- Okt. 10-16.00 Uhr: Demeter-Herbsttagung im Rudolf Steiner Haus Nürnberg
Vorträge, Gespräch, Bücherverkauf, Bio-Essen, Rieterstr. 20, 90419 Nürnberg, Eintritt frei
Vorträge, Gespräch, Bücherverkauf, Bio-Essen, Rieterstr. 20, 90419 Nürnberg, Eintritt frei
Sa, 15. Oktober, 13-15.00 Uhr: Ausflug zu Demeter-Bäckerei Wehr in 92348 Stöckelsberg,
Postweg 2a; Backstubenführung, Verkostung, Brotzeit mit dem Bäcker; bitte saubere Schuhe anziehen
und Stofftasche für Brot mitbringen; Anmeldung bis 10. Okt.: ritter@bio-verbraucher.de,
Tel. mit AB 0911 – 40 48 27; Bitte geben Sie an, ob Sie eine Mitfahrgelegenheit brauchen oder bieten.
Beitrag von Bioland e.V. vom 11.08.2022, Ausschnitt
Im Hinblick auf den Jahresbericht 2021 des BVL zum Inlandsabsatz von Pestiziden sieht Bioland weiterhin erheblichen Handlungsbedarf der Politik und der Zulassungsbehörden. Entgegen dem langjährigen Trend ist der Absatz von Pestiziden in Deutschland im vergangenen Jahr wieder
gestiegen (+ 4%). Insbesondere die Abgabe von Herbiziden (+ 13,7%) hat stark zugenommen. Alarmierend sei vor allem ein Anstieg um 33,9 Prozent (auf 4.097 t) bei dem umstrittenen Totalherbizid Glyphosat von 2019 bis 2021 sowie den beiden stark flüchtigen Mitteln Pendimethalin (+20,9%, auf 723 t) und Prosulfocarb (+46,5%, auf 1.416 t).
„Es ist nicht hinnehmbar, dass der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden erneut ansteigt“, so Gerald Wehde, Geschäftsleiter Agrarpolitik bei Bioland. „Der Einsatz von synthetischen Pestiziden verseucht das Grundwasser, fördert das Artensterben und den Biodiversitätsverlust. Hinzu kommen verunreinigte ökologisch bewirtschaftete Flächen durch Abdrift und Ferntransport, die zu Existenznöten der Landwirte führen können.“
Pestizidreduktion bis 2030
Die Europäische Kommission möchte mit dem Green Deal den Einsatz von Pestiziden bis 2030 um 50 Prozent verringern. „Die Daten aus dem BVL gehen in die falsche Richtung. Brüssel und auch Deutschland müssen jetzt in die konsequente Umsetzung ihrer Ausbauziele zum Ökolandbau kommen: Bis 2030 sollen in Deutschland 30 und EU-weit 25 Prozent der Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet sein. Mit dem forcierten Ausbau der ökologischen Landwirtschaft steht ein wirksames Instrument zur Verfügung, um mit der Pestizidreduktion voranzukommen. Bio7 Landwirte verzichten auf chemisch-synthetische Pestizide und mineralische Stickstoffdünger und erhalten so unsere Lebensgrundlagen“, so Wehde.
Quelle: Presseabteilung Bioland e.V., leon.mohr@bioland.de
WeMove Europe, Zuschrift vom 1. Juli 2022, Ausschnitt
Wir haben uns durchgesetzt! Die Agrarkonzerne nutzten alle nur erdenklichen Tricks, damit die EU-Kommission ihr neues Klimagesetz zum Schutz der Natur auf Eis legt. Sie haben dafür sogar den Krieg in der Ukraine benutzt. Aber die WeMove Europe-Gemeinschaft konnte die Wahrheit
mit eurer Hilfe in Brüssel deutlich machen. Wir sind nur noch einen Schritt davon entfernt, die ökologische Wende, die wir brauchen, durchzusetzen.
Wir wissen, dass die Klimakrise die wahre Bedrohung für unsere Lebensmittelversorgung ist. Schon jetzt machen Dürren und Hitzewellen den landwirtschaftlichen Betrieben in Europa die Arbeit schwer und bringen ihre Ernten in Gefahr. Wir brauchen mehr Natur! Wir müssen unsere Bäume schützen, die als Lungen unserer Erde Treibhausgase absorbieren und den Klimawandel bekämpfen.
