Perspektiven für den Wandel

Bericht von Wolfgang Ritter

Auszüge aus: Jens Göken: Soziale Dreigliederung – Versuch einer Einführung, in: Perspektiven für den Wandel – Wege menschlicher Entwicklung zur Freiheit und sozialer Verantwortung, Hrsg.: Annemarie Jost und Thomas Brunner, 1. Auflage, Berlin (2023)

Göken untersucht in seinem Beitrag alle möglichen Aspekte zu Rudolf Steiners Forderung nach Freiheit im Geistesleben, Gleichheit im Rechtsleben und Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben. Auch welche Katastrophen auftreten, wenn Freiheit im Rechts- und Wirtschaftsleben, Gleichheit im Geistes- Wirtschaftsleben oder Brüderlichkeit im Geistes- und Rechtsleben herrschen. Ich bringe hier Ausschnitte seiner Aussagen zum Wirtschaftsleben:

„Schließlich wäre ein gleichberechtigtes Wirtschaftsleben der falsch verstandene, nämlich bereits vom Rechtsleben, von der Politik korrumpierte Kommunismus mit seiner Planwirtschaft, welche nach allgemeinen Gesetzen organisiert ist und entsprechend ihre Güter gleichberechtigt an die Menschen verteilt. Dieses Prinzip hat vielen Menschen eingeleuchtet, aber es ist dem eigentlichen Wesen des Wirtschaftlichen fremd. Denn in der Wirtschaft geht es nicht darum, dass alle gleich viel bekommen, sondern darum, dass jeder das bekommt, was er wirklich benötigt. – Entsprechend geht es aber auch nicht darum, dass jeder sich erjagen kann, soviel er will, sondern eben um den realen, den wirklichkeitsgemäßen, also den gesunden Bedarf (was freilich nicht immer einfach zu bestimmen ist). Eine freiheitlich statt brüderlich-bedarfsorientiert wirkende Wirtschaft indessen gibt das Feld frei für die Stärksten, die sich durchsetzen und soviel Besitz anhäufen, dass sie sich in übergriffiger Weise den anderen überordnen und ihnen ihre eigentlich reichlich vorhandenen Ressourcen wegnehmen. Das ist das, was wir heute haben: eine Freibeuter-Wirtschaft, deren Profiteure die Ideologie in die Welt gesetzt haben, dass die Weltbevölkerung insgesamt zu groß sei und dringend reduziert werden müsse, weil nicht genügend Ressourcen für alle vorhanden seien.“

Vielen Sozial- und Volkswirtschaftlern ist diese Situation durchaus bewusst, Altbundeskanzler Helmut Schmidt nannte sie „Raubtierkapitalismus“. Ändern lässt sie sich so schwer, weil sich die Reichen, die Mächtigen nichts wegnehmen lassen wollen, obwohl sie im Überfluss leben. Göken spricht nun an, wie es sein könnte:

„Vom Geistesleben aus müssen wir schöpferisch sein und die Welt in Bewegung bringen. Im Wirtschaftsleben indessen muss unsere Geste primär eine passive, eine wahrnehmende nämlich sein: Wahrnehmend, was der andere braucht. Dafür müssen Produzenten, Händler und Konsumenten sich näher verbinden, was bei Rudolf Steiner Assoziieren genannt wird. Das entscheidende dabei ist der Vorgang, dass Menschen in unmittelbarere Wahrnehmungsbezüge eintreten und ihre gegenseitigen Bedürfnisse und Ermöglichungen ganz konkret klären. Die Menschen bleiben dabei auch im Wirtschaftsprozess als Individualitäten erhalten, statt als Teil einer Masse in ihm unterzugehen.“

