Cornflakes zum Frühstück? Ja, bitte. Mit Acrylamid? Nein, danke.

Bericht von Wolfgang Ritter

In vielen Familien kommen Cornflakes oder andere geröstete Flocken auf den Frühstückstisch. Pestizid-Rückstände, Acrylamid, Mineralölbestandteile und anderen giftige Stoffe möchte man aber nicht mitessen. Diese Gifte wurden aber in Produkten namhafter Hersteller (Kellogg’s, Nestlé, Seitenbacher oder Davert) nachgewiesen. ÖKO-Test hat 50 Frühstücksflocken auf belastende Inhaltstoffe testen lassen, 22 konventionell und 28 biologisch erzeugte Produkte. Jeweils sieben Flocken waren teils stark oder mehrfach belastet und wurden deshalb mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewertet.

Wir führen hier die 17 besten und die 7 schlechtesten Bio-Produkte auf:

Marke und Hersteller Preis pro 300g/in €/Bewertung
Bio Primo Cornflakes ungesüßt/ Müller Drogeriemarkt 1,45 sehr gut
Bio-Zentrale Kraft der Natur Cornflakes ungesüßt 2,70 sehr gut
Davert Cornflakes glutenfrei, ohne Zucker und Salzzusatz 2,75 sehr gut
DM Bio Dinkelflakes 2,32 sehr gut
Ener Bio Cornflakes, glutenfrei, ohne Zuckerzusatz/ Rossmann 1,49 sehr gut
Hensel Bio Dinkel-Vollkorn Flakes/ Schoenenberger 4,62 sehr gut
Rewe Bio Dinkel Flakes 2,35 sehr gut
Spielberger Mühle Cornflakes, glutenfrei 3,59 sehr gut
Werz Glutenfrei Buchweizen Flakes, ohne Zuckerzusatz 5,36 sehr gut
Werz Glutenfrei Mais Flakes, ohne Zuckerzusatz 4,75 sehr gut
Allos Buchweizen Cornflakes, glutenfrei 3,59 gut
Alnatura Cornflakes, glutenfrei 1,51 gut
Alnatura Dinkel Flakes 2,39 gut
Alnavit Bio Cornflakes glutenfrei, ohne Zuckerzusatz 2,39 gut
Bio Primo Dinkelflakes ungesüßt/ Müller Drogeriemarkt 2,25 gut
Eden Cornflakes (Reformhaus) 3,09 gut
Verival Bio Cornflakes ungesüßt, glutenfrei 3,23 gut
Denree Cornflakes 1,43 mangelhaft
Ener Bio Dinkel Flakes, ohne Zuckerzusatz/ Rossmann 2,39 mangelhaft
K-Bio Dinkelflakes/ Kaufland 2,28 mangelhaft
Korngabe Naturkost Dinkelflakes mit Honig/ Albtal Naturkost 3,59 mangelhaft
Davert Vollkorn Cornflakes glutenfrei, ohne Zucker und Salzzusatz 3,35 ungenügend
Spielberger Mühle Dinkelflakes ungesüßt 3,59 ungenügend
Vitabella Mehrkornflakes, glutenfrei/ Molino Nicoli 4,29 ungenügend
Quelle: Öko-Test Magazin 2/2021

Wege zur Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben

Auszug aus Wolfgang Ritter: Wirtschaft der Liebe – Elemente einer künftigen Wirtschaftsordnung, 2. Auflage 2016, ISBN 978-3-89979-220-1

Partner im Wirtschaftsleben sind Käufer und Verkäufer. Brüderlichkeit im Wirtschaftsleben bedeutet: Interesse für den Geschäftspartner, Kenntnis seiner Handlungsbedingungen und Verständnis für seine Bedürfnisse. Wie kommen nun Käufer und Verkäufer zu brüderlichem Handeln?

Man kann eine erste Erfahrung machen: Ich denke! Also bin ich verbunden mit übersinnlichen Welten, denn das Denken ist zwar an den physischen Leib gebunden, aber übersinnlicher Natur. Es funktioniert z.B. auch nach dem Tode. Durch mein Denken habe ich Anteil an der göttlichen Weisheit – und alle anderen Menschen auch. Alle Menschen sind von den gleichen Göttern gedacht wie du und haben durch ihr Denken Anteil am göttlichen Weisheitsstrom, der aber frei lässt im Handeln. Bedenke die anderen Menschen, deine Brüder! Aus der Erfahrung eines vertikalen Weisheitsstromes bilde ich einen horizontalen und löse damit Egoismen auf der Denkebene auf. Eine zweite Erfahrung sagt mir: Göttliche Liebe durchströmt mich – und alle anderen Geschöpfe auch. Alle Geschöpfe werden von den Göttern genauso geliebt wie du. Liebe du sie auch! Aus der Erfahrung eines vertikalen Liebesstromes bilde ich einen horizontalen und löse damit Egoismen auf der Gefühlsebene auf. Jetzt kommt es darauf an, den Egoismus auch auf der Willensebene zu überwinden bzw. die Liebe oder Brüderlichkeit auch im täglichen Handeln walten zu lassen.

