Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft

Ergebnisse einer umfangreichen Studie (Ausschnitte)

Warum wurde die Studie durchgeführt?
Der ökologische Landbau gilt als ein nachhaltiges Landnutzungssystem und wird deshalb in besonderer Weise politisch unterstützt. Obwohl die Zusammenhänge zwischen der ökologischen Wirtschaftsweise und der Erbringung gesellschaftlich relevanter Umweltleistungen auf eine zunehmend breitere Anerkennung stoßen, werden die Potenziale des ökologischen Landbaus zur Bewältigung der umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderungen unserer Zeit in Politik und Wissenschaft weiterhin unterschiedlich bewertet. Vor diesem Hintergrund war es das Ziel des Forschungsprojektes Leistungen des ökologischen Landbaus für Umwelt und Gesellschaft, gesellschaftlichen Leistungen des ökologischen Landbaus in den Bereichen Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaschutz, Klimaanpassung, Ressourceneffizienz und Tierwohl auf der Grundlage einer umfassenden Analyse wissenschaftlicher Veröffentlichungen zu bewerten.

Welche Institutionen waren beteiligt?
An dem interdisziplinären Verbundprojekt waren folgenden Institutionen beteiligt: Thünen-Institut, Universität Kassel, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Justus-Liebig Universität Gießen, Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, Technische Universität München, Zentrum für angewandte Forschung und Technologie an der HTW Dresden. Die Koordination des Projektes lag beim Thünen-Institut (J. Sanders) und der Universität Kassel (J. Heß).

Was sind die zentralen Ergebnisse?
Die Auswertung der wissenschaftlichen Literatur ergab über alle Indikatoren hinweg, dass die ökologische Bewirtschaftung gegenüber der konventionellen Variante im Bereich des Umwelt- und Ressourcenschutzes bei 58 % der analysierten Vergleichspaare Vorteile aufwies. Bei 28 % konnten keine Unterschiede festgestellt werden, bei 14 % der Vergleichspaare war die konventionelle Variante vorteilhafter. Eine höhere gesellschaftliche Leistung durch ökologischen Landbau wurde insbesondere in den Bereichen Wasserschutz, Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, Klimaanpassung und Ressourceneffizienz festgestellt. Beim Klimaschutz hängt die Vorzüglichkeit des ökologischen Landbaus von der Betrachtungsebene (Emissionen pro Hektar / pro Tonne) ab.

Unter Berücksichtigung der quantitativen Auswertung der Ergebnisse der herangezogenen Studien sowie der qualitativen Auswertung der Literatur und der Produktionsvorschriften weisen 26 Leistungsindikatoren auf höhere Leistungen durch ökologischen Landbau hin. Bei 6 Indikatoren ist von vergleichbaren Leistungen auszugehen und bei einem Indikator von einer niedrigeren.

Die Unterschiede zwischen der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft im Bereich des Umwelt- und Ressourcenschutzes sowie des Tierwohls ergeben sich insbesondere durch den im ökologischen Landbau verfolgten Systemansatz, den daraus resultierenden Synergiewirkungen und der verminderten Produktionsintensität. Ferner ist zu berücksichtigen, dass eine ökologische Bewirtschaftung verschiedene Umweltbelastungen gleichzeitig reduzieren kann und folglich auch die aggregierte Wirkung bei der Bewertung des ökologischen Landbaus eine wichtige Rolle spielen sollte. Es ist deshalb zu schlussfolgern, dass der ökologische Landbau einen relevanten Beitrag zur Lösung der umwelt- und ressourcenpolitischen Herausforderungen dieser Zeit leisten kann und zu Recht als eine Schlüsseltechnologie für eine nachhaltige Landnutzung gilt.

Quelle: https://www.thuenen.de/media/ti/Infothek/Presse/Pressemitteilungen/2019/2019-01-21/190121_OEkolandbau_Auf-den-Punkt-gebracht.pdf

Sozialorganik im Wirtschaftsleben

„Es geht nicht mehr darum, dass ich etwas vom Leben wünsche oder erwarte, sondern jetzt braucht das Leben mich“, postuliert der Geschäftsführer unseres Firmenmitglieds Sonett den notwendigen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft. Lesen Sie im Folgenden Ausschnitte seiner Überlegungen.

