesellschaftsvertrages der neuen Firma:
Ziel dieser Gesellschaft ist es, möglichst vielen Menschen, die in Franken und in den angrenzenden Regionen in der „Außer-Haus-Verpflegung“ (AHV) verpflegt werden, als Großhändlerin die Ernährung mit hochwertigen biologischen Lebensmitteln, auch aus der Region zu ermöglichen. Dies geschieht durch Kompetenz in Beratung, Verkauf und Logistik, durch ein umfangreiches und hoch-qualifiziertes Sortiment, die dadurch einhergehende Förderung regionaler Strukturen bei Erzeugung und Verarbeitung auf möglichst hohem Niveau (Verbandsware) und einen professionellen, auf die Bedürfnisse der Kunden in der AHV und deren Gäste ausgerichteten Service. Der wirtschaftliche Erfolg der Gesellschaft ermöglicht es, auch soziale Ziele zu erreichen und den Ökolandbau in Franken zu fördern.

Kontakt: info@regionalwert-oberfranken.de

Tierische Nahrungsmittel – Fluch oder Segen?

Forschungsbericht von Lukas Maschek vom 20.04.2023

Der weltweite Konsum tierischer Nahrungsmittel ist stark abhängig von Geografie, Einkommen und Bildung und kann sich je nach Konsumverhalten und Produktionsverhältnissen unterschiedlich auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auswirken. Tierische Nahrungsmittel wirken sich auf folgende Umweltbereiche aus:

  • Landnutzung: Tierhaltung beansprucht etwa die Hälfte der weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Fläche. Etwa 50% dieser Fläche besteht aus Grasland, das für den Ackerbau nicht nutzbar ist. Das Erschließen neuer Flächen geht oft mit Entwaldung und Bodendegradierung einher. Oft besteht eine Konkurrenz zwischen Futter- und Nahrungsmittelproduktion.
  • Boden: Sowohl das Weideverhalten als auch Viehdung leisten einen wichtigen Beitrag zu ökologischen und biogeochemischen Bodenprozessen sowie zur Bodenfruchtbarkeit. Als weltweit am weitesten verbreiteter Dünger ist Viehdung auch für den Ackerbau unverzichtbar. Ein Übermaß führt jedoch zu Nährstoffverlusten und wirkt sich nachteilig auf aquatische Ökosysteme aus.
  • Wasser: Die Viehzucht verbraucht etwa 41% des weltweiten landwirtschaftlichen Wassers. Mehr als 90% dieser Menge ist «grünes Wasser», das aus Regenwasser stammt. Bei einer Weidewirtschaft auf Flächen, die sich nicht für den Ackerbau eignen, besteht demnach keine Konkurrenz ums Wasser.
  • Biodiversität: Die Zerstörung intakter Lebensräume für Weiden und Futtermittel sowie der Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung und Pestiziden im Ackerbau führen zu großen Verlusten der biologischen Vielfalt. Viehwirtschaft kann aber auch dazu beitragen, natürliches Grünland und somit die Artenvielfalt zu bewahren. In Europa gehören
    Grünlandlebensräume zu den Ökosystemen mit der höchsten Artenvielfalt.
  • Klima: Die Viehzucht führt zu einem hohen Ausstoß von Treibhausgasen. Etwa 30% der weltweiten Methanemissionen stammen aus der Viehzucht. Weidelandböden enthalten jedoch auch etwa 20% des globalen Bodenkohlenstoffs. Die Menge ausgestoßener Treibhausgase wird maßgeblich durch die zugrundeliegenden landwirtschaftlichen
    Praktiken beeinflusst.
  • Kreislaufwirtschaft: Die Verwendung von Viehdung als Dünger für Weiden und Ackerpflanzen ist ein wichtiger Aspekt der Kreislaufwirtschaft. Auch die Verwendung von Ernte- und Verarbeitungsresten als Viehfutter trägt dazu bei, Produktionskreisläufe zu schließen. Dies betrifft vor allem Wiederkäuer wie Kühe, da sie faseriges Pflanzenmaterial in hochwertige Proteine umwandeln können.