Gesichtspunkte für den Käufer
Der Käufer als Wirtschaftspartner entscheidet durch seine Nachfrage über das, was produziert wird. Rege Nachfrage führt zu erneuter Produktion; Güter, die nicht genügend nachgefragt werden, verschwinden aus dem Angebot. Er kann für seine Kaufentscheidungen Firmen/ Angebote bedenken, durch die Vernunft und Liebe in das wirtschaftliche Miteinander hinein kommt. Es gibt für den Käufer verschiedene Gesichtspunkte, sich für das eine oder andere Produkt zu entscheiden. Folgende Überlegungen können Beispiele dafür sein:

a) klassische Gesichtspunkte
Das Unternehmen bietet genau das Produkt/ die Dienstleistung, das/ die ich brauche, hat Waren zu günstigen/ günstigsten Preisen, verkauft Produkte guter/ bester Qualität, fertigt schöne Produkte, bietet viele Arbeitsplätze, ist bedeutend für mein Land, zahlt Steuern im Inland.
b) moderne Gesichtspunkte im Sinne der Brüderlichkeit
Das Unternehmen
• fördert das Gemeinwohl, die Wissenschaft, die Bildung, das sonstige kulturelle Leben
• folgt im eigenen Unternehmen sozialen Grundsätzen (social entrepreneur)
• arbeitet nachhaltig (ökologisch)
• produziert in der Region (regionale Wirtschaftskreisläufe entlasten die Umwelt)
• handelt fair (gerechte Preise für die Rohstofflieferanten, fair trade)

Gesichtspunkte für den Verkäufer
Den vom Herzen dirigierten Unternehmern hat man die Bezeichnung „social entrepreneur“ (Sozialunternehmer) gegeben. Ihnen ist nicht ein maximaler, eigener Gewinn wichtig, sondern die bedarfsgerechte Versorgung ihrer Mitmenschen. Sie beziehen die Käufer in ihre Produktionsentscheidungen/ ihr Angebot und ihre Mitarbeiter in ihre Arbeitsablauf- und Arbeitsplatzgestaltung mit ein. Sie überlegen zum Beispiel Folgendes:

a) klassische Gesichtspunkte: Kundenzufriedenheit ist der Schlüssel für geschäftlichen Erfolg. Das bedeutet: Wir müssen moderne Produkte in ausreichender Menge und guter Qualität liefern. Wir müssen unser Angebot/ unsere Arbeitsbedingungen optimieren, um möglichst hohe Gewinne zu erzielen und langfristig im Wettbewerb bestehen zu können. Wir wollen neue Produkte/ Dienstleistungen auf den Markt bringen, um unseren Umsatz und Gewinn zu steigern. Dazu müssen wir Geld für Marktforschung einsetzen, um zu erfahren, was bei den Kunden ankommt. Um eine marktbeherrschende Stellung zu erzielen, müssen wir versuchen die Konkurrenz durch ruinösen Wettbewerb zu verdrängen oder durch Übernahme mit anschließender Integration oder Zerschlagung auszuschalten.
b) moderne Gesichtspunkte im Sinne der Brüderlichkeit
• Jeder Mensch ist auch ein potentieller Wirtschaftspartner, Kunde oder Mitarbeiter mit Fähigkeiten, Ideen und Kaufkraft für unsere Unternehmung. Deshalb gilt es, das Image des Unternehmens zu pflegen. Wir wollen uns als nachhaltig arbeitendes, sozial geführtes, dem Allgemeinwohl verpflichtetes Unternehmen einen guten Namen machen.
• Wir sollten die wirklichen Bedürfnisse/ den wirklichen Bedarf ermitteln, um bedürfnis- und bedarfsgerecht zu erzeugen/ anzubieten.
• Unsere Mitarbeiter leisten gute Arbeit, wenn sie alle Arbeitsschritte kennen, ihren Beitrag im Betriebsgeschehen beherrschen und ihren Arbeitseinsatz angemessen gewürdigt und honoriert sehen. Mitarbeiteraus- und -fortbildung, menschengemäße Arbeitsablauf- und Arbeitsplatzgestaltung sowie zeitgemäße Einkommensgestaltung gehören zu den Aufgaben der Unternehmensführung.
• Ertrag wird durch den Einsatz von Kapital und Arbeit erzielt; er gehört also aufgeteilt unter den Kapitalgebern und Arbeitsleistenden. Langfristig ist die Entlohnung abzulösen durch die Ertragsteilung. Man kann vorläufig Modelle der Arbeitnehmerbeteiligung am Gewinn erproben.
Auf diese Weise gelebte Vernunft wird bei den Wirtschaftspartnern zu dem Wunsch nach besserer gegenseitiger Wahrnehmung führen: Der Weg für die Bildung von Branchen-Assoziationen ist frei.