Also haben wir gemeinsam dafür gesorgt, dass die führenden Politikerinnen und Politiker der EU die Wahrheit hören. Wir schickten Hunderte von Tweets an den Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius. Unsere Botschaft: Der Schutz der europäischen Natur ist wichtig für unsere Zukunft!
Er stimmte zu: Wir brauchen neue Gesetze zur Wiederherstellung der Natur! (Tweet von Sinkevičius, vom 13. Juni 2022: Die abnormalen Hitzewellen, die Spanien und Frankreich diese Woche erleben, zeigen, warum wir die Natur wiederherstellen müssen. Die Wiederbelebung von
Ökosystemen kann ein Drittel der bis 2030 erforderlichen Klimaschutzmaßnahmen ausmachen. Zusammen mit EU-Regierungen und der richtigen Gesetzgebung können wir es schaffen!
Wir sammelten über 100.000 Unterschriften! Gemeinsam mit unseren Partnerinnen und Partnern überzeugten wir den Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Frans Timmermans, das neue Gesetz zu verkünden. Er sagte: „Die Bürger Europas haben dies eingefordert.“
Das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur wird das erste in 30 Jahren sein, das den dramatischen Verlust unserer Ökosysteme stoppt: ein echter Gewinn für unsere Natur. Landwirtschaftliche Betriebe werden verpflichtet, mehr Bäume und Hecken anzupflanzen und den Einsatz chemischer Pestizide zu halbieren. Das schützt Bienen, Schmetterlinge und Feldvögel. Es trägt dazu bei, die Treibhausgase zu reduzieren, die den Klimawandel verursachen.
Bericht von Wolfgang Ritter
Ein italienischer Landwirt (San Lorenzo) hatte uns ein Paket mit seinen Erzeugnissen geschickt, die er im Direktvertrieb vermarktet. Wir haben das Paket behalten, Freunde eingeladen und ein italienisches Mittagessen bereitet. Es begann mit dem Testen des italienischen Olivenöls. Dazu
wurden Dinkel-Baguette-Stücke ins Öl getaucht. Das schmeckte allen. Dann folgte das Menü.
Antipasti
Um die „zerdrückten grünen Oliven nach Bauernart in Olivenöl“ aufzutischen, gab es zwei Vorspeisenplatten: Mozzarella mit Tomatenscheiben, garniert mit frischen Basilikumblättern und Oliven, beträufelt mit Olivenöl und dem gelieferten Weißweinessig und Schinkenröllchen mit Datteln gefüllt und ebenfalls mit Oliven garniert. Den Damen waren die Oliven zu säuerlich, für die Herren hat’s gepasst.
Pasti
Die San Lorenzo-Nudeln mit San Lorenzo-Tomatensauce und Streukäse hat allen geschmeckt.
Dolce
Zum Nachtisch gab es selbst gebackenen Kuchen, Eis und den mitgelieferten Café. Auch das hat allen geschmeckt.
Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit vom Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft e.V. und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau Österreich (www.FibL.org), Ausschnitt
Gründe für den Preisunterschied
Sicher ist: die hohen Folgekosten von viel zu billig (u.a. mithilfe von einem viel zu hohen Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide) produzierten Nahrungsmitteln, ist eine desaströse Fehlentwicklung, die einer politischen Nachregulierung am gesamten System bedarf. Bis diese greift, müssen wir uns mit den Fakten auseinandersetzen: Biolebensmittel kosten heute immer noch meist (etwas) mehr als herkömmliche Produkte. Die Ursachen sind höhere Produktionskosten durch arbeits- und platzaufwändigere Verfahren beim Pflanzenbau und in der Tierhaltung, dazu häufig geringere Erträge und eine oft zeit- und kostenintensivere Verarbeitung. Auch durch meist niedrigere Verarbeitungsmengen sind die Stückkosten höher.
Dazu kommen die Kosten für die umfassende Kontrolle der Bio-Richtlinien, die sich ebenfalls im Preis von Bioprodukten wiederfinden (BÖLW, 20121).
Je nachdem, um welche Produkte es sich handelt, ist der Mehrpreis für Bioprodukte jedoch sehr unterschiedlich und teilweise sogar nur gering. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn man ein Bioprodukt mit einem entsprechenden Markenprodukt vergleicht. Auch ist die Preisspanne gering, wenn man Lebensmittel aus saisonalem und regionalem Bio-Anbau bzw. entsprechend konventioneller Erzeugung miteinander vergleicht.