Ganz konkret werden die „gegenseitigen Bedürfnisse und Ermöglichungen“ von Konsumenten und Produzenten in Hofkollektiven geklärt, die unter der Bezeichnung „Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi)“ bekannt geworden und von denen annähernd 300 im Netzwerk „Solidarische Landwirtschaft e.V.“ organisiert sind. Solche und ähnliche Initiativen, die vom Individuum ausgehen, verändern die Welt.* Derzeit darf man nicht hoffen, unsere gewählten Abgeordneten könnten eine grundsätzliche Änderung unseres Wirtschaftssystem einleiten, denn sie müssen oft im Sinne der mächtigen Wirtschaftskonzerne handeln, wenn sie ihre Positionen nicht verlieren wollen. Mächtige Politiker aber, handeln oft autokratisch und kaum im Sinne einer brüderlichen Wirtschaftsweise. Im Bio-Verbraucher e.V. können alle am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten, wie von Göken angeregt, in „unmittelbarere Wahrnehmungsbezüge“ eintreten. Das geschieht z.B. bei unseren Mitgliederversammlungen, unseren Besuchen von Bio-Firmen und assoziativen Gesprächen.

Kontakt: www.netz.bio, info@bio-verbraucher.de

*Wolfgang Ritter:

– Initiativen, die die Welt verändern, Möllmann Verlag 2013

– Wirtschaft der Liebe – Elemente einer künftigen Wirtschaftsordnung, Möllmann Verlag 2015

Keine Bienen. Keine Vögel. Keine Schmetterlinge. 

Beitrag von Lesly Lila (Marseille), Giulio Carini (Rom), Rachel Walker-Konno (Amsterdam) und dem WeMove Europe-Team

Nur leblose, mit Pestiziden getränkte Felder. Farmgebäude sehen wie Fabriken aus. Tiere sind in Käfigen gefangen, die kaum größer sind als ihr Körper. Das ist keine Landwirtschaft – das ist industrielle Zerstörung. Und das passiert nicht nur heute: Es wird als Modell für die Zukunft der europäischen Landwirtschaft festgeschrieben. [1]

In wenigen Tagen treffen sich die EU-Minister*innen und entscheiden darüber, wie die Landwirtschaft in Europa in den kommenden Jahren aussehen wird. Das ist unsere Chance, von Anfang an Einfluss zu nehmen und ein gerechteres Lebensmittelsystem zu fordern, bei dem Landwirt*innen, Natur und unsere Gesundheit an erster Stelle stehen. Während sie sich hinter verschlossenen Türen versammeln, werden wir draußen mit einer eindrucksvollen Kunstinstallation für Aufsehen sorgen, die die dunkle Wahrheit über Megafarmen enthüllt – direkt im Herzen von Brüssel. Wir werden für Schlagzeilen sorgen und die sozialen Medien mit Videos überschwemmen, die die Aufmerksamkeit der Politiker und Politikerinnen wecken. Wenn sie sich zusammensetzen, um die EU-Agrarpolitik zu gestalten, wird unsere Botschaft ganz oben auf der Agenda stehen.

Ich weiß, dass ein besserer Weg möglich ist. Zusammen mit drei anderen Landwirtinnen und Landwirten baut mein Partner auf einem kleinen Stück Land Lebensmittel ohne einen einzigen Tropfen Pestizid an. Die Pflanzen gedeihen, die Vögel kommen, um sich von den Insekten zu ernähren, und die Nachbar*innen bleiben stehen, um zu plaudern, während sie ihr Gemüse abholen. So sieht echte Landwirtschaft aus. Aber die EU-Vorschriften sind nicht darauf ausgelegt, kleine Betriebe wie diesen zu unterstützen: Derzeit gehen 80 % der EU-Agrarsubventionen an nur 20 % der größten Betriebe. [2] Klein- und Familienbetriebe verschwinden in alarmierendem Tempo. [3] Und da sich die Klimakrise verschärft, wird alles ohne angemessene Unterstützung nur noch schlimmer werden.