Paradigmenwechsel im Wirtschaftsleben
Wendet man diesen Paradigmenwechsel auf die drei Glieder des Wirtschaftslebens, Natur/Ware, Arbeit und Kapital an, ergeben sich daraus umwälzende Konsequenzen. Wohin es führt, wenn man die Natur als bloßes Ausbeutungsobjekt versteht, liegt auf der Hand. Aber auch die gutgemeinten Nachhaltigkeitsbestrebungen bleiben zumeist nutzenorientiert, also Ich–bezogen.

Natur/Ware
Im Sinne der Sozialorganik geht es im Wirtschaftsleben nicht mehr primär um unseren persönlichen materiellen Nutzen, sondern um die Weiterentwicklung aller Beteiligten – auch der Natur. Wir haben von der Natur alles bekommen, jetzt ist es an uns, sie nicht länger auszunutzen, sondern ihr das zurückzugeben, was sie für ihre Weiterentwicklung braucht. Bei der biologisch-dynamischen Landwirtschaft leuchtet es jedem ein, dass wir die Ernte nur geschenkt bekommen, wenn wir den Boden seiner Art und seinem Zustand gemäß bearbeiten. Dies ist auch für alle anderen Bereiche der Gütererzeugung anwendbar. Unsere Ernährung und unsere materiellen Bedürfnisse werden in Zukunft nur noch dann ihre gesunde Befriedigung finden, wenn wir uns der Natur zuwenden.

Arbeit und Zusammenarbeit
Entsprechend verhält es sich auch auf dem Gebiet der Arbeit. Solange ich meine Arbeit als notwendiges Übel oder als Feld individueller Selbstverwirklichung oder individuellen Eigennutzens missverstehe, beute ich entweder aus oder werde ausgebeutet. Zugleich geht im Zuge globaler Arbeitsteilung alle Arbeit zunehmend in Richtung Spezialisierung. Das Arbeitsleben wird immer weniger Quell vollmenschlicher Befriedigung. Arbeit im neuen Sinn kann durchaus als Opfer bezeichnet werden, das seine Aufgabe erfüllt und fruchtbar wird, wenn ich den Sinn meiner Arbeit erkenne. Wenn meine Arbeit sinnvoll ist für Mensch und Erde, ich mich damit identifiziere und mir die anstehenden Aufgaben zu eigen mache, wird das „Opfer“ Quell einer höheren Befriedigung und Selbstverwirklichung.

Aus dem sozialorganischen Verständnis ergibt sich, dass die Einzelspitze in der Führung eines Unternehmens der Vergangenheit angehört. Einzelführung ist immer noch „zum Ich hin“ orientiert. Organik verträgt keine Vereinzelung sondern bedarf der Befruchtung, des Zusammenwirkens von Gegensätzlichem, lebt aus dem Prinzip von Polarität und Steigerung. Führung, die vom Ich ausgeht braucht den Partner.

Kapital
Eine ebenso tiefgreifende Wirkung hat die neue Sozialorganik im Bereich des Umgangs mit Kapital. Kapital hier verstanden als Produktionsmittel und den daraus entstehenden Gewinnen. Interessant ist, dass in den letzten Jahren, weitgehend unabhängig von anthroposophischen Unternehmen, sich Bewegungen entwickelt haben wie die „Gemeinwohl – Ökonomie“, „Unternehmensführung auf Augenhöhe“ und „Unternehmen in Verantwortungseigentum“. Unternehmer*innen erleben aus sich selbst heraus, dass die banale Gewinnmaximierung, bloßer Eigennutz und Ich-Zentrierung im Wirtschaftsleben nicht nur fehl am Platz sind, sondern geistig, sozial und materiell zerstörend wirken. Sie erleben sich zunehmend nicht mehr als unbeschränkt Herrschende, die nach Belieben mit dem Kapital des Unternehmens und ihren Mitarbeiter*innen umgehen, sondern vielmehr als Treuhänder, die für die Wirtschaftlichkeit und Weiterentwicklung ihres Unternehmens und der Mitarbeiterschaft Verantwortung tragen.

Ganz praktisch wird dieses neue Eigentumsverständnis bei der Regelung der Nachfolge. Nur durch Formen von Verantwortungseigentum wird die Unternehmenskontinuität vom Primat des Blutes und des Geldes befreit. Die Nachfolger*innen müssen nicht länger in der Erbfolge stehen und brauchen sich auch nicht „einzukaufen“, sondern die Nachfolge kann an diejenigen übergehen, die dazu am besten geeignet sind und sich die Unternehmensaufgabe zu eigen machen.