Bezug zur Biodynamik
Ob die Viehwirtschaft schädlich ist für Mensch und Umwelt, den Klimawandel vorantreibt oder integraler Bestandteil einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft darstellt, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Betrachtet man die Viehzucht und insbesondere die Kuhhaltung aus biodynamischer Sicht, so entsteht ein klareres Bild von den ökologischen
Auswirkungen der Kuhhaltung als auch vom Nachhaltigkeitsgedanken der
biodynamischen Landwirtschaft.

Ein zentraler Gedanke der Biodynamik ist der Hoforganismus, also das synergistische Ineinandergreifen aller Teile eines Bauernhofs in einem Kreislaufsystem, das in Harmonie mit der natürlichen Umwelt steht. Kühe spielen in diesem System eine wesentliche Rolle, da sie eine Reihe von wertvollen Leistungen erbringen. Als Wiederkäuer können sie zähe Pflanzenteile und auch Erntereste in hochwertige Proteine und Nährstoffe umwandeln. Wenn Kühe grasen, lockern sie den Boden auf und verbessern den Luft- und Wasserhaushalt des Bodens. Außerdem ist ihr Dung reich an Nährstoffen, fördert das Pflanzenwachstum und verbessert die Bodenfruchtbarkeit. Die Kreislaufwirtschaft erzeugt einen Großteil des Futters selbst. Diese Praxis reduziert die mit dem Import verbundenen
Kohlenstoffemissionen. Zudem bauen biodynamische Landwirte in der Regel eine Vielzahl von Feldfrüchten an, die sie als Futter für ihre Kühe verwenden.

In der biodynamischen Landwirtschaft wird kein Kraftfutter wie Soja benötigt und somit die Entwaldung in tropischen Ländern reduziert. Der Wasserbedarf der Kühe wird fast komplett durch Regenwasser und saftiges Gras gedeckt. Ihr Weideverhalten fördert die Bodenfruchtbarkeit und die Kohlenstoffspeicherung im Boden. Zudem beugen sie der Verbuschung von Weiden vor. Ihr Futter stammt vom Hof und konkurriert nicht mit
menschlicher Ernährung. Ihre Besatzdichte ist niedrig und an die ökologischen Kapazitäten angepasst. Unter diesen Vorzeichen sind Kühe nicht nur ein essenzieller Bestandteil des Hoforganismus, sondern auch Teil einer langfristig nachhaltigen und umweltverträglichen Landwirtschaft.

Quelle: https://www.sektion-landwirtschaft.org/forschung/kuh-und-klima/ea/tierischenahrungsmittel-fluch-oder-segen

Die neue Humustheorie

Ein Beitrag von Dr. Konrad Egenolf

Eine weitere Schwachstelle der klassischen Humustheorie war der fehlende Nachweis der Huminstoffe im Boden selbst. Lange Zeit standen die dafür nötigen Analysetechniken schlicht und einfach nicht zur Verfügung, erst zu Beginn der 2000er standen spektroskopische Techniken bereit (Nano SIMS), die eine Untersuchung der organischen Bodensubstanz direkt
im Boden, also ohne Extraktionsschritt, ermöglichten. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen waren revolutionär. Die Huminstoffe, wie man sie bislang beschrieben hatte, fand man im Boden nicht. Die Verbindungen, die den Dauerhumus ausmachten, waren genau die einfachen Moleküle, z.B. Proteine, Lipide oder Polysacharide, die insbesondere beim mikrobiellen Abbau leicht zersetzbarer Pflanzenreste entstehen. Keinesfalls handelte es sich um die komplexen und stabilen Verbindungen, die man in den alkalischen Extrakten gefunden hatte, Huminstoffe schienen ein Artefakt des Extraktionsverfahren zu sein.