Es ist Zeit, den Druck auf die EU-Spitzen zu erhöhen und eine Politik zu fordern, die die nachhaltige Landwirtschaft unterstützt und nicht die Megafarmen der Konzerne. Das können wir mit Ihrer Hilfe tun: Wir enthüllen die Wahrheit mit einer Kunstinstallation: Gemeinsam mit einem renommierten Künstler zeigen wir direkt vor dem Sitzungsort der Minister*innen, was Megafarmen wirklich bedeuten. Wir schaffen ein großes Medienereignis: In mehreren Sprachen und Ländern sorgen wir dafür, dass dies in ganz Europa Schlagzeilen macht. Wir verstärken die Aktion online: Mit aussagekräftigen Bildern und Videos fluten wir die sozialen Medien und erregen die Aufmerksamkeit der Politik. Leisten Sie einen kleinen Beitrag, damit dies geschieht und wir gemeinsam eine bessere Landwirtschaft für Europa fordern. Kontakt: WeMove Europe SCE mbH, Grimmstr. 10, Berlin www.wemove.eu/de

Quelle: Lesly Lila, Info vom 14.05.2025, info@e.wemove.eu

ROLLENSPIEL – Workshops für Jugendgruppen

Das Forum für Internationale Agrarpolitik e.V. (FIA) hat ein Rollenspiel für Jugendgruppen entwickelt, in dem sich Jugendliche ab 16 Jahren mit dem Thema Wie werden alle satt? – Welternährung in Zeiten der globalen Klimaveränderung auseinandersetzen. Es werden acht Kleingruppen gebildet, die folgende Rollen spielen: 

  1. Vertreter*in Klimaschutzorganisation
  2. Vertreter*in Agrarhandelskonzern
  3. Vertreter*in Saatgut- & Chemiekonzern
  4. Vertreter*in Entwicklungsorganisation
  5. EU-Abgeordnete*r grün
  6. Landwirt*in Hähnchenmast, konventionell
  7. EU-Abgeordnete*r wirtschaftsnah
  8. Bauer/Bäuerin Globaler Süden

Das Rollenspiel sollte mindestens 90, eher 120 Minuten dauern – plus Zeit für die Einführung ins Thema. Zur Vorbereitung und Durchführung des Rollenspiels stehen 20 DIN-A-4-Seiten zur Verfügung, auf denen Ablauf und Vorbereitung, Einstieg ins Thema, die Rollen, Begriffsklärungen & Hintergrundinformationen, Filmtipps, Quellen und Impressum geboten werden. Das Rollenspiel wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert. Wir geben hier die Rolle 3 wieder.

Vertreter*in eines Saatgut- & Chemiekonzerns

Du bist Pressesprecher*in eines führenden, internationalen Saatgutunternehmens, das auch Agrarchemikalien herstellt. Fast 80 % deines Umsatzes macht dein Unternehmen  mit gentechnisch verändertem Sojasaatgut. Das Saatgut verkauft ihr in Kombination mit Agrarchemikalien. Das Saatgut ist nämlich so verändert, dass es einem Breitbandherbizid standhält. So können alle Unkräuter bequem vernichtet werden, ohne dass die Sojapflanze Schaden nimmt. Dein Geschäft läuft gut, deine Gentech-Soja besticht durch hohe Erträge und wird rund um den Globus angebaut – v.a. in Südamerika. Die Abnehmer*innen müssen immer wieder neues Saatgut bei dir erwerben – denn du konntest die gentechnische Veränderung patentieren lassen! Das macht dein Geschäft besonders lohnenswert, weil du über die Patente Geld verdienst.

Bislang sind deine Abnehmer vor allem Agrarindustrielle, die Soja in großem Stil anbauen. In letzter Zeit versuchst du aber, dein gentechnisch verändertes Saatgut auch bei einer weiteren Kund*innengruppe zu platzieren: Kleinbauern/Kleinbäuerinnen! Da es gar nicht so einfach ist, mit dieser Gruppe in Kontakt zu kommen, hast du dich an die Regierungen mehrerer Länder gewandt, unter anderem Tansania. Ihr plant jetzt gemeinsam Schulungsprogramme für eine bessere landwirtschaftliche Produktivität – dabei kannst du direkt dein Saatgut und deine Agrarchemikalien bewerben und anbieten. Du freust dich, weil es ein gutes Geschäftsmodell für dich ist!