Gefüllte Paprikaschoten, Linsen mit Tomatensauce – vegan und glutenfrei

Du kochst für Menschen mit Gluten- und Laktose-Intoleranz? Vielleicht auch noch vegetarisch oder vegan? (Geht aber auch mit Hackfleisch.) Und es soll schnell gehen? Hier, was ich kürzlich in einer halben Stunde probiert habe.

Zutaten
Pro Person eine Paprikaschote (grün, rot oder gelb), Reis, Quinoa-Taler (oder Hackfleisch), kleine rote Linsen, eine Zwiebel, Tomatensauce, mediterrane Gewürze, Paprikapulver, Pfeffer, Olivenöl, Rosinen, Datteln

Zubereitung
Reis zum Kochen aufsetzen, Paprikaschoten oben aufschneiden, aushöhlen, waschen und mit wenig Wasser im bedeckten Topf etwa 10 Minuten blanchieren, Bohnen waschen und etwa 10 Minuten kochen. Zwiebel zerkleinern und in Öl anbraten, zerkleinerte Quinoa-Taler (für zwei Personen eine Packung = 6 Stück) oder Hackfleisch und Gewürze dazu geben und alles bei mittlerer Temperatur etwa 5 Minuten braten; Paprika aus dem Kochwasser nehmen, Reis mit etwa 4/5 der Bratmasse vermischen und damit die Paprika füllen, zum Rest der Bratmasse eine Flasche (für zwei Personen etwa 500 ml) Tomatensaft in die Pfanne geben und etwa fünf Minuten erwärmen, abschmecken, fertig! Die Paprika, Bohnen, Tomatensauce mit dem Reis-Rest, den man mit Rosinen und Datteln garnieren kann, servieren.

Guten Appetit wünscht Wolfgang Ritter

Besser, aber nicht ausreichend

Bioland-Präsident Jan Plagge kommentiert Beschlüsse der Agrarministerkonferenz zur Umsetzung der EU-Agrarpolitik

„Die heutigen Beschlüsse sind nach den zuletzt immer wieder gescheiterten und verschobenen Verhandlungen der Agrarminister*innen ein positives Zeichen. Anders als die Vorschläge von Landwirtschaftsministerin Klöckner zeigen sie mit einer dynamischen Umschichtung von Direktzahlungen aus der ersten Säule in Agrarumweltmaßnahmen der zweiten Säule in die richtige Richtung. Um die nationalen und europäischen Umweltziele zu erreichen, reichen die Beschlüsse aber nicht aus. Dazu müssen in der kommenden Förderperiode sowohl das Finanzbudget für die Eco-Schemes stärker ansteigen als auch deutlich mehr Mittel aus der ersten in die zweite Säule umgeschichtet werden. Über dynamisch ansteigende Finanzmittel müssen schließlich die Leistungen der Landwirt*innen für den Umwelt- und Klimaschutz honoriert und der Ausbau des Ökolandbaus entsprechend der nationalen und europäischen Flächenziele für 2030 finanziert werden.“ Auf unserer Website haben wir die Bioland-Kernforderungen im Superwahljahr 2021 gesammelt: www.bioland.de