Das Rechenmodell
Um die Mär von «Bio ist für mich zu teuer» konkret zu entschärfen, ist die Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) (Schlatzer und Lindenthal, 20192) aufschlussreich. Sie zeigt nämlich, dass der Einkauf im Biomarkt gar nicht viel teurer sein muss, als zu konventionellen Produkten zu greifen. So wurde in einer Untersuchung der durchschnittliche Wocheneinkauf für eine vierköpfige Familie in Österreich nach verschiedenen Einkaufsvarianten berechnet und miteinander verglichen. Es wurde deutlich, dass sich der Umstieg des Einkaufsverhaltens hin zu einem Warenkorb mit gesünderen Nahrungsmitteln, d.h.
deutlich weniger Fleisch, mehr Obst und Gemüse, weniger Softdrinks etc. in der Summe preislich kaum niederschlug. Im Gegenteil – durch den Umstieg auf eine gesunde Ernährung könnte eine Familie in einer Woche am Ende einen Geldbetrag sparen, der ihnen ermöglichen würde, einen Anteil von mehr als zwei Dritteln ihrer gesamten Lebensmittel aus biologischer
Erzeugung einzukaufen.
Zugegeben – seine Ernährungsgewohnheiten dauerhaft zu ändern, ist nicht leicht. Doch blicken wir auf die Herausforderungen wie Klimawandel oder das Artensterben, ist ein verändertes Konsumverhalten im Grunde unumgänglich. Je schneller es uns jetzt noch gelingt, den Wandel selbstinitiativ voranzutreiben, umso weniger drastisch werden am Ende die Konsequenzen sein, die ansonsten nicht mehr verhandelbar sind.
Eine der wichtigsten Anpassungen, die jede und jeder vornehmen kann, ist beispielsweise die Verringerung seines Konsums von Wurst und Fleisch. So haben die Wissenschaftler*innen der
bereits genannten Studie errechnet, dass bei einer Veränderung hin zu gesünderer Ernährung mit u.a. einer Reduktion von Fleisch von jährlich derzeit im Schnitt 65 kg/Person auf ca. 20 kg/Person pro Jahr eine vierköpfige Modellfamilie etwa 40 % der ernährungsbedingten
Treibhausgase einsparen könnte. Im Grunde eine gute Nachricht, zeigt es doch das enorme Potenzial von Maßnahmen, die wir selbst in der Hand haben.
Quelle:https://enkeltauglichbio.sharepoint.com/:w:/s/Bndnisenkeltauglich/EQjZZOoXBjRDlaRrD
PYpgcUBcN-3B0BzNcOMEzdp-mos1g?rtime=YOqe7cRd2kg
Bericht von Wolfgang Ritter
Bio erleben auf dem Hauptmarkt in Nürnberg
Nach zwei Corona-Jahren konnte die BioMetropole Nürnberg Bio erleben auf dem Hauptmarkt in Nürnberg vom 22.-24. Juli endlich wieder durchführen – diesmal unter dem Titel bioERLEBEN & Agrikulturfestival. Es gab ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm, man konnte essen und
trinken, Vieles probieren, viele Informationen zu Bio sammeln, sein Bio-Wissen testen. Es gab auch Attraktionen für Kinder, z.B. eine Bio-Entdecker-Rallye. Der Bio-Verbraucher e.V. war dabei – auch als eine Anlaufstation der Bio-Entdecker-Rallye.
Unser Angebot an unserem Info-Stand:
BioFach
Nach einer virtuellen BioFach (eBioFach) im vergangenen Jahr fand die Weltleitmesse für Bio- Produkte diesmal im Sommer statt – vom 26.-29. Juli. Wie immer, hatte die BioMetropole Nürnberg einen Info-Stand – unterstützt von einigen ihrer Partner. Der Bio-Verbraucher e.V. war
wie immer dabei.