Es gibt aber auch negative Entwicklungen: Aktuell hast du es mit einer Bürger*innen-Initiative aus Argentinien zu tun, die dir die Verunreinigung von Wasser und Luft durch die Agrarchemikalien vorwirft. Die Initiative hat dir Fotos von missgebildeten Neugeborenen zukommen lassen und eine Statistik über gestiegene Zahlen von Krebserkrankungen in der Region erstellt – sie bezieht all das auf den Einsatz deines Breitbandherbizids! Du hältst das für absurd, schließlich stammen die Chemikalien von einer deutschen Firma und du bringst sie in erlaubter Menge auf die Felder. Die Bürger*innen-Initiative droht nun aber, gerichtlich gegen dich vorzugehen. Diese negative Öffentlichkeit stresst dich etwas, aber du hast gute Anwält*innen und vertraust darauf, dass sie dich herausboxen werden.

Eine andere Entwicklung, die du zurzeit im Auge behältst, ist der Klima-Aktivismus. Tierhaltung und die damit verbundene Futtermittelproduktion werden von immer mehr NGOs für die Klimaerwärmung maßgeblich verantwortlich gemacht. Da deine Gentech-Soja fast ausschließlich der Futtermittelproduktion dient, könnte darunter auch das Image deines Unternehmens leiden. Du betreibst daher verstärkt Öffentlichkeitsarbeit, um den Nutzen v.a. von gentechnisch verändertem Saatgut zu propagieren: Denn gerade gentechnische Veränderungen, die mehr Trocken- oder Hitzeresistenz von Agrarpflanzen hervorrufen, könnten die Welternährungssituation langfristig stabilisieren, da bist du sicher (Ernährungssicherung)! Für die Vermittlung deines Anliegens ist etwas hinderlich, dass es für Saatgut dieser Art bislang kaum Beispiele auf dem Markt gibt. Außerdem ist unter den weltweit meist verwendeten Gentech-Saatgütern (Soja, Mais, Raps, Baumwolle) Mais die einzige Grundnahrungsmittelpflanze. Du bist dir aber sicher, dass sich diese Situation in Zukunft ändern wird!

Quelle: https://biopoli.de/media/rollenspiel-biopoli.pdf

Vegane Aufstriche: Gut für die Gesundheit, gut für‘s Klima

Bericht von Wolfgang Ritter

Die gute Nachricht zuerst: Von 19 getesteten veganen Bio-Brotaufstrichen sind 18 empfehlenswert (16 = sehr gut, 2 = gut). Und noch eine gute Nachricht: Die Tester fanden nur vegane Aufstriche in Bio-Qualität, andere gibt es gar nicht. Für den Test wurden Aufstriche mit Currygeschmack eingekauft, meist in süß-würziger Kombination mit Früchten wie Mango oder Papaya. Das „schwarze Schaf“ heißt „Bio Primo Streichcreme Vegan Curry-Papaya-Mango“ von Tofutown aus dem Müller-Drogeriemarkt. Es wies einen „stark erhöhten“ Gehalt des Alternariatoxins Alternariolmonomethylether (AME) auf. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beurteilt diese Toxine als erbgutschädigend und krebserregend. Außerdem fanden sich auch Spuren von Mineralölbestandteilen im Produkt. Alle anderen getesteten Produkte sind empfehlenswert. Sie kosten zwischen 1,25 und 3,59 Euro.

Quelle: ÖKO-TEST 5.2025

Zu Besuch auf dem Sattelbachhof

 

Regelmäßig besuchen wir Firmenmitglieder in der Region. Wir berichten anschließend darüber auf unseren Internetseiten. Alle Berichte finden Sie unter https://netz.bio/Unser Blog. Hier unser letzter Besuch als Beispiel:

Am 19. Mai 2025 haben etwa 30 Mitglieder des Bio-Verbraucher e.V. den Demeter-Hof von Thomas Wölfel besucht. Thomas, der den großen Hof im Norden von Nürnberg kürzlich vom Vater übernommen hat, führt ihn jetzt in fünfter Generation. Hier ein kurzer Steckbrief:

  • 200 Hektar: 140 ha Getreide (Mais, Soja, Weizen, Hafer, Roggen), 60 ha Grünland und Gemüse- und Obstanbau (Spargel, Erdbeeren, Salat; in Folienhäusern: Tomaten, Paprika, Gurken, Physalis, Auberginen)
  • 66 Pensionspferde werden betreut
  • Kooperation mit anderen Demeter-Höfen in der Nachbarschaft
  • Düngung: Pferdemist, Hühnermist vom Demeter-Hühnerhof Peter Schubert, Haarmehlpellets, biologisch-dynamische Präparate
  • Schädlingsbekämpfung kaum nötig, da Fruchtfolgewechsel eingehalten wird, Spargelabdeckung mit Folien (hält Unkraut und Schädlinge fern), Beregnung am Morgen (hält Schnecken fern), Einsatz von Nützlingen, Ausbringung der Präparate
  • Vertrieb: 80% über den Hofladen, 20% Lieferung an andere Höfe, Läden, Restaurants
  • Bio und Demeter seit 2019
  • Hofladen mit Selbstbedienung: 24 Stunden, 7 Tage die Woche

Nach der Hofführung wurde uns ein warmes Spargelgericht serviert (Rezept in Info-Brief 82)  und wir konnten im Hofladen einkaufen: z.B. frischen Spargel, der gleich geschält wurde, und frische Erdbeeren, sehr groß und unvergleichlich im Geschmack. Unser Urteil: Ein großartiger Hof, eine wunderbare Führung durch Thomas Wölfel, ein schmackhaftes Spargelgericht, für uns zubereitet von seiner Mutter, hervorragende Produkte.

Kontakt: Sattelbachhof, Thomas Wölfel, Sattelbach 1, 90542 Eckental-Eschenau, www.sattelbachhof.de, Tel. 09126 – 38 31

Projektwoche „FAIR SEIN“ an der Berufsschule 9

Liebe Leserinnen und Leser,

gerne möchten wir einmal von unserer Arbeit an einer Berufsschule berichten. Wie schon öfter, wurde auch in diesem Jahr eine Woche in der Berufsschule 9 in Nürnberg unter ein Thema gestellt, und der Bio-Verbraucher e.V. war wieder eingeladen mitzuwirken.  In der Woche vom 7.-11. April hatten wir einen Infostand mit Darstellungen zum Thema „Fair. Bio. Regional.“ im Foyer der Schule, der klassenweise oder von Einzelpersonen besucht werden konnte. Anhand eines von uns entworfenen Arbeitsblattes hatten die Schüler zu den genannten Themen Fragen zu beantworten, die dann mit dem Lehrer in der Klasse besprochen wurden.

Am Mittwoch und Donnerstag hatte je eine Klasse einen 90-minütigen Workshop zum Thema „Ernährungsgerechtigkeit“ gebucht, den unsere ehrenamtliche Mitarbeiterin Inga Hager angeboten hatte. Inga Hager berichtet:

Die Eingangsfrage lautete: „Was bedeutet Ernährungsgerechtigkeit?“  Die Schüler kamen auf folgende Bedingungen: Alle Menschen (weltweit) sollen satt werden und sich gesund ernähren können. Das soll auch noch in 100 Jahren und länger möglich sein. Um das zu ermöglichen, sind verschiedene Aspekte von Bedeutung: biologische Landwirtschaft, regionaler Bezug, saisonale Verwendung, pflanzenbasierte Ernährung, fairer Handel, möglichst geringe/plastikfreie Verpackung.

Zu den Aspekten „Regionaler Bezug“ und „Saisonale Verwendung“ wurden die Schüler*innen in vier Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe sollte innerhalb von zehn Minuten zu möglichst vielen Buchstaben des Alphabets je eine Gemüsesorte/Salat/Kräuter und eine Obstsorte/Beeren/Nüsse finden, die in Deutschland wachsen. Diese trugen sie dann gemeinsam zusammen und überlegten anschließend, welches Obst und Gemüse aus der Region im Juli und welches im Dezember hier zu kaufen ist. Zu den weiteren Aspekten forschten sie anhand einiger Fragen, wie:

  • Woran erkennt man Bioprodukte beim Einkaufen? Warum muss Bio-Anbau kontrolliert werden? Sind Bioprodukte besser? Warum?
  • Wieviel Tierhaltung verträgt unser Land? Wieviel Platz brauchen unsere (Nutz-)Tiere? Wieviel Milch / Fleisch / Eier / Fisch sind für uns gesund?
  • Was muss wie verpackt sein? Was passiert mit den Verpackungen, wenn wir deren Inhalt gegessen haben? Welche alternativen Verpackungen gibt es?
  • Wer profitiert von fairem Handel? Wo gibt es fair gehandelte Produkte zu kaufen? Welche Produkte gibt es bei uns aus fairem Handel? Ist die Lebensmittelproduktion bei uns fair?