Bioland wird 50
Bioland feiert in diesem Jahr 50. Geburtstag. In Presseterminen, bei Hofbesuchen und mit vielen Jubiläumsaktionen erzählen wir entlang unserer Historie, woher Bioland kommt und wofür der Verband heute steht. Was 1971 mit einer Idee von 12 Frauen und Männern begann, hat sich zu Deutschlands größtem Bio-Anbauverband mit rund 10.000 Betrieben aus Erzeugung, Herstellung und Handel entwickelt. Die Bioland-Betriebe wirtschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette nach strengen Bioland-Vorgaben. Gemeinsam bilden sie eine Wertegemeinschaft zum Wohl von Mensch und Umwelt und setzen sich auf vielen Ebenen für die Anliegen des Ökolandbaus und den Erhalt unserer Lebensgrundlagen ein.
Pressemitteilung vom 26.03.2021, gerald.wehde@bioland.de

Der Bio-Verbraucher e.V. gratuliert herzlich zum Jubiläum und freut sich auf weitere, gute Zusammenarbeit.

Live-Diskussion zur eBioFach 2021

Die BioMetropole Nürnberg hatte auch dieses Jahr den Bio-Verbraucher e.V. als Mitaussteller zur BioFach eingeladen, die diesmal wegen Corona nur im Internet stattfand. Wir beteiligten uns mit einer Live-Diskussion mit Experten. Das Thema lautete: „The Great Reset“ – Wie könnte ein Neustart unserer Gesellschaft aussehen? Was ist uns wichtig? Wie kann die Zukunft gerechter und grüner gestaltet werden?

Unsere Experten waren Prof. Karl-Dieter Bodack, Fachmann für Sozialgestaltungen, Johannes Ehrnsperger, Chef der Neumarkter Lammsbräu, Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft), Richard Mergner, Vorsitzender Bund Naturschutz in Bayern und Dr. Peter Pluschke, Umweltreferent der Stadt Nürnberg von 2010-2020. Nach der Diskussion bat ich unsere Experten, mir in wenigen Sätzen für diesen Info-Brief zu schreiben, was jetzt dringend nötig ist, damit wir wirklich einer gerechteren und grüneren Zukunft entgegen gehen. Hier die eingegangenen Antworten und meine Meinung.

Johannes Ehrnsperger
Mir ist besonders wichtig, dass den Menschen bewusster wird, wie wichtig es ist, auf welche Art und Weise unsere „Mittel zum Leben“ hergestellt werden und dass jeder von uns täglich mit seinem Konsum das Heft des Handelns in der Hand hält, ob die Welt für unsere Enkel in Zukunft noch lebenswert sein wird oder nicht. Durch die Corona-Pandemie ist dieses Bewusstsein durchaus angestiegen, es gibt aber noch viel zu tun.

Dr. Felix zu Löwenstein
Wir sind in einem Wahljahr im Bund und etlichen Ländern und erste Eindrücke lassen hoffen, dass die Themen um Klimawandel und Biodiversität, Lebensstile, Ernährung und Landwirtschaft enorme Bedeutung gewonnen haben. Wenn wir wollen, dass die nächste Bundesregierung die auf diesen Feldern notwendige Transformation einläutet, dann müssen jetzt, wenn die Wahlprogramme erstellt werden, die Telefone bei den Abgeordneten klingeln. Sie müssen erfahren, dass sie sowohl Erwartungsdruck als auch Unterstützung für eine zukunftsfähige Agrar-, Energie-, Umwelt- und Wirtschaftspolitik bekommen.

Dr. Peter Pluschke
Zentraler Baustein für eine gesunde, moderne Ernährungspolitik ist die Förderung der ökologischen Landwirtschaft. Dazu können Bund, Länder und Gemeinden durch Verstärkung ihrer Förderansätze beitragen. In Bayern sollte das Konzept der Ökomodellregion zu einem Regelförderrahmen für die gesamte Fläche des Freistaats werden und durch spezifische Programme zur Lösung besonderer Fachaufgaben (z.B. für eine verbesserte Praxis der Tierhaltung, Entwicklung des Futtermittelanbaus zum Ersatz von importierten Soja etc.) ergänzt werden. Der Ausbau des Netzwerks der Bio-Städte und -Gemeinden (ggfs. ergänzt durch die Formierung von Ernährungsräten) kann dazu beitragen, auch die Bürgerinnen und Bürger des Landes intensiver in diese Entwicklung einzubeziehen.