Zu diesem Verantwortungseigentum gehört auch die Verantwortung für die sachgemäße Verwendung der Gewinne. Das Verständnis des Gewinns eines Wirtschaftsunternehmens als Gemeingut, führt nicht nur über den Privategoismus hinaus sondern auch über die Zentrierung auf das eigene Unternehmen selbst. Unternehmen sind nicht nur für ihre eigene Finanzierung zuständig, sondern auch und vielleicht insbesondere für die Finanzierung von Initiativen des Geisteslebens, die aus ihrer Natur heraus auf freie Zuwendungen angewiesen sind. So gehören konkrete Kooperationen von Unternehmen, die wirtschaftlich wertschöpfend sind, mit Initiativen, die auf Spenden angewiesen sind, nach unserem Verständnis wesentlich mit zur neuen Unternehmensorganik. Die Herausforderung besteht darin, das Geistesleben nicht allein dem Staat zu überlassen der anonym Steuermittel verteilt, sondern dieses auch aus dem Verhältnis gönnerhaften Mäzenatentums bzw. karitativer Mildtätigkeit zu befreien.

Sozialorganik ist Leben aus der Zukunft
Zu den fundamentalsten Erkenntnissen im Zusammenhang der sozialen Dreigliederung gehört für mich die Feststellung Rudolf Steiners, dass Grund und Boden, Produktionsmittel, Arbeit und Geld keine Waren sind. Also nicht etwa, ein moralischer Aufruf wie „Eigentum verpflichtet“, wie es im deutschen Grundgesetz verankert ist, sondern die nüchterne Feststellung, dass wenn gegen diese Tatsachen verstoßen wird – was weitgehend der Normalfall ist – dies fundamentale wirtschaftliche Fehlentwicklung nach sich zieht. Diese Feststellung ist also kein Programm, sondern eine Krankheitsdiagnose. Wirtschaften „aus dem Ich“ gestaltet Eigentum an Grund und Boden, an Produktionsmitteln und Geld, sowie die Finanzierung des Lebensunterhalts neu.
Gerhard Heid in: Anthroposophie Nr. 288, Johanni 2019

Assoziatives Wirtschaften

Auszüge aus einem Beitrag von Ueli Hurter

Was ist der Kern des assoziativen Wirtschaftens? Der Kern ist das Prinzip des sich Assoziierens der wirtschaftlichen Akteure. Die wirtschaftlich tätigen Unternehmungen nehmen ihre wirtschaftlichen Beziehungen untereinander bewusst und willentlich in die Hand: Sie bilden Assoziationen. Dabei ist zu bedenken, dass es kein fixes Modell für Assoziationen gibt. Diese können sehr unterschiedlich sein: Klein um einen Hof oder groß für die ganze Branche in einem Land; auf ein Produkt bezogen oder auf die gesamte Wirtschaftstätigkeit; es kann mehr um die Warenzirkulation gehen oder mehr um die Kreditvergabe usw. In jedem Fall meint Assoziieren, sich verbindlich in die Assoziations-Gemeinschaft einzubringen, ohne die Eigenständigkeit aufzugeben.

Damit steht Assoziieren in der Mitte zwischen Kollektivieren und Anonymisieren. Ein Kollektivieren ist es nicht, denn das Einzelunternehmertum bleibt bestehen. Dafür gibt es einige Gründe, der hauptsächliche ist derjenige, dass die unternehmerische Leistung ihren Quellpunkt in der geistigen Produktivkraft der Unternehmenspersönlichkeit hat. Würgt man diese Kraft ab, wird das Wirtschaftsleben abgelähmt. Die sozialistischen Staaten des ehemaligen Ostblocks haben diesen Tatbeweis ja erbracht. Auf der anderen Seite wird das Wirtschaftsgeschehen nicht einfach den anonymen Kräften, die auf diesem Gebiet auftreten, überlassen. Die unsichtbare Hand von Adam Smith, die aus der Summe aller Egoismen die allgemeine Wohlfahrt hervorzaubern soll, ist eine Illusion, denn die reine Konkurrenzwirtschaft führt in den sozialen und ökologischen Ruin. Das Assoziieren nun ist nicht ein Kompromiss aus ein bisschen Marktwirtschaft und ein bisschen Planwirtschaft, sondern es beobachtet und gestaltet den wirtschaftlichen Prozess jenseits von Markt und Staat. In der Assoziation werden die Individualkräfte nicht unterdrückt, das heißt Innovation in der Einrichtung der Produktion ist genauso willkommen wie die Wahlfreiheit in der Konsumtion. Aber diese individuellen Freiheiten, die in der Wirtschaft, wo es um die Verteilung der irdischen Ressourcen geht (das heißt um die Frage «wie reich oder arm bin ich»), oft und gerne als Egoismen auftreten, werden mit den Ansprüchen oder Egoismen der anderen konfrontiert. Daraus ergibt sich ein «objektiver Gemeinsinn», wie es Rudolf Steiner nennt. «Objektiv» heißt hier sachgemäß. Diese Sache, z. B. die Erzeugung, Verarbeitung, Verteilung und Konsumation von Lebensmitteln in einer Region, stellt sich in der Assoziation so dar, dass jede und jeder sieht, was der eigene Beitrag ist und was die Beiträge der anderen sind. Entsprechend können eigene Ansprüche, z. B. der eigene Anteil am Endverkaufspreis, beurteilt und angepasst werden.