Die Schüler*innen waren sich im Anschluss relativ einig, dass fairer Handel besonders wichtig sei und ausschließlich regionales, saisonales Essen ohne Tomaten im Winter und ohne Südfrüchte besonders herausfordernd wäre. Sie beteiligten sich sehr unterschiedlich aktiv zum Thema, konnten aber durchaus zum Mitdenken bewegt werden. Ich war beeindruckt, wie viele Gemüse- und Obstsorten genannt wurden, und die Schüler*innen schienen erstaunt, dass Zitrusfrüchte hier nicht wachsen. Über die Lebensbedingungen und das Platzangebot für unsere Nutztiere in der konventionellen Tierhaltung hatten sie sich wohl noch nicht viele Gedanken gemacht, da zeigten sie sich eher schockiert. Zum Abschluss bekamen sie die Aufgabe, ihr eigenes Essen auf die erarbeiteten Aspekte hin zu untersuchen. Ich hoffe, dass die Saat irgendwann aufgeht, und die Schüler*innen ein eigenes Bedürfnis nach qualitativ guter Ernährung für sich und alle Menschen dieser Erde entwickeln.

Kontakt zu Inga Hager, Mitglied des Stadtrates der Stadt Nürnberg: Tel. (privat): 0911-59 78 301, Mobil: 01577-7397611, inga.hager@oedp.de

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Wolfgang Ritter

 

Spargel im Rohr – kinderleicht

Spargel im Backofen gegart ist eine kinderleichte Angelegenheit, sehr rasch zubereitet und und geschmackvoller als gekochter Spargel. Wenn die Stangen des Grünen Spargels sehr dünn sind, spart man sich sogar das Schälen.

Zutaten für 4 Personen

400 – 500 g Grünen Spargel, 250 g Cocktail-Tomaten, 200 g Feta-Käse, 3 frische Knoblauchzehen, Olivenöl, Pfeffer, Salz und weitere Gewürze und frische Kräuter sowie Aceto Balsamico  nach Belieben. Dazu kann man Pellkartoffeln, Nudeln, Reis oder Weißbrot reichen.

Zubereitung

Öl in eine Auflaufform geben, damit nichts anbrennt. Nacheinander gewaschenen und in Stücke geschnittenen Spargel, gewaschene und halbierte Tomaten und in kleine Würfel geschnittenen Feta-Käse einfüllen. Dann klein geschnittenen Knoblauch, Gewürze und nochmal Olivenöl dazu geben. Fertig. Die Form in die vorgeheizte Backröhre ziemlich weit unteren auf den Grill setzen, damit das Grillgut nicht verbrennt. Bei etwa 150 Grad und nach etwa 30 Minuten sollte der Spargel gar und oben alles schön angebräunt sein. Nun nach Belieben mit Aceto Balsamico würzen und mit frischen Kräutern servieren.

Guten Appetit wünschen Wolfgang, Jennifer und Eliese Ritter

Spargel-Lasagne, wie wir am Sattelbachhof sie mögen

Equipment: Bratpfanne, Auflaufform ca. 32 x22 x 8 cm, Kochtopf

Zutaten (für ca. 5-6 Personen)

Etwa 500 g Lasagne-Blätter, ohne Vorkochen, 2 Prisen Zucker, ca. 1500 g geschälter weißer Spargel, 1 große Zwiebel, 300 g Frischkäse, natur, 1 Zitrone, 600 ml Milch, 1 Zehe Knoblauch, 600 ml Spargelsud, 2 TL Gemüsebrühe, 500 g Mozzarella o. geriebenen Gouda, 60 g Butter, 100 g Parmesan (muss nicht sein), 60 g Mehl, 1 Becher Schmand, ½ TL Salz, ½ TL Muskatnuss, 1 flacher EL Kerbel, Pfeffer nach Geschmack