Wolfgang Ritter
Es kommt darauf an, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Wen wollen wir mit unseren Einkäufen unterstützen: die Agrarindustrie mit Massentierhaltung, die Konzerne und Handelsketten oder die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die mittelständischen Verarbeitungsbetriebe, den Fachhandel? Wenn wir biologisch erzeugte Lebensmittel und Getränke möglichst aus der Region, oder fair gehandelte Produkte – auch Kleidung – aus fernen Ländern kaufen, tun wir etwas gegen den verhängnisvollen Klimawandel, für die Erhaltung der Artenvielfalt und für gerechte Preise für die Erzeuger im In- und Ausland. Über eine gerechtere, grünere Zukunft entscheidet der Verbraucher!

Jetzt mitmachen: Stoppt Patente auf Pflanzen und Tiere!

Patente auf Pflanzen und Tiere, die ohne Gentechnik gezüchtet wurden, sind eigentlich verboten. Doch rechtliche Schlupflöcher ermöglichen es dem Europäischen Patentamt (EPA) und der Industrie, dieses Verbot systematisch zu umgehen. Dadurch können Agrarkonzerne die Ergebnisse der züchterischen Arbeit, die seit Jahrtausenden von Landwirt:innen auf der ganzen Welt geleistet wird, an sich reißen.

Bisher wurden mehr als 1600 Patentanmeldungen eingereicht und rund 220 Patente erteilt, die Pflanzen aus herkömmlicher Züchtung betreffen. Besonders erschreckend ist die große Tragweite vieler Patente, die sich nicht nur auf die Pflanzen, sondern auch auf deren Saatgut, die Ernteprodukte wie Getreidekörner, Obst oder Gemüse sowie die daraus hergestellten Lebensmittel erstrecken. Und die Patentierungswelle macht auch vor Tieren nicht halt. So wurde beispielsweise 2018 ein Patent auf Lachse und Forellen erteilt.

Um dieser Praxis einen Riegel vorzuschieben, muss der Verwaltungsrat des EPA, der über die Auslegung des Patentgesetzes entscheidet, klarstellen, dass Patentanträge auf Lebewesen aus herkömmlicher Zucht abzulehnen sind. Doch die Beratungen im Verwaltungsrat, dem die 38 Mitgliedstaaten des EPA angehören, sind zäh und ziehen sich oft über viele Jahre hin. In der Zwischenzeit kann die Agrarindustrie mit neuen Patentanmeldungen auf Tiere und Pflanzen Fakten schaffen.

Verhindern könnte das António Campinos. Als Präsident des Europäischen Patentamts hat er es in der Hand, ein Moratorium für Patente auf Leben zu erlassen, bis der Verwaltungsrat Rechtsklarheit über das Patentverbot geschaffen hat. Bitte beteiligen Sie sich deshalb jetzt an unserer gemeinsamen Aktion mit No Patents On Seeds und fordern Sie Herrn Campinos auf, jetzt zu handeln, um den Raubzug der Agrarkonzerne zu stoppen.
Quelle: Newsletter des Umweltinstituts München vom 17.02.2021, Verena Schmitt, Referentin für Ökolandbau und Ernährung
Link zur Stimmabgabe:
https://www.umweltinstitut.org/mitmach-aktionen/stoppt-patente-auf-pflanzen-und-tiere?utm_source=CleverReach&utm_medium=email&utm_campaign=Jetzt+mitmachen%3A+Jetzt+mitmachen%3A+Stoppt+Patente+auf+Tiere+und+Pflanzen%21&utm_content=Mailing_7676355

Forschungsergebnisse zur biodynamischen Land- und Lebensmittelwirtschaft

Auszüge aus aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen (2017 bis heute), welche zeigen, wie die biodynamische Landwirtschaft das Saatgut und den Ertrag verschiedener Kulturen beeinflusst

1. Anhand von Daten aus einer 7 Jahre laufenden brasilianischen Fallstudie wurde die Rentabilität von biodynamischen und konventionellen Sojabohnen verglichen. Die Betriebskosten waren in der biodynamischen Landwirtschaft um 4,4% höher als in der konventionellen Landwirtschaft und die Erträge um 3,6% niedriger. Allerdings waren die Preise im biodynamischen um 57% höher als im konventionellen Anbau. Die höheren biodynamischen Handelspreise markierten einen Preis-Gleichgewichtspunkt (PEP), ab dem die höheren Kosten gedeckt waren und die Rentabilität stieg.

2. In dieser Untersuchung wurden die Wirkungen von drei Kompostarten auf den phytosanitären Zustand und den Ertrag von Weizen und Einkorn verglichen. Es wurden Bio-Kompost (Kuhmist), biodynamischer Standardkompost (ebenfalls mit Kuhmist) und biodynamischer pflanzlicher Kompost (nach Maria Thun) eingesetzt. Sowohl der beste phytosanitäre Zustand als auch die besten Erträge von Weizen und Einkorn wurden mit dem biodynamischen Standardkompost erzielt.

