Tomatensaft, Apfelmark, Apfelmus und Radler getestet

Tomatendirektsäfte und Säfte aus Konzentrat
Öko-Test hat 20 Tomatensäfte testen lassen. Es gibt große Unterschiede in Qualität und Preis. Sechs der 14 ökologischen Säfte sind „sehr gut“ (Alnatura, Beutelsbacher, Heirler, Rossmann, Voelkel) oder „gut“ (DM). Das sind alles Direktsäfte. Fast alle anderen Säfte sind aus Konzentrat hergestellt und erreichen in der Bewertung nur „befriedigend“ (Netto, Norma, Aldi, Dohrn & Timm) oder „ausreichend“ (Amecke = Direktsaft, Dennree, Lidl). Die Direktsäfte sind teurer. Die Preise pro Liter reichen von 1,70 (DM) bis 3,99 Euro (Beutelsbacher und Heirler).

Apfelmark und Apfelmus
Alle sieben getesteten Bio-Apfelmarkprodukte schneiden „sehr gut“ ab. Die Preise liegen zwischen 1,45 Euro (DM) und 1,93 Euro je 700 Gramm (Rossmann). Ausgerechnet das konventionelle Eden Apfelmark von Heirler mit Spuren von drei Pestiziden und einem Wachstumsregulator (Bewertung „gut“) ist das teuerste getestete Produkt: 4,63 Euro pro 700–Gramm-Glas. Die drei getesteten Bio-Apfelmussorten von Aldi Süd, Aldi Nord und Lidl sind „gut“ und kosten 1,93 bzw. 1,95 Euro je 700 g. Kaufen Sie nicht die konventionellen Sorten Odenwald Apfelmus („mangelhaft“) oder Globus Apfelmus 100% Golden Delicious („ungenügend“). Beide weisen erhöhte Pestizidspuren und/oder Wachstumsregulatoren auf.

Radler
50 Biermischgetränke (üblicherweise etwa ½ Bier/ ½ Limo) wurden getestet. Kein Radler erhält die Note „sehr gut“, weil sie alle zu viel Zucker enthalten. Die vier getesteten Bio-Produkte sind „gut“ (Neumarkter Lammsbräu und Vogelsberger Landbrauereien) oder „befriedigend“ (Neumarkter Glossnerbräu und Störtebeker Braumanufaktur). Die 46 konventionellen Produkte sind mit „gut, befriedigend“ oder „ausrechend“ bewertet worden.
Quelle: ÖKO-Test, Magazin 8/2020

Fakten zu Cholesterin – sollte man aufs Frühstücksei verzichten?

Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die überwiegend vom Körper selbst, der Leber, produziert wird. Es wird zur Schutzhülle für unsere Zellen gebraucht und bildet Hormone und die Gallensäure, die für gute (Fett-)Verdauung sorgt. Ein Viertel des Cholesterins nehmen wir über die Nahrung auf. Man spricht von „gutem“ und „bösem“ Cholesterin. Zum Transport des Cholesterins von der Leber in die Körperzellen durch das Blut und zurück zur Leber, muss es an Eiweiße (Lipoproteine) gebunden sein. Den Hintransport besorgt das Low Density Lipoprotein (LDL), den Rücktransport das High Density Lipoprotein (HDL). Das LDL ist das „böse“, weil es Cholesterin in die Arterienwände einbaut. Zuviel davon kann zu Verkalkung (Arteriosklerose) führen. Das „gute“ HDL kann das nur bedingt ausgleichen. Eine wichtige Rolle spielt dabei das Verhältnis von LDL und HDL. Liegt der LDL-Wert dreifach über dem HDL-Wert, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen an. Als gesund gelten Werte unter 130 mg/dl LDL und Werte über 45 mg/dl HDL.