Höhepunkt am Gemeinschaftsstand war der Besuch des neuen Landwirtschaftsministers Cem Özdemir. Die Umwelt- und Gesundheitsreferentin der Stadt Nürnberg, Britta Walthelm,
moderierte. In einer Gesprächspause fragte Wolfgang Ritter vom Bio-Verbraucher e.V. den Minister: „Kennen Sie den Bio-Verbraucher e.V.?“ Özdemir: „Nein.“ Ritter: „Ich habe Ihnen doch schon zweimal geschrieben. Die Post ist wohl im Vorzimmer hängen geblieben … Ich hatte Sie gelobt, aber auch geschrieben, was wir von Ihnen erwarten.“ Özdemir: „Das ist immer gut. Ich kümmere mich darum.“ Ritter zum Abschied: „Viel Erfolg für Ihre Arbeit.“ Özdemir: „Ich tue mein Bestes.“
Bio-Brotbox-Aktion
Wie jedes Jahr wird die BioMetropole Nürnberg auch dieses Jahr etwa 10.000 gefüllte Brotboxen zum Schulanfang an erste Klassen in der Metropolregion Nürnberg liefern. Der Bio-Verbraucher e.V. unterstützt die Aktion regelmäßig mit einer Geldzuwendung und mit Packhilfe.
Hast auch du Lust auf Gespräche mit Verbrauchern bei Bio erleben, mit Erzeugern auf der BioFach oder zum Brotboxenpacken, dann komme zu uns als ehrenamtliche(r) Mitarbeiter*in. Kontaktiere bitte: Wolfgang Ritter, ritter@bio-verbraucher.de, Tel. 0911 – 40 48 27
Ägypten 2057: Die Bauern Ägyptens arbeiten in der Hauptausrichtung der Agrikultur nachhaltig, mit biologisch-dynamischen oder biologischen Methoden.
Zur Unterstützung der Bauern, die ihre Betriebe umstellen wollen, hat Sekem die „Egyptian Bio- Dynamic Association” (EBDA) gegründet. In enger Anbindung an die Biodynamic Federation (ehemals Demeter-International e.V.) werden die Kapazitäten der EBDA erweitert, um die
wachsende Anzahl an biologisch-dynamisch wirtschaftenden Bauern in Ägypten zu betreuen, die zu den wichtigsten Multiplikatoren für einen Wandel zählen. Wir erreichen hier bereits mehrere Tausend Landwirte und sind zuversichtlich, dass wir bis 2027 eine kritische Masse der sieben
Millionen ägyptischen Farmer erreicht haben, so dass ein sichtbarer Wandel in der Landwirtschaft stattfindet. Und in unserem “Wahat – Greening the Desert”-Projekt (siehe SVG 16) erproben wir, wie großflächig angelegte Wüstenbegrünungsmaßnahmen und Bio-Landwirtschaft auf ariden Böden wirtschaftlich lohnender und ertragreicher sind, als die unserer konventionellen Nachbarn. Ein Faktor dabei sind beispielsweise die Einnahmen durch die CO2- Bindung in Boden und Bäumen (siehe auch: Positive CO2-Bilanz in der Wüste).
Wir entwickeln gemeinsam mit der Biodynamic Federation Demeter International (BFDI) eine Strategie, die es bald allen Demeter-Bauern ermöglichen wird, ihre CO2-Bindung zu bestimmen und dafür einen finanziellen Ausgleich zu erhalten. Dies trägt dazu bei, dass eine Umstellung auf biologisch-dynamische Landwirtschaft attraktiver wird und entsprechend mehr CO2 in der Agrikultur gebunden werden kann. Und das nicht nur in Ägypten, sondern weltweit (siehe dazu auch SVG 9: Klimaneutralität).
Unsere Vision zeigt aber bewusst nicht nur den Öko- oder Demeter-Landbau als Lösung auf. Wir sind der Meinung, dass etwa die Bio-Kriterien längst nicht ausreichen für einen wirklich nachhaltigen Umgang mit der Natur. Pestizidgrenzen, der Verzicht auf chemische Düngung oder
das Verbot von genmanipuliertem Saatgut sind zwar wichtige Grundlagen, aber nachhaltige Agrikultur beinhaltet weitaus mehr als das. So sind etwa der Humusgehalt im Boden, der Einsatz des richtigen Saatguts, CO2-Bindung, aber auch soziale Standards oder die Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen von Bedeutung, um wirklich nachhaltig agieren zu
können (siehe dazu auch SVG 11).