3. In dieser Studie wurden die Effekte von biologischen Präparaten (BD-500, BD-501 und Panchagavya), die mit Vermicompost gemischt wurden, auf den Ertrag von Sharbati-Weizensorten untersucht. Die Ergebnisse zeigten einen höheren Ertrag bei der kombinierten Anwendung aller Präparate – BD-500, BD-501, Panchgavya, Vermicompost – im Vergleich zur alleinigen Anwendung eines Präparats mit Vermicompost. Mit dieser Anwendung erzielte der Anbau der Weizensorte JW-3020 im Gegensatz zu anderen Weizensorten den höchsten Ertrag.

4. In dieser Studie wurden die Auswirkungen des biodynamischen Anbaus auf den Ertrag von Kartoffeln, Kohl, Karotten und Brechbohnen in Indien untersucht. Für den biodynamischen Anbau im Vergleich zum konventionellen ergaben sich höhere Erträge. Die Werte, jeweils unter bewässerten und regenwassergespeisten Bedingungen sind bei Kartoffeln um 10,4 % und 10,9 % höher, von Karotten um 17,2 % und 24 %, von Kohl um 14,3 % und 28,3 % und der Ertrag von Brechbohnen um 24,5 % und 22,5 %.

5. In dieser Untersuchung wurde die Wirkung verschiedener biologischer Nährstoffquellen (Stallmist, Wurmkompost und Geflügelmist mit und ohne die biodynamischen Präparate 500 und 501) auf die Produktivität und Rentabilität von indischem Senf bewertet. Die kombinierte Ausbringung von Geflügelmist mit den biodynamischen Präparaten 500 + BD 501 führte zu einem signifikant höheren Samen- und Reinertrag gegenüber der Kontrollprobe. Die Variante Geflügelmist + 500 + 501 ergab den höchsten Nettoertrag.
Quelle: Forschungsring e. V., www.forschungsring.de, info@forschungsring.de, Newsletter 3/2020 vom 04.09.2020

Eco-Schemes – die neue grüne Agrarpolitik – Hoffnung oder doch nur wieder Greenwashing?

Beitrag von Julia Mlawez, Bio-Verbraucher e.V.

Die Landwirtschaft steckt in einer Krise. Während immer mehr Bauern ihre Existenzen aufgeben müssen, Diversität verloren geht, wirkt die Politik nicht effektiv genug dagegen. Dabei betrifft es jeden von uns, denn es geht darum, was täglich auf unseren Tellern landet.

Die GAP (gemeinsame europäische Agrarpolitik) ist auf zwei Säulen aufgestellt, die wie folgt definiert werden:

Säule 1: Direktzahlungen an Höfe je Hektar Bewirtschaftung – ergo; umso größer ein Hof, desto mehr Geldleistungen erhält man. Aus dieser Säule werden ¾ des Geldes geschöpft
Säule 2: Hier gehen die Gelder an Maßnahmen, die an die Förderung des ländlichen Raums geknüpft sind. Diese Säule wendet sich eher an die kleinen Bauern und betrifft Artenschutz, Infrastruktur und vieles mehr.

Alle sieben Jahre wird das Geld für die Landwirtschaft aus der EU neu verhandelt. Julia Klöckner (CDU) sprach von einem Systemwechsel und einem Meilenstein für Europa. Zu klären gilt nur noch, was sie unter einem Systemwechsel versteht. Das System wird bisher von der industriellen Landwirtschaft dominiert. Der Trend in den letzten Jahrzehnten führte dazu, dass die Höfe immer größer und automatisierter wurden, große Monokulturen die Regel waren, welche mit starkem Pestizideinsatz aufrechterhalten wurden. Die Titelseiten überschlugen sich mit negativen Schlagzeilen von Missständen und Artensterben. Die gravierenden Zustände haben die mediale Aufmerksamkeit erreicht; nun ist es Zeit, seitens der Politik verantwortungsvoller zu handeln.