Wie kommt es zu erhöhten Cholesterinwerten und welche Folgen hat das?
Wenn eine genetische Fettstoffwechselstörung vorliegt oder wenn man sich zu wenig bewegt, führt das oft zu einem erhöhten Cholesterinspiegel. Aber auch fettreiche Ernährung und zu viel Alkoholkonsum sowie bestimmte Arzneien (Kortison) oder Vorerkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion. Auch Stress kann den Cholesterinspiegel steigen lassen. Leider merkt man erhöhte Cholesterinwerte nicht; erst eine Blutuntersuchung fördern sie zu Tage. Die Ablagerungen verengen die Blutgefäße. Das wiederum kann zu Durchblutungsstörungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Was kann man gegen hohe Cholesterinwerte tun?
Der Arzt kann Cholesterinsenker (Statine) verordnen. Das wird er aber nur tun, wenn Risikofaktoren, wie Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck bestehen, die die Gefahr für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen. Statine sollen dem vorbeugen, haben aber Nebenwirkungen wie Muskelschmerzen, erhöhte Blutzucker- und Leberwerte oder Magen-Darm-Beschwerden. Besser ist eine gesündere Lebensweise: Übergewicht abbauen, auf Alkohol und Nikotin weitgehend verzichten, für regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung sorgen. Als besonders gesund gelten Omega-3- und -6-Fettsäuren, die reichlich in Fisch und kalt gepressten nativen Oliven-, Raps-, Hanf-, Walnuss- und Leinölen vorkommen. Nach verschiedenen Studien wirken sich auch günstig auf den Abbau von überflüssigem Cholesterin der Verzehr von Äpfeln, Floh- und Leinsamen, Ingwer, Walnüssen, Knoblauch, Hülsenfrüchten, Avocado und Tofu aus. Über 38 internationale Studien belegen, dass fünf bis sechs Tassen ungesüßter Grüner Tee täglich das LDL-Cholesterin herunterfahren.

Muss ich auf das Frühstücksei verzichten?
Ein Eigelb liefert 185 mg Cholesterin, doch es beeinflusst den ungünstigen LDL-Wert im Blut nicht so gravierend wie lange angenommen. Bleiben wir unter der Gesamtmenge von 300 mg Cholesterin am Tag, brauchen wir auf das Frühstücksei nicht zu verzichten.
Quelle: vital August/September 2020

Nachhaltige Landwirtschaft braucht Rinder

Ulrich Mück, Berater beim Demeter-Verband, nimmt die vermeintliche Klimaschädlichkeit
der Nutztierhaltung ins Visier

„Esst Bio-Rindfleisch aus regionaler Produktion!“ diesen Slogan würde Ulrich Mück vom Demeter- Erzeugerring Bayern am liebsten überall plakatieren. Denn seine Befürchtung ist: Aufgrund der vielen unbestätigten und irreführenden Zahlen und Statistiken im Kontext von Nutztierhaltung und Klimawandel würden auch eingefleischte Biokunden in eine fleischlose Lebensweise abdriften. Er weiß: Ohne Rinderhaltung gibt es keinen Ökolandbau mit geschlossenen Betriebs-Kreisläufen. Mit seinem Vortrag „Braucht nachhaltiger Ökolandbau Rinder?“ ist er deshalb auf Einladung des Bio-Ring Allgäu und den Ökomodellregionen durchs Allgäu gezogen, um diese Tatsache mit zahlreichen Statistiken und Expertisen erneut ins Bewusstsein zu rufen.

Mück unterstreicht die große Bedeutung der Rinder für die Landschafts- und Bodengeschichte der Erde. „Über Jahrtausende gab es eine Koexistenz unserer Graspflanzen und -tiere mit grasfressenden Rindern“, betont er. Nur durch den Biss der Rinder würden Gras und Kräuter zu neuem Wachstum angeregt. Und das Rind könne aus dem rohfaserreichen Gras für den Menschen wichtige Nahrung erzeugen. In der menschlichen Ernährung haben die „Getreidefresser“, deren Futter sich gutteils daraus zusammensetzt, den weitaus größten Anteil am Fleischverzehr. Seit 1990 hat sich ihr Anteil an der Tierhaltung in Deutschland gewaltig gesteigert: Puten (+121%), Masthähnchen (+182%), Schweine (+6%), Legehennen (+20%). Diese Tierarten machen 82,5% des Fleischkonsums aus und stehen in unmittelbarer Konkurrenz zur menschlichen Ernährung. Rindfleisch macht nur 14,8% des in Deutschland verzehrten Fleisches aus.