Zubereitung

  1. Einen Topf mit gesalzenem Wasser zum Kochen bringen
  2. Den geschälten Spargel in ca. 3 cm lange Stücke schneiden. Diese zusammen mit dem Zucker und dem Saft einer halben Zitrone in das kochende Wasser geben und bissfest kochen. 600 ml des Suds abschöpfen und zur Seite stellen. Den Spargel abgießen und ebenfalls beiseite stellen.
  3. Die Zwiebel und den Knoblauch schälen und fein hacken. Die Butter in einer großen Pfanne erhitzen und Zwiebel und Knoblauch darin glasig dünsten. Dann das Mehl hinzugeben und gründlich verrühren. Nun die Milch hinzugeben und aufkochen lassen. Dabei mit einem Schneebesen gründlich verrühren, bis eine klumpenfreie Soße entstanden ist.
  4. Die Gemüsebrühe im Spargelsud auflösen, mit der Soße vermischen und kurz aufkochen lassen. Den Saft der restlichen Zitrone, den Frischkäse und Kerbel hinzugeben und alles gründlich vermischen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Den Spargel hinzugeben.
  5. Nun alles in eine Auflaufform schichten. Ich mache zuerst Lasagne-Blätter, dann eine Schicht Spargel-Frischkäse-Soße und etwas Käse. Darauf achten, dass die Lasagne-Blätter vollständig bedeckt sind.
  6. Diesen Vorgang wiederholen. Bei mir ergibt es vier Schichten. Pro Schicht nehme ich etwa vier Schöpfer Soße. Mit Soße abschließen, dann noch einen Becher Schmand darauf verteilen und mit geriebenem Käse und Parmesan (wer mag) bestreuen.
  7. Nun die Lasagne in den Ofen schieben. Ca. 1 Std. bei 170 Grad Ober-Unterhitze. Ich heize nicht vor!

Guten Appetit wünscht Elke Wölfel

Am Montag, 19. Mai 2025, besuchen wir den Sattelbachhof (siehe „Unsere Bio-Ausflüge“ auf Seite 1 dieses Info-Briefes oder auf www.netz.bio/Veranstaltungen/Bio-Ausflüge). Wir freuen uns u.a. auch darauf, bei dieser Gelegenheit frischen Demeter-Spargel kaufen zu können.

BÖLW: Hansens Vision braucht mehr Zukunft

Bio als wirksames Instrument für sichere Ernährung und intakte Umwelt stärken

Die Vision zur künftigen Agrarpolitik der Europäischen Union, die EU-Agrarkommissar Christophe Hansen heute in Brüssel vorstellt, setzt wichtige Impulse für eine wirksame und für Landwirtinnen und Landwirte auskömmliche Agrarförderung. Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des BÖLW, kommentiert:

„Es ist gut, dass die EU-Kommission betont, dass Bio für junge Bäuerinnen und Bauern besonders attraktiv ist. Wir erwarten, dass daraus Fördermechanismen entstehen, die Bio-Betrieben echte Planungssicherheit geben. Wer es mit Biodiversität und Bodengesundheit ernst meint, muss den Ökolandbau konsequent stärken.

Hansens will das 25-Prozent-Bio-Ziel der EU erreichen. Er muss noch konkret machen, wie er dieses Ziel mit seiner Vision erreichen will. Bei der Verteilung der Gelder müssen diejenigen, die mit ihrer Arbeit dem Gemeinwohl dienen, honoriert werden. Der Öko-Landbau spart der öffentlichen Hand allein beim Schutz des Trinkwassers Milliarden. Diese Ökosystemleistung bezahlen Bio-Betriebe und Bio-KonsumentInnen. Die Steuergelder, die im Agrarbereich oft mit der Gießkanne verteilt wurden, müssen solche Leistungen künftig honorieren.

Bio schafft Ernährungssicherheit, weil es die natürlichen Lebensgrundlagen intakt hält. Und Bio sorgt geostrategisch für Ernährungssouveränität. Bio braucht keinen synthetischen Dünger auf fossiler Basis, der heute immer noch auch aus Russland importiert wird und dort die Kriegskasse füllt.