Kritisch zu betrachten ist die Verteilung der Gelder aus der ersten Säule, denn ein Hof ist umso umweltschädlicher, je größer er ist. Nun der angekündigte Systemwandel, die Eco-Schemes. 20 Prozent aus der ersten Säule werden nun an Umweltauflagen geknüpft, welche die einzelnen Mitgliedsstaaten selbstständig festlegen können. Hier kritisiert der Bauernverband, wann wird es eine einheitliche Regelung für die EU geben, im Ausland wird es, wie gewohnt, niedrigere Standards geben, so können die Bauern dort zu geringeren Kosten produzieren als in Deutschland. Es ergibt sich erneut ein Unterbietungswettbewerb und ein Wettbewerbsdruck für die deutschen Bauern, die am ökologischsten produzieren und dennoch am meisten darunter leiden.

Die Landwirtschaftsverbindungen protestieren schon seit Längerem; erinnert euch an die Demo in Berlin, wo Traktoren um die Siegessäule kreisten. Nicht überraschend ist, dass es den Bauern schon lange nicht gut geht, und wenn es darum geht, mehr Tierwohl und weniger Pestizide zu verwenden, heißt es dann, dass sich die Betriebe dies einfach nicht leisten können. In den neuen Eco-Schemes gibt es wieder keine Vereinbarung, die dieses Problem effektiv löst. Die Bauern, die ökologischer und bewusster wirtschaften verlieren Produktionsfläche, da sie Hecken und Blumenwiesen für den Schutz und Futterflächen für Wildtiere anbauen und dadurch einen Einkommensausgleich bekommen. Das ist zwar ein netter Ausgleich, aber keine effektive Lösung für das globale Problem. Viele Bauern bewirken bereits mit dem Anbau von Zwischenfrüchten, Maßnahmen für Klima und Umwelt. Dies sind aber keine neuen langfristigen Strategien, um etwas zu verändern. Präzisionslandschaft (Precision Farming) gilt als die passende Öko-Regelung. Damit ist die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen durch elektronische Technik gemeint. Dies führt dazu, dass man weniger Dünger und Pestizide anwendet. Ein Beispiel wäre, wenn man mit einem Traktor automatisiert über ein Feld fährt – viel Einfluss hat dieser Einsatz per se nicht auf die Umwelt. Bisher hat Deutschland Precision Farming nicht in seine Öko-Regelungen aufgenommen.

Ein weiterer Grund, warum die Agrarwende keine wirkliche Wende ist: die Mitglieder des Agrarausschusses sind Menschen aus dem industriellen Agrarbusiness. Zum Beispiel ist der Vorstandsvorsitzende einer aus der Großmolkerei in Bayern – Leute aus dem System machen Politik für das System.

Wir benötigen einheitliche Regelungen von der Politik für ganz Europa, damit der Wettbewerbsdruck in der Landwirtschaft die Luft ausgeht. Heute haben sich die Klimaziele geändert und dennoch debattieren die Politiker um Punkte, die vor drei Jahren festgelegt wurden. Wir benötigen wirksame Strategien, die dem Erhalt der Böden dienen, die Erosion vermeiden, die Übersäuerung des Wassers reduzieren und das Tierwohl verbessern.
Quellen: Beushausen, Katrin; Methmann, Chriss (Theory of Change – Der Podcast für progressive Politik (Im Versteck der Agrarlobby) (Veröffentlicht am 13.11.2020) [Zugriff am 01.12.2020], Blazekoviv, Jessica (Das neue Zauberwort der Agrarpolitik) https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/klima-energie-und-umwelt/eco-schemes-das-neue-zauberwort-der-agrarpolitik-17036467.html [Zugriff am 03.12.2020] (Veröffentlicht am 16.11.2020), https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinsame_Agrarpolitik [Zugriff am 03.12.2020]
Siehe auch die Stellungnahme von Bioland zu diesem Thema in Rubrik 7/ Verbrauchermeinung

Die positiven Wirkungen der Corona-Krise

Liebe Leserinnen und Leser,

Bayern ist ein Bundesland mit Vorreiterfunktion: Nach dem neuen bayerischen Naturschutzgesetz soll ein Drittel der Felder und Wiesen in Bayern bis 2030 ökologisch bewirtschaftet werden. Wir meinen: Dieses Ziel muss von der Politik nachhaltig unterstützt werden, denn bisher arbeiten erst etwa 10 Prozent der Bauern hier ökologisch. Es bedarf also weiterer und besserer Förderungen, damit noch viele konventionell arbeitende Betriebe zu Bio konvertieren, denn in den ersten Jahren nach der Umstellung hat man weniger Ertrag und darf seine Produkte noch nicht mit dem Bio-Label verkaufen.
Quelle: Nürnberger Nachrichten, 12.02.2021