Mück entwirft ein Szenario: Hätten wir 100 Prozent Ökolandbau (im Moment etwa 10 Prozent bundesweit), wäre Europa unabhängig vom Futtermittelimport, es gäbe keine Pestizide und keinen synthetischen Dünger mehr. Gesunde Ernährungsformen würden sich verbreiten (weniger tierische Nahrungsmittel, mehr Früchte, mehr Gemüse) Grünlandflächen würden ausgedehnt und extensiviert. Ebenso die Weidehaltung. Es gäbe mehr Biodiversitätsflächen. Bei einem Produktionsrückgang um 35 Prozent im Jahr 2050 würden die Treibhausgase aus der Landwirtschaft um 45 Prozent reduziert, mehr Biodiversität erreicht und natürliche Ressourcen geschützt. Mück: „Bei diesem Szenario hat die Extensivierung und Ausdehnung der Weidehaltung eine Schlüsselrolle. Dies macht die Erhaltung und Neugliederung von Grünland, die Erzeugung von Kleegras und dadurch die Bodenfruchtbarkeit möglich. Sie trägt dazu bei, die Biodiversität zu erhöhen, die Klimaveränderung zu reduzieren und ermöglicht Tierhaltung in hoher Qualität.“ Sein Credo: Rinder sind für den nachhaltigen Ökolandbau unverzichtbar. Sie verwerten Grünland und das für den Öko-Ackerbau notwendige Kleegras. Sie hinterlassen wertvollen hofeigenen Dünger, so dass kein Düngerzukauf nötig ist.

Eine Zuhörerin bei Mücks Vortrag im Allgäu, selbst Biobäuerin, warf ein: „Wir müssen den Verbrauchern klar machen, dass wer Milch möchte, auch Fleisch essen sollte. Nur wenn eine Kuh kalbt, gibt sie Milch. Wo sollen wir sonst mit den männlichen Kälbern hin?“. Das sei im Bewusstsein der Verbraucher nicht so präsent.
Quelle: Demeter Bayern | Rundbrief Nr. 147, Juni 2020| Seite 13

Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft, Teil 1 (Teil 2 in Info-Brief 65)

Eine alte Idee und neue Entwicklungen, Beitrag von Engelhard Troll

Der vorliegende Artikel beschreibt die Schwierigkeiten, die bei der Assoziationsbildung auftreten, und zeigt, dass diese nicht zuletzt in der Form des gewöhnlichen Denkens liegen, mit der meist versucht wird, sogenannte „praktische“ Lösungen zu finden.“

Richtige Preise im falschen System?
„Praktischen Lösungen“ (sind zum Beispiel) auch solche Erzeuger-Verbraucher-Zusammenschlüsse wie die food-coops der späten 68er, das Abokistensystem, Modelle der solidarischen Landwirtschaft, aber auch solche Teillösungen, wie fairer Handel und das Maßnahmenpaket der neuen Demeter-Vertriebsstrategie. Hier sieht Eisenhut es als problematisch an, dass es sich um Insellösungen handelt, sobald ich als Erzeuger meinen durchaus gerechten Preis eingenommen habe, verlasse ich beim Beschaffen von Betriebsmitteln, Maschinen und Gütern des eigenen Bedarfs, z.B. von Kleidung, aber auch bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen oder dem Zahlen von Steuern diesen „geschützten“ assoziativen Bereich. So stellt er die weitergehende Idee der Assoziation die einer beschränkten Konsumgenossenschaft gegenüber und formuliert provozierend: „Richtige Preise im falschen System?“ „Doch warum müssen solche Initiativen im bestehenden Wirtschaftssystem relativ schnell an ihre Grenzen kommen? . . . Weil hier nur eine einseitige Organisation innerhalb einer Branche vorliegt. Er kommt zu dem Resümee seiner großen Entschuldigung vor den zukünftigen Generationen, wir müssen es machen wie ein Bauer: Der schaut die Wurzeln an, wenn der Baum krank ist, nicht die Zweige, das sind die Regierungen, Politiker und Konzerne.

Deshalb wird man auch innerhalb der Lebensmittelbranche zu keiner wirklichen Assoziationsbildung kommen, wenn nicht daran gearbeitet wird, wie die Preise der Lebensmittel sich zu den Preisen der Erzeugnisse anderer Branchen verhalten. Dieses Preis-Leistungsverhältnis der Branchen untereinander wird nicht zuletzt davon bestimmt, wieviel Menschen in einer Branche beschäftigt sind.