Für die erfolgreiche und weitreichende Umsetzung eines solch nachhaltigen Agrikultur-Ansatzes ist neben konkreten Praxisprojekten die Bewusstseinsbildung auf allen Ebenen von Bedeutung. Während die Schülerinnen und Schüler der Sekem-Schulen schon lange Landbau-Epochen und Projekte zum nachhaltigen Umgang mit der Umwelt und natürlichen Ressourcen auf dem Lehrplan haben, wollen Sekem und die Heliopolis Universität anderen Schulen in Ägypten ihre Erfahrung in der Integration von Lernkonzepten für nachhaltige Entwicklung zur Verfügung
stellen. Über das Sekem-Bio-Unternehmen ISIS Organic und die SEKEM-Marke finden Informationskampagnen für KonsumentInnen statt und auch die Sekem-Landwirte werden gezielt darin geschult, ihre Erfahrungen mit konventionellen KollegInnen zu teilen.
Inspiration: Bio-Landwirtschaft für 2500 Kleinbauern
Bis Ende des Jahres 2022 wollen wir mindestens 2500 Bauern in Ägypten in biologischdynamischen Anbau-Methoden geschult haben, so dass sie im Prozess der Umstellung von konventionell zu biologisch-dynamisch sind. Da nicht alle von Sekem direkt unter Vertrag genommen werden können, leisten wir Unterstützung in der Abnahme und Vermarktung der Produkte, insbesondere während der dreijährigen Umstellungsphase, in der die Produkte noch nicht zertifiziert werden können. Wir bieten ihnen außerdem an, ihre CO2-Bindung zu zertifizieren. Den Preis, den wir dafür zahlen erhöht ihr Einkommen zusätzlich. 2500 Bauern sind zwar nur ein minimaler Prozentsatz der insgesamt sieben Millionen Landwirte im Land, aber wir sind zuversichtlich, dass die zu erreichende kritische Masse auf die Verbreitung und den darauf ffolgenden Jahren großflächig voranschreitet.
Quelle: Helmy Abouleish mit Christine Arlt: SEKEM, Inspirationen – Impulse für einen zukünftigen Wandel, ISBN 978-3-95779-165-8, Info-3-Verlag, Frankfurt am Main 2022, Kapitel „Sekem-Vision (SVG 5)/ Agrikultur: Ägypten 2057“
Liebe Leserinnen und Leser,
unser Partner Sekem in Ägypten und Firmenmitglied (https://shop.sekem.com) hat jetzt Visionen entwickelt, wie Ägypten in Zukunft aussehen soll und was man selber dazu beitragen möchte. Es ist einmalig, dass eine wirtschaftliche Initiative Visionen für einen ganzen Kontinent entwirft und veröffentlicht. Mit freundlicher Genehmigung der Autoren des neuen Buches „SEKEM, Inspirationen – Impulse für einen zukünftigen Wandel“ berichten wir davon (siehe auch Rubrik 2/ Landwirtschaft und Handel in diesem Info-Brief).
Unsere Visionen von Sekem und Ägypten bis 2057 im Überblick
KULTUR
ÖKOLOGIE
WIRTSCHAFT
SOZIALES LEBEN
Um unsere Ziele umzusetzen und zur Realisierung der Vision beizutragen, haben wir in allen Bereichen Visionsgruppen gegründet, die sich auf geistiger Ebene mit dem großen Leitbild hinter den Zielen befassen, Ideen entwickeln und die Vision präzisieren. Zur Umsetzung der Ideen gibt
es wiederum in jedem Bereich Center mit Fachleuten und angewandter Forschung, die mit der Realisierung betraut sind und dafür Sorge tragen, dass sich das Leitbild mit den Köpfen, Herzen und Händen der Menschen verbinden kann. In dieser Phase wollen wir herausfinden, wie wir die
Vision verwirklichen können. Es werden Modelle und Werkzeuge entwickelt für Prototypen, die es zu testen gilt. Diese Modelle werden so kreiert, dass es möglichst einfach ist, sie weitflächig zu übernehmen, damit sie bald systemrelevant werden können.