Mit dem geplanten Lieferkettengesetz übernimmt Deutschland eine Vorreiterrolle. Wenn das Gesetz ab 2023 in Kraft tritt, stehen deutsche Unternehmen bei Verstößen gegen Mensch und Umwelt stärker in der Verantwortung – weltweit, entlang der gesamten Lieferkette. Man kann ein deutsches Unternehmen also dann verklagen, wenn einer seiner Zulieferer gegen die Menschenrechte verstößt oder Umweltsünden begeht. Zunächst soll dieses Gesetz nur für die etwa 600 Großbetriebe gelten, die mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigen; ab 2024 gilt es dann auch für Unternehmen ab 1000 Mitarbeiter. Das stelle viele Betriebe vor große Herausforderungen, meinte BDI-Präsident Siegfried Russwurm. Wir sagen: Gut so, dann wird das Gesetz auch Wirkung zeigen.
Quelle: Nürnberger Nachrichten, 13.02.2021

Während der Corona-Krise waren viele Haushalte, die sonst auf Gemeinschaftsverpflegung angewiesen waren oder öfter essen gingen, genötigt, selber zu kochen. Das führte zu einer vermehrten Nachfrage nach Bio-Produkten. Erstaunlich? Eigentlich nicht! Wenn man selber einkauft und selber kocht, wählt man gern das Beste: Bio! So konnte die Bio-Branche im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von fast 15 Milliarden Euro verzeichnen, ein Zuwachs von 20 Prozent. 35.000 Höfe arbeiteten in Deutschland biologisch auf einer Fläche von 1,7 Millionen Hektar. Der Bio-Verbraucher e.V. arbeitet daran, das bewusste Einkaufen zu fördern.
Quelle: Nürnberger Nachrichten, 18.02.2021

Anstatt konkret zu benennen, woher angebotene Früchte und Gemüse stammen, hatte Amazon bis zu 13 (!) mögliche Herkunftsländer angegeben. Foodwatch hat nun vor dem Münchner Oberlandesgericht erwirkt, dass auch Amazon Fresh das Herkunftsland im Online-Handel konkret anzugeben hat – wie jeder andere Einzelhändler auch. Ein gerechtes Urteil!
Quelle: aktuell@foodwatch.de vom 19.02.2021

Weil in Deutschlands größtem Schlachtbetrieb im vergangenen Jahr Corona ausbrach, ist auch die Massentierhaltung in den Blick der Öffentlichkeit gerückt worden, mit der Folge, dass Überlegungen angestellt wurden, wie das Tierwohl auf breiter Front verbessert werden kann. Jetzt gibt es einen Vorschlag der Borchert-Kommission, der gangbar erscheint. Danach zahlt für das Tierwohl, wer Fleisch essen will. Die Kommission empfiehlt eine Fleischabgabe, die beim Kauf von Fleisch und Wurstwaren fällig ist. Die Teuerung durch die Fleischabgabe würde 40 Cents/kg Fleisch oder Wurst ausmachen, damit die Mehrkosten für artgemäße Tierhaltung bezahlt werden können. Wer Tiere so hält, wie es ihren Bedürfnissen entspricht – mit viel Platz, frischer Luft, auf Stroh statt Betonspalten, und wer ausreichend Zeit für die Betreuung aufbringt, die Umwelt schont und bäuerlich wirtschaftet, hat deutlich höhere Kosten als jemand, der nach gesetzlichem Mindeststandard billigst auf Kosten von Tieren, Umwelt und Klima produziert. Mit der Fleischabgabe könnten Bäuerinnen und Bauern ihre Ställe artgerecht einrichten; die tierquälerische Massentierhaltung könnte so in einer überschaubaren Zeit zu einem Ende kommen.
Quelle: presse@boelw.de vom 29.01.2021 und Nürnberger Nachrichten vom 03.03.2021

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Wolfgang Ritter

Mi, 17. – Sa, 20. Feb.: BioFach 2021 – diesmal online

Der Bio-Verbraucher e.V. ist dabei u.a. mit einer Live-Diskussionsrunde zum Thema „The Great Reset“ (Titel des neuesten Buches von Wolfgang Schwab, Begründer des Weltwirtschaftsforums, Titel der deutschen Ausgabe „Covid 19: Der große Umbruch“). Wie könnte ein gesellschaftlicher Neustart aussehen? Was ist uns wichtig? Näheres zum Online-Messebesuch, zum „Info-Stand“ und zur Live-Diskussion im Februar auf www.netz.bio/ Unser Blog