Unsinnige Beschäftigungsstrukturen – „bullshit-jobs“
Nun beschreibt Eisenhut die Rolle der Landwirtschaft im üblichen Drei-Sektorenmodell, im ersten Sektor, der Urproduktion, nimmt sie einen minimalen Randbereich ein mit 0,619 Mio. Erwerbstätigen. Im zweiten Sektor, dem produzierenden Gewerbe, arbeiten in Handwerk und Industrie 10,5 Mio. Erwerbstätige, im tertiären Sektor der Dienstleistungen die restlichen 32,5 Mio. Menschen. Nun verweist Eisenhut auf ein Buch des an der London School of Economics lehrenden David Graeber (Bullshit-Jobs – Vom wahren Sinn der Arbeit, Stuttgart 2018). Graeber beschreibt auf S. 40 „eine Form der bezahlten Anstellung, die so vollkommen sinnlos, unnötig oder gefährlich ist, dass selbst derjenige, der sie ausführt, ihre Existenz nicht rechtfertigen kann, obwohl er sich im Rahmen der Beschäftigungsbedingungen verpflichtet fühlt, so zu tun, als sei das nicht der Fall“. Vor allem in aufgeblähten Verwaltungen größerer Unternehmen und staatlicher Behörden, aber auch besonders bei Finanzdienstleistungen.

Warum hat das eine Auswirkung auf die Landwirtshaft? Weil das Gleichgewicht gestört wird, das Geld als objektiver Maßstab der Leistungsbewertung nicht mehr geeignet ist. Und er zeigt eine andere Möglichkeit auf, um das zu verdeutlichen: „Gesamtwirtschaftlich würde überhaupt keine Verteuerung eintreten, wenn in Deutschland statt 0,6 Millionen Menschen 3,5 Millionen in der Landwirtschaft tätig wären und dafür Sorge trügen, dass der Boden nachhaltig bearbeitet wird, so dass er seine Fruchtbarkeit erhält, dass die Insekten- und Vogelwelt richtig leben kann, dass die Tierhaltung von Achtsamkeit geprägt ist usw. Diese Landwirte könnten alle ein ausreichendes Einkommen haben, und es würde genügend Geld für eine gründliche und Freude bereitende Ausbildung vorhanden sein – wenn es nur gelänge, die „bullshit-Jobs“, die kein Mensch braucht, zu eliminieren. Der Einzelne müsste dann zwar einen größeren Teil seines Einkommens für die Ernährung aufwenden, dies würde jedoch dadurch kompensiert, dass andere Ausgaben niedriger ausfielen. Genau das ist aber das Ziel einer assoziativen Wirtschaft. Denn diese arbeitet darauf hin, den gegenseitigen Wert der menschlichen Arbeitsprodukte herauszufinden“.
Quelle: Demeter Bayern, Rundbrief Nr. 143, Juni 2019

„Das Geheimnis der Liebe“ – „Wirtschaft der Liebe“

Liebe Leserinnen und Leser,

im letzten Info-Brief haben wir über den neuen Standard/ das neue Siegel „Wirtschaft der Liebe“ berichtet (siehe Info-Brief 63/ Assoziative Zusammenarbeit; auch auf www.netz.bio/ Archiv). Gerne möchte ich einige Gedanken zur Bedeutung von Liebe in der Wirtschaft vortragen, die ich dem Buch „Das Geheimnis der Liebe“ von Pietro Archiati, ISBN 978-3-86772-611-5, entnommen habe (Ausschnitte aus den Seiten 183 ff).

„Wenn die Liebe mehr als nur Selbstgenuss sein will, wenn sie sich bemüht, sich die Angelegenheiten anderer zu eigen zu machen, dann wird sie bestrebt sein, immer besser zu erkennen, was ein Mensch in der Menschheit, was er für sie und was sie für ihn ist. Wer einen Menschen liebt, wird auch all das wichtig nehmen, was er für sein Dasein von den anderen benötigt, er wird auch all das fördern, was dieser Mensch seinen Mitmenschen geben kann. Und die ganze Menschheit als einen lebendigen, übersinnlichen Organismus zu lieben heißt, immer besser die tausend Wege zu erkennen, wie alle einzelnen Menschen und alle Völker sich ineinander gliedern, um sich gegenseitig zu fördern. Was in der heutigen Menschheit am dringendsten nottut, sind Menschen, die in ihrem denkenden Bewusstsein die gesamte Menschheit als einheitlichen Organismus tragen, sie so geistesgegenwärtig haben, dass diese Liebe zum inspirierenden Quell selbst bei den kleinsten Handlungen im Alltag werden kann.“