 

Wie bilde ich eine Assoziation?
Die Assoziation bilde ich konkret, indem ich meine Wirtschaftspartner an einen runden Tisch einlade. An diesem Tisch ist das erste Ziel, die wirtschaftlichen Vorgänge, die uns verbinden, gemeinsam in den Blick zu nehmen. Der zweite Schritt ist eine Beurteilung der gefundenen Lage – gibt es zu viel oder zu wenig Ware? Wie ist der Preis? Wie wird sich die Nachfrage entwickeln? – Der dritte Schritt ist die Veränderung, Gestaltung der wirtschaftlichen Parameter (Qualität, Menge, Preis), dabei handelt jeder Beteiligte in eigener Kompetenz, aber auf Grund des gemeinsamen Bildes und der gemeinsam beurteilten Lage.

Wie man sieht, werden in der Assoziation die gleichen Regelprozesse im Wirtschaftlichen vollzogen wie auch anderswo. Der entscheidende Unterschied ist, dass sie nicht anonym oder halb versteckt ablaufen, sondern willentlich und transparent.

Anmerkung der Redaktion: Im Folgenden werden drei Beispiele angeführt: CSA oder Solidarische Landwirtschaft, regionale Vernetzung und Koordination am Beispiel der Region Schweiz und Saatgut.
Quelle: Rudolf Isler, Ueli Hurter, Assoziatives Wirtschaften – Was verstand Rudolf Steiner unter einer wirtschaftlichen Assoziation?, Dornach 2019, siehe auch:

https://www.goetheanum-verlag.ch/nc/einzelansicht/artikel/assoziatives-wirtschaften/shop/5987/

 

BÖLW-Statement zur Studie der TU München zum Insektensterben

Forscher der Technischen Universität München veröffentlichten Ende Oktober 2019 eine umfassende Studie zum Insektensterben in Deutschland. Der Vorsitzende des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein, kommentierte sie am 30.10.2019 in einer Presseerklärung:

„Die neue Studie der TU München bestätigt auf erschreckende Weise bereits vorliegende Erkenntnisse. Das Artensterben setzt sich unvermindert fort und auch auf Grünland sind zwei Drittel der Insekten verschwunden.

Es muss uns klar werden, dass es hier nicht um das Hobby von Schmetterlingskundlern geht, sondern um die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme. Wenn Öko-Systeme nicht mehr intakt sind, können wir auch keine Nahrung mehr produzieren.

Auch wenn es nach Aussage der Forscher schwierig bleibt, Ursachen für das Insektensterben unmittelbar zuzuordnen, so ist doch klar, dass die Art und Weise der Landnutzung eine entscheidende Rolle für die Lebewesen spielt. Das zeigt sich u.a. daran, dass der Insektenrückgang vor allem auf solchen Grünlandflächen besonders stark ist, die von Acker umgeben sind. Die Wirkungszusammenhänge sind vielfältig: so hat die Evolution die Natur nicht darauf vorbereitet, mit chemisch-synthetischen Stoffen wie Pestiziden umzugehen, viele Organismen werden dadurch unmittelbar geschädigt. Die viel zu hohen Stickstofffrachten führen in den Ökosystemen zu einem enormen Selektionsdruck zugunsten von Arten, die von Stickstoff profitieren.

Wir werden das dramatische Artensterben nicht dadurch stoppen, dass wir durch technische Verbesserungen weniger vom Falschen machen oder durch isolierte Maßnahmen wie Blühstreifen punktuell entlasten – auch wenn solche Maßnahmen ein guter Einstieg sind. Vielmehr müssen Bäuerinnen und Bauern lernen, stabile Produktionssysteme aufzubauen, die ohne den Einsatz von Hilfsmitteln wie Mineraldünger oder chemisch-synthetische Pestizide auskommen und die Funktionsprinzipien natürlicher Ökosysteme intelligent nachahmen.