Stattdessen ließ sich die Stabilität der Dauerhumusfraktion auf einen anderen Umstand zurückführen. Die besonders alte organische Bodensubstanz fand sich auf den Oberflächen der Tonmineralien. Calcium- oder Aluminium-Kationen fungieren dabei als Brückenbildner für
sogenannte Ton-Humus-Komplexe, durch die die organische Bodensubstanz effektiv vor mikrobiellem Abbau geschützt wird (siehe Grafik). Noch etwas war auffällig: In den Ton-Humus-Komplexen entdeckte man einen hohen Anteil mikrobieller Zellwandbestandteile – ein
Hinweis auf abgestorbene Mikroorganismen. Hier lag die klassische Humustheorie also doch nicht ganz falsch, das Bodenmikrobiom ist entscheidend für die Humusneubildung. Aber damit die mikrobiellen Abbauprodukte und Überreste abgestorbener Mikroorganismen in Ton-
Humus-Komplexen stabilisiert werden können, müssen die Mikroben ihr Futter in unmittelbarer Nähe der Tonpartikel verdauen, sprich Organik und mineralische Bodenmatrix müssen in direkten Kontakt kommen. Am effektivsten scheint dies durch Pflanzenwurzeln und insbesondere ihre Ausscheidungen (Wurzelexsudate) bewerkstelligt zu werden. Auch wenn
diese Ergebnisse noch nicht sehr konsolidiert sind, zeichnet sich ab, dass Wurzelexsudate, die in den Boden hineindiffundieren und sich so fein verteilen, um ein Vielfaches (Faktor 2-10) effektiver zum Aufbau stabiler Ton-Humus-Komplexe beitragen als abgestorbene Pflanzen- und
Wurzelreste oder Wirtschaftsdünger.

Letztere tragen nach der neuen Humustheorie eher zur sogenannten partikulären organischen Substanz, auf Englisch particulate organic matter (POM), bei. Diese beschreibt in Bodenaggregaten eingeschlossene Streustoffe, die durch den Einschluss konserviert werden. Eine Ausnahme bilden Pflanzen- oder Erntereste, die als Mulchauflage auf dem Acker
verbleiben. Diese dienen den Regenwürmern als Nahrung, durch die im Darm der Tiere stattfindende Durchmischung mit dem Mineralboden wird die Organik hier wiederum sehr effektiv in Ton-Humus-Komplexen stabilisiert.

Konsequenzen für die Landwirtschaft
1) Humus durch intaktes Bodengefüge vor mikrobiellem Abbau schützen
Der erste Paradigmenwechsel, der sich aus der neuen Humustheorie ergibt: Humus unterliegt einem kontinuierlichen Abbau. Der als Dauerhumus bezeichnete Teil ist keineswegs resistent gegenüber mikrobiellem Abbau, sondern nur solange geschützt wie er in Bodenaggregaten eingeschlossen (POM) oder an Tonmineralien sorbiert (Ton-Humus-Komplexe) vorliegt. Der in der POM-Fraktion gespeicherte Kohlenstoff überdauert Jahrzehnte bis wenige Jahrhunderte im Boden, der in den Ton-Humus- Komplexen gespeicherte Kohlenstoff kann viele Jahrhunderte im Boden überdauern. Für die Stabilisierung der Aggregate und die Bildung der Ton-Humus-
Komplexe ist in unseren Breiten Calcium der entscheidende Brückenbildner. Wird die Calcium-Versorgung eines Standorts vernachlässigt, leidet die Bodenstruktur, die organische Bodensubstanz wird weniger gut stabilisiert und es kann zu Humusverlusten kommen. Intensive Bodenbearbeitung schädigt ebenfalls die Bodenstruktur. Durch den mechanischen Eingriff werden Aggregate aufgebrochen, die darin konservierte organische Bodensubstanz wird freigelegt und durch das Bodenleben verstoffwechselt. Der einer Bodenbearbeitung folgende Mineralisationsschub ist ein Indiz dafür. Durch die mechanische Bodenbearbeitung haben Ackerböden im Vergleich zu Grünland- oder Waldböden typischerweise deutlich
niedrigere Gehalte an partikulärer organischer Substanz (POM).

2) Mikrobielle Aktivität für die Humusneubildung fördern
Was zunächst kontraintuitiv erscheint, ist die zweite wichtige Erkenntnis aus der neuen Humustheorie. Sowohl für die Bildung der partikulären organischen Substanz als auch für die Entstehung von Ton-Humus-Komplexen bedarf es eines aktiven Bodenlebens. Die Verklebung
der Bodenpartikel zu Aggregaten (POM) wird maßgeblich durch pflanzliche und mikrobielle Schleimstoffe und durch das von Pilzhyphen produzierte Glomalin gefördert. Bei dem in Form von Ton-Humus-Komplexen stabilisierten Kohlenstoff handelt es sich zum Großteil um Stoffwechselprodukte und Zellwandbestandteile von Mikroorganismen. Mikrobielle Aktivität ist also eine Grundvoraussetzung für die Humusneubildung.