„Der soziale Organismus ist die Verkörperung der menschlichen Liebe. Die drei Grundkräfte der Liebe – die Liebe zur Freiheit jedes Einzelnen, die Liebe zur Solidarität aller Menschen untereinander und die Liebe zum Menschen in jedem Menschen – finden ihren Ausdruck in der dreigliedrigen Gestaltung der gesellschaftlichen Ordnung. Ein erster Bereich umfasst alle wirtschaftlichen Tätigkeiten. Die Wirtschaft gedeiht durch eine ganz besondere Erscheinungsform der Liebe, die man die Kunst der Solidarität oder der Brüderlichkeit nennen kann. Vor allem die moderne Wirtschaft ist für die Befriedigung reiner Bedürfnisse auf die Arbeitsteilung gebaut, und Arbeitsteilung heißt: Jeder ist auf die Arbeit des anderen angewiesen, jeder kann nur für den anderen arbeiten und keiner für sich. Ein zweiter eigenständiger Bereich des sozialen Zusammenlebens entsteht durch eine andere, ganz besondere Art der Liebe, nämlich durch das berechtigte Bestreben jedes einzelnen Menschen, bei der Herstellung von Waren und Dienstleistungen seine Fähigkeiten auf freie Weise zur Geltung zu bringen. Zu diesem Bereich gehören die Pflege der Kultur, der wissenschaftlichen Forschung, die Kindererziehung sowie die Förderung aller Begabungen, alle künstlerische Tätigkeit und der religiöse Umgang mit der Welt des Geistes.“

„Weil individuelle Freiheit und gemeinschaftliche Solidarität nicht anders können als eine gesunde Spannung zu erzeugen, ist eine ständige Vermittlung zwischen diesen zwei Gegensätzen des Lebens notwendig. Diese Vermittlung wird durch eine dritte Art der menschlichen Liebe gewährleistet, die der Freiheit und der Solidarität den gleichen Wert beizumessen weiß. Es ist die Liebe zur Würde aller Menschen, insoweit sie alle durch ihre Begabungen gleich Gebende und in ihren Bedürfnissen gleich Empfangende sind. Dieser dritte Bereich des Sozialen, wo es um Gerechtigkeit, die gleichen Rechte und Pflichten aller Menschen geht, kann nur gedeihen, wenn er seine eigene Selbständigkeit hat, weil er sich weder vom einseitigen Geist der Freiheit noch von dem der Brüderlichkeit verfremden lassen darf.“

„Nur der einzelne Mensch kann denken und lieben, niemals eine Gruppe oder ein Volk, das ja nur aus einzelnen Menschen besteht. Nur das Individuum kann die Entscheidung treffen, jeden Menschen und die ganze Menschheit zu lieben – kein Staat ist dazu fähig. Jede Volkswirtschaft wird der Weltwirtschaft gegenüber immer ohnmächtiger, der einzelne Mensch aber immer mächtiger. Er kann Entscheidungen treffen – etwa über die Art und Weise, wie er mit seinem Geld umgeht, wo und wie er seine Kaufkraft einsetzt -, die einen direkten Einfluss auf die Weltwirtschaft haben und die zugleich seine Liebe zu Mensch und Natur unmittelbar ausdrücken können.“

Weitere Sichtweisen auf Aspekte der Liebe im Wirtschaftsleben sind dargelegt in: Wolfgang Ritter, „Wirtschaft der Liebe – Elemente einer künftigen Wirtschaftsordnung“, Borchen 2016, ISBN 978-3-89979-220-1. In Kapitel 6 wird gezeigt, wo Ansätze für die Verwirklichung der Liebe im Wirtschaftsleben zu finden sind, Kapitel 7 zeigt Wege zur Liebe im Wirtschaftsleben.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Bio-Ausflug

Sa, 19. September: Besuch der Streuobst-Initiative Hersbrucker Alb e.V. mit Führung durch den Obstgarten, Vortrag in der Info-Scheune, Verkostung, Einkaufsmöglichkeit, Kaffee und Kuchen; Anmeldung gerne schon jetzt, damit wir erfahren, mit wie vielen Teilnehmern/ Teilnehmerinnen wir rechnen können; Wolfgang Ritter, ritter@bio-verbraucher.de, T. 0911 – 404827 (AB)