Damit das klar ist: Es geht nicht um Schuldzuweisung an Bauern. Es geht darum, dass wir auch in der Landwirtschaft Wege finden, naturverträglich zu wirtschaften – und zwar schnell, denn auch unsere eigenen Produktionsvoraussetzungen stehen auf dem Spiel. Das System des Ökolandbaus hat zwar wissenschaftlich eindeutig belegte Vorteile für die Artenvielfalt; trotzdem müssen alle, Ökolandwirte und ihre konventionellen Kolleginnen und Kollegen, bereit sein, neue Wege zu gehen, um dem Verlust an biologischer Vielfalt ein Ende zu setzen!“

Dem braucht man nichts hinzufügen. Eine Bemerkung nur: Löwenstein ist selbst Landwirt.

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für das neue Jahr
Ihr Wolfgang Ritter

Selbst gemachte Brotaufstriche – Rezepte zum Nachmachen

zu Bio erleben 2019 von Annemarie Gröger auf dem Hauptmarkt in Nürnberg serviert

Sonnenblumenkerne-Aufstrich
50 g Sonnenblumenkerne gemahlen (z.B. mit der Haferflockenmühle), 200 g Frischkäse, Salz, Pfeffer, Paprikapulver, 1 EL Rapsöl, 2 EL rote Paprika, klein geschnitten

Sonnenblumenkerne mit den restlichen Zutaten vermischen und kräftig würzen. Nach Bedarf mit verschiedenen Blüten dekorieren oder mit gerösteten Sonnenblumenkernen bestreuen.

Salbei-Oliven-Butter-Aufstrich
150 g Butter, 1/2 TL Kräuter-Salz, 1 Knoblauchzehe, 3 EL frische Salbeiblätter, 1 EL Tomatenmark, 10 schwarze Oliven

Butter mit Kräutersalz cremig rühren, fein gewürfelten Knoblauch, sehr fein geschnittene Salbeiblätter, Tomatenmark und klein geschnittene Oliven unterziehen. Gekühlt servieren.

 

Agrarpolitik muss endlich zum Teil der Klimapolitik gemacht werden

Zuschrift von foodwatch vom 20.09.2019

Sie haben es wahrscheinlich in den Medien verfolgt oder waren selbst auf der Straße: Heute haben Hundertausende für eine klimafreundlichere Politik gestreikt. Auch wir von foodwatch waren bei der Demo in Berlin dabei. Wir fordern, endlich die Landwirtschaft beim Thema Klima in die Pflicht zu nehmen. Denn hier gibt es enorme Einsparpotenziale. Die Landwirtschaft verursacht in etwa so viele klimaschädliche Gase wie der Straßenverkehr! Wie eine neue foodwatch-Analyse belegt, entstehen durch die Agrarbranche in der EU jährlich Klimaschäden in Höhe von 77 Milliarden Euro.

Das macht deutlich: Die Klimadebatte sollte nicht nur um Flugreisen und SUVs kreisen, denn die Landwirtschaft ist mit ihrer Überproduktion an Fleisch und klimaschädlichen Anbaumethoden eine riesige Treibhausgas-Schleuder. Statt diese Missstände anzugehen, fördert der Staat das fehlgeleitete Wirtschaften noch mit Milliardensubventionen. foodwatch fordert die Bundesregierung auf, die Agrarpolitik endlich zum Teil der Klimapolitik zu machen und verbindliche Vorgaben für die Einsparungen von CO2-Äquivalenten zu formulieren.

Doch wie könnten das aussehen? Das Verursacherprinzip muss gelten: Die Landwirtschaft muss für die von ihr verursachten Klima- und Umweltschäden aufkommen. Das senkt die Klima-Emissionen und macht umweltfreundlich erzeugte Produkte günstiger, umweltschädlichere Produkte teurer. Nur mit einer umfassenden ökologischen Reform des gesamten Agrarsektors lassen sich diese Einsparungen erzielen.