Quelle: Helmy Abouleish mit Christine Arlt: SEKEM, Inspirationen – Impulse für einen zukünftigen Wandel, ISBN 978-3-95779-165-8, Info 3 Verlag, Frankfurt am Main 2022
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter
Wirtschaft – Was ist es dir wert? Beitrag von Helmut Woll, Auszug
Assoziationen
Steiner hat den Begriff der Assoziationen zentral für die Ökonomie eingeführt. Sie sollen die Vernunft in den ökonomischen Prozess hineintragen. Der Liberalismus sieht im Marktprozess einen objektiven und anonymen Beurteilungsmechanismus für die Preise. Der Einzelne kann sie
nicht manipulieren. Die Assoziationen von Steiner sind das Gegenteil von anonymem Marktprozess oder zerstörerischem Wertgesetz. Die Mitglieder der Wirtschaft selbst sollen in jeden Tauschakt Vernunft und Gerechtigkeit hineinbringen. Insofern ist die Assoziation auch eine Erziehungsinstanz. Die Beteiligten müssen ihre Egoismen und Eitelkeiten unterdrücken und
sich bemühen, fachliche ökonomische Urteile zu fällen.
Ausgangsfrage ist für Steiner die Frage: Was ist der richtige (gerechte) Preis? Liberalismus und Marxismus kennen diese Gerechtigkeitsfrage aus dem Mittelalter nicht mehr. Der Preis soll nach Steiner so hoch sein, dass die Arbeitenden für sich und ihre Angehörigen in Zukunft ein neues
Produkt erstellen können. Diese Formel ist für Steiner erschöpfend, da sie alle Informationen in sich trägt. Aber wie man diese Formel realisiert, ist Aufgabe der Beteiligten. Die Bezahlung der Arbeit für die Zukunft ist ganz wesentlich in dieser Formel enthalten. Wirtschaften besteht darin,
dass man die künftigen Prozesse mit dem, was vergangen ist, ins Werk setzt: Natur-Arbeit- Kapital oder Natur-Arbeit-Geist.
Preise finden
Die herkömmliche Ökonomie kennt nur eine Preisformel. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Steiner plädiert auch hier für eine differenzierte Betrachtungsweise und weist drei Gleichungen nach. Nach Smith regelt sich der Preis von selbst durch Angebot und Nachfrage. In
der Wirklichkeit hat man nach Steiner nichts in der Hand mit diesen Begriffen. Dagegen braucht man bewegliche Begriffe. Angebot an Ware ist Nachfrage nach Geld. Angebot an Geld ist Nachfrage nach Waren. Es gibt drei Preisformeln, aber auch drei Geldbegriffe: Kaufgeld, Leihgeld und Schenkungsgeld. Welches Geld ist am produktivsten? Für Steiner ist klar, dass das Schenkungsgeld am produktivsten ist, da der menschliche Geist ständig Erfindungen und neue Verfahren kreiert.
Die Bearbeitung von Grund und Boden ist nach Steiner die Voraussetzung des Wirtschaftens. Die Geistesarbeitenden leben von den Handarbeitenden. Wie bewerten wir die Geistesarbeit? Der Wert der geistigen Arbeit ist so groß, wie sie körperliche Arbeit erspart. Es geht um eine funktionierende Arbeitsteilung, um gerechte Preise und ein Geld, das seiner Mystifikation
beraubt ist. Geld als ein rein rechnerisches Problem zu betrachten, kann man als Gegenthese zur marxistischen Geldauffassung ansehen. Für Marx ist Geld eine verhexte Ware. Der Geldschleier wird enttarnt, wenn man einsieht, dass er die Ausbeutungsverhältnisse verschleiern soll. Bei Steiner fällt der Geldfetisch, wenn man hinter die verschiedenen Preisformeln schaut.
Bewusste Gestaltung
Steiner knüpft an die freiheitlichen Ideen des Liberalismus an, reaktiviert den Organismusbegriff der Romantik, adelt die Land- und Handarbeit und sieht in den geistigen Leistungen der Menschen die Inspirationsquelle für die Wirtschaft und das Leben insgesamt. Das freie Geistesleben meint mehr als den Liberalismus mit seiner Wirtschafts- und Meinungsfreiheit. Es
ist das Plädoyer für eine neue wissenschaftliche Methode, die die Dinge auf allen Ebenen im wahren Sinn zutage fördert. Die Vorträge zur Nationalökonomie sollen ein Beleg sein für eine neue Geisteswissenschaft, die sich um die elementaren Dinge des Lebens wie Arbeit, Wert,
Lohn, Zins und Eigentum kümmert.
Quelle: www.dreigliederung.de/essays/2022-05-helmut-woll-wirtschaft-was-ist-es-dir-wert