Kohlrabi-Blätter gebraten, eine Delikatesse …

Burger an Gemüsechips und Kohlrabi-Blättern
Zubereitungszeit: 30 Min. So geht’s (für 2  Personen)

Zwei kleine Kohlrabis von den Blättern befreien und schälen. Zwei mittlere Möhren putzen und halbieren. Kohlrabi und Möhren zu Chips stifteln. Ich habe dazu ein Küchengerät, das zur Herstellung von Kartoffelchips gedacht ist (siehe Bild). Gemüsechips und entstielte, gewaschene Kohlrabi-Blätter 10 Minuten in kochender  Gemüse-Brühe blanchieren. Blanchierte Kohlrabi-Blätter in der Pfanne mit Öl, Knoblauch und Zwiebeln anbraten. Nach etwa fünf Minuten etwas von der Brühe zum „Löschen“ der Blätter in die Pfanne geben, mit Pfeffer abschmecken. Weitere 15 Minuten bei geschlossenem Pfannendeckel dünsten. Fertig-Burger oder Back-Camembert oder beides in der Bratröhre grillen; nach einiger Zeit wenden.

„Ein Serviervorschlag aus der einfachen, schnellen, regionalen Bio-Küche!“

Guten Appetit wünscht Wolfgang Ritter

Anmerkungen zum Corona-Syndrom

Ausschnitte aus einem mehrseitigen Skript von Dr. med. Thomas Hardtmuth, per Email erhalten am 09.05.2020

Überall, wo der Mensch zerstörerisch in Naturräume eindrang, die über Jahrmillionen der Evolution entstanden sind und in denen sich höchst komplexe, ökologische Gleichgewichtssysteme gebildet haben, wurden Viren frei, die zu menschlichen Pathogenen wurden. Beispiele: Als belgische Kolonialherren im Kongo Eisenbahnen bauten und Städte in den Urwald hineintrieben, haben sich die in den dort lebenden Affen (Makaken) sesshaften Lentiviren langsam an den Menschen angepasst. Daraus entstanden später die Erreger der AIDS-Erkrankung, die HI-Viren. Als die Britische Ostindien-Kompanie im 19. Jahrhundert große Flächen rodete, um Reisanbau zu betreiben, kamen immer mehr Menschen in Kontakt mit dem Brackwasser und mit den darin lebenden Mikroorganismen – daraus ging die erste von insgesamt sieben großen Cholera-Pandemien hervor. Auch beim Ebolavirus, welches eine hochfieberhafte, hämorrhagische Infektion auslöst, an der die allermeisten Patienten versterben (2014 gab es 11.000 Tote in Westafrika), sind Flughunde das natürliche Reservoir. Über Schweine und Affen als Zwischenwirte, in denen die Viren weiter mutieren, gelangen sie in den Menschen. In den amerikanischen Massentierhaltungen sind über 50% der Masttiere mit EHEC infiziert, Keime, die für den Menschen, aber nicht für die Tiere schädlich sind. Durch die industriellen Großbetriebe fallen riesige Mengen an Exkrementen an, die gar nicht mehr auf die Felder ausgebracht werden können und deshalb in großen Jauchegruben abgelagert werden – der ideale Nährboden für EHEC-Erreger. Über das Trinkwasser gelangen sie in die menschlichen Nahrungskreisläufe und sorgen in den USA für etwa 90.000 EHEC-Erkrankungen pro Jahr.

Auf den sogenannten Wet-Markets in Asien, v.a. in China, werden lebende Tiere angeboten, die dann unmittelbar vor dem Verkauf geschlachtet werden. Die Tiere stehen hier oft aufgestapelt in engen Käfigen und erleiden einen maximalen Stress, wodurch zahlreiche Viren freigesetzt bzw. zwischen Tieren und Menschen ausgetauscht werden. Als primärer Infektionsort der gegenwärtigen Coronavirus-Epidemie wird der „Wuhan Huanan Großhandelsmarkt für Fische und Meeresfrüchte“ in China angenommen. Auch die Erreger von SARS, Vogelgrippe und anderen neuen Seuchen stammen aus solch beschämenden Verhältnissen bzw. aus der Massentierhaltung.