Die Vision hat einen Drall zu Gentechnik auf den Tellern. Das ist eine Hürde für Ernährungssouveränität, denn es führt Bäuerinnen und Bauern in neue Abhängigkeiten. Wer eine zukunftsfähige Landwirtschaft will, muss Bio-Betriebe stärker in den Fokus rücken. Es kommt auf den Mut zu echter Transformation an.“

Der BÖLW ist der Spitzenverband deutscher ErzeugerInnen, VerarbeiterInnen und HändlerInnen von Bio-Lebensmitteln und vertritt als Dachverband die Interessen der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland.

Quelle: presse@boelw.de vom 20.02.2025

Geld für die Metropolregion Nürnberg

Mehr bayerische Lebensmittel: Staatsministerin Kaniber fördert Beschaffungsagentur mit einer halben Million Euro, Pressemitteilung vom 12. Februar 2025

Mehr bayerische Lebensmittel auf Tellern im Großraum Nürnberg – bei diesem Ziel unterstützt das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus die Europäische Metropolregion Nürnberg. Auf der Weltleitmesse für ökologische Konsumgüter BIOFACH 2025 übergab Staatsministerin Michaela Kaniber der Europäischen Metropolregion Nürnberg e.V. einen Förderbescheid in Höhe von rund 546.000 €. In den kommenden zwei Jahren soll damit eine Entwicklungsagentur für regionale und bio-regionale Beschaffung für die Gemeinschaftsverpflegung in der Metropolregion Nürnberg eingerichtet werden.

„Die Beschaffungsagentur in der Metropolregion Nürnberg ist eine großartige Initiative und für uns ein wertvoller Baustein, um unser Ziel zu erreichen, mehr bayerische Lebensmittel in die Gemeinschaftsverpflegung von Kitas, Schulen, Behörden und Betrieben zu bringen“, so Staatsministerin Michaela Kaniber im Rahmen der Übergabe des Bescheides. Diesen nahm der stellvertretende Ratsvorsitzende, Landrat Johann Kalb (Lkr. Landkreis Bamberg) und die Geschäftsführerin der Metropolregion Nürnberg, Dr. Christa Standecker, entgegen.

Die bayerische Staatsregierung hat sich mit Ministerratsbeschluss im Jahr 2020 zum Ziel gesetzt, dass die staatlichen Kantinen bis zum Jahr 2025 mindestens 50 Prozent regionale oder ökologische Lebensmittel einsetzen. Diesem guten Beispiel sollen möglichst viele öffentliche Kantinen und Mensen folgen. „Die Kommunen spielen hierbei eine Schlüsselrolle. Denn insbesondere kommunale Beschlüsse stellen ein echtes Bekenntnis zu mehr Regionalität in der Gemeinschaftsverpflegung dar“, betonte Kaniber. Und weiter: „Die Metropolregion Nürnberg mit ihrer neuen Beschaffungsagentur ist ein wichtiger Partner für uns, um auf kommunaler Ebene mehr regionale Lebensmittel in die Gemeinschaftsverpflegung zu bekommen.“

Die Beschaffungsagentur ist eine wichtige Ergänzung zu den Maßnahmen der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der Heimatagenturen an den Regierungen sowie der Öko-Modellregionen, die in der Metropolregion Nürnberg liegen. Geographisch umschließt die Europäische Metropolregion Nürnberg die Regierungsbezirke Mittelfranken und Oberfranken, Teile von Unterfranken sowie etwa die Hälfte der Oberpfalz. In der Metropolregion leben 27 Prozent der bayerischen Einwohner und sie umfasst 31 Prozent der bayerischen Landesfläche. Das Projekt ‚Entwicklungsagentur für regionale und bio-regionale Beschaffung in der Metropolregion Nürnberg‘ soll als Leuchtturm für ganz Bayern fungieren und zeigen, wie regionale und bio-regionale Beschaffung für Verpflegungseinrichtungen vor Ort in den Kommunen gelingen kann.

Quelle: https://www.bayern.de/mehr-bayerische-lebensmittel-staatsministerin-kaniber-foerdert-beschaffungsagentur-mit-einer-halben-million-euro