3) Das Bodenleben kontinuierlich ernähren
Ein aktives Bodenmikrobiom braucht Nahrung. Solange es durch einen wachsenden Pflanzenbestand ernährt wird, trägt es zur Humusneubildung bei. Sinkt das Nahrungsangebot, z.B., weil der Boden brachliegt, wird es sich am Humus bedienen. Dies ist ganz besonders im Sommer nach der Ernte relevant, da die mikrobielle Aktivität dann aufgrund erhöhter Bodentemperaturen besonders hoch ist – ausreichende Bodenfeuchte
vorausgesetzt. Am konsequentesten lässt sich eine kontinuierliche Ernährung des Bodenlebens durch eine Dauerbegrünung erreichen. Die Umwandlung von Acker in Dauergrünland ist nicht umsonst die effektivste Möglichkeit Humus aufzubauen. In ackerbaulichen Systemen sollten Brachezeiten durch Zwischenfruchtanbau, idealerweise Untersaaten, minimiert werden.

Zu Nahrungsengpässen und damit verbundenem Humusabbau kann es aber auch nach einer Düngung kommen. Dieses Phänomen wird als Priming-Effekt bezeichnet. Insbesondere nach
der Düngung leicht zersetzbarer organischer Substanz (aber auch mineralischer N-Dünger), kann es zu einer überschießenden mikrobiellen Aktivität kommen, die mehr Kohlenstoff veratmet als ursprünglich zugeführt wurde. Folglich kann es auch dann effektiv zu einem
Humusabbau kommen. Bei sich langsam zersetzenden organischen Düngemitteln (z.B. Rottemist oder Kompost) ist dies weniger relevant, sie gelten daher gemeinhin als Humusfördernd.

Fazit
Es dürfte klar sein, dass in der landwirtschaftlichen Praxis nicht alle der vorgeschlagenen, Humus-fördernden Maßnahmen konsequent umgesetzt werden können. Einige der aus der neuen Humustheorie abgeleiteten Empfehlungen müssen noch durch pflanzenbaulich Experimente überprüft werden. Die neue Humustheorie ist zunächst der Versuch die im Boden ablaufenden Prozesse zu beschreiben. Und vieles spricht dafür, dass sie
dabei der Wirklichkeit deutlich näherkommt als unsere klassische Humustheorie. Damit bietet sie Orientierung für ein Bodenmanagement, das unsere Böden als lebendiges Ökosystems anerkennt und unsere Bodenfruchtbarkeit sowie Bodengesundheit langfristig erhält.
Quelle: Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, https://www.landwirtschaftskammer.de

Veganer Linsen-Brennnessel-Aufstrich

Bio-Brotaufstriche gibt es in großer Vielfalt. Zur Abwechslung kann man sie aber auch einmal selbst herstellen, besonders dann, wenn viele Kräuter im Garten wachsen oder man sie bei einer Kräuterwanderung gesammelt hat.

Bei uns gab‘s kürzlich viele Brennnesseln, Zitronenmelisse und Salbei.
Zutaten:
Linsen, Brennnesseln, Zitronenmelisse, Basilikum, Salbei, Petersilie und/ oder andere Gartenkräuter, Zwiebeln, Olivenöl, Gemüsebrühe, Gewürze nach Geschmack, z.B. Bertram, Kardamom, gemahlenen Kümmel, Muskat, Rosenpaprika

Zubereitung:
Linsen kochen oder vom Vortag bereithalten, Brennnesseln und andere Kräuter waschen und kleinschneiden. Für die Brennnesseln Handschuhe zum Ernten und handhaben verwenden; dicke Strünke ausschneiden und entsorgen. Ein oder zwei Zwiebeln klein schneiden und im Topf mit Olivenöl glasig anbraten. Dann die Kräuter hinzugeben und fünf Minuten bei mittlerer Flamme dünsten. Jetzt etwa eine Tasse Wasser, zwei EL Gemüsebrühe und die Gewürze hinzugeben, umrühren und weitere fünf Minuten köcheln lassen. Anschließend pürieren und in heiß ausgespülte Gläser füllen und sofort fest verschließen. Das geöffnete Glas kann man 4 bis 5 Tage im Kühlschrank aufbewahren.

Guten Appetit wünschen Gabriele und Wolfgang Ritter