Wir müssen uns die grundsätzliche Frage stellen, ob wir durch unseren rücksichtslosen Umgang mit der Natur nicht letztlich einen für uns selbst tödlichen Preis bezahlen, was ja auf immer mehr Ebenen immer deutlicher wird. Mit einer verhängnisvollen Ahnungslosigkeit für systemische Naturzusammenhänge agiert die globale Lebensmittelindustrie nach dem Motto „Langfristige Katastrophen für kurzfristigen Profit“. Durch riesige Monokulturen werden die Populationsgrößen von einzelnen Arten massiv verändert, was zu ökologischen Gesamt-Dysbiosen und damit zu Krankheitsdispositionen in unüberschaubaren Ausmaßen führt.

Die Ära Maly ist vorbei, der Beauftragte für das Netzwerk Biometropole bleibt

Dr. Werner Ebert im Interview mit Wolfgang Ritter

  1. Die Ära Maly (Oberbürgermeister)/ Pluschke (Umweltreferent) geht nun zu Ende, du wirst die Arge BioMetropole Nürnberg weiter führen. Wie kam es zur Gründung? Waren Maly und Pluschke damals schon im Amt?

Ulrich Maly war gerade ein Jahr Oberbürgermeister. Peter Pluschke war noch Leiter der Stadtentwässerung und Umweltanalytik; er wurde 2008 zum Umweltreferenten gewählt. Der Start von Bio in Nürnberg ist wirklich schon lange her. Der erste Stadtratsbeschluss war 2003. Gefordert wurde er von aktiven Unternehmern, wie z.B. Hubert Rottner, dem Gründer der BioFach Messe. Initiiert wurde der Beschluss von Stadträtinnen der CSU und Bündnis90/Die Grünen, die SPD schloß sich dem an. Ein sehr wichtiger Hintergrund war, dass zu der Zeit Renate Künast Landwirtschaftsministerin war und erstmals in großem Stile deutschlandweit den Ökolandbau und die Bio-Branche gefördert wurde. Dies motivierte seitdem Städte und Landkreise selbst aktiv zu werden. Seitdem ist ja Bio richtig kommunal und regional geworden.

2. Wie hast du die Zeit mit diesen beiden Politikern erlebt? Anregend, unterstützend, abwägend, bremsend?

Oberbürgermeister und Umweltreferent sind natürlich zentrale Personen, wenn es um die Förderung einer Wirtschaftsbranche und um den Einsatz von gesunden Bio-Lebensmitteln geht. Beide haben wichtige Türen für Bio geöffnet, etwa auf Ebene der EU, des italienischen Netzwerkes „Cittá del Bio“, im deutschen Städtetag oder über die deutschen Bio-Städte. Beide haben auch den Kongress StadtLandBio, der parallel zur BioFach stattfindet, mit befördert. Überhaupt ist die BioFach natürlich ein wichtiges Aushängeschild für Nürnberg; beide waren auf der Messe immer als Vertreter Nürnbergs sichtbar. Klar, kann man immer mehr tun. Bei den Veranstaltungen und Empfängen des Oberbürgermeisters hätte ich mir mehr Bio gewünscht. Damit würde zwar nicht der Markt verändert, es hätte jedoch eine hohe Symbolwirkung. Ob Lebensmittel mit viel Chemie oder Konservierungsstoffen produziert werden, hat ja unmittelbaren Einfluss auf unsere Gesundheit. Ich kann mir für die Arbeit im Referat für Umwelt und Gesundheit sehr gut vorstellen, diesen Zusammenhang noch stärker herauszustellen.

3. Von wem gingen üblicherweise die Ideen und Initiativen in der Arge aus – von diesen beiden Vorgesetzten, von anderen Ämtern, von dir selbst, von den anderen Mitgliedern der Arge (Unternehmer und zivilgesellschaftliche Organisationen)?

Für mich ist nicht wichtig, von wem die Ideen ausgehen. Wichtig ist mir ein Umfeld zu haben, in dem Ideen gedeihen und das Menschen mit Ideen anzieht. So ging der Anstoß, Bio erleben durchzuführen, ja von den Bio-Verbrauchern aus.  Die essbare Stadt haben der Ernährungsrat bzw. Bluepingu in Nürnberg auf den Egidien-Platz und den Platz vor der Jakobskirche gestellt. Natürlich gingen auch wichtige Initiativen von uns aus, wie z.B. die Einrichtung der Öko-Modellregion, Förderprojekte zum Urgetreide Emmer oder das Netzwerk „Bildung. Ernährung. Ökolandbau“. Die Aufgabe von Oberbürgermeister und Referent ist dabei oft, politische Unterstützung vor allem im Stadtrat, aber auch durch Landes- und Bundesregierung zu organisieren. Hier konnte ich mich auf beide immer verlassen.