Wie ist unsere Studie entstanden? foodwatch hat zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu den sogenannten externen Effekten der Landwirtschaft analysieren lassen. Darunter versteht man Kosten, die durch landwirtschaftliche Produktion zum Beispiel in der Umwelt entstehen – die aber nicht von Verursachern, sondern von der Allgemeinheit getragen werden. Die Studienauswertung zeigt, wie enorm die externen Effekte der Landwirtschaft seien, insbesondere auf das Klima.
Mehr zu der Studie: www.foodwatch.org: EU-Landwirtschaft verursacht Klimaschäden von 77 Milliarden Euro, Nachricht vom 18.09.2019

 

„Bio erleben“ lockte etwa 40.000 Gäste auf den Hauptmarkt in Nürnberg

Grundstein für Event wurde 2004 vom Bio-Verbraucher e.V. gelegt

Vom 19. bis 21. Juli war das Thema Bio in Nürnberg wieder in aller Munde. Bis zu etwa 40.000 Menschen kamen auf den Hauptmarkt, um sich über Öko-Lebensmittel, -Getränke, -Kleidung und andere -Produkte auszutauschen. Rund 100 Aussteller aus den unterschiedlichsten Bereichen hatten wieder zum Schlemmen, Probieren, Informieren und Kaufen eingeladen – darunter auch der in Johannis ansässige Bio-Verbraucher e.V. An seinem Stand gab es unter anderem einen Müsli-Workshop für Kinder und zahlreiche Kostproben. Vereinsvorsitzender Wolfgang Ritter ist von der riesigen Resonanz der Bevölkerung begeistert, erinnert sich aber auch an ganz andere Zeiten. Mit dem Bio-Verbraucher e.V. gehört er zu den Vätern von „Bio erleben“.

„In den Jahren 2005 und 2006 waren trotz Werbung lediglich wenige hundert Menschen zur Vorläuferveranstaltung, den Bio-Erlebnistagen, gekommen“, erinnert sich Ritter. Der Bio-Verbraucher e.V. war damals erst ein Jahr alt und wollte Produzenten und Verbraucher bei einem regelmäßigen stattfindenden Event auf dem Gelände der Anthroposophischen Gesellschaft in Johannis zusammen bringen. Nachdem auch die zweite Auflage nur einen bescheidenen Erfolg gebracht hatte, erfolgte eine Manöverkritik im Rathaus. „Mit der Initiative Bio-Metropole Nürnberg war die Stadt mittlerweile Mitglied in unserem Verein und fand das Konzept der Bio-Erlebnistage trotz der zunächst schwachen Resonanz überzeugend“, erinnert sich Ritter. Aber wie sollte man bloß mehr Menschen erreichen? „Warum machen wir so etwas nicht auf dem Hauptmarkt?“, lautete die Frage, die zur Antwort führte.

Schon ein Jahr später (2007) fand das erste „Bio erleben“ auf Nürnbergs zentralem Platz statt. Von Anfang an lockte die Veranstaltung mit einem hochkarätigen Programm. So fand etwa ein Front-Cooking mit Nürnberger Spitzenköchen statt – darunter etwa Andree Köthe vom Sterne-Restaurant Essigbrätlein. Auch Bürgermeister Ulrich Maly wagte sich an den Herd. „Waren in Johannis nur einige hundert Besucher gekommen, waren es jetzt aus dem Stand 25.000“, blickt Wolfgang Ritter zurück. Schon damals gab es 60 Aussteller, 2008 waren es schon 80. Heute sind es an die 100 und das Interesse am Thema Bio wächst stetig.

Der Bio-Verbraucher e.V. setzt sich deshalb nicht nur an diesen wenigen Tagen im Jahr für die Förderung von ökologischen Lebensmitteln ein. Er steht das ganze Jahr über für bio-regionalen, bio-saisonalen und bio-fair gehandelten Konsum, bringt Erzeuger, Händler, Dienstleister und Verbraucher in Kontakt und bietet regelmäßig Veranstaltungen an. Zum Beispiel Bio-Kochkurse mit gemeinsamem Essen, spannende Bio-Ausflüge zu Firmenmitgliedern und vieles mehr. Zudem betreibt der Verband Lobbyarbeit für die gute Sache und steht im Austausch mit der Stadt und vielen anderen Organisationen.

Wem die Vernetzung aller am Bio-Wirtschaftsprozess Beteiligten ein Anliegen ist, wer wissen möchte, woher seine Nahrungsmittel kommen, wer möchte, dass die Verbrauchermeinung immer mehr an Bedeutung gewinnt, der kann im Bio-Verbraucher e.V. Mitglied werden (Jahresbeitrag für Personen 24 Euro, für Firmen ab 30 Euro). Bio-Adressen, Nachrichten aus der Bio-Welt, Angebote & Gesuche, Termine und Beitrittserklärungen auf www.sei.bio und www.netz.bio.
Bericht von Andreas Hempfling