4. Wenn du nun auf über die 17-jährige Arbeit der Arge BioMetropole Nürnberg zurückblickst: Was waren Ereignisse, an die du dich gerne erinnerst, was waren große Herausforderungen, Pleiten und Erfolge?

In der alltäglichen Arbeit erscheinen Maßnahmen oft schwierig, es geht nur zäh vorwärts. Wenn ich jedoch  innehalte und auf diesen längeren Zeitraum schaue, staune ich aber dann doch, was wir alle zusammen erreicht haben. Im Jahr 2003 gab es so gut wie kein Bio-Essen in den Einrichtungen und bei Veranstaltungen der Stadt. Bei den Kitas liegt der Bio-Anteil mittlerweile bei 75%.  Auf dem Christkindlesmarkt gibt es zu Bratwurst, Glühwein und Lebkuchen immer eine Bio-Alternative. In der Rathauskantine ist eines von vier Gerichten bio. Die Berufsschulen für Ernährung und Versorgungsmanagement sowie die Berufsschule für Köche, Bäcker, Metzger sind (und das deutschlandweit einmalig) bio-zertifiziert. Die Projekte und Erfolge der Öko-Modellregion sind da noch gar nicht mitgezählt.

Am Anfang haben uns viele mit dem Bio-Thema auch nicht ernst genommen. Mittlerweile haben wir viel Rückenwind und offene Türen. Vor allem die Bayerische Staatsregierung fördert den Ökolandbau und vor allem auch die Öko-Modellregionen auf beachtlichem Niveau. Das Ziel 30% Ökolandbau bis 2030 ist ambitioniert, aber auch erforderlich. Auf Bundesebene gibt es die Zukunftsstrategie Ökolandbau. Und sogar auf EU Ebene passieren aktuell interessante Dinge. So soll es eine EU weite Ernährungsstrategie geben und im Rahmen des Green Deal der EU soll die Förderung des Ökolandbaus ein wichtiges Ziel innerhalb der EU sein.

5. Wie sieht die Zukunft der Arge BioMetropole Nürnberg aus? Welche Ziele hast du dir gesetzt? Welche Unterstützung erhoffst du dir?

Der Stadtrat hat im Oktober ja noch neue Ziele bis zum Jahr 2026 beschlossen. Das ist unser Arbeitsauftrag. Es muss sich aber auch noch zeigen, wie der neue Oberbürgermeister Marcus König und der neue Stadtrat sich beim Thema Bio positionieren. Vor dem Hintergrund von Bayern bioregio 2030, der Bio-Initiative der Staatsregierung, und der verbesserten Förderung durch das Bundesprogramm Ökolandbau erwarte ich weiter Unterstützung. Britta Walthelm, die neue Referentin für Umwelt und Gesundheit, wird das Thema Bio sicher genauso aufgreifen wie Dr. Pluschke. Ich erhoffe mir, dass die Unterstützung durch Initiativen, Vereine, Verbände und Unternehmen in Nürnberg weiter zunimmt und wir Bio noch mehr zum Markenzeichen für Nürnberg machen können. Über die Erarbeitung einer Ernährungsstrategie, so der Stadtratsbeschluss im Oktober, versuchen wir ab dem nächsten Jahr auch besondere Beteiligungsmöglichkeiten zu bieten. Insofern sprechen wir mittlerweile nicht mehr von der Arge, sondern vom Netzwerk Biometropole. Dies soll zum Ausdruck bringen, dass Bio nicht nur ein Projekt der Stadt ist, sondern in Nürnberg und in der Region breit verankert und durch das Engagement vieler Menschen getragen ist.

Kontakt: Dr. Werner Ebert, Stadt Nürnberg, Referat für Umwelt und Gesundheit, Hauptmarkt 18, 90403 Nürnberg, Tel: 0049 911 231 4189, werner.ebert@stadt.nuernberg.de